Fantastic Four
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Review: Fantastic Four (2005)

Lesezeit circa: 11 Minuten

Marvels Erste Familie erlebt mit Fantastic Four (2005) ihr erstes offizielles Kinoabenteuer.

Eine Familie

Viele Superhelden und Superheldenteams haben alternative Bezeichnungen. Batman wird mal als der dunkle Ritter tituliert, Superman als der Mann aus Stahl, derweil die Avengers Earth’s Mightiest Heroes, also die mächtigsten Helden der Erde, sind. Doch es gibt nur wenige Heldenteams, bei denen es heißt, dass sie Familie sind. Bei den Fantastic Four ist das der Fall, denn sie sind Marvel’s First Family.

Erdacht von Stan Lee und Jack Kirby war dies kein normales Superheldenteam, sondern eine Gruppierung, die zusammenlebte und sich weiterentwickelte. Der Anführer der Gruppe, Reed Richards, verliebte sich schon bald in Susan Storm, die Unsichtbare, und heiratete sie. Ihr Bruder Johnny Storm war lange Zeit jemand, der gerne anderen Streiche spielte, vor allem Benjamin Grimm, dem grummeligen und auch tragischsten Mitglied dieser Gemeinschaft. Es war wirklich eine Familie, die sich untereinander zankten, aber ebenso füreinander einstanden. Und im Laufe der Jahre ebenfalls Kinder kriegten.

Erstaunlicherweise waren die Fantastic Four eine der Marvel-Serien, die sehr häufig in andere Medien adaptiert wurden. So hatten sie diverse Zeichentrickserien, darunter auch eine im Jahre 1978, wo wegen Sicherheitsbedenken die menschliche Fackel Johnny Storm gegen den Roboter H.E.R.B.I.E. ausgetauscht wurde. Doch Realverfilmungen?

Fantastic Four

Ein Film, über den man besser schweigt

Anders als bei Spider-Man oder dem Hulk existierte da nichts, beziehungsweise nichts Offizielles. Es gab wohl in den 1970er Jahren Versuche, doch daraus wurde nichts. Bis eines Tages der deutschstämmige Produzent Bernd Eichinger in den 1980ern von Marvel Comics die Filmrechte erhielt. Womit das Elend erst so richtig begann.

Wie bei vielen Superheldenfilmen der Prä-MCU-Zeit so hatte auch Fantastic Four eine lange und turbulente Entwicklungshistorie. So versuchte Bernd Eichinger lange Zeit, die Comicserie zu verfilmen, doch sein ursprünglich gedachtes Budget von 40 bis 45 Millionen Dollar war für viele Filmstudios zu groß. Weshalb er 1992 versuchte, die Lizenz zu verlängern, allerdings erfolglos.

Wodurch es zu dem berühmt-berüchtigten The Fantastic Four-Film aus dem Jahr 1994 kam. Denn gemeinsam mit dem B-Movie-König Roger Corman produzierte Eichinger eine Verfilmung auf dem absoluten Minimum an Budget in Höhe von einer Million Dollar. Es wurden Trailers produziert und die Schauspieler auf PR-Tour geschickt, doch der Film kam niemals offiziell heraus. Erst Jahre später fand über Umwegen eine Kopie des Werks ihren Weg in die weite Welt und entpuppte sich als in jeder Hinsicht grauenvoll!

Ein durchaus beachtlicher Cast

Immerhin hatte Bernd Eichinger sein Ziel erreicht. Er konnte die Lizenz weiter behalten und schon bald kam mit 20th Century Fox endlich ein Geldgeber mit an Bord. Es wurden Avi Arad und Ralph Winter als Mitproduzenten hinzugeholt und im Laufe der Zeit gab es ein Kommen und Gehen an potentiellen Regisseuren und Drehbuchautoren. Zeitweise waren Namen wie Chris Columbus, Peyton Reed und sogar Sean Astin mit der Adaption in Verbindung gebracht worden.

