Batman Eternal
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Review: Batman Eternal – Teil 4

Lesezeit circa: 9 Minuten

Endlich kommt Batman dahinter, wer der Kopf der Verschwörung gegen ihn ist. Jedoch nicht ohne weitere falsche Fährten.

Batman EternalHandlung

Band 4 beginnt dort, wo Band 3 aufgehört hat. Batman muss sich erst einmal aus einer Lawine befreien, welche der Riddler ausgelöst hat. Ein weiteres Rätsel wird in den darauffolgenden beiden Kapiteln gelöst. Es geht um die Nanobots, welche inzwischen weite Teile der Bevölkerung befallen haben. Dahinter steckt der verrückte Hutmacher, welcher die Menschen mit der Technologie zwingen will, ihn zu mögen. Nachdem Red Robin, Red Hood und Batgirl im Kampf gegen das Nanobots gescheitert sind, befreit Bluebird sie alle aus ihrer misslichen Lage.

Eine Pause kann Bluebird alias Harper Row nicht einlegen, denn gemeinsam mit Batman infiltriert sie den ägyptischen Tempel von Catwoman, die Stephanie Brown entführt hat. Brown scheint zu wissen, wer der Kopf der Verschwörung ist, also müssen ihr ein paar Fragen gestellt werden. Sie kommt erst einmal bei Harper und deren Bruder Cullen unter, denen sie jedoch misstraut, da sie Bruce Wayne für den Feind hält. Der schnappt sich derweil erst einmal den ehemaligen Apotheker von Arkham Asylum und stattet anschließend Ra’s al Ghul einen Besuch ab. Wirklich weiter bringt ihn das nicht, denn auch Ra’s ist nicht der Kopf der Verschwörung.

Batwing hat währenddessen immer noch Ärger mit Geistern, bekommt aber Hilfe von Corrigan. Für Geistergeschichten ist eigentlich auch gar keine Zeit, da die Stadt von den entflohenen Arkham-Insassen Poison Ivy, Scarecrow, Freeze, Clayface und Jokers Tochter terrorisiert wird. Der Kampf gegen diese Superschurken wird für Batmans Sidekicks umso schwieriger, als auch noch Hush aus seiner Zelle entkommt und die beiden Pennyworths ausschaltet. Alfred kann die Lage zwar wieder unter Kontrolle bringen, doch kaum sind die Arkham-Flüchtlinge besiegt, steht plötzlich die gesamte Stadt in Flammen

Während Gotham brennt, bricht zu allem Elend auch noch ein Gefängnisaufstand in Blackgate aus. Commissioner Jason Bard, der seine Fehler inzwischen bereut, holt endlich seinen Amtsvorgänger Gordon aus dem Knast, der die Stadt aufruft, sich gegen das Verbrechen zu wehren. Sein Aufruf wird erhört und wie aus dem Nichts tauchen weitere Helden auf, die die Menschen aus ihren brennenden Häusern retten und die Kriminellen dingfest machen. Sogar Catwoman und Killer Croc, die eigentlich zum organisierten Verbrechen gehören, bieten ihre Hilfe an.

Bruce Wayne befindet sich derweil in den Fängen des Cluemasters, der sich als Drahtzieher der Verschwörung zu erkennen gibt. Kurz bevor er Batman über den Haufen schießen kann, erscheint jedoch der Drahtzieher hinter dem Drahtzieher und tötet Arthur Brown. Jetzt muss Batman stattdessen einen Typen im Eulenkostüm vermöbeln. Nachdem dieser von der Bildfläche verschwunden ist, kehrt endlich wieder Frieden in Gotham ein.

Rezension zu Batman Eternal – Teil 4

Eine zähe Handlung findet im vierten Band endlich einen Abschluss. Leider nicht, ohne zuvor noch einmal ein halbes Dutzend falsche Fährten zu legen. Und das scheinbar nur, um wirklich jedem namhaften Gegner von Batman noch einen kurzen Auftritt zu bescheren. Das wird auf Dauer wirklich langweilig.

Die größte Enttäuschung ist dabei die Auflösung des Plots um die Nanobots. Da glaubt man, diese kleinen Roboter würden eine zentrale Rolle spielen, doch dann steckt lediglich der verrückte Hutmacher dahinter. Der hatte eigentlich den Auftrag, die Naniten zu benutzen, um die Menschen dazu zu bringen, Batman zu hassen. Stattdessen schafft er sich eine Heerschar eigener Anhänger, die er zwingt, ihn zu mögen. Aber okay, er ist halt verrückt.

