Fast 40 Jahre haben Fans auf einen neuen Film gewartet – und nach vielen Gerüchten und Fehlschlägen ist es nun soweit.
Wer unser Magazin schon ein wenig verfolgt, der hat sicherlich schon bemerkt, dass ich dem Planeten Eternia sehr angetan bin. Sonst hätte ich bestimmt nicht Masters of the Universe von 1987 besprochen, oder Comics, Hörspiele und Serien dieses Franchises. Und wer unseren warpCAST kennt, der hat vielleicht auch schon Radio Eternia gehört, bei dem ich zusammen mit dem MotUDad Toby unser über Lieblingshobby fachsimple. Darüber hinaus habe ich für diverse Magazine und YouTube-Kanäle schon Beiträge darüber verfasst und sogar Vorträge gehalten.
Ich bin ein Mastersfan durch und durch. Dementsprechend hatte ich hohe Erwartungen. Und ich kann diese Rezension nicht ohne SPOILERWARNUNG schreiben.
Handlung
Der 10jährige Prinz Adam ist kein Krieger, er spielt lieber. Als Skeletor mit seiner Armee den Palast angreift, muss die Königsfamilie fliehen. Nur Adam gelingt die Flucht, zusammen mit dem Schwert der Macht von Eternia. Seine Mutter schickt ihn auf ihren Heimatplaneten, die Erde, wo er für die nächsten 15 Jahre nach seinem Schwert sucht. Kurz nachdem er es gefunden hat, taucht ein haariges Biest auf, dass ihn jagt. Er bekommt Hilfe von einer jungen Frau, die sich als seine Kindheitsfreundin Teela herausstellt. Sie nimmt ihn mit zurück in seine Heimat, die Skeletor verwüstet hat.
Rezension
Im Vorfeld wurde viel gemeckert. Warum schon wieder die Erde? Warum ist Duncan schwarz? Wenn da kein Orko ist, dann ist der Film ein Flop. Warum ist Grayskull so nah an Eternos? Wo ist das Schwert von Tri-Klops? Ihr kennt das sicherlich aus vielen Franchises – es kommt was neues und die „Fans“ meckern erstmal los, statt dem Werk einfach mal eine Chance zu geben. Und wenn es einem dann doch nicht gefällt, ist das eben so – wir Fans sind alle sehr unterschiedlich und erwarten verschiedene Sachen von unseren Franchises. Es wird niemals etwas geben, bei dem jeder zu 100% zufrieden ist. Und dann kommt eben noch dazu, dass wir es hier mit einer über 40 Jahre alten Idee zu tun haben, die sich in erster Linie an Kinder richtet. Und eben auch neue Kinder ansprechen soll. Deswegen bekamen wir 2002 die erste Neuauflage (ich klammere die New Adventures einmal aus) und 2021 die zweite. Beide Serien richteten sich wieder an Kinder, während Masters of the Universe Revelation aus dem gleichen Jahr sich mehr an die erwachsenen Fans richtete. Dieser Film muss also einen Spagat schaffen – alte und neue Fans zugleich.
Von Eternia über die Erde wieder zurück
Der Anfang des Films ist simpel aufgebaut und kommt schnell zum Punkt. Nach einer Erzählung über die grundlegenden Dinge, wie Schloss Grayskull, dem Schwert und Eternia wird kurz erklärt, welche Funktion Man-At-Arms (Idris Elba) hat und zeigt die Ansprüche die König Randor (James Purefoy) an seinen Sohn stellt. Dann greift Skeletor (Jared Leto) an und das Chaos bricht aus. Wer denkt, die Flucht geht schnell vonstatten, irrt sich. Der Angriff ist actionreich inszeniert, inklusive einem Duell zwischen Man-At-Arms und Trap Jaw (Sam C. Wilson) – bei dem der Verteidiger den Kürzeren zieht und nur dank seiner Tochter Teela mit dem Leben davon kommt.
