Vor 40 Jahren kam der Fantasy-Film Momo ins Kino. Die Verfilmung des Klassikers von Michael Ende hat viele Herzen berührt und die Thematik ist heute aktueller denn je.
Michael Ende
Michael Ende gilt als einer der renommiertesten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Geboren am 12.11.1929 in Garmisch-Partenkirchen als Sohn des surrealistischen Malers Edgar Ende verstarb er am 29.08.1995 im Alter von 66 Jahren in Filderstadt . Viele Erwachsenen von heute sind mit seinen Werken groß geworden und haben diese wiederum an ihre Kinder weitergegeben. Diese Geschichten sind auch heute noch allgegenwärtig. Sei es Jim Knopf und Lokomotivführer (1960), Momo (1973), Die unendliche Geschichte (1979) oder auch Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch (1986) – seine Werke haben oft eine sozialkritische Botschaft. So ist Momo heute aktueller denn je.
Handlung
Die Handlung kann in drei Teilen betrachtet werden. Zunächst kommt Momo in der Kleinstadt an und findet Freunde, dann treten die Grauen Herren auf und zerstören die Gemeinschaft. Schließlich kann Momo mit Hilfe der Stundenblumen von Meister Hora die Gefahr bannen.
Das kleine Mädchen Momo taucht eines Tages plötzlich im alten Amphitheater auf. Sie hat sich dort in einer kleinen Höhle häuslich eingerichtet. Sie hat einen wilden Lockenschopf, trägt einen langen Rock mit Flicken und eine viel zu große Männerjacke. Statt sie wegzuschicken und in ein Kinderheim zu bringen, nehmen sie die Bewohner in ihre Gemeinschaft auf und verbringen viel Zeit mit ihr. Denn Momo verfügt über eine besondere Gabe – niemand kann besser zuhören als sie. So gelingt es ihr, die Herzen der Menschen zu öffnen. Dafür muss sie gar nichts sagen – die Gedanken kommen wie von selbst und uralte Fehden können beendet werden.
Die Idylle wird zerstört als die Grauen Herren ankommen. Mit ihren Anzügen, Aktenkoffern, großen grauen Autos und einer Zigarre im Mund besuchen sie einen Erwachsenen nach dem anderen. Sie überzeugen die Menschen, dass sie ihre Zeit verschwenden und zwar nicht nur mit Freizeitaktivitäten sondern auch mit Schlafen und Essen. Vor allem die Zeit, die sie mit Freunden und ihren Kindern verbringen sei verlorene Zeit. Die Grauen Herren überreden die Menschen daher, Zeit zu sparen. Diese Zeit wird in der Zeitsparkasse aufbewahrt für später, was natürlich eine Lüge ist. Allerdings kann sich niemand mehr an den Besuch eines Grauen Herren erinnern. Schnell erkennen die Grauen Herren, dass die Kinder und darunter vor allem Momo eine große Gefahr für sie darstellen. Das Problem mit den Kindern ist relativ schnell gelöst, doch an Momo brechen sie sich die Zähne aus.
Ihr Ziel ist es nun, Momo soweit zu isolieren, dass sie niemanden mehr hat, der seine Zeit mit ihr teilen will. Momo kann sich mit der Hilfe der Schildkröte Kassiopeia zu Meister Hora, dem Hüter der Zeit retten. Dort erfährt sie von den Stundenblumen, die eine Währung für die Zeit sind, die jedem Menschen zugeteilt ist. Als sie nach einem Jahr zurück in die Stadt kommt, hat sich alles verändert. Die Kinder sind tagsüber in einem Kinderdepot untergebracht, alles ist hektisch. So hat sich das gemütliche kleine Restaurant in einen Fastfood-Imbiss verwandelt, und niemand hat mehr Zeit für den anderen. Ihre besten Freunde, Beppo Straßenkehrer und Gigi Fremdenführer sind in ihrem eigenen Alltag gefangen. Beppo wird von den Grauen Herren erpresst, soviel Zeit wie möglich einzusparen, um Momo aus ihren Fängen zu befreien. Und Gigi Fremdenführer ist ein berühmter Star geworden, dem der Ruhm über den Kopf wächst.
Meister Hora hält schließlich die Zeit an und schickt Momo mit einer einzigen Stundenblume nur begleitet von Kassiopeia der Schildkröte hinaus, um den Grauen Herren das Handwerk zu legen. Die Zeit wird nämlich nicht gespart, damit die Menschen später etwas davon haben, nein, die Grauen Herren drehen aus den Blütenblättern der Stundenblumen ihre Zigarren. Sie existieren aber nur solange sie an ihren Zigarren paffen. Gehen ihnen diese aus, lösen sie sich in Luft aus. Momo gelangt mit Kassiopeia in die Zeitsparkasse und schafft es den Tresorraum zu schließen. Nach und nach lösen sich die Grauen Herren auf, jedoch nicht kampflos. Aber gemeinsam können Momo und Kassiopeia das Unmögliche schaffen. Als die Zeit weiterläuft kommen alle Menschen wie aus einem bösen Albtraum zu sich. Wieder verbringen sie die Zeit mit ihren Lieben, so auch mit Momo und es gibt ein großes Fest im Amphitheater.
Fazit
Gerade in der heutigen Zeit ist Momos Geschichte wichtiger denn je. Michael Ende hat hier eine Parabel gegen den Konsum geschrieben. Man will immer mehr und hält nicht mehr inne. Aber nutzen wir unsere Lebenszeit wirklich sinnvoll? Wir hetzen durch den Alltag, um immer mehr zu schaffen, um später vielleicht etwas mehr zu haben. Doch dabei verzichten wir auf die Dinge, die unser Leben lebenswert machen. Wir sollten viel mehr die Zeit, die wir haben, jetzt nutzen und Wünsche soweit wie möglich jetzt Wirklichkeit werden lassen. Denn niemand weiß, wieviel Zeit einem noch bleibt. Ständig sind wir erreichbar, mit den modernen Smartphones haben wir immer einen kleinen Computer, einen Fernseher und ein Radio dabei. Es gibt keine Stille mehr, die zum Zuhören und Nachdenken einlädt. Wir sollten alle Michael Endes Buch noch einmal lesen und den Film noch einmal anschauen und uns dann ganz darauf einlassen. So wie Beppo Straßenkehrer es sagt: immer ein Schritt nach dem anderen und plötzlich ist man schon am Ende der Straße angekommen.
Info
Regie: Johannes Schaaf
Drehbuch: Johannes Schaaf, Rosemarie Wendel, Michael Ende, Marcello Coscia
Produktion: Horst Wendlandt
Hauptdarsteller: Radost Bokel, Mario Adolf, Armin Mueller-Stahl, John Huston
Kamera: Xaver Schwarzenberger
Schnitt: Amedeo Salfa
Musik: Angelo Branduardi
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Warpskala
WarpskalaPositiv
- Jedes Kind kann sich leicht mit Momo identifizieren.
- Erwachsene finden sich schnell in die Geschichte ein und finden sich selbst in den Bewohnern wieder.
- Die Handlung des Films ist heute noch genauso aktuell wie vor 40 Jahren.
Negativ
- Da es ein Märchen ist, darf man hier nicht mit Logik anfangen.
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