Und überflüssig wie Fußpilz. Gotham hat nun wahrlich genug bekannte Superschurken, sodass es unnötig war, noch einen weiteren aus dem Hut zu zaubern. Obendrein einen, der aus Alice im Wunderland entlehnt ist. Kopiert wird hier aber nicht nur der Charakter des Hutmachers, sondern auch das Erscheinungsbild seiner Antenne, mit der er die Naniten steuert. Die sieht nämlich aus, wie Gwildors kosmischer Schlüssel aus Masters of the Universe. Hat der verantwortliche Zeichner wirklich gedacht, niemand würde diese Filmrequisite wiedererkennen?

Der kurze Nebenplot um Ra’s al Ghul enttäuscht ebenfalls auf ganzer Linie. Der will Batman auf dem Höhepunkt dessen Ruhms plattmachen und nicht, wenn er gerade am Boden liegt. Was auch immer das jetzt für einen Sinn ergeben soll, es macht den Eindruck, als wollte man ihn nebst Dr. Darrk einfach nur dabei haben.

Noch weniger nachvollziehbar ist Stephanie Browns Haltung gegenüber Bruce Wayne. Sie glaubt, ihn gesehen zu haben und hält ihn daher für den Kopf der Verschwörung. Dabei hat der eigentliche Drahtzieher Lincoln March, der sich mit ihrem Vater Arthur getroffen hat, höchstens entfernte Ähnlichkeit mit Wayne. Zudem hätte es geholfen, logisch nachzudenken, denn Wayne Enterprises ist der Verschwörung zum Opfer gefallen, womit Bruce alles verloren hat, einschließlich seiner Villa. Es ergibt überhaupt keinen Sinn, warum gerade er hinter allem stecken soll. Und die Leser wissen ohnehin schon, dass diese Fährte nur falsch sein kann.

Die Auflösung, dass Stephanies Vater der Kopf der Verschwörung ist, kommt dagegen durchaus überraschend. Seine Motive sind allerdings ziemlich abstrakt. Wie so viele Verbrecher wurde auch er schon einmal von Batman dingfest gemacht. Dabei hat ihn vor allem die durch Batman erfahrene Geringschätzung wütend gemacht, da er nur ein gewöhnlicher Straßenräuber war, der schnell in Vergessenheit geraten ist. Deshalb dachte er, wenn der Cluemaster ganz Gotham abfackelt und Batman zur Strecke bringt, würde ihn das als Superschurken in die Geschichte eingehen lassen.

Mit dieser Auflösung hätte man durchaus leben können. Doch bevor er die Fledermaus erledigen kann, wird ihm kurzerhand die Kehle durchgeschnitten. In einer Rückblende wird gezeigt, wie auch er zum Werkzeug einer noch höheren Instanz wurde. Dabei spielt eine Geheimgesellschaft eine Rolle, deren Zeichen die Eule ist. Wenn das mal keine Anspielung auf die Illuminaten ist, die ja irgendwie zwangsläufig hinter jeder sinisteren Verschwörung stecken müssen. Das könnte man fast schon mit einem Augenzwinkern verstehen.

Leider ist damit immer noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht, denn der Vorstand der örtlichen Eulerei wurde bereits von Lincoln March gemeuchelt. Warum, entzieht sich jedem Verständnis. Wahrscheinlich, um erneut eine falsche Fährte zu legen. Das Thema ist dadurch mehr als ausgereizt. Ironischerweise hat sich der Eulenmann schlussendlich mit den Falschen angelegt und wird von den überlebenden Mitgliedern des Geheimbundes lebendig begraben.

Dieses Ende ist äußerst unbefriedigend, da es mit der bisherigen Story überhaupt nichts zu tun hat. Die Auflösung kommt wie ein weiterer der zahlreichen Nebenplots daher. Mit dem Cluemaster als alleinigem Drahtzieher hätte man noch eher leben können, da er wenigstens schon im ersten Band eine Rolle gespielt hat.

Zwischenzeitlich zu kurz gekommen ist derweil Commissioner Gordon, der erst kurz vor dem Finale überhaupt wieder eine Rolle spielt. Sein Nachfolger Bard hat sich indessen weiterentwickelt und tritt am Ende reuig von seinem Posten zurück. Vicki Vale wird dennoch einen vernichtenden Artikel über ihn veröffentlichen, denn obwohl er am Ende vieles wieder gutgemacht hat, war der zuvor durch ihn angerichtete Schaden enorm.

Ebenfalls weiterentwickelt haben sich Harper Row alias Bluebird und Julia Pennyworth, die Batman nunmehr als Penny Two zur Seite steht. Die beiden Frauen sind wirklich taff und hätten jeweils eine eigene Comicreihe verdient. Überhaupt gibt es viele starke Frauencharaktere in der Batman Eternal-Reihe, was ein starker Pluspunkt ist.