Auf der Erde ist weniger Action angesagt. Adam (Nicholas Galitzine) ist auf der Suche nach dem Schwert und kommt so auch mit seiner Arbeit in Konflikt, denn er ist regelrecht besessen davon. Hier lernt er aber viel über Mitgefühl und Empathie. Und nachdem er das Schwert auch endlich gefunden hat, überschlagen sich die Ereignisse. Er zerstört eine Statur von Torak – später mehr zu ihm – da dieser sein Schwert in der Hand hält. Nachdem die Zauberworte nicht den gewünschten Effekt haben, flieht er aus dem Laden, bekommt Ärger mit der Polizei, logischerweise, und dann kommt erneut die Action. Beast Man, der hier nicht so genannt wird, ist absolut gelungen und wirkt tatsächlich mehr wie eine Bestie, als ein Mann. Er springt von Autodach zu Autodach, reißt Türen aus den Fahrzeugen und rennt auch die meiste Zeit auf allen Vieren. Teela (Camila Mendes) rettet ihn und sie können der Bestie knapp entkommen. Teela ist eine Augenweide – und das beziehe ich auf das Kostüm. Früher waren die Damen immer eher knapp bekleidet und zeigten viel Haut – was als Kriegerin einfach absolut doof ist. Man muss da ja nur an Rüstungssets aus Rollenspielen denken, die in der weiblichen Version bauchfrei waren. Supergirl trägt einen Rock, Wonder Woman eine knappe Hose und eine Corsage. Auch Teela und vor allem Evil-Lyn waren ähnlich spärlich bekleidet in der alten Figurenreihe und Trickserie. Hier aber wird die Kleidung praktischer, aber man sieht den Ursprung noch sehr deutlich. Die Farbgebung passt, sie trägt nur einfach Hose und einen Halfter für eine Schusswaffe – ihr Stab darf aber natürlich auch nicht helfen. Adam übrigens trägt ein rosa Hemd, was dem alten Look sehr entspricht – nur eben auf die Erde angepasst.
Und damit bin ich schon bei einem der wichtigsten Punkte für eine solche Verfilmung. Charakterdesigns. Und hier punktet der Film massiv. Natürlich gibt es Anpassungen, denn Comics, Trickserien oder Actionfiguren sprechen eine andere Zielgruppe an, als ein Kinofilm. In den letzten Jahren, auch dank des MCU, werden diese Kostüme aber immer akkurater. Waren die Designs im 87er Film noch komplett nicht wiederzuerkennen, sind es hier lediglich Adaptionen, die dem Original aber sehr gerecht werden. Änderungen, wie der Schwertkämpfer Tri-Klops (Kojo Attah), der nun ein Scharfschütze ist, machen Sinn. Immerhin hat er dank seiner drei Augen verschiedene Sichtmodi, die als Scharfschütze einen enormen Vorteil bieten.
Eine gute Mischung
Generell bedient sich der Film so ziemlich jeder Quelle, die es gibt. Nur die deutschen Hörspiele fehlen, aber das ist nachvollziehbar. Roboto war in der 2002-Serie zuerst ein Schachcomputer, der sich später selbst umprogrammiert und ein starker Kämpfer wird – hier war sie zuerst eine Dienstmagd, nachdem sie Duncan fast getötet hätte. Teela als Pflegetochter von Man-At-Arms kommt aus dem Filmation Cartoon, ebenso wie die Herkunft von Königin Marlena – die Erde. Ihr Nachname war früher Glenn, den Adam auf der Erde auch trägt. Adam selbst ist auch aus dem Filmation Cartoon, die ursprüngliche Version ist eine ganz andere, aber Adam/He-Man ist heute Kanon und nicht mehr wegzudenken. Das Adam aber ein Nachfahre großer Krieger ist, stammt wieder aus dem Cartoon von 2002 – hier wurde King Grayskull eingeführt, dessen Kraft auf Adam übergeht und ihn zu He-Man macht. Dies wurde hier nicht so deutlich gemacht, denn hier ist die Macht ein wenig anders. Es ist also erneut eine andere Interpretation des Quellmaterials, aber in sich stimmig. Adam ist tatsächlich auch als Erwachsener noch sehr „kindisch“ unterwegs. Er sieht die Dinge anders, aber genau das ist es, was ihn zu He-Man am Ende macht. Dieser war seit dem Filmation Cartoon nie ein einfacher Haudrauf, er lies die Fäuste nur sprechen, wenn Worte oder andere Dinge nicht reichten. So verbiegt er mal die Laserkanone von Trap Jaw, damit er niemanden schaden kann – sein Schwert nutze er auch nur als Werkzeug und nicht als Waffe. He-Man ist eben mehr als Muskeln, auch wenn diese immer sehr herausstachen. Dazu passt auch, dass der neue Darsteller eben kein Muskelprotz wie Dolph Lundgren ist. Gut definiert ist er aber schon.