Doch am Ende wurde Tim Story im April 2004 der Regisseur des Films. 20th Century Fox war von seinem Early Cut der Actionkomödie Taxi sowie der Tatsache, dass er ein Fan der Comics war, beeindruckt. Frühe Versionen des Skripts wurden von Simon Kinberg verfasst, doch nachdem The Incredibles herauskam, wurden enorme Veränderungen am Drehbuch angefordert, um Ähnlichkeiten zu dem Pixar-Meisterwerk zu vermeiden.

Inzwischen stand auch der Cast fest. Reed Richards, aka Mr. Fantastic, wurde von dem walisischen Schauspieler Ioan Gruffudd (Titanic) dargestellt. Jessica Alba, bekannt aus der James-Cameron-Serie Dark Angel und dem Kinofilm Honey, übernahm die Rolle der Susan Storm. Für Chris Evans sollte der Film der Durchbruch sein, da er als Johnny Storm überzeugen konnte. In den kommenden Jahren sollte er noch des Öfteren in Comicadaptionen mitwirken. Michael Chiklis (The Shield) wurde für seine Rolle als Ben Grimm, das Ding, in eine Ganzkörpermaske gesteckt und war teilweise, weil er hierfür auch seine Stimme veränderte, wiederholt heiser. Die Rolle des Antagonisten Victor von Doom übernahm Julian Mcmahon, der auf Darstellungen von Gegenspielern oder beschädigten Figuren quasi abonniert war. Zu jener Zeit war er dem breiten Publikum durch seinen Auftritt in der allersten Charmed-Reihe bekannt. In den wichtigsten Nebenrollen glänzten vor allem Hamish Linklater (Gideon’s Crossing) als Dooms Assistent, derweil Kerry Washington (Ray) zur blinden Künstlerin Alicia Masters wurde. Und Stan Lee hatte nach Spider-Man 2 mal wieder einen Auftritt. Dieses Mal stellte er den Postboten Willie Lumpkin dar.

Fantastic Four

Weder gut, noch schlecht

Reed Richards ist ein ebenso genialer wie auch bankrotter Wissenschaftler. Er hat eine wichtige Entdeckung gemacht, laut der die Evolution der Menschheit durch Wolken aus kosmischer Energie ausgelöst wurde. Für den Beweis dieser These braucht er allerdings Zugriff auf die Raumstation seines ehemaligen MIT-Kameraden Victor von Doom. Der willigt ein, unter der Bedingung, dass er an dieser Mission teilnehmen kann. Und er ist nicht der einzige, der mitkommt. Reeds bester Freund, der brummige Ben Grimm ist ebenso dabei wie der hitzköpfige und sehr von sich überzeugte Johnny Storm. Und auch Susan Storm, an der sowohl Dr. Richards wie auch Doom interessiert sind, kommt mit.

Doch dann stellt sich heraus, dass Reed sich verrechnet hat. Der Beweis, eine weitere Wolke aus kosmischer Energie, ist früher da, als gedacht und trifft die Raumstation mit voller Wucht. Das Quintett kriegt die volle Strahlung ab. Als sie wieder auf der Erde sind, zeigt sich mit etwas Verzögerung, dass dieses Ereignis sie alle verändert hat. Reed kann seinen Körper und seine Gliedmaßen strecken und verformen wie er will, derweil Johnny sich komplett entzünden kann. Er ist eine menschliche Fackel geworden. Susan kann sich unsichtbar machen und Kraftfelder erzeugen. Sie hat es noch gut getroffen, denn ihr Äußeres hat sich nicht verändert. Ben Grimm dagegen verwandelt sich komplett in ein felsartiges Wesen, mit Superstärke und einer nahezu unverwundbaren Haut. Er leidet unter der Transformation, weshalb Reed verspricht, ihn davon zu heilen. Und Victor von Doom? Auch er wurde betroffen und beschließt deshalb, sich an Richards zu rächen.

