Sportlight: Clark Darlton

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Er machte den berühmten Mausbiber „Gucky“ groß, wendete einen Trick an, um überhaupt ein Buch veröffentlichen zu können, und obendrein trägt ein Asteroid seinen Namen: Die Rede ist von Walter Ernsting.

Clark Darlton
© Pabel‑Moewig Verlag KG, Rastatt

Ernsting? Darlton?

Hinter dem amerikanisch anmutenden Pseudonym Clark Darlton versteckt sich ein deutscher Autor.
Walter Ernsting wurde am 13. Juni 1920 in Koblenz geboren. Aufgewachsen ist er jedoch in Essen, Lüdenscheid und Bonn. Seine Mutter ließ sich von seinem Vater scheiden und heiratete erneut. Dadurch zog sie mit ihrem Sohn Walter mehrmals um.

Dieser besuchte ein Gymnasium, welches er nach der 11. Klasse verließ. Bis zum Eintritt in die Deutsche Wehrmacht im Jahr 1940 betätigte er sich als Dackelzüchter. Als junger Soldat verlor er sich in die Wirrungen des Zweiten Weltkrieges. Der Weg führte ihn nach Norden, wo er schließlich in Kurland, einer Region in Lettland, in Kriegsgefangenschaft geriet. Von dort aus wurde er später nach Kasachstan verbracht, wo er ab 1947 für fünf Jahr in einem Strafgefangenenlager interniert wurde.

1952 wurde er entlassen und begann für die britischen Besatzungsbehörden als Übersetzer zu arbeiten. In der Zeit lernte er die sogenannten „Pulp-Magazine“, oft auch einfach nur „Pulps“ genannt, kennen. Pulp-Magazine sind Hefte verschiedener Genres, welche sowohl abgeschlossene Geschichten als auch Fortsetzungsromane enthielten. In den USA waren sie vor allen zwischen 1930 und 1950 sehr beliebt. In Deutschland schimpften solche Magazine sich „Schundliteratur”, obwohl unzählige bekannte und angesehene Autoren für diese Hefte geschrieben haben. Ernsting las vor allem Science-Fiction-Pulps.

Ich brauche ein Pseudonym!

1955 wollte Walter Ernsting seinen ersten Roman veröffentlichen. Allerdings lehnte der Pabel-Verlag, für den er ab 1954 als Übersetzer tätig war, deutsche Autoren ab. Um überhaupt eine Chance zu haben, reichte er das Manuskript für Ufo am Nachthimmel als angeblich ins Deutsche übersetzte Werk des nicht existierenden Clark Darlton ein. Es klappte. Der Roman erschien 1955 unter ebendiesem Namen.

Ernsting behielt den Namen Clark Darlton als Pseudonym und veröffentlichte 1957 den Roman Raum ohne Zeit. Ein Jahr später erschien die Trilogie Der Galaktische Krieg. Auch der Starlight-Zyklus und der Hurricane-Zyklus stammen aus Ernstings/Darltons Feder.

Perry Rhodan

1961 startete eine der berühmtesten und langlebigsten Heftreihen, die die Literaturwelt je gesehen hat: Perry Rhodan. In Zusammenarbeit mit Karl-Herbert Scheer kreierte Ernsting den Beginn der Geschichten um den Weltraumhelden. Dabei oblag Scheer die Verantwortung über Exposés, Handlungen  und Hintergründe. Ernsting erfand Figuren und Namen und verfasste viele Storys. Für die Perry Rhodan-Reihe schrieb er insgesamt 192 Hefte sowie 26 Taschenbücher. Auch für die Serie Atlan verfasste er mehrere Beiträge.

Auch nach seinem letzten Beitrag, Heft 1622 Der Verlorene (1992) blieb er dem Autorenteam treu, wenngleich er nichts mehr veröffentlichte.

Sein zweites Pseudonym Robert Artner teilte er sich mit dem 1989 verstorbenen Schriftsteller Ulf Miehe. Gemeinsam veröffentlichten sie Der strahlende Tod (1967) und Leben aus der Asche (1968). Darüber hinaus erschien ebenfalls 1968 die Kurzgeschichtensammlung Am Ende der Furcht.

Im Hauptgürtel

Schon 1990 wurde der Asteroid von Freimut Börning und Lutz D. Schmadel entdeckt. Seit 2003 trägt er Walter Ernstings Namen. Die vollständige Bezeichnung lautet  „15265 Ernsting“.

Ernsting war auch auf zwei Perry Rhodan Titelbildern abgebildet. 1980 erschien sein Portrait auf Heft 1007 Die Kosmische Hanse. Ernsting hält darauf Gucky, den Mausbiber im Arm. Diese beliebte Figur hatte er gemeinsam mit. Karl-Herbert Scheer erdacht. Auf Band 2299 Ahandaba, welcher nach seinem Tod erschienen war, findet sich ebenfalls Ernstings Portrait.

Walter Ernsting/Clark Darlton starb am 15. Januar 2005 in Salzburg / Österreich.

Zu seinen Ehren gibt es auf dem YouTube-Kanal der Perry-Rhodan-Redaktion ein Video zu ihm. (Heute ab 16 Uhr)

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Kirsten Pevestorf
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