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In Godzilla, Mothra and King Ghidorah: Giant Monsters All-Out Attack werden bekannte Monster neu interpretiert.

Kaiju Erfahren

Wie es bei den Toho-Studios üblich ist, begannen die Vorbereitungen für den nächsten Godzilla-Film bereits während der Dreharbeiten zu Godzilla vs. Megaguirus. Denn man heuerte den Filmemacher Shusuke Kaneko an und gab ihm relativ freie Hand. Er sollte nur die Prämisse des kommenden Teils umsetzen.

Der Grund für diese erstaunliche Freiheit mag da drinnen liegen, dass Shusuke Kaneko bereits Erfahrungen im Kaiju-Genre besaß. Denn er hatte von 1995 bis 1999 das andere berühmte Kaiju-Monster Gamera in Form einer Trilogie erfolgreich wiederbelebt. Und für Godzilla, Mothra and King Ghidorah: Giant Monsters All-Out Attack konnte er einen Großteil der Crew, mit der er bei diesen Filmen bereits zusammengearbeitet hatte, mitnehmen.

Kaneko war auch beim Drehbuch involviert. Er schlug diverse Ideen vor, unter anderem, dass Godzilla gegen Kamacuras antreten würde, dem Lieblingskaiju seines Sohns, der das erste Mal in Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn auftrat. Doch die Idee wurde abgelehnt, weil die Riesenechse bereits in Godzilla vs. Megaguirus gegen ein Insektenmonster antrat. Auch der nächste Vorschlag des Filmemachers wurde nicht angenommen, bis er schließlich eine Storyidee unterbreitete, die am Ende akzeptiert wurde. In dieser sollte die Kreatur gegen drei andere Monster antreten. Zwei von denen wurden seitens des Studios abgelehnt, die stattdessen vorschlugen, sie durch Mothra und King Gidorah zuersetzen, die bekannter sind und dementsprechend mehr Geld in die Kassen spielen würden. Kaneko akzeptierte diese Änderungsvorschläge nach einer kleinen Bedenkpause.

Eine Änderung im Ursprung

Das Skript zu Godzilla, Mothra and King Ghidorah: Giant Monsters All-Out Attack verfasste er gemeinsam mit Keiichi Hasegawa und Masahiro Yokotani. Er fügte dabei einige Änderungen in die Lore der Riesenechse ein. Er spielte den nuklearen Ursprung herunter und gab eine gewisse mystische Komponenten hinzu. Da Kaneko außerdem noch ein Pazifist war, wollte er ebenso einen Anti-Kriegs-Ansatz in den Plot einbauen.

Im Maincast gab es überwiegend Neulinge. Der einzige richtige Veteran, der zurückkehrte, war Hideyo Amamoto, der das erste Mal 1964 in einem Godzilla-Film auftrat, nämlich in Frankensteins Monster im Kampf gegen Gidorah. Die männliche Hauptrolle übernahm der Musiker und gelegentliche Schauspieler Ryudo Uzaki, der Admiral Taizo Tachibana darstellte. Seine Tochter, die angehende Reporterin Yuri Tachibana, wurde von Chiharu Niiyama zum Leben erweckt. Für Masahiro Kobayashi, der den heimlich in sie verschossenen Teruaki Takeda spielte, war es die erste große Filmrolle. Die Figur des Chefs von Yuri Tachibana, Haruki Kadokura, wurde von Shirō Sano übernommen.

Ein amerikanisches U-Boot geht vor Guam verschollen. Als die Japaner den letzten bekannten Aufenthaltsort untersuchen, finden sie es zerstört vor und können noch eine große Finne sehen, ehe auch sie vernichtet werden. Für Admiral Taizo Tachibana steht damit fest, dass hinter der Katastrophe Godzilla steckt.

Ein Monster-Stelldichein

Seine Tochter Yuri Tachibana, die als Fernsehjournalistin für einen Spartensender arbeitet, erfährt bei den Dreharbeiten von der Legende von drei japanischen Wächtermonstern, die in der Zeit der größten Not zurückkehren, um Japan zu beschützen. Schon bald taucht mit Baragon das allererste auf, derweil die beiden andere, Mothra und Gidorah noch nicht zu sehen sind. Doch die Zeit drängt, denn Godzilla ist wieder aufgetaucht und scheint unaufhaltsam zu sein.

