Urania entpuppt sich als Planet der Roboteraffen.
Das Szenario
Syd Coks kam ohne Arme und Beine auf die Welt, was jedoch mit Cyborgimplantaten kompensiert werden konnte. Nichtsdestotrotz wurde sie zur Zielscheibe von Mobbing, was sich durch ihr ganzes Leben zog. Ihre Eltern verlor sie bereits in jungen Jahren, woraufhin sie sich einen künstlichen Bruder namens Tibot zusammenbaute. Nach der Flucht von der Erde ist die New Yorkerin den Marines auf dem Sternenkreuzer Texas zugeteilt worden, wo sie nun abermals zur Zielscheibe von Mobbing durch ihren rassistischen Kollegen Williams wird. Allerdings hat sie inzwischen gelernt, sich zu wehren.
Ihr kommandierender Offizier Bob Krush, der selbst einen Cyborgarm besitzt, steht auf ihrer Seite und versucht, den Fokus auf die Mission zu lenken. Diese besteht daraus, mit zwei zivilen Forschern eine von mehreren verlassenen Städten auf dem Planeten Urania zu erkunden. Die einheimische Spezies scheint ausgestorben zu sein, weshalb sich der Planet bestens als Koloniewelt zu eignen scheint. Bei der Erkundung der toten Stadt finden die Amerikaner Statuen, denen zufolge die ausgestorbenen Ureinwohner humanoide Affen waren. Die Zerstörungen an den Gebäuden deuten auf einen großen Krieg hin.
In einem großen Tempel finden die Marines und die beiden Wissenschaftler einen Computer, den sie unbeabsichtigt aktivieren. Eine KI stellt sich ihnen als Akarus vor und begrüßt sie auf dem Planeten Mo’Ano, wie er in der Sprache der einheimischen Otann und Korakk heißt. In den Datenbanken erfährt das Team außerdem, dass es einen Konflikt zwischen den beiden Völkern gab und die Otann die KI entwickelten, um die Korakk zu besiegen. Dabei sind sie offenbar übers Ziel hinausgeschossen.
Da Akarus langweilig ist, steht ihm der Sinn nach einem neuen Kriegsspiel. Er hetzt Kampfdrohnen und Mecha-Gorillas auf die Eindringlinge, die sich in den Tiefen der Stadt verstecken müssen. Die Erkundungstrupps in anderen Städten hat es schlimmer erwischt und auch die Raumschiffe im Orbit werden angegriffen, sodass sie sich zurückziehen müssen. Syd rät dazu, dass die Flotte nur noch das lokale Netz nutzen soll, damit Akarus nicht ihre Computer hacken kann. Damit sind ihre Leute erst einmal auf sich allein gestellt.
Syd schleicht sich nach draußen, um einen Gorilla-Roboter zu überwältigen. Sie kann ihm den Chip entfernen, über den er von Akarus gesteuert wird, und durch Tibots Speicherchip ersetzen. Damit hat sie nun einen mächtigen Verbündeten, was Williams gar nicht gefällt. Weiterhin kann Coks Akarus‘ Zentralspeicher ausfindig machen. Er liegt in einem 100 Kilometer entfernten Komplex namens Komono. Ihr Team kann einen Zug kapern, der sie dorthin bringt, doch wird er kurz vor dem Ziel unsanft von einem gigantischen Gorilla-Roboter zum Anhalten gebracht.
Einige von Syds Kameraden sterben bei dem Angriff, doch zum Glück trifft kurz darauf die Kavallerie ein. Diese hält die mechanische Armee der außerirdischen KI in Schach, damit Coks und Tibot den Schild der Festung durchbrechen und zu Akarus vordringen können. Während Syd dessen Avatar beschäftigt, hackt sich ihr Androidenbruder in dessen Matrix. Zwischenzeitlich erhält Coks Hilfe von Bob und seinen Leuten, die reihenweise sterben. Williams nutzt dabei die Gunst der Stunde, um seinen Kommandanten zu ermorden.
