Mit diesem Film wurden viele wiederkehrende Elemente der James Bond-Reihe eingeführt.
Rückkehr vieler Bekannter
Das Wagnis war aufgegangen: Trotz eines deutlich niedrigeren Budgets, als es damals üblich war, war James Bond – 007 jagt Dr. No ein voller Erfolg. Dementsprechend war klar, dass es eine Fortsetzung geben würde. Für die United Artist, das Filmstudio, das Budget auf zwei Millionen US Dollar aufstockte.
Auch Sean Connery sollte finanziell von diesem neuen Film profitieren. Zusätzlich zu seiner Bezahlung von 54000 US Dollar sollte er ebenfalls einen 100000 US Dollar-Bonus erhalten. Was für die damalige Zeit nicht schlecht war.
Ein Großteil der Leute, die hinter der Kamera tätig waren, sollten wieder zurückkehren. Die Regie führte einmal mehr Terence Young, derweil Richard Maibaum dieses Mal alleine für das Drehbuch zuständig war, wobei Johanna Harwood eine Nennung für Adaption erhalten sollte. Sie selber beschwerte sich Jahre später darüber, dass Richard Maibaum das Skript ständig umschrieb und dabei Ideen aus der Vorlage komplett ignorierte. Basis sollte übrigens der Ian Fleming Roman From Russia, with Love sein, wobei das Komma für den Filmtitel fortgelassen wurde.
Zwei Namen, die hervorgehoben werden müssen
Einige Posten hinter der Kamera mussten hingegen neu besetzt werden. Der Produktionsdesigner Ken Adam arbeitete an Dr. Strangelove, woraufhin er durch Syd Cain, der schon beim Vorgängerfilm mitgearbeitet hatte, ersetzt wurde. Und für die musikalische Untermalung sollte dieses Mal nicht Monty Norman zuständig sein, sondern John Barry. Er hatte bereits das James Bond-Thema im ersten Film komponiert und sollte auch in Zukunft bis ins Jahr 1987 Musik für die 007-Abenteuer komponieren.
Bei den Darstellern sollten Sean Connery, Eunice Gayson, Lois Maxwell und Bernard Lee zurückkehren. Für Eunice Grayson sollte das der letzte Auftritt in ihrer Rolle als Bons Freundin Sylvia Trench sein, da die Figur nach diesem Film nicht mehr auftauchen sollte.
Bei den neuen Schauspielern müssen zwei besonders hervorgehoben werden. Der Mexikanisch-Amerikaner Pedro Armendáriz sollte den Vertreter des MI6 in Istanbul, Ali Kerim Bey, darstellen. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten war er bereits tödlich an Krebs erkrankt und litt unter entsetzlichen Schmerzen. Dennoch zog er durch, um für seine Familie für finanzielle Sicherheit zu sorgen. Er sollte sich nach Abschluss der Dreharbeiten selber töten. Der andere Name, der hervorgehoben werden muss, ist Desmond Llewelyn. Er spielte Major Boothroyd, den Leiter der Abteilung Q. Eine Rolle, die er bis ins Jahr 1999 in nahezu allen James Bond-Filmen wahrnehmen sollte.
Die Zeit drängt
Als Rosa Klebb, die Nummer drei in der PHANTOM-Hierarchie, wurde die Östereichischstämmige Amerikanerin Lotte Lenya gecastet, derweil die Rolle des PHANTOM Attentäters Donald Grant an Robert Shaw ging. Die italienische Darstellerin und Modell Daniela Bianchi sollte die Figur der Tatiana Romanova übernehmen, wobei im Original ihre Stimme durch Barbara Jefford neu eingesprochen wurde. Jefford erhielt dafür keine Nennung in den Credits. Der Pole Vladek Sheybal kriegte den Zuschlag zu der Nummer fünf in der PHANTOM-Hierarchie, den Schachspieler und Planer Kronsteen. Wichtig ist noch zu nennen, dass dies der erste Film war, in dem Ernst Stavro Blofeld, der Kopf von PHANTOM das erste Mal auftreten sollte. Er wurde durch Anthony Dawson dargestellt, der dafür allerdings nicht in den Credits gelistet wurde. Dort stand bei dem Darsteller der Figur einfach nur ein „?“.
