[DPP 2019] Interview mit Lieven L. Litaer, dem Klingonischlehrer

Lesezeit circa: 7 Minuten

Im Rahmen unserer Berichterstattung über den Deutschen Phantastik Preis 2019 darf natürlich der Klingonischlehrer Lieven L. Litaer nicht fehlen.

KlingonischlehrerWir hatten bereits Klaus N. Frick für die beste Serie und Björn Sülter für das beste Sekundärwerk. Aber wie steht es mit der besten Übersetzung? Hier ist „ta’puq mach“, die Übersetzung von „Der kleine Prinz“ ins Klingonische, nominiert. Wir sprachen mit dem Übersetzer und Klingonischlehrer Lieven L. Litaer.

Hallo Lieven, vielen Dank, dass du dir die Zeit für uns genommen hast.

Hallo, qay’be‘ – das heißt: kein Problem. Das mache ich doch gerne. Immerhin sehe ich es als meine selbst auferlegte Aufgabe, die klingonische Sprache in der Welt zu verbreiten.

Für die Leser, die dich noch nicht kennen, erzähl uns doch mal ein wenig über dich.

Um es ganz kurz zu fassen, würde ich einfach sagen: tlhIngan Hol ghojmoHwI‘ jIH. Ich bin der Klingonischlehrer. In diesem Umfeld spare ich mir mal kurz die Erklärung, was Klingonisch überhaupt ist. Ich selbst war seit meiner Kindheit schon ein großer Star-Trek-Fan und interessierte mich gleichzeitig auch fürs Sprachen lernen. Als ich dann auf Klingonisch stieß, war das für mich wie eine Traumhochzeit meiner beiden Hobbys! Über die Jahre hinweg bin ich zum weltweit führenden Experten für die klingonische Sprache geworden und habe großen Spaß daran, allen Interessierten die Sprache näher zu bringen.

Du hast eine Sprachschule für Klingonisch?

teHbej. Ja, das stimmt, obwohl die Wortwahl etwas ungewöhnlich ist. Ich würde es eher so formulieren, dass wir einmal im Jahr ein dreitägiges Seminar veranstalten, in welchem man Klingonisch lernen und üben kann. Das fing alles damit an, dass ich selbst auf der Suche war, Gleichgesinnte zu treffen, und als sich die Suche als ergebnislos erwies, entschied ich, einfach selbst für ein solches Treffen zu sorgen.

Du bist ja schon länger als Autor aktiv. Wäre es ein Traum für dich, deinen eigentlichen Job an den Nagel zu hängen und nur noch Autor zu sein?

Das ist schwierig, zu beantworten, denn ich weiß von Autorenkollegen, dass auch die Arbeit eines Autors eine richtige und schwere Arbeit ist. Außer natürlich, man schafft einen Bestseller, der sich millionenfach verkauft… aber davon kann man als Autor auch nur träumen. Wenn das aber mal passieren sollte, hätte ich natürlich nichts dagegen und würde mich sicherlich gerne mehr klingonischen Büchern widmen. Momentan läuft das aber nur als Hobby nebenher.

Warum hast du dich für eine Übersetzung von „Der kleine Prinz“ entschieden?

ta’puq mach vIparHa’mo‘. Es gibt hier mehrere Gründe, die ineinander greifen. Zum einen reist der kleine Prinz von Planet zu Planet, was ja schon irgendwie ein Element von Science-Fiction enthält, wenn auch nicht viel. Zweitens ist „Der kleine Prinz“ für Kinder geschrieben und verwendet daher eine recht einfach verständliche Sprache. Das macht nicht nur die Übersetzung einfacher, sondern auch das Verständnis des übersetzten Textes ist einfacher für den Leser. So ist zum Beispiel die klingonische Übersetzung des Hamlet nicht wirklich für Anfänger geeignet, wenn schon die deutsche oder gar englische Fassung kaum lesbar ist. Hier ist „Der kleine Prinz“ definitiv alltagstauglicher.

Aber es gibt noch einen weiteren Punkt, der mitunter einer der ausschlaggebenden Gründe war: Ich wollte beweisen, dass man mit Klingonisch auch solche Elemente ausdrücken kann, die nicht typisch für Klingonen sind. Was ich hier meine, ist, dass man mit Klingonen immer Ehre und Kampf und Aggressionen verbindet. Der kleine Prinz hingegen ist ein naives kleines Kind, welches eine Geschichte von Freundschaft erlebt, die ins Herz geht. Und trotzdem, obwohl es so widersprüchlich erscheint, zeigt die Geschichte Elemente auf, die sehr wohl sehr klingonisch sind: Die Loyalität und Opferbereitschaft, die der kleine Prinz aufzeigt, entsprechen genau dem klingonischen Charakter, den Mister Worf in der Star-Trek-Folge mit Kahless schon erklärte: Die wahre Kraft liegt im Herzen.

Dein Werk ist für den Deutschen Phantastik Preis nominiert. Das wäre das erste Mal, dass ein klingonisches Werk einen Preis gewinnt. Aufgeregt?

