[Star Trek – The Next Generation 005] Mehr als die Summe

Erneut beschäftigt sich die »The Next Generation«-Reihe mit den Borg. Dieses Mal tut das Christopher L. Bennett in »Mehr als die Summe«.

Mehr als die Summe
©Cross Cult
Mal wieder die Borg

Vorab: Wer den Borg inzwischen überdrüssig ist, der sollte um diesen Roman einen großen Bogen machen. Denn zum nunmehr dritten Mal taucht diese Spezies in der »The Next Generation«-Reihe auf. Immerhin geschieht das nicht einfach so: Vielmehr ist dieses Buch der direkte Übergang in die »Destiny«-Trilogie, in der, soviel sei jetzt schon verraten, sich vieles radikal ändern wird.

Wem der Autorenname bekannt vorkommt – von Christopher L. Bennett ist hierzulande Star Trek: Titan 03 – Die Hunde des Orion erschienen.

Die Enterprise erhält eine neue Mission. Sie soll verhindern, dass die Borg eine mächtige Spezies assimilieren, die die »Noh-Engel« genannt werden. Gleichzeitig soll die »Frankenstein«, das von den Borg übernommene Föderationsraumschiff »Einstein« vernichtet werden. Doch wie soll das bewerkstelligt werden?

Neue Figuren braucht das Schiff

Unterstützung erhält die Enterprise durch die Gruppe ehemaliger Borg, geleitet von Hugh. Wobei diese ihre eigenen Probleme haben. Denn einige von ihnen möchten sich fortpflanzen und es ist unsicher ob und wie das gelingen soll.

Ja, es sind wieder die Borg im Spiel. Zum dritten Mal in fünf Romanen darf Jean-Luc Picard gegen diese Spezies antreten. Jegliche Mystik, die sie einst besaßen, ist spätestens jetzt weg. Nur eine Sache verhindert deren endgültigen Abstieg in die Beliebigkeit: Das Ende des Buches, das in die Destiny-Trilogie übergeht. Das Finale deutet nämlich eine gewisse Radikalität an, was ihre Darstellung angeht.

Also gilt es diese Tatsache so gut es geht auszublenden und sich stattdessen auf die positiven Aspekte des Romans zu konzentrieren. Denn der kann durch eine exzellente Charakterisierung überzeugen. Nach den Geschehnissen aus »Heldentod« hat sich das Figurenensemble an Bord der »Enterprise« wieder geändert. Es gibt jede Menge neue Charaktere, die sich erst in das familiäre Gefüge einsortieren müssen. Doch genau wie in »Quintessenz« wird sich die nötige Zeit genommen, die neuen Figuren näher zu beleuchten.

Vulkanisch Menschlich

Dabei sticht vor allem T‘Ryssa Chen hervor. Wie Spock ist sie eine Halbvulkanierin. Doch anders als der berühmteste Vulkanier aller Zeiten neigt sie nicht ihrer vulkanischen Seite zu, sondern mehr ihrer menschlichen. Sie ist ein Emotions- und Energiebündel, die Flirtereien und One-Night-Stands nicht abgeneigt ist. Womit sie, nach meinem Wissensstand, die erste Vulkanierin ist, die so dargestellt wird.

Gleichzeitig ist es auch ein Drahtseilakt, sie nicht zu übertrieben darzustellen oder auf ihr Äußeres zu reduzieren. Doch wiederholt baut Autor Christopher L. Bennett Szenen ein, die beweisen, dass sie einen erstklassigen Verstand besitzt. Sie ist schlicht und ergreifend nur unkonventionell, womit sie frischen Wind ins Figurenensemble bringt.

Die zweite wichtige neue Hauptfigur ist ebenfalls unkonventionell. Jasminder Choudhury ist im Vergleich zu ihrem Vorgänger Zelik Leybenzon eine schon fast pazifistische Sicherheitschefin. Sie versucht Konflikte ohne den Einsatz von Waffen zu lösen, sieht jedoch ein, dass das manchmal nicht möglich ist. Interessant ist, dass es zwischen ihr und Worf förmlich knistert. Hier scheint sich wohl eine Beziehung anzubahnen.

Nachwuchs steht vor der Tür

Ansonsten dreht sich in diesem Roman vieles um das Thema Nachwuchs. Denn sowohl Jean-Luc und Beverly, als auch Hugh und Rebekah Grabowski planen diesen. Doch aus diversen Gründen ist das nicht möglich. Bei Jean-Luc sind es die Bedenken wegen den Borg und bei Hugh die Tatsache, dass die Fortpflanzungsorgane der Befreiten teilweise nur Ruinen sind und extreme medizinische Aufbauarbeit verlangen. Es ist ein interessantes Thema, welches Christopher L. Bennett erfrischend offen und ehrlich niederschreibt.

Ansonsten plätschert die Handlung vor sich hin. Wirkliche Spannung will nicht aufkommen, auch wenn die Spezies der Noh-Engel durchaus abwechslungsreich dargestellt wird. Jedoch zeigt sich beim Plot das Manko, dass die Borg zum dritten Mal in fünf Romanen auftauchen: Die Luft ist raus! Man kann sie nicht ernst nehmen, weil man sich zu hundert Prozent sicher sein kann, dass am Ende erneut ein Weg gefunden wird, um sie zu besiegen. Christopher L. Bennett versucht sein möglichstes, um seine Geschichte lesenswert zu machen. Aber die Vorausetzungen machen ihm dabei einfach einen Strich durch die Rechnung.

Letzten Endes lohnt sich das Buch nur wegen der Charakterisierungen der neuen Besatzungsmitglieder. Der Rest ist einem egal.

Bei Christopher L. Bennett dreht sich dieses Mal alles um das Familienleben im All.

Bewertung 9/15

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Autor: Christopher L. Bennett
Titel: Star Trek – The Next Generation 05: Mehr als die Summe
Originaltitel: Star Trek – The Next Generation: Greater Than The Sum
Übersetzer: Bernd Perplies
Verlag: Cross Cult
Erschienen: 05/2010
Einband: Taschenbuch
Seiten: 320
ISBN: 978-3-959818-40-7
Sonstige Informationen:
Produktseite

Götz Piesbergen

Götz ist Jahrgang 78 und unser Mann fürs literarische Star-Trek-Universum.
Götz Piesbergen

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Götz ist Jahrgang 78 und unser Mann fürs literarische Star-Trek-Universum.

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