Review: Spider-Man 2 (2004)

Lesezeit circa: 9 Minuten

Mit Spider-Man 2 kam die nächste Fortsetzung der modernen Superheldenfilm-Ära heraus.

Natürlich kommt eine Fortsetzung

Als klar wurde, dass Spider-Man ein Erfolg werden würde, verlor Sony keine Zeit. Sie einigten sich mit Sam Raimi, dass er auch die Fortsetzung drehen würde, und verkündeten dies mit einem Starttermin für das Jahr 2004. Gleichzeitig heuerte das Filmstudio die Drehbuchautoren Alfred Gough, Miles Millar und David Koepp an, um das Skript dafür anzufertigen. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit wurde dann im September 2002 Michael Chabon vorgelegt, damit er es neu schreiben konnte.

Der wiederum hatte seine eigenen Ideen. Seine Version hatte einen jungen Doctor Octopus als Charakter, der durch die Fusion mit den Tentakeln langsam starb. Deshalb wollte er das Rückgrat von Peter Parker haben und ging auch eine Allianz mit Harry Osborne ein. Und er war der Schöpfer der Spinne, die Peter Parker biss und ihn so zu Spider-Man machte.

Aus diesen verschiedenen Drehbuchversionen nahm sich Sam Raimi die Bestandteile, die er am besten fand und verarbeitete sie mit dem Drehbuchautor Alvin Sargent zu einem neuen Skript. Dabei fokussierte er sich vor allem auf die Auswirkungen, die das Superheldendasein auf Peter Parker hatte. Gleichzeitig wurden auch einige Comics mit berücksichtigt, vor allem das Doc Oc-Debüt von 1963, die If this be My Destiny…!-Erzählung von 1966, sowie die Spider-Man No More…!-Story bzw. davon vor allem The Amazing Spider-Man #50.

Probleme und gute Nachrichten

Beim Cast gab es zwischendurch einige Turbulenzen. Denn bei Tobey Maguire war nach den Dreharbeiten des Films Seabiscuit eine bereits existierende Rückenproblematik akut geworden, weshalb es für eine Zeitlang in den Sternen stand, ob er überhaupt wieder mitmachen können würde. Deshalb wurden auch Verhandlungen mit dem Darsteller Jake Gyllenhaal als potenzieller Nachfolger geführt, die dann aber letzten Endes abgebrochen wurden, weil Tobey Maguire sich wieder so gut erholte, dass er seinen Verpflichtungen nachkommen konnte.

Für die Rolle des Filmschurken Doctor Octopus kamen mehrere Schauspieler, wie beispielsweise Ed Harris, in Frage. Doch am Ende fiel die Wahl auf Alfred Molina, einem Darsteller von Weltklasse. Der war darüber hocherfreut, weil er ein großer Fan von Marvel Comics war, auch wenn er persönlich mit der Filmfigur zunächst nicht vertraut war.

Ansonsten kehrten sämtliche Darsteller des vorherigen Teils wieder zurück und nahmen ihre alten Rollen auf. Darunter auch Willem Dafoe und Cliff Robertson, die jedoch jeweils nur kurz zu sehen waren. Was logisch war, da ihre Figuren in dem ersten Teil verstorben waren.

Was für ein Stress

Die Dreharbeiten verliefen reibungslos, wobei viele der Darsteller einige ihrer Stunts sogar selber durchführten. Darunter auch Rosemary Harris persönlich. Bei den visuellen Effekten gab es ein paar subtile Veränderungen an Spider-Mans Kostüm derweil die Tentakel von Doc Ok von jeweils einem Puppenspieler gesteuert wurden. Computeranimierte Effekte gab es nur dann, wenn sie beispielsweise den Körper des Doktors durch die Gegend trugen.

Peter Parker (Tobey Maguire) ist jetzt schon seit ein paar Jahren Spider-Man. Doch das Doppelleben als Student und kostümierter Superheld setzt ihm zunehmend zu. Allzu oft geschieht es, dass seine maskierte andere Existenz ihm einen Strich durchs normale Leben macht und er so beispielsweise einen Job verliert, auf den er finanziell angewiesen ist. Abhilfe könnte allerdings sein bester Freund Harry Osborne (James Franco) bringen, der ihm Dr. Otto Octavius (Alfred Molina) vorstellt, einen brillanten Wissenschaftler, der für die Oscorp-Firma an einer neuen Energiequelle arbeitet.