Oh – ja, auf jeden Fall! jISeyqu‘. Ich bin ja schon sehr erfreut darüber, dass mein Buch für den Preis nominiert wurde, und auch noch mehr, dass es sogar die Vorauswahl überstanden hat. Aber wenn ich diesen Preis gewinnen würde, würde wohl mein Autorenherz im siebten Himmel schweben. Immerhin wäre dies wirklich das erste Mal, dass ein klingonisches Werk einen Preis erhält. Ich habe ja schon viel erreicht, aber dies wäre wahrscheinlich einer der Höhepunkte meiner Karriere als Klingonischlehrer.

Du hast bisher ja nur Sachbücher verfasst. Hast du Interesse, auch mal einen Roman zu schreiben?

ghobe‘. Nein, sicherlich nicht. Ich bin Experte für klingonische Sprache und werde dazu sicherlich noch mehr schreiben, aber Fiktion war noch nie so mein Gebiet. Auch lese ich auch privat viel mehr Sachbücher als Romane.

Erzähl mal, wie läuft so ein Seminar ab?

Auf dem ersten Blick erscheint das Seminar relativ ungeordnet, denn wir haben eine starke Mischung von Experten und Anfängern. Aber hier gilt: der Weg ist das Ziel und wir müssen den Anfängern immer deutlich erklären, dass wir keine Leerlaufzeiten haben. Es gibt keine Pausen zwischen den Lesungen. Es wird einfach immer und überall Klingonisch geübt und gesprochen, sei es im Vortragsraum, auf dem Hotelzimmer oder im Speisesaal.

Die Anfänger lernen von den Fortgeschrittenen, es gibt viele Spiele und Übungen, und natürlich auch viele Vorlesungen und Vorträge. Es ist aber immer abwechslungsreich gehalten, damit es nicht zu sehr an die Schule erinnert. Aber zum Schluss haben sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene etwas gelernt – und vor allem Spaß gehabt, das ist doch das Wichtigste!

Was machst du, wenn du den Preis abräumst?

Darüber habe ich bisher noch nicht nachgedacht. Ich freue mich?

Vielen Dank für deine Zeit und das Gespräch.

Gern geschehen. Wie schon eingangs erwähnt, ist es meine Aufgabe euch dabei zu unterstützen, Klingonisch zu lernen. Wenn ihr dabei Spaß habt, haben wir unser Ziel erreicht.

Der Deutsche Phantastik Preis

Beim Deutschen Phantastik Preis handelt es sich um einen seit 1999 jährlich vergebenen Preis in diversen Kategorien für phantastische Literatur. Zu den Preisträgern zählen Reihen wie Perry Rhodan und Autoren wie Andreas Eschbach. Mehr über den Deutschen Phantastik Preis gibt es auf der Website des Preises.

Die Gewinner des Preises für das Jahr 2019 werden am 23. November auf der Buch Berlin geehrt. Die Abstimmung (auf der Website des Preises) geht bis zum 31. Oktober 2019.

Über den Klingonischlehrer

Lieven L. Litaer ist eigentlich Architekt. Im deutschen Sprachraum ist er aber vor allem für seine Klingonischkünste bekannt. Er trat mehrfach in Fernsehsendungen auf und lieferte die Übersetzung für die klingonischen Untertitel der Serie Star Trek: Discovery. Das Klingonischwiki, welches aus dem alten Wiki des KLI (Klingon Language Institute) hervorging, stammt unter anderem von ihm. Der Klingonischlehrer schrieb den klingonischen Vorspann für „Die Sendung mit der Maus“ und sprach diesen auch selbst. Seit 2009 hält er Vorträge auf Conventions und bekam 2017 die Auszeichnung „Freund von Maltz“, welche für besondere Verdienste um die klingonische Sprache vom KLI verliehen wird. Er lebt mit seiner Frau in Dudweiler, einem Stadtteil von Saarbrücken.

Klingonischwiki: http://www.klingonwiki.net
Seine Homepage: http://www.klingonisch.net

Bildquellle: http://www.klingonwiki.net/De/LievenLitaer

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Marco Golüke

Marco ist Jahrgang 78 und mit Star Trek, Star Wars, Galaxy Rangers, Babylon 5 und was es nicht noch alles gibt groß geworden. Er ist der Gründer, Chefredakteur und Herausgeber dieses Magazins und kümmert sich somit auch um alles Organisatorische. Nebenbei schreibt der Familienvater auch noch Kinder- und Kurzgeschichten.
Marco Golüke

Marco Golüke

Marco ist Jahrgang 78 und mit Star Trek, Star Wars, Galaxy Rangers, Babylon 5 und was es nicht noch alles gibt groß geworden. Er ist der Gründer, Chefredakteur und Herausgeber dieses Magazins und kümmert sich somit auch um alles Organisatorische. Nebenbei schreibt der Familienvater auch noch Kinder- und Kurzgeschichten.

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