Dieser Film erfüllt nicht die Erwartungen, die man von einem klassischen Tarzan-Film hat.
Ich Tarzan, du…
Das Bild, das man heute von alten Tarzan-Filmen hat, ist, dass da ein weißer Mann im Lendenschurz im Dschungel lebt, gebrochen Englisch redet und sich mit Lianen durch die Lüfte schwingt. Er ist sozusagen der König des Dschungels, mit enormer Kraft gesegnet und er ist mit Jane verheiratet. Und dann ist da noch dieser typische Ruf, den er regelmäßig ausstößt.
Wenn man sich mit diesem Bild im Hinterkopf Tarzan der Gewaltige anschaut, ist man überrascht, dass dieser Film zwar einige Details gemeinsam hat. Aber ansonsten komplett anders ist, als man es gedacht hat.
Der Film feuert heute seinen 65. Geburtstag. Was natürlich der passende Anlass ist, um sich ihn anzuschauen. Für mich war es das erste Mal, dass ich bewusst einen der ganz alten Tarzan-Filme angeguckt habe.
Wenn der Nachfolger den Schurken gibt
Als der Kinofilm am 28.04.1961 in die deutschen Kinos kam, war es der 23. Film, der seit dem allerersten Tarzan-Leinwandstreifen, Tarzan, der Affenmensch aus dem Jahr 1933, herauskam. Der Titelheld wurde zum sechsten Mal von dem US-Amerikaner Gordon Scott dargestellt. Es sollte allerdings auch sein letzter Auftritt als diese Figur sein. Sein Nachfolger sollte Jock Mahoney sein, der in Tarzan der Gewaltige als der Schurke Coy Banton auftrat.
Zu den restlichen Darstellern gehörten unter anderem Betta St. John als Fay Ames, der Ehefrau des von Lionel Jeffries Geschäftsmannes Ames, John Carradine, Vater des bekannten Schauspielers David Carradine, als Familienpatriarch Abel Banton und die Kanadierin Alexandra Stewart als die junge Frau Lori. Auch der Australier Bud Tingwell als der junge Mann Conway, der in den Bermudas geborene Earl Cameron als der Bootsmann Tate und der Kanadier Al Mulock als der junge Martin Benton müssen genannt werden.
Regie führte Robert Day, der auch das Drehbuch verfasste. Er sollte sich in Zukunft noch weitere drei Male bei Tarzan-Filmen auf dem Stuhl des Filmemachers setzen. Als Produzent wurde wieder Sy Weintraub aktiv, der zwischen 1959 und 1968 für alle Film und Fernsehproduktionen des Dschungelmanns verantwortlich war. Er hatte auch dafür gesorgt, dass die durch Johnny Weismuller bekannte stereotype Darstellung aufgebrochen wurde. Unterstützt wurde er dieses Mal von Harvey Hayutin.
Nicht wie der Roman
Der Gauner Coy Banton, Mitglied der Banton-Familie, überfällt eine Bank und sorgt für jede Menge Tote. Allerdings kann er später unterwegs von einem Polizisten verhaftet werden. Doch ehe dieser ihn ins Gefängnis verfrachten kann, wird er von zwei von Bantons Brüdern getötet. Nur Tarzans Eingreifen verhindert, dass Coy davon kommen kann.
Tarzan will den Banditen nach Kairobi überführen, um dort das auf ihn ausgesetzte Kopfgeld kassieren und es der Witwe des Polizisten geben. Doch in dem nahe gelegenen Dorf will ihn niemand unterstützen. Also beschließt er gemeinsam mit Coy den langen und beschwerlichen Weg übers Land. Allerdings geht er nicht alleine. Eine Gruppe von Zivilisten, deren Boot durch die Bantons zerstört worden ist, schließt sich ihm an. Doch diese erweist sich schnell als Klotz am Bein, derweil die Bantons der Gruppe dich auf den Fersen ist.
Es gibt einen Roman von Edgar Rice Burroughs, der ebenfalls Tarzan der Gewaltige heißt. Allerdings hat der Kinofilm mit dem Buch bis auf den Titel so gar nichts gemeinsam. Derweil es in der Geschichte um untergegangene Städte und ein Volk mit starken Psi-Fähigkeiten geht, ist der Film deutlich realistischer und stellenweise ebenso brutaler.