Gedreht wurde in der Türkei, aber ebenso in den Pinewood Studios, in Buckinghamshire und in Schottland. Während der Dreharbeiten wurde das Budget und der Zeitplan überzogen, weshalb die Produktion schnell abgeschlossen werden musste, um das Release-Datum einzuhalten.
Die Organisation PHANTOM ist auf James Bond wütend, weil er in Jamaika ihre Pläne vereitelt hat. Daraufhin plant ihr Stratege Kronsteen einen komplexen Plan, mit dem sie sich an dem Agenten rächen können. Dazu soll die Kryptografie-Maschine Lektor von den Russen gestellt werden, derweil Rosa Klebb die Leitung der Operation übernehmen soll. Sie stellt den Attentäter Donald Grant ab und manipuliert die Kryptografiesekretärin Tatiana Romanova dahingehend, dass sie unfreiwillig Teil des Plans wird. Denn sie soll James Bond verführen.

Jede Menge Premieren
Der genießt in England das liebe Leben, ehe ihn wieder die Pflicht ruft. Das MI6 hat erfahren, dass Tatiana Romanova überlaufen möchte und im Gegenzug wichtige Informationen über die Lektor anbietet. Der Geheimdienst ahnt, dass dies eine Falle ist. Ist jedoch wegen der versprochenen Verschlüsselungsmaschine gewillt, das Risiko einzugehen. James Bond soll den Fall übernehmen und reist deshalb nach Istanbul. Wo schon bald klar wird, dass der Fall komplexer sein könnte, als gedacht.
Liebesgrüße aus Moskau ist ein Film der Premieren. Es ist das erste Mal, dass es eine Szene vor der Titelsequenz gibt, dass Blofeld auftaucht, dass James Bond geheime Gadgets erhält, dass Desmond Llewelyn als Q auftritt, es eine Helikoptersequenz gibt, es nach dem Höhepunkt des Films nochmal eine Actionszene gibt, es einen Filmsong gibt und in den Credits der Satz auftaucht „James Bond will return/be back“, häufig mit einer Nennung des nächsten Filmtitels. All dies Elemente, die die Filmreihe in den darauffolgenden Reihen erst so richtig berühmt machen sollte.
Die Ehre des ersten Titelsongs geht an From Russia With Love, gesungen von dem Engländer Matt Monro. Das Lied solle im Film selber kurz in einem Radio zu hören sein, ehe er dann vollständig in den Credits zu hören sein sollte. Und der Song ist… okay? Es ist ein netter Popsong, der zwar durchaus angenehm zu hören ist. Aber ihm fehlt das gewisse Etwas, um ihn wirklich zu einem Allzeit-Klassiker zu machen.
Fokus auf die Beziehung und Istanbul
Was für den Film an sich nicht gilt. Liebesgrüße aus Moskau ist und bleibt einer der besten James Bond-Filme aller Zeiten. Schon allein deshalb, weil hier viele Elemente eingeführt werden, die in den späteren Teilen noch bedeutsamer sein sollten. Aber auch dadurch, was er nicht macht.
Anders als der Vorgänger fehlt es hier an dem einen großen Schurken. Blofelds Auftritt ist zwar ganz nett, aber im Prinzip nur ein netter Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Kinofilmen noch kommen wird. Rosa Klebb hat zu Beginn starke Szenen, tritt aber nur noch ein Mal zum Ende auf, ohne zwischendurch die Filmhandlung allzu sehr zu beeinflussen. Das trifft eher auf Donald Grant auf, der über weite Teile aus dem Hintergrund heraus agiert und dann vor allem am Ende sehr gefährlich wird. Doch ist er im Prinzip nur ein Befehlsempfänger, mehr nicht. Auch wenn er als ein solcher sehr gefährlich ist.
