[Review] Blade 2 (2002)

Lesezeit circa: 9 Minuten

Blade II ist die Erfüllung eines ungeschriebenen Gesetzes von Hollywood.

Alter Freund, neue Feinde

Blade (Wesley Snipes) ist in Prag unterwegs, um dort Abraham Whistler (Kris Kristofferson), seinen einstigen Mentor, zu retten. Denn dieser ist am Leben und, trotz der Tatsache, dass er gebissen wurde, noch kein vollständiger Vampir. Der Vampirjäger kann seinen väterlichen Freund jedoch mit einem speziellen Serum heilen, sodass dieser gemeinsam mit Scud (Norman Reedus), dem neuen Waffen und Fahrzeugtechniker, zusammenarbeiten kann.

Bald darauf erhalten sie einen ungewöhnlichen Besuch. Nyssa (Leonor Varela), Tochter des Vampirherrschers Eli Damaskinos (Thomas Kretschmann), und ihr Begleiter Asad (Danny John-Jules) überbringen eine Nachricht, in der der uralte Vampir um Zusammenarbeit bittet. Denn eine neue Blutsaugerspezies treibt ihr Unwesen. Sie werden Reaper genannt, haben einen wesentlich höheren Blutdurst als im Vergleich zu einem gewöhnlichen Vampir und sind mit konventionellen Methoden nicht zu töten. Gemeinsam mit einer Vampirspezialeinheit, dem Bloodpack, soll Blade diese Kreaturen zur Strecke bringen. Angeführt wird diese von Dieter Reinhardt (Ron Perlman), der gegenüber dem Daywalker einen besonderen Groll hegt.

Die Spur führt in den Vampirnachtclub House of Pain. Dort begegnet die Gruppe den ersten Reapern, die sich allerdings als schwer zu töten erweisen. Nur Sonnenlicht kann sie umbringen. Der Anführer der neuen Spezies, Nomak (Luke Goss), versucht Blade für seine Seite einzunehmen, weil sie beide die Vampire hassen, hat jedoch keinen Erfolg. Am Ende muss er fliehen, da die Sonne aufgeht. Derweil hat das Bloodpack erste Verluste hinnehmen müssen, da einer von ihnen getötet wird und ein anderer heimlich gebissen wurde.

Blade 2

Die große Überraschung, nicht.

Dank Whistler wissen sie allerdings, wo sich das Nest der Reaper befindet und begeben sich am nächsten Tag hinein, um sie auszuschalten. Doch auch das läuft schief. Lighthammer (Daz Crawford ), der zuvor Gebissene, wird zu einer der Kreaturen und massakriert einige seiner Kameraden. Der Rest wird von den anderen Reapern getötet. Nur Nyssa, Reinhardt, Whistler, Scud und Blade überleben. Doch Letzterer wird anschließend von den plötzlich auftauchenden Soldaten Damaskinos ausgeknockt.

Es zeigt sich, dass die Reaper eine künstlich erschaffene Spezies sind. Der Vampirherrscher hat sie herangezüchtet, in dem Bemühen, ein Erbe zu hinterlassen, das die Schwächen seiner Art nicht mehr besitzt. Nomak, sein eigener Sohn, war der erste dieser neuen Art. Doch jetzt, wo die Reaper durch die Hand Blades tot sind, muss er einen anderen Ansatz wählen, weshalb er beschließt, den Daywalker zu analysieren. Wobei dieser trotz allem immer noch seine Gerissenheit beweist, als er den Verräter Scud, der sich als einer der Handlanger Damaskinos entpuppt, tötet.

Doch dann zeigt sich, dass Nomak überlebt hat. Er greift die Unterkunft seines Vaters an und sorgt für jede Menge Chaos. Dies nutzt Whistler, um Blade zu befreien und ihn in ein Blutbad zu werfen, was ihn sofort heilt. So kann er nicht nur Reinhardt töten, sondern auch gegen Nomak antreten, der kurz zuvor seinen Vater vernichtet hat. Nach einem harten Kampf kann der Daywalker den Reaper töten.

