Spotlight: Ian McDiarmid

Lesezeit circa: 5 Minuten

 

Selten wird der Kontrast zwischen einem Schauspieler und seiner Rolle so deutlich wie bei Ian McDiarmid, der heute seinen 75. Geburtstag begeht.

Star Wars-Fans in aller Welt kennen ihn als die Verkörperung der dunklen Seite der Macht schlechthin. Den abgrundtief bösen Imperator, der einst aus dem verschlagenen Winkeladvokaten Palpatine vom friedlichen Planeten Naboo hervorging. Palpatine bekehrt den jungen Jedi Anakin Skywalker zur dunklen Seite der Macht und macht den Sith-Lord Darth Vader aus ihm. Dasselbe versucht er über 25 Jahre später auch bei Anakins Sohn Luke. Er soll seinen eigenen Vater ermorden und dessen Position einnehmen. Doch Palpatine scheitert und der sterbende Darth Vader wirft ihn in einen Energieschacht. Kurz danach findet er zurück zur hellen Seite der Macht. Doch fand Palpatine dabei wirklich den Tod? Der Trailer zum kommenden Star Wars-Film „Der Aufstieg Skywalkers“ lässt anderes vermuten.

Ian McDiarmid
Sleepy Hollow

Ein klassischer Schauspieler

Im völligen Gegensatz dazu steht Ian McDiarmid (dies wird übrigens „Meck-Dermid“ ausgesprochen). Der am 11. August 1944 im schottischen Carnoustie geborene Mime ist trotz seiner klassischen Schauspielausbildung, die einen vielleicht eher exzentrischen und von sich eingenommenen Menschen vermuten ließe, ein absoluter Fan-Liebling, der in Panels auf Star-Wars-Veranstaltungen stets mit seiner ebenso freundlichen wie lustigen Art zu gewinnen weiß, indem er beispielsweise Publikumsfragen schon einmal mit seiner schnarrenden Imperator-Stimme beantwortet oder seinen Antworten das teuflische Gelächter folgen lässt, das am Ende des bereits genannten Trailers zu hören ist.

Obwohl Ian McDiarmid sich bereits seit seiner Jugend für die Schauspielerei interessierte, studierte er zunächst Psychologie und Soziologie an der University Of St. Andrews in der gleichnamigen schottischen Stadt. Erst im Anschluss hieran absolvierte er Schauspielkurse an der Royal Scottish Academy Of Music And Drama in Glasgow, wofür er dort 1968 gar mit einer Goldmedaille prämiert wurde.

Neben seiner Tätigkeit als Schauspieler erwarb sich McDiarmid dabei auch einen ausgezeichneten Ruf als Theaterregisseur und inszenierte ein breites Spektrum an klassischen und auch modernen Stücken, in denen er teilweise auch selbst mitwirkte. Zwischen 1990 und 2001 leitete er gar das renommierte Londoner Almeida Theatre.

Filme nur nebenbei

Bis heute sieht McDiarmid sich in erster Linie als Theaterschaffenden. Seine Leinwandkarriere war für ihn stets lediglich eine Art zweites Standbein.

Seinen ersten Filmauftritt hatte McDiarmid 1976 in der britischen Gaunerkomödie „Zwei nette Früchtchen“, in der er nur in einer kleinen Nebenrolle zu sehen war. Nach weiteren Film- und TV-Auftritten, unter anderem in der populären britischen Krimiserie „Die Profis“, spielte er 1981 in dem von Walt Disney produzierten Fantasy-Film „Der Drachentöter“ die Rolle des Mönchs Bruder Jacobus. Da George Lucas‘ Trickeffektschmiede Industrial Light And Magic (ILM) den Film bearbeitete, lernte der Star Wars-Schöpfer McDiarmid kennen und bot ihm die Rolle des Imperators Palpatine in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ an, für die sein Gesicht unter dicken Make-up-Schichten verschwand.

