Frankenstein und die Monster aus dem All
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Review: Frankenstein und die Monster aus dem All (1968)

Lesezeit circa: 7 Minuten

Mit Frankenstein und die Monster aus dem All gibt es ein Wiedersehen mit vielen anderen bekannten Monstern der Filmreihe.

Godzillas Vater kehrt zurück

Bei den letzten beiden Godzilla-Filmen Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn und Frankensteins Monster und die Ungeheuer aus dem Meer wurde etwas Neues gewagt. Ein neuer Regisseur und eine neue Drehumgebung sollten für frischen Wind in der Filmereihe sorgen. Das Ergebnis konnte man allerdings bestenfalls als eher durchwachsen bezeichnen. Es gab gute Ansätze, doch insgesamt blieben die Leinwandabenteuer hinter den Erwartungen zurück.

Wohl deshalb entschloss man sich bei dem Filmstudio Toho, wieder alles rückgängig zu machen. In dem neusten Werk Frankenstein und die Monster aus dem All sollte erneut der altgediente und erfahrene Ishirō Honda Regie führen. Es war eine Rückkehr zur rechten Zeit, da das Kaiju-Genre sich 1968 in Japan großer Beliebtheit erfreute, immer mehr und mehr Filmstudios Werke in dieser Filmkategorie herausbrachten. So entstand unter anderem auch Gamera gegen Gaos: Frankensteins Kampf der Ungeheuer, produziert vom Studio Daiei.

Das Drehbuch zu Frankenstein und die Monster aus dem All stammte dieses Mal vom Regisseur selbst, der es zusammen mit seinem langjährigen Kollaborateur Takeshi Kimura schrieb. Für Letzteren war es das erste Mal, dass er ein Skript in diesem berühmten Franchise verfasste. In dem Genre an sich konnte er schon Erfahrungen sammeln, da er unter anderem das Drehbuch zu Frankenstein – Zweikampf der Giganten aufgesetzt hatte.

Die üblichen Veteranen

Auch beim Cast gab es bekannte Namen. Die Hauptrolle als Katsuo Yamabe übernahm ein Mal mehr Akira Kubo. Jun Tazaki kehrte ebenfalls zurück. Dieses Mal spielte er Dr. Yoshida, der vor einem Ausbruch der Monster warnt. Die weibliche Hauptrolle erhielt Yukiko Kobayashi, deren erster Godzilla-Film dies war. Yoshio Tsuchiya war ein weiterer Godzilla-Veteran, der erst im letzten Teil der Reihe, Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn, sein Debüt gegeben hatte. Für internationalen Flair sorgte der im ottomanischen Imperium (der heutigen Türkei) geborene Andrew Hughes, der allerdings im Laufe seiner Karriere ausschließlich in japanischen Filmen auftrat. Die Königin der Kilaaks und damit die Identifikationsfigur der Antagonisten wurde Kyoko Ai.

Natürlich wurden, um Budget zu sparen, bei den vielen auftretenden Filmmonstern möglichst viele, bereits zuvor verwendete Kostüme wiederbenutzt oder modifiziert. Komplett neu waren nur die Anzüge von Godzilla und Anguirus. Bei Letzterem war das kein Wunder, da sein vorheriger Auftritt im Jahr 1955, in Godzilla kehrt zurück stattfand – 13 Jahre vor Frankenstein und die Monster aus dem All.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts sind alle Monster, die die Erde in den letzten Jahren bedrohten, sicher auf einer einsamen, abgelegenen Insel eingesperrt. Es mangelt ihnen an nichts und sie werden rund um die Uhr beobachtet. Doch dann greift eine unbekannte Macht ein, entführt die Kreaturen und kontrolliert sie, so dass sie Hauptstädte in der Welt angreifen.

Die kenne ich doch?

Die Hoffnung auf Rettung ruht auf dem Raumschiff Moonlight SY-3 unter dem Kommando von Captain Yamabe. Für ihn ist die Sache persönlich, da seine Geliebte Kyoko von den Aggressoren entführt und ebenfalls unter Kontrolle gebracht wurde. Und schon bald steht fest, dass hinter den Attacken die Kilaaks stehen, eine Rasse außerirdischer, humanoid erscheinender Frauen. Sie verlangen die vollständige Unterwerfung der menschlichen Spezies, ansonsten würde diese ausgelöscht.

Frankenstein und die Monster aus dem All ist ein wahres Déjà-vu für alle Godzilla-Fans. Denn es gibt ein Stelldichein vieler bekannter Kreaturen. Neben dem Titelhelden und dessen Sohn Minilla tauchen auch Rodan (Frankensteins Monster im Kampf gegen Gidorrah), eine Mothra-Raupe (Godzilla und die Urweltraupen) und Anguirus (Godzilla kehrt zurück) auf. Ebenso hat auch Spiga von Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn einen Kurzauftritt und es werden Gorosaurus (King Kong: Frankensteins Sohn), Baragon (Frankenstein: Der Schrecken mit dem Affengesicht) und Manda (U 2000: Tauchfahrt des Grauen) kanonisiert.

