[Perry Rhodan 3068] Die Seele des Schulterreiters

Lesezeit circa: 8 Minuten

Die Saphir-Heptagone von Cavtha – Monkey jagt einen Attentäter.

Die Seele des Schulterreiters
© Pabel-Moewig Verlag KG

Titel: Die Seele des Schulterreiters
Autor: Uwe Anton
Titelbild: Swen Papenbrock
Erschienen: 05.06.2020

Zur Handlung

Von Bord der NIKE QUINTO kann man die entflogenen Tomopaten wieder einfangen und will sie auf dem USO-Stützpunkt Cavtha verwahren und sich in abgeschiedener Sicherheit um die Seele des Schulterreiters kümmern. Dieser spukt vor Ort auch umher, sodass die Tomopaten entkommen können und erneut eingefangen werden müssen. So geht es mehrfach hin und her, bis man Saessbekker auf Anraten Zemina Paaths eine Falle stellt.

Cavtha stellt sich nämlich als vom Schulterreiter gezielt ausgesucht heraus. Er will dort an einen Dakkarkom gelangen und ihn wohl mittels lokaler, mysteriös bleibender Saphir-Heptagone anstelle nicht verfügbaren Sextagoniums nutzen, um nach Hause zu telefonieren. In einen solchen gelockt und diesen zerstört, kann man letztlich Saessbekkers Seele töten und die Gefahr bannen. Die Tomopaten übergibt man wieder der cairanischen Konsulin auf Zarut, die der USO nur weitere Kompetenzen zugesteht, wenn Monkey gegen Atlan agiert und zwar mit dessen längst verstorbener Tochter Jasmyna da Ariga…

Die Drei Ultimaten Beobachtungen

1. Eiskalt emotionaler Monkey

»Aus irgendeinem Grund irrten seine Gedanken zu Zemina Paath. Was, wenn ihr etwas geschähe?« (Kap. 2)

»Die Thesan hatte gebeten, ihn begleiten zu dürfen, und er war dieser Bitte nur allzu gern nachgekommen. Mittlerweile hatte er sich beinahe an ihre Gegenwart gewöhnt. Sie forderte seinen Intellekt und schuf stets emotionale Distanz. Das war eine überaus angenehme Eigenschaft, die er auch bei Kommandantin Illyria schätzte. Aber bei der Thesan erreichte die kühle Verbundenheit ein ganz neues Niveau.« (Kap. 4)

»Monkey sah Zemina Paath an, und sie nickte. Dieser Aufforderung hätte es nicht bedurft, aber aus irgendeinem Grund fühlte er sich wohl dabei, sie erhalten zu haben.« (Kap. 4)

»Monkey sah Zemina Paath an, und sie nickte. Dieser Aufforderung hätte es nicht bedurft, aber aus irgendeinem Grund fühlte er sich wohl dabei, sie erhalten zu haben.« (Kap. 6)

»Zumindest lebt sie noch, dachte Monkey erleichtert. Eine Antwort auf ihre Frage hatte er aber nicht.« (Kap. 7)

Die insgeheim zartfühlenden Gedanken Monkeys für seine Zemina, die hier zwar nicht als Hauptperson gelistet ist, aber wie eine an seiner Seite auftritt und an der sich der große Junge – zunehmend – orientiert. Sie hat obendrein den Plan ersonnen, wie und womit man Saessbekker „einfangen“ kann, dem der relativ unsterbliche Lordadmiral der USO zustimmt. Er lässt sich – nur – von ihr (und nicht etwa einem dosierungssensibleren Roboter) mit ggf. tödlichen Drogen vollpumpen und selbst während seines irren Trips ist er nicht ohne Zemina.