Nicht nur die Handlung nimmt sich ihre Teile aus verschiedenen Quellen, auch die Charaktere stammen aus verschiedenen Medien. Goat Man stammt aus dem Kinderbuch Secrets of the Dragon’s Egg, Pigboy und Karg aus dem Film von 87. Und für die, die sich richtig gut auskennen – Dian (Christiaan Bettridge) ist wirklich weit ausgeholt, denn sie stammt aus Comicstrips die in den 80ern in amerikanischen Zeitungen veröffentlicht wurden.
Easter Eggs, Easter Eggs und Easter Eggs
Mit Dolph fangen wir dann auch gleich an. Denn dieser spielt natürlich mit – so eine Cameo kann man ja auch nicht verstreichen lassen. In einem Fitnessstudio gibt er Adam ein paar Tipps und wünscht ihm am Ende „Gute Reise“ mit einer Handgeste. Diese Verabschiedung stammt aus dem 87er Film. Lundgren hatte übrigens auch verlauten lassen, dass er gerne nochmal mitspielen würde – als King Grayskull. Wäre sicherlich eine klasse Idee.
Und dann gibt es viele kleine Easter Eggs. Im Hintergrund sieht man in einer Szene zwischen Marlena und Adam einen Helm – Marlena kommt wie gesagt von der Erde und das wird im alten Cartoon auch einmal gezeigt – mit diesem Helm. Der Laden, in dem die Torak Statue steht, heißt The Fright Zone – wie das Domizil von Hordak, dem Anführer der Wilden Horde und in manchen Versionen auch dem ehemaligen Lehrmeister von Skeletor. Im gleichen Laden sehen wir auch Big Jim Figuren, einer anderen Actionfiguren Reihe von Mattel, die einen direkten Bezug zu den Masters of the Universe hat. Das Spielzeug Battle Cat ist eigentlich der Tiger von Big Jim, nur anders bemalt und mit Rüstung. Torak wiederum ist eigentlich Vikor, ein früher Entwurf von Mark Taylor, der zusammen mit Roger Sweet all dies überhaupt erst möglich gemacht hatte.
Ein Film, der sich nicht so ernst nimmt
He-Man war schon immer überzeichnet – der Humor war manchmal schräg, die Charaktere noch schräger. Und genau damit spielt dieser Film. Der junge Adam gab den Helden von Eternia eigene Namen. Fisto, wegen seiner großen Faust – und weil er gerne Leute fistet. Ja, das sagt er tatsächlich. Ram Man, weil er ein Mann ist und Dinge rammt und Mekaneck, weil er einen mechanischen Nacken hat. Von den Bösen hat er nur Trap Jaw benannt, aufgrund seines Stahlkiefers. So hießen die Figuren damals wirklich und sie sollten natürlich einfach für Kinder sein. Fisto ist eben der mit der Faust, während Mer-Man (diesen sehen wir später im Hintergrund) im Meer lebt. Adam wird in diesem Film übrigens nie He-Man genannt, denn die Namen kamen ja alle von ihm. Nach dem finalen Kampf scherzen sie alle zusammen über seine Ideen und er verrät, dass er sich selbst als Kind den Namen He-Man gegeben hat. In dieser Szene tragen die Charaktere auch Kostüme die eher der Vorlage entsprechen und sie imitieren das überzogene Lachen aus dem klassischen Cartoon. Und der Prinz von Eternia stellt auch mal die Frage, die wir uns als Kind wohl auch alle gestellt haben: Kommen die Klamotten nach der Rückverwandlung wohl einfach wieder, oder ist er dann nackt? Die Frage wird später dann beantwortet.
Warum die ganze Ablehnung?