Dazu zählt auch Catwoman, die aber leider eine fragwürdige Entwicklung durchmacht. Anfangs ist sie noch eine Heldin, doch im vierten Band kontrolliert sie Gothams gesamte Unterwelt. Ihr Casino gleicht einem ägyptischen Tempel, was naheliegend ist, da Katzen im antiken Ägypten hochverehrt waren. Ihre schwarze Katze hätte sie allerdings besser nicht Isis nennen sollen. Das erinnert dann doch ein wenig zu stark an Felix Sevenrocks Begleiterin aus der Star Trek-Episode Ein Planet, genannt Erde. Weiterhin sieht einer ihrer Handlanger mit Glatze, schwarzem Anzug und roter Krawatte aus wie Agent 47. Um als Hitman durchzugehen ist er aber deutlich zu schwach.

Völlig aus dem Rahmen fällt schlussendlich die Geistergeschichte um Batwing. Zum einen trägt diese nichts zur Haupthandlung bei, zum anderen wirkt sie wie der Auftakt zu einem Crossover mit den Ghostbusters. Durch solche Nebenhandlungen wird die Batman Eternal-Reihe insgesamt so zäh wie Kaugummi. Obendrein gibt es für die meisten nicht mal eine befriedigende Auflösung. Man wird einfach nicht schlau daraus, was der ganze Spuk überhaupt sollte.

Der Zeichenstil bleibt derweil ebenso durchwachsen wie die Story. Die Hälfte der Kapitel ist sehr detailliert gezeichnet und wird durch eine satte Koloration zum Leben erweckt. Das neunte Kapitel sticht dabei besonders hervor und grenzt schon an Fotorealismus. Das liegt vor allem an Details wie der Augenfeuchtigkeit und dem perfekten Zusammenspiel von Licht und Schatten. Jede Seite ist ein Gemälde. Es ist wirklich bedauerlich, dass nicht mehr Kapitel in diesem Stil gehalten sind.

Andere Stile sind dagegen wieder deutlich grober, und auf den letzten Seiten geht es dann so richtig drunter und drüber. Da wollte wohl jeder Zeichner noch mal ran, sodass jede zweite Seite anders aussieht. Etwas störend ist bei dem Stilmix, dass manche Charaktere kaum wiederzuerkennen sind. So hat Scarecrow mal orange glühende Augen und dann wieder ganz normale blaue. Etwas mehr Kontinuität wäre hier wünschenswert gewesen.

Fazit

Die Batman Eternal-Reihe besticht vor allem durch taffe Frauencharaktere, und die Hälfte der Einzelhefte ist optisch sehr ansprechend. Dennoch ist man irgendwie froh, am Ende angekommen zu sein. Die zahlreichen Sackgassen sind auf Dauer ermüdend und zuweilen treffen uninteressante Nebenplots auf deutlich gröbere Zeichenstile. Wirklich überspringen kann man diese Kapitel aber nicht, da einem sonst Puzzlestücke der Haupthandlung fehlen.

Die Auflösung verrennt sich schlussendlich ebenfalls in Irrungen und Wirrungen. Zudem scheint Gotham in Windeseile wieder aufgebaut. Nach nur einer Woche strahlt die Skyline wieder in vollem Glanz, was nach einer Feuersbrust vom Ausmaß einer Weltkriegsbombardierung völlig unrealistisch ist. Ebenso sollten die unzähligen Opfer nicht so schnell vergessen sein. Gotham müsste nach diesen Ereignissen eigentlich eine andere Stadt sein, die nicht von einer Comicseite auf die nächste zum Status Quo zurückkehrt.

Zusammengefasst ist die Reihe eher etwas für hartgesottene Batman-Fans. Neueinsteiger dürften die vorliegenden Bände eher ratlos zurücklassen. Wer sich dennoch auf dieses Abenteuer einlassen will, sollte zur hochwertigen Hardcover-Ausgabe greifen, die bei Eaglemoss als Sonderband Nr. 4 erschienen ist. Diesmal übrigens mit deutlich weniger Papierschnitzeln.

Info

Autor: Scott Snyder & James Tynion IV + weitere
Zeichner: diverse
Farben: diverse
Verlag: Eaglemoss
Sonstige Informationen: Produktseite

Wertung

Wertung
5 10 0 1
  • Story
    3/10
  • Zeichenstil
    7/10
  • Koloration
    7/10
5/10
Total Score
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