Kleine, reptilienartige Monster, die Menschen zum Fressen gern haben, klingt das nicht bekannt?
Kaum erdacht, schon Staub angesetzt
Um die eingangsgestellte Frage zu beantworten: Diese Beschreibung klingt ganz nach Gremlins. Und doch ist in diesem Fall jenes Filmfranchise eben nicht gemeint. Stattdessen wird hier jetzt Critters – Sie sind da! besprochen. Der Film kam heute vor 40 Jahren in die Kinos.
Der Vergleich zwischen den beiden Filmreihen ist übrigens nicht neu. Er kam auch damals bereits auf, als dieser Leinwandstreifen in die Kinos kam. Jedoch hatte Critters eine längere Vorlaufzeit als Gremlins.
Die Geschichte des hier besprochenen Films ist also etwas älter als die des letztgenannten. Genauer gesagt darf man die Ursprünge im Jahr 1981 suchen, als Dominic Muir einen ersten Entwurf fertigstellte. Dieser durfte dann drei Jahre lang Staub ansammeln.
Ausbruchsmeldung
Dinge gerieten erst dann in Bewegung, als Muir zusammen mit Stephen Herek am Schnitt von City Limits saß. Letzterer war damals auf der Suche nach dem nächsten Projekt, woraufhin ihm sein Partner das Skript zu Critters anbot. Gemeinsam arbeiteten sie das Drehbuch aus, ehe sie dann nach einem Filmstudio für Finanzierung und Vertrieb suchten. Sho Films bot sich dafür an, woraufhin die Produktion offiziell beginnen konnte, zwei Monate ehe die von Gremlins anfing.
Für den Cast konnte man Dee Wallace (E.T. – Der Außerirdische) als Helen Brown gewinnen. M. Emmet Walsh (Missing in Action) wurde zu dem Sheriff Harvey „Harv“, derweil Billy „Green“ Bush (The Incredible Hulk) als Jay Brown gecastet wurde. Für Scott Grimes (The Orville) sollte dies eine seiner ersten Filmrollen überhaupt sein, denn er stellte Brad Brown dar. Dessen Filmschwester April hingegen wurde durch Nadine van der Velde (Donkey Kong Country) zum Leben erweckt. Als der örtliche Trunkenbold Charlie wurde Don Keith Opper (21 Jump Street) gecastet. Lin Shaye hatte bereits Horror-Filmerfahrung, durch Filme wie A Nightmare on Elm Street. Sie konnte man als die Koordinatorin Sally sehen. Billy Zane (Das Phantom) durfte als Steve Elliot Opfer der Critters werden, derweil man Ethan Phillips (Star Trek – Voyager) als Jeff Barnes sehen durfte. Den Kopfgeldjäger Ug bzw. den Rocksänger Johnny Steele stellte Terrence Mann (Foundation) dar.
Auf einem außerirdischen Asteroiden-Gefängnis brechen die gefährlichen Krites aus. Sie stehlen ein Raumschiff und können ins All fliehen. Der Gefängnisaufseher heuert daraufhin die gestaltwandelnden Kopfgeldjäger Ug und Lee an, damit sie diese Wesen verfolgen und hoffentlich einfangen können, ehe es zu spät ist.
Mehr Blut wäre schön gewesen
Die Krites landen auf der Erde, auf der Farm der Familie Brown. Die nach und nach von diesen Wesen gejagt werden. Denn sie haben die Menschen zum Fressen gern.
Wenn man heute Critters – Sie sind da guckt und dabei im Hinterkopf ebenfalls Gremlins hat, dann muss man zum Fazit kommen, das außer oberflächlichen Ähnlichkeiten beide Filme nichts gemeinsam haben. Beides sind zwar auch Horrorfilme mit Comedyelementen. Doch im Vergleich ist Gremlins deutlich humorlastiger, als Critters.
Dieser Film kommt sehr brutal daher. Man sieht beispielsweise eine halb gefressene Kuh, ebenso wie gezeigt wird, dass die namensgebenden Critters zu Beginn den Sherif zum Fressen unter das Auto ziehen und es dann entsprechende Geräusche gibt. Aber für einen Horrorfilm wirkt er erstaunlich blutleer. Der rote Lebenssaft kommt zwar vor. Doch angesichts der jeweiligen Wunden hätte man davon mehr erwartet.