Demgegenüber vielfach (und nicht auch noch zitiert) die Betonung seiner kühlen Reaktionen und Befehle. Sogleich aber auch seine sozial nicht immer kompetenten Verhaltensweisen. Einfach nur großartig in Kapitel 2 auf Cavtha beim lokalen Lordkommandanten Baranow, der ihn und Zemina zur Tee-Zeremonie bittet, die Monkey wenig stilecht mit dem mechanischen Herunterkippen von neun Tassen hintereinander weg zum Befremden seines Gastgebers in den Sand setzt. Und seine Assoziation beim Ansichtigwerden des Kantor-Sextanten, der so gar nicht mehr einer Giraffe ähnelt – legendär: »Er sah aus wie das Bügelbrett eines exzentrischen Designers für Luxusgeräte.«

Ja, all diese charakterisierenden Details gefallen mir außerordentlich. Auch, weil ich sehr gespannt bin, auf welchen Weg der Identitätsveränderung sich Monkey da begeben haben mag und wie lange ihn dabei Zemina begleiten kann (und seitens der Expotarchen soll).

2. Seitenschinderei oder vierte Wand?

„Mir hat die seltsame Konstallation der Saphir-Heptagone gut gefallen, über die ich gern mehr erfahren hätte. Vielleicht geschieht dies zu einem anderen Zeitpunkt; schauen wir mal …“ So unklar es mit diesen präpsibegabten Saphiren auch vorerst bleibt, so präzise Ausführungen zu manch technischen Gerät erhalten wir hier. Kann mich da dem düster-kritischen Vorwurf möglicher Seitenschinderei nicht anschließen. Fand im Gegenteil, dass das zum Teil fast datenblattreichhaltige Vortragen für perrypediadisiert allwissende Rhodanauten nicht nur nicht störend, sondern sehr gelungen eingepflegt! So kann der Lordkommandant Maxim Maximowitsch Baranow nicht nur Tee-Zeremonie, sondern entdeckt seinen inneren Rainer Castor und referiert als begeisterter QuinTech von seinen Technikschätzchen auf Cavtha. So blüht Baranow richtiggehend auf, als er sich nur – zwar großteils als Vortäuschung für Saessbekker – den Saphir-Heptagonen nochmal proaktiv zuwenden kann und selbst einen Dakkarkom aus den verstaubten Archiven hervorholen darf. Und er ist es, der sich gekonnt dem Serendipitätsprinzip mit Drangforsche (statt halutischer Drangwäsche) verschreibt.

Und dann gibt es ja noch Zemina, die mit ihrem koketten Charme nicht nur den USO-Chef bezirzt. So taff und kompetent sie de facto ist, so unschuldig unwissend kann sie sich geben und lässt sich daher stets bereitwillig – diesmal eben von Baranow – die alt(bekannt)en Dinge der Milchstraße erklären. Ja, sie fungiert sogar als selbstkritisch-ironische Figur für AutorInnen und LeserInnen, die sich nämlich stets aufs Neue über die eigenwillige Bezeichnungswut der Galaktiker verwundert. Jaja, die Perry-Serie pflegt ihren ganz eigenen (Pseudo)Science-Jargon, der für eine Extragalaktikerin (Nicht-Rhodan-Leserin) merkwürdig erscheinen dürfte. Kann ich nicht mehr beurteilen, bin ich zu alt für…

Letztlich richten sich all die Kurzreferate freilich an uns Leserschaft, man durchbricht mit redeseligen Baranow und interessiert nachfragender Zemina also freimütig die vierte Wand und spricht und informativ an. Denn manche kennen die Perrypedia nun mal nicht auswendig, wollen auch nicht erst im (oft genug wegen Autorenschreibwut ausfallenden) Glossar hinten im Heft oder gleich in den zykluslangen Originalbeiträgen der Serie nachblättern. So schlägt man – und in Die Seele des Schulterreiters m.E. sehr gekonnt – zwei Haluter mit einem Bordgeschütz. Aber es hat ohnehin niemand die Absicht zu behaupten, Uwe Anton hätte beim Umsetzen des Exposés nicht mitgedacht…

3. Clark Darlton zum 100. Geburtstag!

Wer es nicht sowieso routiniert mitliest, sei diesmal umso dringender auf den hiesigen Report verwiesen. In diesem gibt es schöne Perspektiven auf Clark Darlton alias Walter Ernsting als Mitbegründer unserer Serie, der so viele Figuren charakterisierte und grundlegende Nuancen einbrachte, die bis heute nachwirken. Der wäre am 13. Juni stolze 100 Jahre geworden, die er nicht mehr begehen kann, an dem Datum wir ihm aber gedenken können.