Bei Erfolg, Fortsetzung folgt

Einen letzten Verlust gibt es trotzdem zu beklagen. Nyssa, die sich in einem Anfall von Hoffnungslosigkeit von ihrem Bruder hat beißen lassen, möchte nicht zu einem Reaper werden und will daher sterben. Und so bringt der Daywalker sie nach draußen, wo sie das Sonnenlicht sieht und dadurch zu Asche wird.

Am Ende nimmt Blade wieder seine Jagd nach Vampiren auf.

Eines von vielen ungeschriebenen Gesetzen Hollywoods lautet, dass wenn ein Film ein Erfolg ist, er in den meisten Fällen eine Fortsetzung nach sich ziehen wird. Und so geschah es auch 2002, als vier Jahre nach dem ersten Teil, Blade II in die Kinos kam. Ebenso kehrten ein Großteil der Verantwortlichen und zwei der Hauptdarsteller zurück.

Alte Bekannte, neue Gesichter

Das Drehbuch stammte erneut von David S. Goyer, derweil Peter Frankfurt, Wesley Snipes und Patrick Palmer wieder den Film produzierten. Regie führte dieses Mal jedoch Guillermo del Toro, nachdem Stephen Norrington es abgelehnt hatte, sich auch bei Blade II auf den Regiestuhl zu setzen. Sein Nachfolger gelobte, sich an der Inszenierungsart seines Vorgängers beim Drehen zu orientieren.

Bei den Schauspielern war sicherlich die größte Überraschung, dass Kris Kristofferson nach seinem scheinbaren Filmtod in Blade wieder Teil des Casts wurde. Die Rückkehr von Wesley Snipes war hingegen unabdingbar, da ohne ihn in der Hauptrolle der Film natürlich nicht hätte stattfinden können.

Ansonsten wurde der Cast im Vergleich zum ersten Teil ordentlich aufgestockt. Neben den beiden Rückkehrern wurden einige prominente Namen für den Film angeheuert. Ron Perlman übernahm die Rolle des Anführers des Bloodpacks, derweil der deutsche Schauspieler Thomas Kretschmann unter einer heftigen Maskerade Eli Damaskinos darstellte. Norman Reedus wurde zu Scud und Nyssa Damaskinos wurde von der chilenischstämmigen Schauspielerin Leonor Varela geschauspielert. Luke Goss wurde zu Jared Nomak, dem ersten Reaper, derweil Donnie Yen zu „Snowman“ wurde, dem stummen Schwertkämpfer des Bloodpacks.

Gelungenen gruselige Gegner

Man merkt Blade II an, dass Guillermo del Toro sich bei den Dreharbeiten sehr nah an dem ersten Teil orientierte. Stellenweise wirkt sogar der Plot wie eins zu eins aus dem Vorgängerfilm übernommen, was vor allem gegen Ende auffällt. Dennoch ist der Film sehr unterhaltsam geworden, auch wenn er in manchen Aspekten zu wünschen übrig lässt.

Das Positive ist, dass die Gefahr durch die Reaper in Blade II glaubwürdig rübergebracht wird. Die Special Effects und das Make-up dieser neuen Blutsauger sind einfach nur grandios geworden. Vor allem, wenn sie ihren Unterkiefer aufklappen, um ihr Opfer entweder zu beißen oder auszusaugen. Das kann auch heute noch überzeugen.

Was ebenso für die Actionszenen gilt. Vor allem das erste Duell zwischen Blade und Jared Nomak ist grandios inszeniert. Man hat das Gefühl, dass der Reaper dem Daywalker ebenbürtig ist, wenn nicht sogar teilweise überlegen. Schon allein die Tatsache, dass die gängigen Hilfsmittel, mit denen Blade die Vampire tötet, bei ihm nichts bringen, sowie der besondere Körperaufbau der Reaper machen dies deutlich.

Charakterliche Schwächen

Ansonsten hat Blade II wahrnehmbare Schwächen! Vor allem was die Charaktere angeht, schafft es der Film nicht, diese interessant wirken zu lassen oder sie glaubwürdig zu entwickeln. Und ja, das betrifft auch die Hauptfiguren!

