Blade Trinity
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Review: Blade Trinity (2004)

Lesezeit circa: 8 Minuten

Blade Trinity ist der Beweis, dass aller guten Dinge eben nicht drei sein müssen.

Die obligatorische Suche nach dem Regisseur

Als 1998 Blade in die Kinos kam, war das so etwas wie die Initialzündung für moderne Superheldenverfilmungen. Es war ein gelungener Film, der so erfolgreich war, dass 2002 mit Blade 2 die obligatorische Fortsetzung herauskam. Die ihrerseits das Dreifache des Budgets einfuhr, womit klar war, dass es auch einen dritten Teil geben würde.

Dieser kam zwei Jahre später in die Lichtspielhäuser, unter dem Titel Blade Trinity. Wobei es in der Produktionsphase gewisse Probleme gab. Denn ursprünglich sollte der deutsche Regisseur Oliver Hirschbiegel sich auf den Regiestuhl setzen. Doch der drehte lieber irgend so ein „unbedeutendes“ Werk, dass absolut „niemand“ gesehen hat. Es hieß Der Untergang, behandelte die letzten Tage im Leben von Adolf Hitler und war ein weltweiter, sehenswerter Erfolg.

Und anstatt sich großartig auf die weitere Suche zu begeben, erklärte sich Drehbuchautor David S. Goyer dazu bereit, diesen Job zu übernehmen. Es war nicht das erste Mal, dass der Skriptschreiber einen Film drehte. Das geschah schon 2002 mit Zig Zag, wo übrigens Wesley Snipes mitwirkte. Der mit der Wahl dieses Mal jedoch nicht einverstanden war und, vergeblich, protestierte.

Blade Trinity

Viele Leute mit Karriere

Von den beiden vorherigen Filmen sollten Wesley Snipes und Kris Kristofferson als Akteure zurückkehren. Zu den neuen Mitschauspielern sollten viele Namen zählen, die später eine erfolgreiche Karriere haben sollten. Jessica Biel, die Abigail Whisper darstellen sollte, war zu diesem Zeitpunkt in der Phase ihrer Karriere, wo sie richtig berühmt werden sollte. Ryan Reynolds größte Rolle war zu dieser Zeit die Comedyserie Ein Trio zum Anbeißen. Er sollte Hannibal King schauspielen. Dieser war neben Blade die einzige Figur aus den Comics. Wobei er in der Welt der bunten Bilder keinen ehemaligen Familiär darstellte, sondern einen Vampir, der dem Blutdurst seiner Art abgeschworen hat und seitdem auf der Seite des Guten kämpft.

Auf der Seite der Gegenspieler wurde Dominic Purcell als Dracula gecastet. Der Darsteller war zu diesem Zeitpunkt vor allem durch seine Rollen in Equilibrium und der Fernsehserie John Doe bekannt. Parker Posey (Scream 3) wurde zu Danica Talos, derweil Callum Keith Rennie (Timecop, eXistenZ) zu ihrem Bruder Asher Talso wurde. Der Wrestler Paul „Triple H“ Levesque rundete die Schurkenrunde als Jarko Grimwood ab.

Von den restlichen Nebendarstellern ist vor allem Patton Oswalt (King of Queens) zu nennen. Er spielte den Helfer der Nightstalkers Hedges.

Probleme beim Dreh

Die Dreharbeiten liefen alles andere als glatt ab. Glaubt man den Aussagen von Patton Oswalt, muss sich Wesley Snipes wie eine ziemliche Primadonna aufgeführt haben. Er weigerte sich immer wieder, Szenen zu drehen, weshalb David S. Goyer zu Körperdoubles und auf Computereffekte zurückgriff. Angeblich soll der Hauptdarsteller sich sogar geweigert haben, mit dem Regisseur und den anderen Darstellern zu reden, sondern kommunizierte über Zettel, die er durch seine Assistentin verteilen ließ. Snipes selbst bestritt diese Gerüchte später.

Noch immer ist Blade (Wesley Snipes) auf der Mission, alle Vampire zu jagen und zu töten. Doch dann stellt Danica Talos (Parker Posey) ihm eine Falle. Sie lässt ihn einen ihrer Familiäre töten, filmt das Ganze und veranlasst das FBI, ihn zur Strecke zu bringen. Als diese schließlich seinen Unterschlupf stürmen, kommt dabei sein väterlicher Mentor Abraham Whistler (Kris Kristofferson) ums Leben. Später wird er von einer Gruppe anderer Vampirjäger mit dem Namen Nightstalkers befreit, die ihn in ihrer Gemeinschaft haben wollen.

Denn Danica Talos ist es gelungen, den allerersten Vampir, Dracula (Dominic Purcell), zu entdecken und wiederzubeleben. Sie will damit die absolute Dominanz ihrer Rasse herstellen. Die Zeit läuft den Jägern davon und sie wissen nicht, wem sie vertrauen können.

Blade Trinity

Schwach!

Wenn man Blade Trinity mit wenigen Worten beschreiben müssten, dann wären diese: Enttäuschend, Reinfall und schwach. Der Film schafft es zu keiner Sekunde, wirklich zu überzeugen. Er ist ein ähnlicher Flop, wie einst Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen.

Ein großes Problem des Streifens ist ausgerechnet der Hauptdarsteller. Es wirkt die ganze Zeit so, als ob er insgeheim keine Lust hatte, zu drehen. Dementsprechend agiert er mit gefühlt angezogener Handbremse, was sich auch auf die Qualität des Films auswirkt. Das sieht man schon daran, dass sein Blade scheinbar nie den Mantel auszieht oder abgesehen vom Beginn und Ende des Kinofilms keinen Schaden davonträgt. Vermutlich soll dies cool wirken, bewirkt allerdings das Gegenteil: Es wirkt lächerlich!

