Doom Patrol
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Review: Doom Patrol 13 – Flex Patrol

Lesezeit circa: 5 Minuten

Flex Patrol ist eine Episode, die sowohl die starken als auch die schwachen Aspekte der Doom Patrol-Serie zeigt.

Ein Ende in Sicht

Bei ihrer Flucht aus dem Gefängnis des Büros für Normalität findet die Doom Patrol auch Flex Mentallo (Devan Chandler Long), der, so Danny die Straße, einen Hinweis darauf hat, wo sich Chief Caulder befinden könnte. Das Problem ist, dass er in all den Jahren, in denen er Gefangener des Büros war, seine Erinnerungen und seine Fähigkeiten eingebüßt hat. Beides muss er mühsam erst wieder erlangen, wobei Larry Trainor (Matt Bomer (Stimme), Matthew Zuk (Körper)) dabei Schuldgefühle verspürt. Denn er hatte während seiner Gefangenschaft die Möglichkeit gehabt, ihn zu befreien, aus Angst allerdings darauf verzichtet.

Gleichzeitig sind Crazy Jane (Diane Guerrero), Cliff Steele (Brendan Fraser (Stimme), Riley Shanahan (Körper)) und Rita Farr (April Bowlby) gemeinsam Vic Stone  (Joivan Wade) und seinem Vater im Krankenhaus. Derweil sich um den schwer verwundeten Papa des Superhelden Cyborg gekümmert wird, lungert Rita im Wartesaal herum, wo etwas in ihr eine lange vergrabene Erinnerung wachruft.

Mit Flex Patrol neigt sich die erste Staffel der Doom Patrol-Serie dem Ende entgegen. Nur noch zwei Folgen, die vorliegende nicht mitgerechnet, dann hat eine der interessantesten Comicadaptionen der Moderne seine ersten Schritte hinter sich. Und das sogar erfolgreich, weil seit damals zwei weitere Seasons hinzukamen und eine vierte in Arbeit ist.

Wer ist jetzt der Böse?

Dabei handelt es sich um eine Folge, die gesammelt Stärken und Schwächen der Reihe präsentiert. So ist sie dann gut, wenn sie unter anderem die besonders verrückten Elemente ihrer Vorlage adaptiert und sich dazu auch bekennt. Doch schwächelt sie, wenn sie sich zu sehr darauf fokussiert, die charakterlichen Schwachstellen ihrer Hauptfiguren darzustellen.

Zum Glück nimmt Ersteres den Großteil von Flex Patrol ein. Sobald nämlich Flex Mentallo auf dem Bildschirm zu sehen ist, ist alles perfekt. Dabei handelt es sich um eine weitere Grant Morrison-Erfindung. Eine Parodie auf die amerikanische Charles Atlas-Reklame, in der ein „Spargeltarzan“ am Strand gemobbt wird und dank des Trainingsprogramms des berühmten Bodybuilders Atlas zu einem Muskelprotz wird, der die Mobber bestraft und dem die Herzen der Frauen zufliegen. Im Comic wurde daraus „The Man of Muscle Mystery“, der, sobald er seine Muskeln flext, die Realität umgestalten kann, was hier eindrucksvoll durch ein Picknick mit seiner Angebeteten in den 1950er Jahren gezeigt wird, wo er allein durchs Posen eine Blume für sie hervorzaubert.

Natürlich muss dies tragisch enden, da es das Büro der Normalität auf ihn abgesehen hat. Und hier muss man die Doom Patrol-Serie kritisieren, da man das Gefühl hat, dass das Büro in der letzten Zeit zu sehr den Rang des Hauptantagonisten eingenommen hat und Mr. Nobody kaum noch eine Rolle spielt. Zwar ist es auch ein interessanter Gegenspieler, doch wäre es besser gewesen, wenn man nicht das Gefühl eines Notbehelfs hätte, nämlich dass es deshalb so sehr in den Vordergrund gestellt wird, weil der eigentliche Hauptgegenspieler vielleicht auf Dauer zu viel des Guten ist.

Schuldgefühle

In jedem Fall zeigt sich in Flex Patrol wieder die Bösartigkeit, mit der das Büro alles und jeden bekämpft, was nicht in ihr Konzept passt. Zu sehen, wie es den Büro-Mitarbeitern nach und nach gelingt, den so starken Flex Mentallo kleinzukriegen, so dass er am Ende noch nicht mal ein Schatten seiner Selbst ist, ist gelungen. Es zeigt wunderbar den Wahn, den diese Leute haben und dabei wirklich vor nichts zurückschrecken.

Doch dann sieht man parallel, wie es Larry Trainor erging, der zur selben Zeit ebenfalls ein Gefangener des Büros war. Genau wie Flex wurden er und sein Geist gefoltert. Und er wurde damals so eingeschüchtert, dass er seinem Mitgefangenen nicht helfen konnte oder wollte, als dieser eine Möglichkeit „erflext“ zu fliehen.

Das ist an und für sich nichts Schlimmes. Nur was Flex Patrol daraus für die Handlungsgegenwart macht, das kann nicht überzeugen. Denn auf einen Schlag meint Larry in der Gegenwart, sich selbst kasteien und seinem negativen Geist die Freiheit schenken zu müssen, auch wenn ihn dies langsam tötet.

Ein finaler Twist

Es ist diese Art von Nabelschau, die Zurschaustellung persönlicher Probleme, das detaillierte Entblößen charakterlicher Schwachstellen mit allen Konsequenzen, die einem nach all den ähnlichen Episoden auf die Nerven geht. Das Schlimme ist, dass dieses Plotelement eben nicht nur bei Larry verwendet wird, sondern auch bei Rita. Man weiß mittlerweile, dass man es hier mit kaputten Typen zu tun hat. Es ist nichts Neues mehr. Und es wirkt sich negativ auf den Gesamthandlungsfortschritt aus, der dadurch einfach nur auf der Stelle tritt.

Was dann jedoch den kompletten Absturz verhindert, ist die finale Szene, in der die Ereignisse der bisherigen Episode vollständig neu kontextualisiert werden. Hier wird die vierte Mauer durchbrochen und die Macher von Doom Patrol bekennen quasi, dass es ihnen bewusst ist, wie sehr diese Nabelschau der früheren Folgen nervt, und dass ab jetzt Dinge besser, ja sogar interessanter werden. Dass ihnen diese Erkenntnis quasi kurz vorm Finale kommt, ist dabei sicherlich kein Zufall.

Das war jetzt teilweise sehr viel Gemecker. Doch insgesamt ist Flex Patrol eine gute Folge, wobei vor allem die letzte Szene viele rettet.

Warpskala

Warpskala
8 10 0 1
8/10
Total Score

Positiv

  • Die letzte Szene
  • Flex Mentallo

Negativ

  • Büro für Normalität nervt
  • Wieder sehr viel Nabelschau der Charaktere
Götz Piesbergen
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