Im ersten Teil hatte Blade noch eine Motivation. Er wollte Deacon Frost zur Strecke bringen, der seine Mutter auf dem Gewissen hatte. Das fehlt im zweiten Teil. So wirkt es einfach nur so, als ob er seiner Berufung nachgeht, Vampire zu jagen. Und so recht überzeugend wirkt es auch nicht, dass er mit den Blutsaugern gemeinsame Sache macht, um die Reaper zu erledigen.

Das liegt unter anderem daran, dass man sie überwiegend nur dabei beobachtet, wie sie Vampire als Beute nutzen. Dass auch Menschen zu ihrer Beute gehören, merkt man nur im ersten Drittel von Blade II. Im restlichen Film wird dies allerhöchstens nur angedeutet, aber ansonsten scheint ihre Hauptnahrungsquelle Vampir zu sein. So kann kein Gefühl der Bedrohung für die Menschheit aufkommen und Blades Bemühungen, diese zu bekämpfen, wirken nicht nachvollziehbar.

Bloßes Kanonenfutter

Auch wird zu wenig aus der Tatsache gemacht, dass Whistler wieder am Leben ist. Wobei diese Entscheidung allgemein merkwürdig wirkt, da sein Tod im ersten Teil eine dramatische Szene war. Und jetzt wird der beiseite gewischt, die Figur auf wundersame Art und Weise geheilt, nur um ihn dann die meiste Zeit passiv-aggressiv in der Gegend herum stehen zu sehen. Ab und an kann er auch etwas sinnvolles beisteuern, aber das hätte ebenso jede andere x-beliebige Figur machen können. Das Problem ist, dass die besondere Beziehung zwischen ihm und Blade dieses Mal nur kurz gestreift wird und ansonsten nicht thematisiert wird.

Allgemein leidet die Charakterentwicklung in Blade II. Scud, der von Norman Reedus wirklich großartig dargestellt wird, wird von jetzt auf gleich als Verräter enttarnt, ohne diese Enthüllung aufzubauen. Auch die Beziehung zwischen Blade und Nyssa wirkt an den Haaren herbeigezogen, weil sie zwar kurz angedeutet wird, aber ansonsten, ebenso wie der Bund zwischen Blade und Whistler, nicht thematisiert oder weiterentwickelt wird.

Das Bloodpack wirkt, bis auf Dieter Reinhardt, blass und wie Kanonenfutter. Dass die jeweiligen Charaktere sterben, juckt einen einfach nicht, weil man bis auf ein paar Namen und Andeutungen von charakterlicher Tiefe nichts über sie erfährt. Genauso wie auch Eli Damaskinos als Figur nicht überzeugen kann. Wobei man als Zuschauer hier den Eindruck hat, dass Thomas Kretschmann Schwierigkeiten hat, unter der heftigen Maskerade vernünftig zu arbeiten.

Blade 2

Gehirn ausschalten, dann passt es

Man hat hier viel zu oft das Gefühl, dass die Charakterisierung der Figuren zugunsten der coolen Actionszenen oder spektakulären Momenten vernachlässigt wurde. Die Charaktere sind im Prinzip nur da, erhalten allerdings selten die nötige Tiefe, um dem Zuschauer dauerhaft im Kopf zu bleiben. Was angesichts der Darstellerriege doch sehr schade ist.

Dennoch kann man sich den Film ruhig geben. Denn trotz aller Kritik hat sich Guillermo del Toro perfekt darauf verstanden, einen netten Grusel hervorzurufen. Szenen wie die Skelette in der Kanalisation zeigen, dass er eigentlich sein Handwerk versteht. Und in Hellboy, den er ja 2004 gemeinsam mit Ron Perlman drehte, konnte er das eindeutig beweisen.

Am Ende ist Blade II zwar eine große Enttäuschung, aber trotz aller berechtigter Kritik kann man sich den Film durchaus geben. Es ist ein perfekter Streifen zum Gehirn-Abschalten und-unterhalten-Werden.


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Götz Piesbergen

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