Wer über den Report hinaus mehr zur vielschichtigen Person und ihrer wechselhaften Biographie lesen mag, den kann ich nur folgende Lektüren empfehlen: Heiko Langhans‘ Autorenbiographie zu Clark Darlton: Der Mann, der die Zukunft brachte Die gibt es seit Erscheinen im Jahre 2000 jedoch nicht neu aufgelegt; eine digitale Form ist wohl angedacht, zur Umsetzung fand man bisher die Zeit leider nicht.

Bis dahin empfehle ich Ein Freund der Menschheit, erschienen beim Terranischen Club EdeN, in die Hände zu bekommen. Eine nach Ernstings Tod 2005 erschienene Würdigung. Und da der umtriebige Walter auch noch den SFCD – Science Fiction Club Deutschland begründet hat, ist die Sicht des damals halbstarken Bubs Rainer Eisfeld auf Walter Ernsting, die jungen Club und die wilde Zeit von Raketenheftchen für wenige Groschen sehr eindrücklich: Die Zukunft in der Tasche (Rezension). Auf diese für die deut(sprachig)e SF so wichtige wilde Zeit geht auch die erste Perry Rhodan Chronik ausgiebig ein. Üppig Lesestoff also – also lest mal! Aber zuvor noch das

Fazit zu Die Seele des Schulterreiters

Erneut ein zwiespältiges Resümee: Die vielen viel zitierten Details rund um Monkey, Zemina und auch Baranow gefallen sehr. Es ist auch immer was los und mit den Saphir Heptagonen auch etwas Mysteriöses angelegt. All das ist gut. Weniger gut fand ich hingegen die hier eher gewollt als wirklich gekonnt agierenden Tomopaten (die sonst aber auch disruptive Hauptpersonen hätten sein müssen).

Weil wir diesmal ganz ohne Saessbekkers Perspektive oder der einer von ihm besessenen Person auskommen müssen, wirkt sein zunehmend hastigeres und hektisches Herumgehopse zwischen seinen mentalen Wirtskörpern völlig unkoordiniert, lange arg ziel- und letztlich hilflos. Und das, obwohl er sehr wohl gezielt infiltrierte und mit Cavtha als Zielort sogar die Marschrichtung vorgab. Nun ist das Teufelchen tot, seine „Seele“ vergangen, die Geschichte um ihn auserzählt. Dabei wissen wir nur als mehrwissende Leser mehr zu ihm als Phersunen und ahnen (also ich tue es), dass er die Seele des Advokaten gewesen sein mag. Monkey und Co. kennen dagegen keine weiteren Zusammenhänge. So interessant er zuvor auftrat, so sang- und klanglos entschwand nun Die Seele des Schulterreiters.

Dass die Saphir-Heptagone als Deus ex Machina erscheinen, die irgendwie funktionieren und doch völlig unerklärt bleiben, mag sich in Zukunft ändern. Zumindest seien sie nicht nur für den Tod Saessbekkers einmalig eingeführt worden, wenn auch „in diesem Zyklus nicht mehr“ handlungstragend. Und wie groß unscheinbar randständige Details werden können, dafür ist Saessbekker selbst der schlagende Beweis. Argusäugig bleiben!