Deshalb müssen Jessica Biel und Ryan Reynolds den Löwenanteil der Handlung tragen. Was beide mit großer Bravour meistern. Doch auch sie können nichts am schwachen Skript oder der Nichtleistung des eigentlichen Hauptdarstellers ändern.

Ein Sprücheklopfer wird inspiriert

Jessica Biels Abigail Whisper ist so etwas wie die inoffizielle Anführerin der Truppe. Eine starke Frau, was den Film allerdings nicht davon abhält, eine Duschszene einzubauen, in der man detailliert sieht, wie das Ergebnis einer blutigen Nacht von ihrem Körper abgewaschen wird. So etwas wirkt unnötig und reduziert den Charakter auf pures Eyecandy, was es jedoch absolut nicht ist.

Besser trifft es da Ryan Reynolds Figur. Sein Hannibal King ist ein stetes Highlight von Blade Trinity. Er klopft ständig Sprüche, derweil er gleichzeitig der Prügelknabe der Nation ist. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel der Charakter im Laufe des Films einsteckt, nur um dann wieder aufzustehen, mit einem entsprechend flotten Spruch auf den Lippen. Hier merkt man den Komödianten, der sich für die Rolle übrigens extra Muskeln antrainiert hat. Außerdem wurde während der Dreharbeiten sein Interesse an Deadpool geweckt, die Comicfigur, die später seine Karriere prägen sollte.

Doch damit hat man die beiden besten Figuren des gesamten Films erlebt. Der Rest … kann nicht annähernd überzeugen. Was unter anderem an den Plotlöchern des Streifens liegt.

Blade Trinity

Ein großer Plan, der nicht mehr verfolgt wird.

So wirkt die Aktion des FBIs komplett übertrieben und nicht gut erklärt. Man erfährt zwar irgendwann, dass sie Blade wohl länger gejagt haben, weil er die Familiäre der Vampire getötet hat. Doch gezeigt oder großartig aufgebaut wird das nicht. Stattdessen greift die Bundesbehörde den Unterschlupf an und Kris Kristoffersons Figur kommt dabei ums Leben. Nicht, dass man ihn überhaupt vermissen würde, wurde er im dritten Teil nur grob aufgebaut.

Was die Techcrew der Nightcrawlers angeht, so sind sie da, mehr aber auch nicht. Bis auf Sommerfield wird keiner von denen in irgendeiner Art und Weise ebenfalls nur ansatzweise ausführlich charakterisiert oder weiterentwickelt. Stattdessen scheint es sich bei ihnen um Amateure zu handeln, die noch nicht mal irgendeine Art von Überwachung um ihr Versteck aufgebaut haben. Weshalb dann dementsprechend Dracula einfach so reinspazieren und sie alle töten kann.

Und der große Plan der Vampire? Wird in Blade Trinity angesprochen und dann … geschieht nichts. Stattdessen taucht Dracula überall auf und fordert den Titelcharakter auf. Mehr geschieht da nicht.

Was ist mit Charisma?

Dracula ist auch allgemein ein großer Flop von Blade Trinity. Das Problem ist, dass Dominic Purcell keinen überzeugenden Schurken abgibt. Es fehlt ihm schlicht und ergreifend jegliches Charisma, dass man mit einer solchen Figur in Verbindung bringt. Er bemüht sich zwar nach Leibeskräften einen glaubwürdigen Hauptschurken abzugeben, doch das gelingt ihm zu keinem Zeitpunkt.

Nicht, dass es den anderen Gegenspielern besser geht: Parker Posey als Danica Talos kommt über ein „nervig“ als Gegenspielerin nicht hinaus. Das Problem ist, dass sie, bis auf wenige Szenen komplett im Schatten von Dracula steht, der leider langweilig ist. Asher Talos trifft es noch wesentlich schlechter: Er ist einfach nur vorhanden, mehr nicht. Und Triple H? In den Actionszenen ist er großartig, doch wenn es um richtige Schauspielarbeit geht, ist er ein Reinfall. Es fehlt ihm das gewisse Können, um mit den anderen mitzuhalten.

Blade Trinity ist ein Film, der ständig hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Der zu keinem Zeitpunkt in irgendeiner Art und Weise unterhält. Stattdessen empfindet man gepflegte Langweile oder ist über den Soundtrack entsetzt. Hier wurde der Fokus auf Elektro und Hip-Hop-Melodien gesetzt, die leider zum falschen Moment eingesetzt werden.

Blade Trinity

Und eine Klage noch hinzu

Übrigens verklagte Wesley Snipes 2005 New Line Cinema und David Goyer. Laut ihm wurde ihm ein Teil seines Gehalts vorenthalten und er wurde, obwohl er Produzent war, bewusst aus Casting-Entscheidungen und dem Prozess des Filmemachens rausgehalten. Ebenso sei seine Rolle zu Gunsten von Jessica Biel und Ryan Reynolds reduziert worden. Das Verfahren wurde später außergerichtlich beigelegt, ohne dass man Details über die Einigung erfahren hat.

Ein Jahr später gab es noch eine „Enhanced Edition“, in der es unter anderem ein anderes Ende von Blade Trinity gab. Was diese außerdem für Änderungen besitzt und ob diese den Film ähnlich wie der Daredevil Director’s Cut verbessern würden, wird dann die entsprechende Rezension zeigen.

Wertung

Wertung
2 10 0 1
2/10
Total Score

Positiv

  • Jessica Biel und Ryan Reynolds

Negativ

  • Der ganze Rest der Darstellerriege
  • Chris Purcell als Dracula blass und langweilig
  • Plottlöcher
Götz Piesbergen
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