Spotlight: Paul Winfield

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Es schien Paul Winfields Schicksal zu sein, sein Leben wiederholt für weiße Schauspieler zu opfern.

Eine widersprüchliche Geburt

Geboren wurde der Schauspieler am 22. Mai. Seine Mutter Lois Beatrice Edwards zog ihn zunächst alleine groß und arbeitete parallel als Gewerkschaftsorganisatorin in der Bekleidungsindustrie. Als er acht Jahre alt war, wurde Clarence Winfield, ein Müllmann und Bauarbeiter, sein Stiefvater.

Über sein richtiges Geburtsjahr und seinen Geburtsort gibt es unterschiedliche Angaben. Die einen meinen, er wäre 1941 in Los Angeles, Kalifornien, geboren, die anderen Quellen gehen hingegen von dem Jahr 1939 aus, mit der Ortsangabe Dallas, Texas. Auf seinem Grabstein steht das Geburtsjahr von letzterer Angabe, derweil der Geburtsort aus erstere Quelle stammt.

In jedem Fall machte Paul Winfield seinen Schulabschluss an der Manual Arts High School in Los Angeles. Danach ging er auf verschiedene Universitäten. Von 1957 bis 1959 studierte er an der University of Portland, 1959 an der Stanford University, 1959 bis 1963 auf dem Los Angeles City College, 1962 bis 1964 an der University of California, Los Angeles. 1965 besuchte er die University of Hawai und von 1970 bis 1971 war er auf der University of California, Santa Barbara.

Nominiert und doch nicht gewonnen

Seine Schauspielkarriere begann im Jahr 1965, als er in der Serie Perry Mason in einer Episode als Mitch, ein Rennwagenmechaniker, auftrat. Seine erste größere Filmrolle hatte er 1969, als er im Film The Lost Man: Es führt kein Weg zurück zu sehen war. In demselben Jahr trat er auch das erste Mal in der bahnbrechenden Sitcom Julia auf, die deshalb so revolutionär war, weil es die erste wöchentliche Serie war, die eine schwarze Hauptfigur auf eine nicht-stereotype Art und Weise darstellte. In insgesamt vier Episoden trat er auf. 1978 spielte er Dr. Martin Luther King Jr. in der Miniserie King.

1973 wurde er für den Academy Award als bester Schauspieler im Film Sounder aus dem Jahr 1972 nominiert. Er war damals erst der vierte Afroamerikaner, dem diese Ehre zu Teil wurde. Leider erhielt er den Oscar nicht. Übrigens spielte er ebenfalls in der 2003er-Neuverfilmung mit, wenn auch in einer anderen Rolle.

1974 stellte er den Sklaven Jim in dem Musical Huckleberry Finn, basierend auf dem berühmten gleichnamigen Roman, dar. 1979 trat er als Emmet Rogers Sr. in der Miniserie Weißes Haus: Hintereingang auf. Im gleichen Jahr war er auch in der renommierten Minireihe Roots: The Next Generations zu sehen.

Paul Winfield
Star Trek II -Der Zorn des Khan

Ein Opfer, damit andere weiterleben können

1977 arbeitete Paul Winfield bei dem Sci-Fi-Film Straße der Verdammnis mit. Er trat an der Seite von Schauspielern wie George Peppard oder Jan-Michael Vincent auf. Sein Charakter Keegan starb später im Kinofilm, damit die Figuren seiner Co-Darsteller weiterreisen konnten. Das wurde im Laufe seiner Karriere zu einem Dauerthema, dass er als Afroamerikaner sich immer wieder opferte, wodurch die anderen, die alle eine weiße Hautfarbe hatten, weiterleben konnten. Dieser Vorgang wiederholte sich unter anderem in Filmen wie Terminator (1984) oder gar Star Trek II: Der Zorn des Khan (1982), wo er sein Leben für William Shatners Figur James T. Kirk hergab.

In den 90er-Jahren tauchte er wiederholt in weiteren Sci-Fi-Filmen und Serien auf. Er war in Tim Burtons Mars Attacks (1996) oder 1995 in der Babylon 5-Folge Gropos zu sehen. Auch bei Star Trek hatte er wieder einen Auftritt. In der The Next Generation-Episode Darmok spielte er bis zur Unkenntlichkeit maskiert den Tamarianer Dathon, dessen Spezies in Metaphern spricht. Leider stirbt die Figur am Ende der Folge, damit Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) Erfolg melden konnte.

Ab den 90er-Jahren begann Paul Winfield immer mehr, sich eine Karriere als Synchronsprecher aufzubauen. Seine unverkennbare Stimme konnte man in diversen Zeichentrickserien wie Gargoyles oder Batman of the Future hören. Ebenso sprach er auch den Erzähler in der True Crime-Serie City Confidential. Eine Tätigkeit, die er bis zu seinem Tod ausübte.

Eine private Angelegenheit

Der Schauspieler war mehrere Male für den Emmy nominiert worden, erhielt ihn aber erst 1995. Das war in der Kategorie Oustanding Guest Actor in a Drama Series für seinen Auftritt als Judge Harold Nance in einer Episode von Picket Fences.

Paul Winfield war homosexuell. Während er im Privaten offen mit seiner sexuellen Orientierung umging, vermied er das Thema in der Öffentlichkeit. Er war von 1972 bis 2002 mit dem Architekten Charles Gillan Jr. zusammen, ehe dieser an Krebs verstarb. Der Schauspieler selbst litt gegen Ende seines Lebens an Fettleibigkeit und Diabetes. Er starb schließlich 64-jährig im Jahr 2004 an einem Herzanfall. Er und sein Lebenspartner sind auf dem Forest Lawn Memorial Park in Los Angeles begraben.

I was given a lot of prestige as a distinguished black actor but very little power. They give prestige out by the buckets, but they give power by the teaspoon, just enough to stroke your ego.

Paul Winfield im Web

IMDb

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Götz Piesbergen
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