Godzilla kehrt zurück
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Review: Godzilla kehrt zurück (1955)

Lesezeit circa: 6 Minuten

Ob Godzilla kehrt zurück so eine gute Idee war?

Je schneller, desto mehr Geld

Man kennt es ja: Film ist super erfolgreich, die Verantwortlichen wittern schnelles Geld und verlangen eine Fortsetzung, die dann auch gedreht wird. Auch bei Godzilla war dies so. Da der allererste Teil aus dem Jahr 1954 ein Erfolg war, musste natürlich ein zweiter Teil kommen. Egal, ob die Story das jetzt hergab oder nicht.

Doch von Beginn an war klar, dass es bei Godzilla kehrt zurück nur um die Geldmacherei ging. Der Film sollte schnell gedreht werden und in die Kinos kommen, sodass das Momentum des Vorgängers nicht verloren gehen würde. Das hatte auch Auswirkungen auf die Produktion.

Der Regisseur des ersten Teils, Ishirō Honda, stand für den Nachfolger nicht zur Verfügung, weil er parallel mit den Dreharbeiten für einen anderen Film beschäftigt war. Als sein Ersatz wurde Motoyoshi Oda, der Erfahrung mit Kinofilmen hatte, die vor allem effektgeladen waren. Aber ebenso hatte er diverse B-Film-Produktionen zu verantworten, was für Godzilla kehrt zurück kein gutes Zeichen war.

Godzilla kehrt zurück

Keine großartige Wiederkehr bekannter Gesichter

Vom alten Cast kamen Takashi Shimura als Dr. Kyohei Yamane und Seijirō Onda als Captain Terasawa, JASDF zurück. Ansonsten waren es alles neue Gesichter. Die Hauptdarsteller waren Hiroshi Koizumi als der Pilot Shoichi Tsukioka, Minoru Chiaki als der Freund und Kollege Koji Kobayashi. Setsuko Wakayama stellte das Love Interest von Tsukioka, Hidemi Yamaji dar, derweil Yukio Kasama ihren Filmvater Kohei Yamaji schauspielerte. Godzilla selbst wurde wieder von Haruo Nakajima zum Leben erweckt, derweil Katsumi Tezuka den Gegenspieler Anguirus darstellte.

Godzilla kehrt zurück wurde innerhalb weniger Monate problemlos fertiggedreht. Er kam am 24. April 1955, sechs Monate nach dem Kinodebüt des Erstlings, in die Lichtspielhäuser.

Ein bedeutsamer Film

Godzilla ist wieder zurück. Dieses Mal allerdings nicht allein. Er bekämpft einen anderen Dinosaurier mit dem Namen Anguirus. Hilflos beobachten die Menschen das Geschehen, ist doch die Waffe, die das Ungetüm das letzte Mal besiegt hat, nicht mehr einsetzbar, genauso wie der Erfinder des Oxygen-Zerstörers nicht mehr lebt und sein Wissen mit ins Grab genommen hat.

Dennoch geben die Menschen nicht auf, sondern lassen sich einiges einfallen, um ähnliche Ereignisse wie beim ersten Auftauchen des Monsters zu verhindern. Doch fliehende Häftlinge führen zu einer Katastrophe, die von ihrem Ausmaß an Godzillas Angriff auf Tokio erinnert. Es muss also eine Lösung her, mit der sich die Wesen aufhalten lassen.

Godzilla kehrt zurück ist für die Geschichte des Franchise bedeutsam. Es handelt sich hierbei um den ersten Film, in dem der Titelcharakter gegen ein anderes Ungeheuer antritt. Dies sollte in allen kommenden Kinoabenteuer das definierende Element werden, wodurch diese Kinofilme auch überhaupt so populär wurden.

Doch wenn man sich diesen Film anguckt, dann würde man nicht auf den Gedanken kommen, hier die Basis für ein erfolgreiches Franchise zu sehen. Im Gegenteil: Das definierende Element des Monsterduells wirkt hier eher langweilig und verschämt eingesetzt. Wie auch allgemein dieser Kinofilm bei Weitem nicht an die Qualität von Godzilla ranreichte.

Godzilla kehrt zurück

Ein langweiliger Auftritt

Das Problem an der Auseinandersetzung in Godzilla kehrt zurück ist, dass sie bei Weitem nicht so überzeugend wirkt, wie man es eigentlich erwarten würde. Wenn man Anguirus mit späteren Monstern wie Mothra oder King Ghidorha vergleicht, fehlt hier einiges. Man erfährt zwar, dass das Wesen ein Ankylosaurier ist, aber die Motivation, wieso es sich mit dem Titelcharakter fetzt, ist nicht vorhanden. Weshalb bei all seinen Auftritten das Gefühl der Aufregung fehlt und man bei der finalen Auseinandersetzung nichts verspürt.