Nachdem ich diesen Film gesehen habe, frage ich mich, warum man im Vorfeld so meckern musste. Ja, Man-At-Arms ist nun schwarz. Aber Idris Elba spielt grandios. Duncan ist nicht der Duncan, den wir von früher kennen – keine Frage. Auch He-Man ist zu Beginn nicht der, den wir von früher kennen. Sie werden im Verlauf des Films zu dem, was wir von früher kennen. Und ich verstehe einfach nicht, wieso man bei einem über 40 Jahre alten Franchise nicht einsehen mag, dass manche Dinge da einfach veraltet sind. Damals hat man alle Charaktere weiß gemacht, erst zum Ende der Toyline gab es einen schwarzen Charakter, Clamp Champ. Dieser kam aber erst in Masters of the Universe: Revelation in einer Serie/Film vor. Und das war damals auch sehr üblich, obwohl die Welt anders aussah und He-Man weltweit verkauft wurde. Diversität war gering in den 80ern, wenige Frauen, wenige „Nicht-Weiße“ – divers waren die Fähigkeiten und das generelle Aussehen. Heute wird mehr auf sowas geachtet und der Film sollte auch das aktuelle Publikum ansprechen – denn nur die alten Fans, die werden einfach nicht reichen. Die Welt in der wir leben war schon immer bunt und vielfältig. Die Medien waren es aber nicht.
Die wirklich negative Seite
Der Humor, gerade bei den Bösen, ist manchmal ein wenig drüber, gerade Skeletor wirkt manchmal wie eine Witzfigur. Dazu kommt, dass die deutschen Synchronstimmen teilweise nervig sind. Skeletor hätte einen Sprecher wie Klaus-Dieter Klebsch gut gebrauchen können. Dieser ist den meisten wahrscheinlich am ehesten als Stimme von Dr. House bekannt, er sprach aber auch Skeletor im Cartoon von 2002. Und das wirklich gut. Cringer hingegen ist einfach nur nervig. Und das hier wieder Charaktere getötet werden, wie schon im alten Film, obwohl er sich ja an Kinder richtet, das ist für mich unverständlich. Hier stirbt auch ein Guter vollkommen sinnlos, nachdem er nicht mal wirklich was zur Handlung beigetragen hat. Schade.
Skeletor hat auch keinen Ursprung – was ich einmal hier hin packe, obwohl es nur halb negativ ist. Gerade er hat nämlich viele Versionen – mal ist er ein Dämon, dann wieder Keldor, der eigentlich normal aussieht, aber durch Magie eben diesen Totenkopf bekommt. Und in wieder anderen Geschichten gibt es ein ganzes Volk von ihm und er sucht einen Weg, diese zu sich zu holen und will deswegen die Macht von Grayskull. Ich hätte mir einen Hintergrund zu ihm gewünscht, aber das hätte wahrscheinlich den Film überladen. Deswegen nur halb negativ.
Fazit
Ich musste 39 Jahre auf diesen Film warten. Und es hat sich gelohnt. Wer die Originalserie gesehen und geliebt hat, wie ich und sich ansonsten auch ein wenig weiter damit auskennt, wird hier wirklich seinen Spaß haben. Schade, dass es so lange gedauert hat, aber wahrscheinlich war es auch gut so, denn die Tricktechnik ist heute einfach viel weiter als in den 90ern. Für die Fans, die sich nur grob damit auskennen, ist der Film auch gelungen, denn meine Mutter, mit der ich den Film gesehen habe, war ebenfalls begeistert. Sie hätte sich nur mehr Action gewünscht.
Wer mehr über die Masters of the Universe wissen will, der kann in Ausgabe 8 des Magazins Serien Retro einen Artikel über die Entstehung, den Niedergang und die Auferstehung von mir finden. Erscheint im September 2026. Auch in der kürzlich erschienen Sonderausgabe von Streaming Serien Highlights zum 60sten Geburtstag von Star Trek findet ihr einen Artikel von mir.
Info
Regie: Travis Knight
Drehbuch: Chris Butler
Produktion: Todd Black, Jason Blumenthal, Steve Tisch
Musik: Daniel Pemberton
Kamera: Fabian Wagner
Lust, in unserem Team mitzumischen? Dann schaut doch mal auf unsere MITMACHEN Seite.
Warpskala
Warpskala- Masters of the Universe (2026) - 11. Juni 2026
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