Eine gute Dynamik
Der Plot hätte auch genauso gut in einen Western gepasst. Die Idee, dass ein Verbrecher von einem Helden ins nächste Gefängnis gebracht werden muss, derweil dessen Gang/Familie ihnen dicht auf den Fersen ist, wirkt wirklich so, als ob man ihren Ursprung in genau jenem Genre vorfinden kann. Was allerdings nicht als Kritik zu verstehen ist, sondern ist nur eine Beobachtung.
Dabei schlägt der Film zu Beginn ein hohes Handlungstempo ein. Innerhalb weniger Minuten lernt man einen der Antagonisten kennen, sieht wie er von Tarzan gefangengenommen wird, sieht, wie der Dschungelheld keine Unterstützung kriegt, ehe er dann gemeinsam mit den anderen auf die lange Reise aufbricht, dicht verfolgt von den restlichen Bantons. Erst, als die Reise losgeht, entschleunigt der Film und nimmt sich die Zeit, sich auf die Figuren zu fokussieren.
Und auch wenn die Entstehung der Gruppe stark forciert wirkt, ist die Dynamik in dieser gut rübergebracht. Eben weil sich die Zeit genommen wird, jedes Mitglied ausführlich vorzustellen. So entpuppt sich Ames als großmäuliges, rassistisches Arschloch, derweil dessen Ehefrau Fay immer mehr genug von ihm hat. Was aber auch daran liegt, dass Coy Banton heimlich mit ihr flirtet und ihr Avancen macht.
Der heimliche Star
Coy Banton ist dann auch der heimliche Star von Tarzan der Gewaltige. Er ist die stärkste Figur des gesamten Films. Weil er gerissen, intelligent und absolut skrupellos vorgeht. Zwar schafft es Tarzan immer wieder, seine Ausreißversuche am Ende zu vereiteln. Aber anstatt sich davon entmutigen zu lassen, arbeitet er sofort an seinem nächsten. Derweil er weiterhin versucht, seiner Familie Spuren zu hinterlassen, damit sie ihm folgen können.
Die Bantons werden auch als eine schreckliche Familie vorgestellt. Familienpatriarch Abel herrscht mit Gewalt und Gnadenlosigkeit. Wer nicht spurt, wird von ihm verdroschen. Was dann auf lange Sicht einige Konsequenzen hat.
Es ist erstaunlich, was für einen hohen Bodycount der Film hat. Auch das erinnert stellenweise an einen Western. Es wird hier viel geschossen und nicht gerade wenige Figuren sterben auf eine schreckliche oder unglückliche Art und Weise. Die Todesfälle geschehen auch nicht im luftleeren Raum, sondern haben Konsequenzen. Viele Charakterentwicklungen passieren als Reaktion auf die Vorfälle.
Ein Fremdkörper
Es ist ein spannender Kinofilm. Bei dem ausgerechnet die Titelfigur ein Fremdkörper ist. Das Problem ist, dass Tarzan ein Außenseiter in seiner eigenen Story ist. Nicht nur, weil er es sowieso in diesem Film ist. Sondern auch wegen seiner Darstellung. Als einzige Figur entwickelt er sich nicht weiter. Er hat ein starkes Gespür für Gerechtigkeit und lässt sich nicht so leicht übertölpeln. Doch wenn man seine Charakterisierung am Ende des Films mit der zu Beginn vergleicht, merkt man überhaupt keine Weiterentwicklung. Das Gefühl, dass er ein Fremdkörper ist, wird auch dadurch verstärkt, dass er, anders als seine Reisegefährten kaum schwitzt und seine Frisur nur dann durcheinandergerät, wenn er gerade mal heftig kämpfen muss. Doch in der nächsten Szene ist das wieder in Ordnung.
Trotzdem lohnt es sich, diesen Film anzugucken. Schon allein, weil dies eben kein klischeehafter Tarzan-Film ist.
Lust, in unserem Team mitzumischen? Dann schaut doch mal auf unsere MITMACHEN Seite.
Warpskala
Warpskala- Tarzan der Gewaltige (1960) - 28. April 2026
- David Eliot – 02 – Der Verfluchte Gral - 27. April 2026
- The Expanse – 18 – Scheiterhaufen - 27. April 2026