Dabei darf man das Wort „kanonisiert“ nicht überbewerten. Denn genau wie bei Befehl aus dem Dunkel hat man den Eindruck, dass das Filmabenteuer nicht in demselben Universum wie die früheren Teile der Reihe spielt. Dafür sorgt schon der Zeitpunkt, der mit Ende des 20. Jahrhunderts diesen Kaiju-Film mehr wie ein SciFi-Abenteuer wirken lässt.

Starker Finalkampf

Das verdeutlicht auch der Rest von Frankenstein und die Monster aus dem All. Noch mehr als sonst fokussiert sich der Film auf die Erlebnisse der menschlichen Protagonisten. Die Monster tauchen zwar ebenso auf, doch wirken ihre Auftritte in den jeweiligen Szenen eher wie nachträglich eingefügt, um den Traditionen des Genres und den Erwartungen der Fans Genüge zu tun.

In weiten Teilen des Geschehens sieht man nur, wie sie durch die Gegend stapfen und irgendwelche billigen Kulissen zerstören. Letzten Endes lebt der Film dann auch weniger von diesen eher behäbig inszenierten Passagen als vielmehr von dem Déjà-vu-Erlebnis, das man als Fan der Reihe beim Zuschauen dieser Szenen bekommt. Zu sehen, wie Rodan und Anguirus nach all den Jahren wieder durchs Geschehen pilgern, das hat schon etwas.

Und am Ende von Frankenstein und die Monster aus dem All gibt es sogar eine gigantische Kampfszene, in der alle Ungeheuer gemeinsam gegen ein anderes Monster antreten. Welches das ist, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Nur soviel: Es handelt sich um eine weitere Kreatur, die Fans der Filmreihe sehr bekannt vorkommen dürfte und zu dem Déjà-vu-Gefühl des Films passt.

Charakterisierung? Wenn es unbedingt sein muss …

Doch wie schon gesagt, konzentriert sich das Leinwandabenteuer weniger auf die Monstren als vielmehr auf die menschlichen Protagonisten. Die realen Schauspieler erhalten mehr Screentime als die Ungeheuer, um die sich die Reihe ja normalerweise dreht. Und interessanterweise geht dieser Ansatz sogar perfekt auf.

Denn Katsuo Yamabe ist ein handfester Hero, wie er im Buche steht. Willensstark und zielstrebig setzt er sich für das Schicksal seiner Heimat ein und versucht herauszufinden, was hier wirklich geschieht. Er ist der klassische Heldentyp, mit allen Wassern gewaschen und in der Lage, aus jeder Notsituation herauszukommen. Seine Beziehung zu Kyoko Manabe dient natürlich einzig und allein dem Zweck, ihn etwas zu humanisieren.

Man darf von Frankenstein und die Monster aus dem All dabei keine bahnbrechenden Charakterisierungsmomente erwarten. Im Gegenteil: Der Plot wirkt häufig wie Malen nach Zahlen, mit einem Minimum an Szenen, in denen die Charaktere über das absolute Notwendige hinausgehen. Jede Figur hat ihren Sinn und Zweck und erfüllt diesen, damit die Handlung vorwärtskommt. Andrew Hughes darf als Dr. Stevenson falsch liegen, so dass Jun Tazaki als Dr. Yoshido ihn korrigieren kann. Die Kilaaks sind die Gegenspieler, mysteriös, geheimnisvoll und ohne sonderlich viel Tiefe. Man erfährt weder, wieso sie die Erde unterwerfen wollen, noch, wieso sie ausgerechnet die Gestalt von irdischen Frauen angenommen haben.

Solide

Das so vieles in diesem Film nicht angesprochen wird, mag auch dem absurd hohen Handlungstempo geschuldet sein. Das Abenteuer muss voranschreiten, viel Zeit zum Stillstehen und Reflektieren bleibt nicht. Und so ist Yamabe eben noch im Raumschiff, nur um in der nächsten Szene auf der Oberfläche des Mondes zu stehen. Doch was unter Umständen wie gehetzt wirken könnte, kann hier überzeugen. Eben weil man trotz aller Schwächen Frankenstein und die Monster aus dem All genießen kann. Es ist ein solider Actionfilm, der die passende Mischung aus Spannung und Unterhaltung trifft. Dass die Charakterzeichnungen minimal sind und die Ungeheuer-Szenen auch eher spärlich eingesetzt werden, stört einen einfach nicht. Dafür gefällt viel zu sehr die Inszenierung als grundsolider SciFi-Film.

Denn das ist er. Alles, von der Story bis hin zu den Modellen spricht dafür. Stellenweise wirken letztere sogar so, als ob sie von dem britischen Serienmacher Gerry Anderson stammen könnten. Man hat hier wirklich das Gefühl, dass alles stimmt und ineinanderpasst.

Und gerade deshalb ist Frankenstein und die Monster aus dem All – trotz des mal wieder idiotischen deutschen Titels – einer der besseren Godzilla-Filme der letzten Zeit! Was sich allerdings nicht an den Kinokassen niederschlug. Gegenüber einem Budget von 200 Millionen Yen spielte er nur 170 Millionen Yen ein.

Warpskala

Warpskala
8 10 0 1
8/10
Total Score

Positiv

  • Auftritt vieler bekannter Monster
  • Großartiges SciFi-Feeling
  • Starker Finalkampf

Negativ

  • Kaum tiefergehende Charakterisierungen
  • Ungeheuer überwiegend nur Staffage
Götz Piesbergen
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