Fantastic Four ist wieder einer jener Filme gewesen, die weder besonders gut, noch besonders schlecht waren. Die eher mittelmäßig ausfielen und trotzdem an den Kinokassen ein voller Erfolg waren, sodass eine Fortsetzung natürlich kurz nach Filmstart in Auftrag gegeben wurde. Es ist ein Kinofilm, der viel will, aber nur wenig erreicht.

Bekannte und unbekannte Elemente

Zunächst einmal übernimmt der Leinwandstreifen die Grundelemente der Comicvorlage. Die vier Helden und ihre Beziehungen untereinander sind dieselben, ebenso wie die kosmische Strahlung als Ursprung ihrer Fähigkeiten. Dass Victor von Doom der Erzrivale ist, eine eiserne Maske trägt und sich vor allem mit Reed nicht so gut versteht, kennt man ebenfalls aus der Welt der bunten Bilder. Und das Baxter Building sowie Willie Lumpkin und Alicia Masters sind kleine, nette Eastereggs.

Doch ansonsten interpretiert der Film auch viel Neues in die Ursprungsstory rein. So ist Victor von Doom hier kein Adeliger, sondern ein schwerreicher Firmenbesitzer, der sich später in der Existenz seiner Schöpfung bedroht sieht und dementsprechend Gegenmaßnahmen ergreift. Norman Osborn aus dem ersten Spider-Man-Film lässt schön grüßen. Auch, dass er durch dieselbe Katastrophe wie bei den anderen besondere Fähigkeiten erhält, ist neu, was ebenso für sein Werben um Susan Storm gilt.

Diese Veränderungen sind per se nicht verkehrt, weil so die Motivation des Charakters für seine späteren Aktionen nachvollziehbarer werden. Allerdings hapert es bei der Umsetzung, da er im Grunde genommen irgendwann einfach nur noch böse ist und dies sich anschließend auch in seinen Taten ausdrückt. Er hat zwar dann hier und da intelligente Momente, wie beispielsweise, als er für kurze Zeit Ben Grimm von dem Rest der Truppe loslösen kann. Doch im Finale fällt wieder auf, dass er anscheinend seine Intelligenz für besondere Kräfte eingetauscht hat und dementsprechend zu Fallobst wird, der es mit der gesammelten Macht der anderen nicht aufnehmen kann.

Fantastic Four

Malen nach Zahlen

Auch macht es sich der Film stellenweise zu einfach und wird dann viel zu sehr Malen nach Zahlen. Denn natürlich muss Ben Grimm für einen Moment seine Fähigkeiten verlieren, nur um anschließend seine Menschwerdung heldenhaft fürs Finale zu opfern. Und wie praktisch ist es, dass Doom einen Unterschlupf in Sichtweise des Baxter Buildings hat. Welches er übrigens vorher ausgiebig verwanzt hat, um so Dinge mitzukriegen, die er dann später nutzen kann.

Hingegen schafft es Fantastic Four wunderbar, die Beziehung zwischen den einzelnen Charakteren wiederzugeben. Seien es die ständigen Streiche von Johnny gegenüber Ben oder dass jener für Reed und Susan stets ein offenes Ohr hat oder dass Reed stellenweise so sehr von der Wissenschaft besessen ist, dass er sich nicht mehr verständlich ausdrücken kann. Alles Elemente, wie man sie aus den Comics kennt und die hier glaubwürdig wiedergegeben werden. Man merkt, dass es sich hierbei wirklich um eine Art von Familie handelt, die sich mal untereinander zankt, aber am Ende dennoch füreinander einsteht.

Was allerdings vor allem den Leistungen von Chris Evans und Michael Chiklis zu verdanken ist. Beides sind Schauspieler, die in ihren Rollen förmlich aufgehen und sie lebendig wirken lassen. Was bei Chris Evans natürlich leichter fällt, da er nicht in einem Ganzkörperkostüm steckt. Doch kauft man ihm sofort ab, dass er der lebenslustige, adrenalinsüchtige junge Mann ist, der seine Fähigkeiten genießt.

