Kolumne: Godzilla, King Kong und die Hohlerde

Lesezeit circa: 9 Minuten

Das heiß ersehnte Aufeinandertreffen von Godzilla und King Kong ist am 1. Juli in den Kinos gestartet. Doch hat sich das lange Warten gelohnt?

Eigentlich hatte ich mich auf Godzilla vs. Kong gefreut. Der erste Teil der Neuinterpretation aus Hollywood war rundum gelungen, zumal Godzilla von 2014 im Gegensatz zu Roland Emmerichs Rohrkrepierer von 1998 wieder stark an die alten japanischen Filme angelehnt war. Kong: Skull Island von 2017 war ebenfalls nicht schlecht und von daher war ein Remake des alten King Kong gegen Godzilla von 1974 nur logisch. Zwischendrin gab es 2019 noch Godzilla II: King of Monsters, der mir persönlich etwas zu überladen war und den wenigen Charakteren aus Teil 1 wenig Raum für ihre Weiterentwicklung gelassen hat. Zumindest war er aber nicht so schlecht, dass er mich von weiteren Fortsetzungen abgeschreckt hätte.

Nun saß ich also gespannt im Kino und tatsächlich hat mich der Einstieg positiv überrascht. Ein deutlich erwachsenerer Kong trifft auf ein kleines Mädchen, welches ihm Gebärdensprache beigebracht hat. Bei dem riesigen Gehirn sollte es nicht verwundern, dass der Affe hochintelligent ist. Auf die Illusion von Freiheit, welche ihm die Anlage der Organisation Monarch vortäuscht, fällt er nicht herein. Stattdessen wächst sein Ärger über die Gefangenschaft, die allerdings nötig ist, um ein Aufeinandertreffen mit Godzilla zu verhindern.

Godzilla ist derweil seit Jahren untergetaucht, doch nun kehrt er zurück und verwüstet Anlagen des Apex-Konzerns. Nicht ganz ohne Grund, wie sich noch herausstellen wird. Was wirklich hinter den Angriffen steckt, will der Apex-Techniker Bernie Hayes (Brian Tyree Henry) herausfinden, der nebenher den Titan Truth Podcast betreibt. Leider kommt Hayes weniger wie ein ernstzunehmender Wikileaks-Whistleblower rüber, als vielmehr wie ein Verschwörungsgläubiger, der irgendwas von den Illuminaten quatscht.

Irrwitzigerweise benutzt er als Logo für seinen Podcast eine Pyramide mit allsehendem Auge. Sollten das aber nicht eher die Verschwörer benutzen? Es macht überhaupt keinen Sinn, dass sich Hayes der Symbolik derer bedient, die er auffliegen lassen will. Obendrein hat er sich dabei auf die Illuminaten eingeschossen, doch deren Symbol war eigentlich die Eule der Minerva. Die Pyramide mit Auge ist dagegen ein Freimaurersymbol, weshalb ihr Auftauchen im US-Staatssiegel auf der 1-Dollar-Note auch eher für die historisch verbrieften Logenmitgliedschaften der amerikanischen Gründungsväter spricht, als für eine sinistere Illuminatenverschwörung, wie sie heutzutage in der Truther-Szene populär ist.

Godzilla
Nein, dies ist kein Symbol der Illuminaten!

Worauf der Film damit hinaus will, wird nicht ganz klar. Mal abgesehen von der schlampigen Recherche wirkt Hayes dadurch wie ein dümmlicher Verschwörungsdepp. Das ist er aber mitnichten, denn tatsächlich stößt er auf ein ganzes Netzwerk von militärischen Untergrundbasen, in denen an Abwehrsystemen gegen Titanen geforscht wird. Soweit könnte man noch mitgehen, denn derartige Untergrundbasen gibt es u.a. in der sagenumwobenen Area 51 tatsächlich. Die Erklärung ist dabei so simpel wie logisch, denn seit es Satellitenüberwachung gibt, setzen die Großmächte alles daran, ihre militärischen Geheimprojekte vor der Gegenseite zu verstecken. Bei Apex kommt außerdem hinzu, dass die Haltung von Megamonstern schlichtweg zu gefährlich ist, um mit ihnen an der Erdoberfläche herumzuexperimentieren.