Die Kämpfe hören abrupt auf, doch lässt es sich Syd nicht nehmen, Williams wegen Verrats zu exekutieren. Danach meldet sich Tibot zurück, der Akarus als KI des Planeten beerbt hat. Weiterhin offenbart er zur Überraschung aller, dass die ursprüngliche Spezies des Planeten gar nicht so ausgestorben ist, wie es den Anschein hatte.
Rezension von Urania
Der vierte Band kehrt zum alten Erzählmuster zurück. Die irdischen Siedler kommen gerade erst im Orbit von Urania an und erkunden den Planeten gemeinsam mit dem Leser. Wie auf Deluvenn gibt es auf dem Planeten antike Ruinen einer längst untergegangenen Zivilisation. Diesmal handelt es sich um einen Planet der Affen, wobei die Ich-Erzählerin Syd Coks es sich nicht nehmen lässt, über die gleichnamige Filmreihe zu scherzen. Nein, sie hat keinen Zeitsprung gemacht und befindet sich nicht auf der Erde der Zukunft. Obwohl tatsächlich alles danach aussieht.
Ähnlich wie in Band 2 bekommen es die Kolonisten auf Urania ebenso mit einer anderen Intelligenz zu tun. In diesem Fall eine KI, die sofort zum Angriff übergeht. Eine weitere Parallele ist dabei, dass die KI ihren Angriff genauso wenig begründen kann wie die Riesenkraken auf Deluvenn. Zunächst lässt der Autor die Leserschaft im Glauben, Akarus habe erst die Korakk und dann seine Schöpfer, die Otann, ausgelöscht. Eine KI, die wie Skynet alles intelligente Leben auszurotten trachtet, wäre nichts Neues, aber zumindest nachvollziehbar. Doch am Ende stellt sich heraus, dass sich die Otann in Stasis befinden, da die Korakk sie mit einer biologischen Waffe angegriffen haben. Akarus hat seine Schöpfer also nicht ausgerottet, sondern will sie im Gegenteil beschützen.
Warum greift Akarus nun aber die Menschen an? Die wussten nichts von den schlafenden Otann und waren daher keine Bedrohung. Die Begründung, dass der KI langweilig war und sie deshalb etwas Krieg spielen wollte, kann nicht wirklich überzeugen. Um den Angriff völlig ad absurdum zu führen, tragen die Menschen schlussendlich noch das Heilmittel für Akarus‘ Schützlinge in sich. Medizinisch ergibt das natürlich wenig Sinn. Die Menschen sind in erster Linie immun, weil Viren ohne entsprechende Mutation nicht auf andere Arten überspringen können – schon gar nicht von anderen Planeten. Daraus ergibt sich aber nicht automatisch ein Heilmittel für die vom Virus betroffene Art. Die Auflösung ist damit wieder einmal wissenschaftlich nicht fundiert und bleibt obendrein sehr vage. Wie genau hat es Tibot zum Beispiel geschafft, Akarus‘ Platz einzunehmen?
Immerhin die Vorgeschichte des Androiden und seiner Schöpferin ist spannend erzählt und thematisiert aktuelle gesellschaftliche Probleme wie Mobbing, Ausgrenzung und Rassismus. Passenderweise sind die Siedler diesmal Amerikaner, deren rechtsextremes Problem durch den Soldaten Williams verkörpert wird. Dieser spricht sich offen dafür aus, Menschen mit Behinderung aus dem Genpool zu entfernen. Das ist natürlich eine unverhohlene Morddrohung in Richtung Syd. An seinen Vorgesetzten Bob traut er sich derweil zunächst nicht heran, weil dieser im Rang über ihm steht und ihm auch körperlich überlegen ist. Schlussendlich nutzt er aber einen günstigen Moment, um seine Mordfantasien auszuleben. Syd tut daraufhin das einzig Richtige.
Der Comic schließt aber auch in anderer Hinsicht wieder mit einem Happy End, denn der Krieg gegen die KI ist vorbei und die irdischen Eroberer heilen sogar die verbliebenen Ureinwohner des Planeten, der nach der Muse der Sternkunde benannt ist. Ob sich diese freundschaftliche Geste auszahlt oder sich dadurch der nächste Konflikt anbahnt, bleibt allerdings offen. Jedenfalls werden die Menschen dadurch in ein etwas positiveres Licht gerückt. Obendrein offenbart dieser Comic endlich etwas mehr über den Grund, warum die Menschen die Erde verlassen mussten. Diese wurde nämlich selbst von Wesen einer anderen Welt erobert. Bisher hatte es den Anschein, als hätten die Erdlinge ihren Planeten selbst durch einen Krieg unbewohnbar gemacht, doch nun wirken sie eher wie Flüchtlinge als wie Eroberer.