Bereits in „Das Imperium schlägt zurück“ war der Imperator in einer kurzen Szene als Hologramm zu sehen gewesen. Hier hatte ihn der neuseeländische Schauspieler Clive Revill gespielt, der deutlich anders ausgesehen hatte als sein Nachfolger. Für spätere nachbearbeitete Versionen des Films wurde Revills Auftritt dann auch durch eine nachgedrehte Szene mit McDiarmid in seiner ikonischen Rolle ersetzt.

Obwohl McDiarmid auch im Anschluss in verschiedenen Filmen wie dem Polit-Thriller Gorky Park (1983) oder der Krimikomödie Zwei hinreißend verdorbene Schurken (1988) mitwirkte, blieb er doch vorwiegend seiner Arbeit am Theater treu, wofür er eine ganze Reihe angesehener Auszeichnungen erhielt. Nur hier und da war er in Filmen und TV-Serien zu sehen: So beispielsweise 1993 in der zweiten Staffel der von George Lucas und Steven Spielberg realisierten Serie Die Abenteuer des jungen Indiana Jones als der undurchsichtige Professor Jaques Levi oder 1995 im Historien-Drama Restoration – Zeit der Sinnlichkeit.

Ian McDiarmid
Die Rache der Sith

Rückkehr zur großen Rolle

1999 kehrte McDiarmid für die Rolle des Palpatine zurück und dürfte sehr froh darüber gewesen sein, dass er nicht erneut unter einer Maske verschwand. In „Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung“ spielte er die mehr als zwanzig Jahre jüngere Version des Imperators. Zu dieser Zeit noch der Diplomat und zunächst spätere Ratskanzler Palpatine, der bereits ein Doppelleben als Sith-Lord Darth Sidious führt. Auch in den beiden nachfolgenden neuen Filmen „Angriff der Klonkrieger“ und „Die Rache der Sith“ kehrte er für diese Rolle zurück und musste sich zumindest im letztgenannten dann doch wieder in die Hände der Maskenbildner begeben.

Zwischenzeitlich hatte McDiarmid eine Nebenrolle in Tim Burtons Gruselklassiker „Sleepy Hollow“ (1999). Im Historienfilm „Elizabeth I“ (2005) und dem Abenteuerstreifen „Die versunkene Stadt Z“ (2016) war er ebenfalls zu sehen. In der vierten Staffel der Animationsserie „Star Wars: Rebels“ lieh er der computererzeugten Version seiner Paraderolle seine Stimme.

Zwar ist Ian McDiarmids Mitwirkung in „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ mittlerweile bestätigt. Noch gibt es aber keine Informationen über den Umfang seines Gastauftritts. Doch allein dessen Ankündigung sorgt dafür, dass der Film noch sehnlicher von Warslern erwartet wird als ohnehin schon.

Wer an Ian McDiarmids heutigem Ehrentag zu seinen Gratulanten gehören wird, ist indes unbekannt. Der Mime äußert sich nicht über sein Privatleben, eine eventuelle Ehe oder Kinder. Wir von Warp-Core.de jedoch wünschen ihm zum Geburtstag, dass die Macht immer mit ihm sein möge.

Ian McDiarmid in der IMDb.

Thorsten Walch

Thorsten ist Jahrgang 67 und Sci-Fi- und Horror-Experte. Er ist der Star Trek-Spartenredakteur des Corona Magazine und ferner der Autor des Buches Es lebe Star Wars, das im kommenden November im Mülheimer iFuB-Verlag erscheinen wird. Bei www.warp-core.de fungiert er als Star Wars-Fachmann.
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Thorsten ist Jahrgang 67 und Sci-Fi- und Horror-Experte. Er ist der Star Trek-Spartenredakteur des Corona Magazine und ferner der Autor des Buches Es lebe Star Wars, das im kommenden November im Mülheimer iFuB-Verlag erscheinen wird. Bei www.warp-core.de fungiert er als Star Wars-Fachmann.

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