Die Verschwörungstheorie der Deep Underground Military Bases (das kürzt man tatsächlich mit DUMBs ab) passt also noch ganz gut ins Gesamtkonzept und ist nicht allzu abwegig, als dass es dem Film schaden würde. Den ganzen Verschwörungsmumpitz drumherum hätte man sich jedoch sparen können. Hayes wäre ein glaubwürdigerer Charakter, wenn man aus ihm einen ernsthaften Whistleblower gemacht hätte. Immerhin gibt es mit Leuten wie Edward Snowden reale Vorbilder, die durchaus echte Verschwörungen aufdecken.

Leider gleitet der Film jedoch noch tiefer in das Themenfeld kruder Internetmythen ab. Um der Herkunft der Titanen auf den Grund zu gehen, engagiert Monarch Dr. Nathan Lind (Alexander Skarsgård), welcher die Theorie der Hohlen Erde vertritt. Eine Flotte bricht mit ihm und King Kong Richtung Antarktis auf, um dort in die innere Erde vorzudringen. Nach einem kurzen Zusammenstoß mit Godzilla gelingt die Reise nach Argatha, wo Kongs Ahnen gigantische Ruinen hinterlassen haben.

Erst einmal zu den offensichtlichen Logiklücken. King Kongs Spezies hatte also einst eine hoch entwickelte Zivilisation, aber dennoch verhält er sich mehr wie ein Gorilla und fängt erst an, Werkzeuge und Waffen zu benutzen, als er diese im Nachlass seiner Vorfahren entdeckt? Das macht ebenso wenig Sinn, wie die Zivilisation an sich. Diese soll sich in einer Welt der Monster entwickelt haben, in welcher Godzilla der Alpha-Prädator ist? Und wo zum Henker sind alle hin?

Die Glaubwürdigkeit ist allerdings sowieso dahin, denn der Gipfel der Lächerlichkeit ist die Theorie der Hohlerde an sich. Zum einen wirft diese alles über den Haufen, was wir über die Entstehung der Planeten wissen. Durch die freiwerdende Energie bei der Formung von Protoplaneten werden diese zunächst flüssig. Schwere Elemente wie Eisen und Nickel sinken nach unten und bilden dort einen Kern, leichtere Elemente sammeln sich im Mantel. Durch Abkühlung entsteht schließlich eine Kruste. Das Entstehen einer Planetenkruste ohne Kern ist physikalisch unmöglich. Solch eine Struktur könnte nur künstlich erschaffen werden, in etwa so wie die bewohnbare Innenseite der Raumstation Babylon 5.

Auf die Erde trifft das offensichtlich nicht zu. Sie ist ein natürlicher Planet mit einem Mantel aus Magma, auf dem die Kruste schwimmt. Die Anhänger der Hohlerde-Theorie ignorieren sowohl die Plattentektonik als auch den Vulkanismus. Zudem würde die Anziehungskraft des Mondes die Erde zum Bersten bringen, wenn diese hohl wie eine Weihnachtsbaumkugel wäre. Sofern die Erde dann natürlich noch ein ausreichendes Gravitationsfeld aufbringen könnte, um den Mond überhaupt zu halten.

Ich fasse mal kurz zusammen: Die Hohlwelt-Theorie ist völliger Unsinn, der nicht nur an den physikalischen Gesetzen, sondern auch an der offensichtlich erlebbaren Realität scheitert. Mir stellt sich ernsthaft die Frage, wo die Drehbuchautoren recherchiert haben? Auf dem Twitter-Account von Xavier Naidoo? Ach nee, bei dem ist die Erde ja flach.

