Man kriegt mit dieser Episode schon eine ungefähre Ahnung, wie die diversen Puzzleteile zusammenpassen.
Man lässt sich Zeit
Jessica (Krysten Ritter) und Trish (Rachael Taylor) beobachten das Apartment von Sallinger (Jeremy Bobb). Als dieser es verlässt, wird er von Jessica verfolgt. Derweil ihre Schwester, entgegen ihren Befehlen, in dessen Wohnung einbricht und sie durchsucht. Dann findet die Privatdetektivin heraus, dass ihr Zielobjekt anscheinend eine Prostituierte im Visier hat. Die zufälligerweise die Schwester ihres aktuellen Lovers Erik ist. Dementsprechend muss sie erst mal aus dem Schussfeld gebracht werden.
Jeri Hogarth (Carrie-Anne Moss) hatte Malcolm (Eka Darville) den Befehl gegeben, die kompromittierenden Infos von Kiths (Sarita Choudhury) Ehemann Peter an die Öffentlichkeit zu leaken. Als dieser in ihre Wohnung kommt und sie beschuldigt, verneint sie dessen Anschuldigungen. Doch dann begeht er Selbstmord und in einem letzten Video macht er seine Behauptungen öffentlich. Was für die Anwältin problematisch wird.
Schön wär’s ist ein zutreffender Titel. Schön wäre es, wenn man es mit einer Folge zu tun hätte, die einen von Anfang bis Ende begeistern könnte. Wo man wirklich das Gefühl hat, dass hier aus allen Zylindern gefeuert wird. Leider ist das Gegenteil der Fall. Man hat eher den Eindruck, dass die Serie immer noch mit dem Aufbau beschäftigt und sich damit Zeit lässt.
Wohin mit Sallinger?
Das große Problem ist, dass man noch nicht so recht weiß, wo die Serie mit Salinger genau hinmöchte. Man ahnt zwar, dass er irgendwie der Grund dafür sein dürfte, dass es zwischen den beiden Schwestern zu einem Zerwürfnis kommt. Aber wie genau, das ist unklar.
Es ist auch so, dass Sallinger an sich noch nicht die richtige Wirkung entfaltet. Man erhält zwar Einblicke, was ihn als Serienkiller ausmacht. Und dass er ein sehr intelligenter und gefährlicher Mann ist. Aber es reicht nicht aus, dass man ihn zu Beginn der Folge scheinbar beim Rollenspielen sieht, nur um dann kurz darauf mit zwei großen Rollkoffern vermutlich mit den Überresten seiner letzten Opfer durch die Gegend laufen zu sehen. Es fehlt noch etwas. Es fehlt das letzte Quäntchen, um aus einer Figur, die das Potenzial hat, zu einem Antagonisten zu machen, der wie Killmonger aus der ersten Staffel oder Alisa aus der zweiten in Erinnerung bleibt. Noch ist da nichts!
Immerhin scheinen sich in dieser Folge die Beziehungen zwischen den beiden Schwestern zu normalisieren. Wobei auch hier noch etwas geschehen muss. Denn es ist nicht das erste Mal, das Jessica durch Trishs übermütige Aktionen in Schwierigkeiten gerät. Die Fernsehmoderatorin scheint sich und ihre Fähigkeiten immer noch maßlos zu überschätzen. Obwohl klar ist, dass sie immer noch viel lernen muss.
Grandios fehlgeschlagen
Immerhin ist es schön zu sehen, wie die beiden über vergangene Ereignisse reden und sich allgemein endlich mal aussprechen, ohne dass beispielsweise Jessica sich wieder in ihre zynische Schale zurückzieht. Es ist ein Schritt Normalisierung, was der Serie und den Figuren sehr gut tut. Hoffentlich wird dies weiterentwickelt.
Das Entwicklungspotenzial für diesen Plot sieht vielversprechend aus. Vor allem, weil auch Erik immer mehr involviert wird. Und genau wie bei Jessica die liebe Familie essenzieller Teil der Ermittlungen ist, scheint es so, als ob es bei ihm ebenfalls so sein wird. Wobei er und seine Schwester mehr wie ein dunkles Zerrbild wirken, was aber auch nicht verkehrt ist.
Der andere Plot ist der um Jeri Hogarth und ihre Bemühungen, ihre ehemalige Geliebte wieder mehr an sich zu binden. Über lange Zeit wirkt es so, als ob unklar ist, ob ihr perfider Plan erfolgreich sein kann oder nicht. Ehe er dann spektakulär fehlschlägt, weil Peter Selbstmord begeht und im Sterben sie beschuldigt, derweil er sich für seine Taten entschuldigt.
Ein Selbstmord mit Folgen
Sein Selbstmord ist natürlich heftig. Es zeigt sich, wie verzweifelt er ist, weil er innerhalb kürzester Zeit alles verloren hat, was ihm etwas bedeutet. Dass er am Ende Jeri Hogarth, die ja dafür verantwortlich ist, selber an den Pranger stellt, ist dann ausgleichende Gerechtigkeit. Womit auf ein Mal sie selber vor den Trümmern ihrer Existenz steht. Ganz zu schweigen davon, dass ihr Vorhaben, Kith wieder mehr an sich zu binden, damit spektakulär daneben gegangen ist.
Man sieht hier viel Potenzial. Jetzt muss die Serie dieses Potenzial auch endlich mal nutzen.
Info
Drehbuch: J. Holtham
Showrunner: Melissa Rosenberg, Scott Reynolds
Regie: Mairzee Almas
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