Und dann – mal wieder – erst mit den letzten Zeilen der Knaller: Monkey soll quasi für Geld Atlan aus M 13 herauslocken, soll ihn den Cairanern ausliefern. Und das mit Atlans Tochter, die längst tot ist. Also wurde sie als Gynoide reaktiviert. Damit erweisen sich die Gen- und Klonexperimente im fernen Villanova als vielschichtiger und zielgerichteter, als sie uns in den Vorgängerromanen unter der Ägide des wahnsinnigen Dr. Frankensteins vorgekommen sein mögen. Nur woher stammen all die Genproben, wieso sind die Cairaner an sie herangekommen? UND: Warum scheint es keine zu allen voran Atlan zu geben, bloß weil er seit über Zehntausend Jahren seine Gene in der Galaxis verteilt hat?

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Dominic Schnettler

Dominic Schnettler

Dominic ist Jahrgang 1985 und unterstützt unser Perry Rhodan Team mit Rezensionen zur aktuellen Perry Rhodan-Erstauflage. Darüber hinaus sucht er die Antwort nach allem, dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest, grokt bisher aber nichts. Liest dafür aber stetig neuentdeckte SF-Klassiker und ist in den unendlichen Weiten ganz zufrieden

3 Gedanken zu „[Perry Rhodan 3068] Die Seele des Schulterreiters

  • 14. Juni 2020 um 10:51
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    De Gencode zu Atlan dürfte es geben, nicht jedoch Zellen von ihm. Die für cloning aber erforderlich wären. Da er über 10k Jahre alt ist dürften diese Zellen von ihm nach 62 Stunden ohne Akktivator ganz simpel zerfallen.

  • 14. Juni 2020 um 12:45
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    Tach Mario.
    Sehr guter Einwand, das wird’s sein. Egal welche Genproben die Cairaner von Atlan bekommen, alle daraus gezüchteten Zellen sind ZAC-süchtig und nur auf Zeit nutzbar. Und aus seiner wilden Jugendzeit mag es gegeben haben, was will, 10.000 Jahre überdauert sowas nicht – und wäre nach Posizid und Datensintflut entindiziert nirgendwo mehr aufzuspüren.
    Daher ist 9-Saedelaere auf der Ägidenwelt auch „nur“ der Alaska-Klon weit vor dessen ZA-Zucht – bekommt so nochmal mehr Sinn
    Naaa gut, dann fallen die ZAC-Träger als Klonmarionetten also weg.

    Eine Korrektur zur Rezension noch: nicht Jasmyna da Ariga mit vielen As, sondern natürlich Jasmyne da Ariga ist Atlans Tochter gewesen. Im Eifer ein Vertipper.

    Und Rasender Reporter Roman hat, nicht dass es in den falschen hals gerät, freilich nichts übel vorgeworfen, vielmehr mit investigativer Provokation nur versucht, dem Fuchs Uwe Antworten zu entlocken, was er aber gekonnt parierte.

  • 27. Juni 2020 um 19:49
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    Noch ein Gedanke zu den hier deus ex machina-artigen, mysteriös bleibenden Saphir-Heptagonen: ihr prätelepathisches Wispern brachte mich auf die Assoziation – auch die „Totentücher“ der „schreibenden Engel“ im intelligenzlosen Universum des Totum wisperten anfangs unverständlich.
    Sind etwa die Saphire ein andersförmiges Gegenstück der schreibenden Engel diesseits eines mit Intelligenz gesegneten Universums?
    Wurde ausgerechnet ein nicht ganz so in sich ruhend stabiler Seelencharakter wie der phersunische Saessbekker in einen solchen „Horchposten des Totum“ eingespeist und das dann auch noch mutwillig von hiesiger Intelligenz (Monkey) vernichtet?
    Wirft das ein gutes Licht auf das, wozu sog. Intelligenz fähig und in der Lage ist?
    Fühlt sich das Totum dazu ermutigt, nun aber erst recht voller Tatendrang friedvoll Kontakt aufzunehmen?

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