Der Film fokussiert sich hauptsächlich auf die Beziehung James Bond und Tatiana Romanova, sowie der Darstellung der Verhältnisse in Istanbul. Vor allem Letztere bleiben in bester Erinnerung, was nicht zuletzt an Pedro Armendáriz Ali Kerim Bey liegt. Die Figur strahlt eine Lässigkeit aus, die an die von James Bond deutlich heranreicht. Die Tatsache, dass er gefüllt überall seine Söhne platziert hat oder den Konflikt zwischen Westen und Osten absolut gelassen sieht, machen den Charakter so sympathisch. Auch die Art und Weise, wie hier die verschiedenen Sitten dargestellt werden, etwa bei seinem Umgang mit den Zigeunern, ist großartig. Schade, dass die Figur am Ende des Films stirbt, man hätte sich wirklich gewünscht, er würde, wie Felix Leiter immer wieder kehren.
Eine wunderbar unvorhersehbare Story
Tatiana Romanova hat vor allem eine Aufgabe: hübsch auszusehen. Dies und die Tatsache, dass die James Bond ständig anhimmelt und deutlich macht, wie sehr sie ihn liebt, könnten leicht dazu führen, dass die Figur wie ein Klischeebild wirkt. Aber es wird im Laufe des Films ausreichend getan, um dieses Bild zu verhindern. Sie ist keine Damsel in Distress, was allerdings daran liegt, dass wenn sie in Gefahr gerät, James Bond immer in der Nähe ist und sie retten kann. Wodurch sie auch keine Chance erhält, großartig in Panik auszubrechen.
Dabei entwickelt sich die Story unvorhersehbar. Stets gibt es einen Plottwist, mit dem man so nicht gerechnet hat. Wiederholt gibt es Highlights, wie etwa die Szenen im Zigeunerlager, wo dann Donald Grant James Bond mehrfach das Leben rettet, ohne, dass dieser das mitkriegt. Oder die Bootsfahrt nach Venedig, wo James Bond wieder Geistesgegenwart besitzt und die Umgebung ausnutzt, um seine Feinde zu erledigen.
Das große Mysterium ist und bleibt natürlich Blofeld. Die Tatsache, dass man sein Gesicht nicht sieht, sondern nur seine Hände, die vor allem seine weiße Katze streicheln, machen ihn so faszinierend. Man kann verstehen, wieso schon allein dadurch die Figur so ikonisch wurde und die Darstellung von vielen anderen Schurken maßgeblich beeinflusst hat.
Man wird hier gut unterhalten. Istanbul wird grandios in Szene gesetzt, die Figuren sind super und die Handlung spannend. Und wie es dann im Abspann so schön angekündigt wird: James Bond kehrt zurück, und zwar in Goldfinger.
Meine persönlichen Top 10 James Bond-Filme:
1. James Bond 007 – Liebesgrüße aus Moskau
2. James Bond – 007 jagt Dr. No
3. …
4. …
5. …
6. …
7. …
8. …
9. …
10. …
Meine persönlichen Top 10 James Bond-Titellieder:
1. Matt Monro – From Russia With Love
2. …
3. …
4. …
5. …
6. …
7. …
8. …
9. …
10. …
Info
Regie: Terence Young
Drehbuch: Richard Maibaum
Produktion: Albert R. Broccoli, Harry Saltzman
Musik: John Barry
Kamera: Ted Moore
Schnitt: Peter R. Hunt
Lust, in unserem Team mitzumischen? Dann schaut doch mal auf unsere MITMACHEN Seite.
Warpskala
Warpskala- James Bond 007 – Liebesgrüße aus Moskau (1963) - 29. April 2026
- Tarzan der Gewaltige (1960) - 28. April 2026
- David Eliot – 02 – Der Verfluchte Gral - 27. April 2026