Jede Menge Easter Eggs
Der Zeichenstil verbessert sich gegenüber dem letzten Band wieder erheblich. Zwar ist der Detailgrad nicht ganz auf dem exzellenten Niveau von Islandia, aber alles in allem durchaus hoch. Vor allem die Affenstadt und der Komono-Komplex sehen faszinierend fremdartig aus. Lediglich die Maya-Pyramiden wirken etwas zu irdisch. Gleiches gilt für die Ureinwohner, die offensichtlich aus der Planet der Affen-Filmreihe entlehnt sind. Sogar die Kostüme ähneln stark der Filmvorlage.
Hier waren wohl echte Sci-Fi-Nerds am Werk, was sich ebenso in zahlreichen Easter Eggs wiederspiegelt. In den Erinnerungen von Syd Coks gibt es jede Menge Merchandise. Die Ich-Erzählerin trägt T-Shirts mit dem Logo der Marvel Avengers sowie dem Konterfei von Spider-Man und über ihrem Bett hängt der Schild von Captain America. Ihre Nachttischlampe ist ein Todesstern und in ihrer Roboterwerkstatt stehen neben ihren Eigenkreationen ein R2-D2 und ein BB-8 sowie der Roboter aus der französischen Animationsserie Es war einmal… der Weltraum (1982). Auf dem Boden liegen dann noch Laserschwerter und eine Ghostface-Maske aus Scream.
Während das alles noch als Hommage durchgeht, wirken einige Fahrzeuge wiederum abgekupfert. Die Landesfähren ähneln den Drop Ships und die Radpanzer der Affen dem APC aus Aliens – Die Rückkehr (1986). Die Mecha-Gorillas wirken viel zu irdisch und während die Bezeichnung an Mecha-Godzilla erinnert, ist der Riesengorilla, der den Zug zerstört, offenkundig eine Anspielung auf King Kong. Zumindest die Drohnen der Otann haben eine fremdartige Designsprache und sehen ziemlich cool aus. Die Charaktere sind derweil alle realistisch gezeichnet und gut voneinander zu unterscheiden.
An der Kolorierung gibt es ebenfalls kaum etwas auszusetzen. Die Farben sind natürlich, die Verläufe weich und der Lichteinfall passt. Es mangelt nicht an Leuchteffekten und bei Close-Ups glänzt das feuchte in den Augen. Insgesamt hält der Inhalt wieder, was das Cover verspricht.
Fazit: Hätte auch in die Androiden-Reihe gepasst
Die Handlung bleibt durchwachsen. Einerseits scheinen hier Klassiker wie Planet der Affen und Terminator vermischt worden zu sein, andererseits kann die Gesellschaftskritik durchaus überzeugen. Die plötzliche Offenbarung, dass die Erde von Aliens erobert wurde, gibt der Conquest-Reihe eine neue Richtung. Die Geschichte für sich genommen hätte mit ihren Protagonisten Syd und Tibot derweil ebenso gut in die Comic-Reihen Androiden oder Cyborgs gepasst.
Grafisch kommt die Conquest-Serie mit diesem Band wieder aus dem Tief heraus und kann damit punkten. Splitter hat bei der deutschen Veröffentlichung zudem qualitativ gute Arbeit abgeliefert, wenn man mal von zwei Tippfehlern absieht.
Info
Autor: Jean-Luc Istin
Zeichner: Louis
Farben: Eber Evanelista
Verlag: Splitter
Sonstige Informationen: Produktseite
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Warpskala
Warpskala-
Story6/10
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Zeichenstil9/10
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Kolorierung10/10
- Conquest – 4 – Urania - 29. September 2026
- Conquest – 3 – Decornum - 22. September 2026
- Conquest – 2 – Deluvenn - 15. September 2026