Wobei man dem Film zu Gute halten muss, dass er bei dem Duell dieser beiden Ungeheuer durchaus Neues versucht. Damit ist nicht nur die Existenz von Anguirus an sich gemeint, sondern auch Elemente, wie dass die beiden ins Wasser fallen und dass es mehr Nahaufnahmen von Godzillas Gesicht gibt.

Doch genauso schwach wie die Ungeheuer in Godzilla kehrt zurück fallen auch die menschlichen Protagonisten aus. Anders als noch im ersten Film schafft es dieses Mal keine Figur, auf Dauer in Erinnerung zu bleiben. Was hier fehlt, ist ein gewisses Drama.

Das Einzige, was dem ansatzweise entspricht, ist die ständige Frage, wann einer der beiden männlichen Hauptdarsteller denn endlich heiratet. Während es bei Shoichi Tsukioka klar ist, dass er bald mit Hidemi Yamaji zusammen sein wird, gibt sich sein Freund, der lebenslustige Koji Kobayashi ausweichend. Erst später erfährt man, in wen er sich verschossen hat. Doch das geschieht zu spät im Film und hat auch nur den Zweck, einen dramatischen Höhepunkt vorzubereiten.

Gesellschaftlich wieder schlecht gealtert

Erneut muss man übrigens betonen, dass dieser indirekte Druck und die Frauenrollen in Godzilla kehrt zurück aus heutiger Sicht befremdlich und antiquiert wirken. Aber, um es nochmal zu erwähnen, so war das damals eben. Und man kann sicher sein, dass vor allem die Frauenbilder im Laufe der Jahre besser werden.

Ein weiteres Element, das dafür sorgt, dass dieser Film nicht das Niveau des Vorgängers erreicht, ist, dass hier zwar ebenfalls eine Stadt angegriffen wird, nämlich dieses Mal Osaka, doch es fehlt diesen Szenen die Wucht wie bei Godzillas Angriff auf Tokio. Man vermisst hier die zivilen Opfer, die es, abgesehen von flüchtigen Kriminellen, nicht gibt. Wodurch diese Szene merkwürdig zahnlos wirkt.

Godzilla kehrt zurück

Lieblos und Langweilig

Wobei dem Drehbuchautor Takeo Murata ursprünglich ein anderes Szenario vorschwebte. Er wollte Szenen einbauen, in denen man Chaos und Plünderungen während Godzillas Angriff auf Osaka sehen konnte. Doch zeitliche und budgettechniche Einschränkungen machten diesen Plan zunichte. Was schade ist, denn es hätte den Film bereichert.

Am Ende ist Godzilla kehrt zurück einfach nur eine lieblose und langweilige Fortsetzung des Erstlings. Es ist kein kompletter Reinfall, da er durchaus einige Ideen hatte und für die Zukunft des Franchise von Bedeutung ist. Doch damals wie heute ist er er nur ein moderater Erfolg, der an den Vorgänger bei Weitem nicht ranreichte.

Amerikanische Sonderwurst

Und dann ist da die amerikanische Fassung. Bereits beim ersten Film war es so, dass für die Vereinigten Staaten die ursprüngliche Version deutlich angepasst wurde. Dieses Mal gingen die Macher jedoch einen Schritt weiter.

Die Originalfassung wurde ausführlich analysiert und dann quasi als eine Art Szenen-Steinbruch genommen. Es wurde daraus ein komplett eigenständiger Film mit dem Namen Gigantis gedreht, wo die Titelfigur mit Godzilla außer dem Aussehen nur wenig gemeinsam hatte. Dieser Streifen kam 1959 als Doppelfeature mit dem B-Movie Teenagers from Outer Space in die amerikanischen Kinos. Interessanterweise war George Takei einer derjenigen, die die neue Synchronisation damals einsprachen.

In jedem Fall führte Godzilla kehrt zurück dazu, dass es noch weitere Jahre dauern sollte, bis der nächste Teil in die Kinos kam. Und dieses Mal musste sich die Riesenechse mit einem gigantischen Menschenaffen herumprügeln. Doch dazu in der entsprechenden Rezi mehr.

Wertung

Wertung
4 10 0 1
4/10
Total Score

Positiv

  • Erster Godzillafilm mit einem Monsterduell

Negativ

  • Monsterduell fehlt die Dramatik
  • Film allgemein langweilig inszeniert
  • Darstellung der Hauptcharaktere
Götz Piesbergen
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