Doch bei einer Vorführung vor Finanziers läuft ein Experiment schief. Octavius verliert die Kontrolle und verschmilzt mit dem Harnisch, mit dem er eigentlich alles kontrollieren sollte. Peter Parker kann zwar als Spider-Man das Allerschlimmste verhindern, jedoch nicht, dass die Frau des Wissenschaftlers ums Leben kommt. Als dieser wieder zu sich kommt, scheint er den Verstand verloren zu haben. Dank der vier Arme des Harnischs nennt er sich jetzt Doctor Octopus und er will das Experiment wiederholen, egal um welchen Preis.

Ein tragischer Schurke

Spider-Man 2 besitzt alle Eigenschaften eines erstklassigen Superheldenfilms. Man hat das persönliche Drama des Titelhelden, einen sympathischen Gegenspieler, sowie, im Vergleich zum Vorgänger, viele Verbesserungen, was die Darstellungen der Nebencharaktere angeht. Hinzu kommt dann auch allgemeine eine nahezu super Story wie ebenfalls gelungene Special Effects.

Das Highlight des Films ist dabei natürlich Alfred Molina als Doctor Octopus. Man merkt, dass er ein Charakterdarsteller ist, weil es wirklich schafft, seiner Figur Tiefe und Schärfe zu verleihen. Er ist zwar ein Schurke, der Antagonist der Story, doch dank des tragischen Hintergrunds seines Ursprungs empfindet man echte Sympathien für ihn. Und gleichzeitig läuft einem ein Schauer über den Rücken, wenn man sieht, wie er sich mit seinen Tentakeln unterhält oder ohne Rücksicht auf Verluste vorgeht, um ans Ziel zu kommen.

Interessant ist, dass Alfred Molina für seine Rolle abgespeckt hat, er aber trotzdem in den Szenen, wo er mit freiem Oberkörper spielte, deutliche Speckrollen hatte. Doch dies passt hervorragend zu Doctor Octopus, der auch in den Comics eine Figur mit einem eher molligen Körperbau war. Dass das mit in den Film übernommen wurde, ist wunderbar.

Nachvollziehbar

Übrigens bemerkt man den Horrorhintergrund von Regisseur Sam Raimi in der Szene, in der Otto Octavius nach dem Unfall zu sich kommt. Sie ist wie in einem Horrorfilm inszeniert, wodurch deutlich wird, wie sehr der Wissenschaftler sich verändert hat. Visuell sehr beeindruckend.

Natürlich steht Peter Parker im Mittelpunkt des Geschehens. Und hier ist es schön, dass Sam Raimi darauf achtet, die Belastung darzustellen, unter der er steht. Klar, einige Szenen werden als Comedy Relief dargestellt, etwa die Probleme des Heldens Pizzen abzuliefern. Doch gleichzeitig verdeutlichen diese Momente das, was Spider-Man von anderen Heroen absetzt: Er hat keine tiefen Taschen, sondern muss ständig mit Geldproblemen kämpfen. Es ist mit der Grund dafür, wieso der Spinnerich von allem Marvel-Helden immer noch einer der Nachvollziehbarsten ist.

Sehr schön ist auch, dass dieser Druck, unter dem Parker in Spider-Man 2 steht, psychologische Auswirkungen hat. Wie es dafür sorgt, dass seine Kräfte fluktuieren und er immer wieder Momente hat, in denen sie nicht funktionieren. Bis es eben zu dem Augenblick kommt, wo sie scheinbar vollständig aufhören und er damit auch nicht mehr Spider-Man sein kann. In diesen Momenten kann Tobey Maguire richtig glänzen.

Fehler wurden berücksichtigt

Stark ist dabei die Szene, in der man sieht, wie er sein Kostüm in der Mülltonne zurücklässt. Übrigens ein Moment, der auch aus den Comics entnommen wurde. Was zeigt, dass die Hefte der bunten Bilder nicht nur als Quellmaterial für die Story dienen können, sondern ebenso für einige Einstellungen.