Keine Charakterisierungen, kein Problem
Gleichzeitig verzichtet der Film auch darauf, seine Titelkreaturen näher zu charakterisieren. Wären nicht ab und an Szenen eingeblendet, in denen gezeigt wird, dass sie untereinander kommunizieren und auf Ereignisse reagieren, hätte man sie für instinktgetriebene, außerirdische Raubtiere gehalten. Die anscheinend nur darauf auf sind, sich den Magen vollzuschlagen und sich dann fortzupflanzen.
Jedoch macht es nichts aus, dass sie nicht wirklich näher charakterisiert werden. Denn als Antagonisten, als Horror, der die Menschen heimsucht, funktionieren sie wunderbar. Hier muss man das Design loben. Denn alles an ihnen schreit förmlich Fressmonster. Sie haben ein proportional übermäßiges Maul mit langen Reißzähnen. Sie haben ebenfalls Haare, die allerdings stellenweise gleichzeitig wie Stacheln wirken, die sie dann auch verschießen können. Man sieht also, ihr Aussehen zeigt einem, dass man es hier mit gefährlichen Kreaturen hat.
Denen die Familie Brown nahezu komplett ausgeliefert ist. Wobei deren Charakterisierung vor allem zu Beginn nicht wirklich innovativ wirkt. Bruder und Schwester sind wie Katz und Hund, derweil die Eltern herzensgute und geerdete Menschen sind. Hier fehlt es an Elementen, die sie alle unterhaltsamer wirken lassen, hervorstechen lassen.
Der einzige mit Verstand
Die einzige Ausnahme ist Scott Grimes Brad Brown. Von der ganzen Familie bleibt er als einziger einem in positiver Erinnerung. Weil er nicht reagiert, sondern stellenweise auch agiert. Und so in einigen Momenten den Tag rettet. Als die Familie vor ihrem Haus von den Critters angegriffen wird, gelangt er hinterrücks ins Heim rein und kann so von innen die Tür öffnen. Womit alle vorerst gerettet sind.
Es ist jetzt nicht, dass alle Familienmitglieder, außer ihm, nutzlos sind. Alle erhalten mindestens eine gute Szene, in der sie glänzen können. Aber das sind dann wenige Ausnahmen, weil sie ansonsten eher als Prügelknaben herhalten müssen, damit man um ihr Leben bangt. Und vor allem die Frauen der Familie sind überwiegend damit beschäftigt, zu schreien und sich zu fürchten. Was einem sehr schnell auf die Nerven geht.
Und dennoch muss man sagen, dass man von dem Film unterhalten wird. Trotz der stellenweise schwachen Charakterisierungen. Denn am Ende fallen diese für den Gesamtspaß nicht so sehr ins Gewicht, wie man es eigentlich vermuten würde.
Mit Spaß dabei
Denn selbst unter diesen Aspekten macht Critters – Sie sind da! überwiegend Spaß. Er ist kein Überflieger, kein Meisterwerk. Hat aber dennoch genügend Momente, wo man sich gruselt oder mitfiebert. Oder auch amüsiert.
Für Letzteres sorgen vor allem die Kopfgeldjäger, die von ihren Schauspielern bewusst ernst gespielt werden. Nur, dass dieser Ernst oft genug mit ihren Taten kollidiert, so das man wiederholt Grund hat, sich zu amüsieren. Als sie beispielsweise die Critters in einer Kirche suchen und dort für jede Menge Chaos sorgen. Oder wenn Lee auf der Suche nach einem Gesicht, dass er tragen kann, dieses immer wieder wechselt. Und so für Verwirrung sorgt.
Auch die anderen Nebenrollen sorgen mitunter für Humor. Jetzt nicht so sehr Billy Zanes Steve Elliot, dessen einzige Funktion es ist, um des Dramas willen gefressen zu werden. Aber sei es der Dorftrunkenbold Charlie, der voller Stolz darüber berichtet, dass er endlich wieder ein Ufo gesehen hat. Oder die Funksprüche von Sally. Humor ist hier vorhanden, er tritt halt nur nicht so deutlich und brachial hervor, wie bei den Gremlins.
Am Ende hat man es hier mit einem überdurchschnittlichen SciFi-Horrorfilm mit Comedyelementen zu tun. Der einen trotz erheblicher Schwächen gut unterhält und man einen vergnüglichen Abend verbringen kann. Das müssen damals auch die Kinozuschauer so gesehen haben. Denn der Film war erfolgreich genug, um die Basis für diverse weitere Kinofilme zu bilden.
Info
Regie: Stephen Herek
Drehbuch: Stephen Herek, Domonic Muir
Story: Domonic Muir
Produktion: Rupert Harvey
Musik: David Newman
Kamera: Tim Suhrstedt
Schnitt: Larry Bock
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