Spotlight: Phil Brown

Lesezeit circa: 5 Minuten

Der Name des Darstellers sagt sicherlich nur absoluten Hardcore-Star-Wars-Fans etwas. Doch sobald man seinen Rollennamen nennt, ist das Ganze ein klarer Fall: Phil Brown, dem wir heute posthum zu seinem 104. Geburtstag gratulieren möchten, spielte Luke Skywalkers grummeligen Onkel Owen Lars in „Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung“, seinerzeit unter dem schlichten deutschen Titel „Krieg der Sterne“ bekannt. Obwohl der Auftritt des knarzigen Feuchtfarmers vom Wüstenplaneten Tatooine nur wenige (Film-)Minuten dauert, blieb er den Fans dennoch im Gedächtnis, weswegen wir ihm dieses Spotlight widmen möchten.

Ein politischer Nebendarsteller

Philip Mortimer Brown wird am 30. April 1916 in der Stadt Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts geboren. Diese hat ihren Namen einst zu Ehren der gleichnamigen berühmten Universitätsstadt in England erhalten. Phil, Sohn eines Arztes, interessierte sich schon recht früh für das Schauspiel und studierte dieses Fach an der Stanford University in Kalifornien. Anfänglich trat er häufig als Tänzer in Bühnenstücken auch am Broadway auf und war ferner in verschiedenen politischen Kabarett-Projekten zu sehen.

Während des spanischen Bürgerkriegs (1936 bis 1939) unterstützte er die dortige republikanische Fraktion und organisierte während des Zweiten Weltkrieges ferner eine Kundgebung im New Yorker Madison Square Garden, während der zur Unterstützung der Sowjetunion aufgerufen wurde.

Dergleichen Aktivitäten ließen Phil Brown fast noch mehr auffallen als seine Mitwirkung in verschiedenen Hollywood-Filmen, wo man ihn stets in Nebenrollen sah. Seine Credits umfassen Dramen wie Komödien gleichermaßen, darunter „I Wanted Wings“ (1941) mit Ray Milland und Constance Moore, Komödien wie „Over 21“ (1945) mit Irene Dunne und Alexander Knox oder „Erbe des Henkers“ (1948) neben Dane Clark und Gail Russell.

Auf der Schwarzen Liste

Aufgrund seiner offen kommunistischen Gesinnung landete Phil Brown schließlich im Jahr 1952 auf der gefürchteten „Schwarzen Liste“ Hollywoods. Auf dieser wurden Kunstschaffende verzeichnet, mit denen eine Zusammenarbeit aufgrund ihrer politischen (meist kommunistischen) Einstellung als nicht empfehlenswert eingestuft wurde. Phil Brown befand sich dort in der illustren Gesellschaft von unter anderem Regisseur und Produzent Edward Dmytryk und Charles Chaplin.

Phil Brown als Owen Lars
©Disney

Neue Karriere in Großbritannien

Aus diesem Grund siedelte Phil Brown 1953 nach Großbritannien über und ließ sich dort für die nächsten 40 Jahre nieder. Hier nahm er seine schauspielerische Kunst alsbald wieder auf und war sowohl in britischen Film- und TV-Produktionen als auch am Theater zu sehen, unter vielem anderem in „Ein König in New York“(1957) neben dem schon genannten Charles Chaplin, dem Kriegsfilm „Die gelbe Hölle“ (1958) oder dem Thriller „Valdez“ (1971) mit Burt Lancaster in der Hauptrolle. Und so stieß George Lucas während der Dreharbeitsphase in Großbritannien im Jahre 1976 auf den exilierten Amerikaner. Er gab ihm die Rolle des Owen Lars, den er an der Seite der Schauspielerin Shelagh Fraser als Lukes Tante Beru spielte.

Onkel Owen

Trotz der Kürze seines Auftritts ist der von Phil Brown gespielte Owen Lars eine recht einprägsame geheimnisvolle Figur, über deren Hintergründe auch im ansonsten sehr ausführlichen Filmroman zu „Eine neue Hoffnung“ von Alan Dean Foster nichts bekannt wird. Seine Hintergründe gerieten in späteren Jahren ins Schwimmen: Während in James Kahns Filmroman zu „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ von 1983 noch ausgesagt wird, Owen Lars sei „der Bruder von Obi-Wan Kenobi“ (dies erklärt Obi-Wans Machtgeist Luke nach dem Tode von Yoda), erfahren wir in „Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger“ (2002), dass Owen in Wahrheit der Stiefbruder von Anakin Skywalker ist: Sein verwitweter Vater Cliegg ist der Ehemann von Anakins Mutter Shmi. Der junge Owen Lars in „Episode II“ wurde übrigens vom inzwischen recht bekannt gewordenen Joel Edgerton (geboren 1974) gespielt, der Originaldarsteller Phil Brown typmäßig recht ähnlichsah.

Letzte Rollen

Nach „Star Wars“ spielte Phil Brown im Bio-Pic „Chaplin“ (1992) mit, in dem Robert Downey Jr. („Iron Man“) die Filmikone darstellte. 1993 kehrte Brown im Alter von 76 Jahren wieder in seine Heimat Amerika zurück. Dort gehörte der zu dieser Zeit bereits 83-jährige Brown noch 1999 zum Cast von Richard Hatchs (gest. 2017) Reboot-Versuch „Battlestar Galatica: The Second Coming“, der leider nicht über einen 30-minütigen Testfilm und einen Trailer hinauskam.

Treu bis in den Tod

Von 1940 bis zu seinem Tod war Phil Brown 66 Jahre lang mit seiner Ehefrau Virginia verheiratet, mit der er einen Sohn hatte. Am 9. Februar 2006 verstarb Phil Brown zweieinhalb Monate vor seinem 90. Geburtstag an einer schweren Lungenentzündung.

Wir von Warp-Core.de gedenken Phil Brown an seinem heutigen Geburtstag und wünschen ihm über den Tod hinaus: Sei eins mit der Macht und die Macht sei mit dir!

„Owen was a straight-forward curmudgeon – which I am anyway, so it was easy for me to play. I’ve been a curmudgeon for a long time.“

Phil Brown im Web

IMDb

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Thorsten Walch
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Thorsten Walch

Thorsten ist Jahrgang 67 und Sci-Fi- und Horror-Experte. Er ist der Star Trek-Spartenredakteur des Corona Magazine und ferner der Autor des Buches Es lebe Star Wars, das im letzten November im Mülheimer iFuB-Verlag erschienen ist. Bei warp-core.de fungiert er als Star Wars-Fachmann.

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