Natürlich ist es am Ende so, dass Peter Parker wieder zu Spider-Man wird. Der Spruch „Aus großer Macht kommt große Verantwortung“ muss sich ja bestätigen und der Film ist mit dem Augenblick, wo er sein Kostüm zurücklässt ja noch längst nicht vorbei. Trotzdem ist die Story wunderbar erzählt, mit vielen exzellenten Charaktermomenten, in denen eben nicht nur der Titelheld und der Antagonist glänzen kann, sondern ebenso die diversen Nebenfiguren.

Und hier hat man wirklich das Gefühl, dass die Verantwortlichen des Films sich darauf fokussiert haben, viele Kritikpunkte des ersten Teils zu berücksichtigen. Mary Jane (Kirsten Dunst) ist längst nicht mehr so sehr eine Screamqueen, sondern wird als eine erwachsene Frau dargestellt, die in einem Dilemma steckt. Einerseits ist sie mit dem Astronauten John Jameson verlobt, der übrigens der Sohn von J. Jonah Jameson ist, der als Nebencharakter jedoch vor allem im Vergleich zu seinem Vater blass und unbedeutend bleibt. Andererseits ist sie in Spider-Man und damit ebenfalls insgeheim Peter Parker verliebt. Tante May darf sich sogar in einer exzellenten Szene gegen Doctor Octopus behaupten. Allgemein wird sie als eine starke, selbstständige Persönlichkeit charakterisiert, die den Tod von ihrem Ehemann Ben Parker gut überwunden hat und bereit ist, alles zu tun, um ihren Neffen zu unterstützen.

Doch auch die Animosität Harry Osbornes gegenüber Spider-Man wird weiter fortgeführt. Sehr schön ist dabei übrigens, wie am Ende von Spider-Man 2 die Fortsetzung vorbereitet wird, als er nämlich hinter die wahre Identität des Heldens kommt, was ihn sichtbar schockiert. Gleichzeitig scheint dies eine Entwicklung auszulösen, in der der Freund von Peter Parker in den Wahnsinn seines Vaters Norman hinabgleitet.

Da wird etwas vorbereitet

Spider-Man 2 ist ein großartiger Superheldenfilm. Das Gleichgewicht zwischen ernsten und komischen Szenen ist gelungen. Man lacht, wenn J. K. Simmons als J. Jonah Jameson auftaucht und leidet mit Peter mit, wenn der Spagat zwischen seinem Superheldendasein und seinem Privatleben ihn mental fertigmacht! Man feiert mit der Stadt New York, wenn die Bevölkerung ihn und und seine diverse Heldentaten zelebriert. Und bemitleidet Doctor Octopus, einen fantastischen Schurken. Auch die Actionszenen sind großartig geworden, ebenso wie die computeranimierten Szenen gut gealtert sind. Schon allein wie die verschiedenen Tentakel des Doktors anscheinend eine unterschiedliche Persönlichkeit haben, die sich allein aus ihrer Verhaltensweise ergibt, ist grandios!

Im Prinzip hätte dies ein rundum gelungener Film werden können, wäre da nicht eine Szene am Ende, die den positiven Gesamteindruck etwas ruiniert. Die Rede ist von dem Moment, in dem Peter einen führerlosen Zug rettet und sich dabei vor Augen der Passagiere demaskiert. Er schafft die Rettungsaktion, wird danach allerdings bewusstlos und dann maskenlos von den Passagieren in Sicherheit gebracht, die versprechen, seine wahre Identität geheimzuhalten.

Dieser Moment, diese Szene macht absolut keinen Sinn. Im Prinzip will uns Sam Raimi klar machen, wie enorm der Respekt der Menschen vor der Heldentat Spider-Mans ist, dass sie sogar dieses Geheimnis für sich bewahren. Doch in Wahrheit ist es komplett unlogisch, wie auch die Demaskierung an sich keiner Logik folgt.

Doch wie gesagt ist dies nur ein kleiner Wermutstropfen in einem ansonsten genialen Superheldenfilm, der am Ende natürlich klar macht, dass es eine Fortsetzung geben wird. Schließlich ist zwar einerseits das Leben von Peter Parker jetzt in Ordnung, aber andererseits weiß jetzt auch Harry Osborne von seiner wahren Identität und er scheint in denselben Wahnsinn hinabzugleiten, wie sein Vater. Genügend Material für einen hoffentlich spannenden Spider-Man 3.

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Götz Piesbergen
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