Darf ein Film solche Theorien denn überhaupt aufgreifen? Durchaus, aber es kommt dabei auf den Kontext an. Jules Vernes Reise zum Mittelpunkt der Erde ist zum Beispiel ein Klassiker, der aus einer Zeit stammt, in der man noch nicht viel über den Aufbau der Erde und noch gar nichts über Plattentektonik wusste. Die Verfilmung von 2008 funktioniert darüber hinaus vor allem deswegen, weil sie eben keine hohle Innenseite der Erde zeigt, sondern lediglich Hohlräume, die es in der Erdkruste durchaus geben kann. Nur deren Bewohnbarkeit ist eher unwahrscheinlich.

Ein Kontext, der ebenfalls funktioniert, ist die Parodie. Iron Sky II: The Coming Race ist hierbei positiv hervorzuheben. Schon der erste Teil spielt mit kruden Verschwörungstheorien von Reichsflugscheiben und Mondnazis. In der Fortsetzung reiten die Nazis auf Dinosauriern durch die Hohlwelt, deren Eingang in diesem Film ebenfalls auf Antarktika liegt. Bei Iron Sky II ist das alles witzig, weil es Satire ist. Godzilla vs. Kong ist dagegen ein ernst gemeinter Monsterfilm, den man durch die Einbeziehung der Hohlwelt-Theorie leider gar nicht mehr ernst nehmen kann. Als die Flotte mit King Kong in der Antarktis eintrifft, haben eigentlich nur noch ein paar Reichsflugscheiben gefehlt, die über Neuschwabenland aufsteigen.

Um das Thema an dieser Stelle abzukürzen: Der krude Verschwörungsmix passt weder zu Godzilla noch zu King Kong und dürfte dem Franchise nachhaltigen Schaden zugefügt haben. Die Riesenechse kam zwar schon in dem einen oder anderen japanischen Film aus einem Vulkan gekrochen, doch die Hohlerde wurde dabei nie erwähnt. Der Riesenaffe stammte derweil immer von der Tropeninsel Skull Island und nicht aus Agartha. Die Neuinterpretation in Godzilla vs. Kong fühlt sich einfach falsch an. Man kommt sich eher vor wie in der Serie Sanctuary, die wohl nicht ohne Grund abgesetzt wurde, nachdem sie dem Hohlweltmythos anheimgefallen ist.

Wenn die Titanen stattdessen aus einem Dimensionsriss im Bermuda-Dreieck stammen würden, wäre das allemal glaubwürdiger gewesen. Allerdings ist diese Idee bereits mehr oder weniger in den Pacific Rim-Filmen aufgegriffen worden. Nicht, dass sich Godzilla vs. Kong nicht ohnehin bei Pacific Rim: Uprising bedient hätte. Als Mechagodzilla plötzlich außer Kontrolle gerät, weil man bei Apex einen von Ghidorahs Schädeln als Interface für den Piloten benutzt hat, erinnert das stark an die außer Kontrolle geratenen Jäger-Drohnen, die geklonte Kaiju-Gehirne enthalten. Haben die Drehbuchautoren etwa nicht nur von unseriösen Verschwörungsblogs, sondern obendrein auch noch bei der Konkurrenz abgeschrieben?

Es fällt wirklich schwer, dem Film nach alldem noch etwas Positives abzugewinnen. Erwähnenswert wäre auf jeden Fall der gelungene Soundtrack und natürlich sind auch die Spezialeffekte  top. Immerhin, doch das allein macht noch keinen guten Film aus. Der Einstieg war, wie bereits erwähnt, vielversprechend. Ebenso war absehbar, dass Godzilla und Kong am Ende zusammenarbeiten müssen. Der Plot um die geheime Erschaffung des Mechagodzillas wäre dabei völlig ausreichend gewesen. Hätte sich der Film mehr darauf konzentriert, wäre er zumindest nicht schlechter geworden als King of Monsters.

Ob es nun überhaupt eine weitere Fortsetzung geben wird, ist mehr als fraglich. In welche Richtung könnte eine solche jetzt schon noch gehen? Kämen darin auf Dinosauriern reitende Nazi-Echsenmenschen vor? Vielleicht sollte man das Godzilla-Franchise wieder den Japanern überlassen, auch wenn sich dann wieder ein Typ im Gummikostüm zu Tode schwitzen muss.


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