Eine großartige Leistung, trotz Handicap

Michael Chiklis als Ben Grimm ist da das exakte Gegenteil. Man spürt förmlich, wie er leidet, wie er sich nichts so sehr wie Normalität wünscht, die ihm allerdings nicht möglich ist. All dies schafft der Schauspieler in Fantastic Four darzustellen, obwohl er wie gesagt in einem Ganzkörperkostüm steckt, welches ihn doch erheblich in seiner Darstellungsarbeit limitiert. Aber vermutlich ging es damals nicht anders, um das Ding halbwegs glaubwürdig im Film rüberzubringen.

Doch während die beiden eben Genannten wirklich überzeugen können, sieht es bei den anderen nicht so gut aus. Ioan Gruffudd schafft es einfach nicht, das nötige Charisma zu entwickeln, um ein glaubhafter Reed Richards zu sein. Gefühlt läuft er die ganze Zeit mit einer besorgten Mine durch den Film und schafft es kaum, seiner Figur weitere Nuancen abzugewinnen. Nicht, dass es bei seiner Filmliebe Jessica Alba besser ist.

Es ist bekannt, dass die Schauspielerin als eine der sexiest Frauen überhaupt gilt, damals wie heute, was dann in Fantastic Four so umgesetzt wird, dass sie oft genug Szenen hat, in denen sie entweder mit hautenger Kleidung oder einem tiefen Ausschnitt herumläuft. Oder aber, dass sie sich für die Momente, in denen sie unsichtbar wird, komplett ausziehen muss. Sie wird zwar deutlich vorher unsichtbar, doch häufig trägt sie dann noch Klamotten, die ihre Körpermaße betonen. Im Grunde genommen wird sie auf ihr Äußeres reduziert und schafft es leider auch nicht, durch irgendwelche halbwegs gute Schauspielleistung dem entgegenzuwirken. Denn genau wie bei Ioan Gruffudd fehlt ihr das entscheidende Charisma.

Fantastic Four

Schlecht gealtert

Wobei sie es sowieso schwer hat. Denn gegen Julian McMahon anzutreten, ist eine Herausforderung. Es ist wirklich erstaunlich, wie gut es dem Darsteller gelingt, Ioan Gruffudd und Jessica Alba an die Wand zu spielen. Er macht das Beste aus dem Material und kann als ein charmanter Schurke überzeugen, der sich auf Grund der Energiewolke immer mehr und mehr von seinem normalen Leben fortentwickelt. Und so lange er ohne die eiserne Maske herumlaufen kann, wie sie für die Figur in den Comics üblich ist, begeistert er durch seine Mimik. Doch sobald er das Gesichtsaccesoire, das für den Charakter halt nötig ist, trägt, neigt er zu Overacting.

Fantastic Four war vor allem ein sehr effektlastiger Film, noch mehr als beispielsweise die X-Men-Reihe. Doch anders als bei den Mutanten ist ein großer Teil der Special Effects eher mäßig gut gealtert. Das sieht man vor allem bei den Momenten, wo vor allem der Computer zum Erzeugen der Effekte eingesetzt wird. Also zum Beispiel dann, wenn Reed oder Johnny Storm ihre Fähigkeiten einsetzen. Wobei die praktischen Effekte auch Schwächen haben. So wirkt das Outfit von Ben Grimm weniger wie aus Felsen, als vielmehr wie aus Gummi gemacht.

Letzten Endes ist Fantastic Four kein besonders gelungener Film. Er hat zwar seine guten Momente, doch können einige Schauspieler nicht überzeugen. Es gibt bessere Superheldenverfilmungen, ebenso, wie es schlechtere gibt.

Warpskala

Warpskala
5 10 0 1
5/10
Total Score

Positiv

  • Leistung von Chris Evans
  • Leistung von Michael Chiklis
  • Leistung von Julian MacMahon

Negativ

  • Leistung von Jessica Alba
  • Ioan Gruffudd
  • Schlecht gealterte Effekte
Götz Piesbergen
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