Der Titel Giant Monster All-Out Attack erinnert sicherlich nicht von ungefähr an Attack All Monsters. Denn genau wie dieser Film aus der Showa-Ära gibt es auch hier ein Stelldichein diverser bekannter Filmmonster. Wobei die sich dieses Mal teilweise komplett anders verhalten als vorher.

Vorab muss man nochmal erwähnen, dass dieser Kinofilm, wie auch bereits die anderen Teile der Millennium-Ära, alle vorherigen Filmabenteuer ignorieren. Die einzige Ausnahme ist dabei erneut der allererste Godzilla-Film. Wobei bestimmte Elemente von diesem anders interpretiert werden als gewohnt.

Viel Interpretationsfreiheit

So ist Godzilla in Giant Monsters All-Out Attack nicht einzig und allein das Produkt der nuklearen Angriffe des zweiten Weltkriegs und der Jahre danach. Stattdessen ist er hier die Verkörperung all jener, die während des Pazifikkriegs gefallen sind, also nicht nur der Japaner, sondern auch der Amerikaner. Dementsprechend wird er hier nicht als Naturgewalt oder gar Anti-Held dargestellt, sondern eher wie ein Antagonist. Er ist auf Zerstörung, aufs Töten aus, was man daran sieht, wie er alles plattmacht, was ihm im Weg steht. Ein Eindruck, der auch noch durch die völlig weißen Augen verstärkt wird. Er hat keine Pupillen, was gemeinsam mit seinem sonstigen Aussehen ihn wirklich wie ein Monstrum wirken lässt.

Auch bei den anderen Kreaturen wurde und wird sich erstaunlich viel Interpretationsfreiheit geleistet. Mothra ist dieses Mal ohne die Cosmo unterwegs, jene Zwillingsgöttinnen, die in den früheren Auftritten die Riesenmotte bislang begleitet haben. Und sie tötet Menschen. Zwar „nur“ solche, die Unrecht begehen, aber trotzdem ist das für sie extrem ungewöhnlich. Auch Gidorah auf der Seite der Guten zu sehen, ist etwas, womit man in all den Jahren nicht gerechnet hat, da er zuvor eher der Antagonist, der Schurke war. Es wirkt vor allem dann surreal, wenn man sieht, wie er und Mothra immer wieder zusammenarbeiten, bzw. sie ihn wiederholt verstärkt oder gar wiederbelebt. Sein neues Design ist übrigens exzellent und umwerfend.

Ungewohnte Bilder. Doch eben dies sind auch die Momente, die Giant Monsters All-Out Attack zu einem der besten Godzilla-Filme aller Zeiten machen. Weil man sich hier einiges traut. Weil hier gezeigt wird, dass für die Kaiju, für die Monster die Menschen besten falls Hindernisse sind oder, wie sich in einer Szene mit Baragon zeigt, eine Art Spielzeug. Das ist wirklich gruselig und wurde in der Form noch nie in der Filmhistorie von Godzilla gezeigt.

Es gruselt

Gerade dadurch entsteht auch eine Gruselatmosphäre. Eben weil Shusuke Kaneko die Riesenmonster entsprechend inszeniert. Wenn Mothras Raupenform kaum zu sehen ist, nur ihre Augen, oder wenn man sieht, wie sie einen nach dem anderen Menschen, die in einem Boot unterwegs sind, unter Wasser zieht und tötet, dann wird einem schon anders. Das ist etwas, was man so in den Godzilla-Filmen nicht kennt.

Der menschliche Cast kann in Giant Monsters All-Out Attack begeistern. Allen voran kann als Chiharu Niiyama überzeugen. Man kauft ihr wirklich ab, dass sie als Reporterin mehr möchte, als nur Fake-Dokumentationen zu drehen. Zu sehen, wie sie sich entwickelt, wie sie sich auch gegenüber ihrem Vater behauptet und es am Ende sogar schafft, mitten aus der Gefahrenzone eine Reportage zu machen, ist beeindruckend. Vor allem aber ebenfalls deshalb, weil nicht nur ihre Stärken beleuchtet werden, sondern ebenso ihre Schwächen, wodurch sie erst recht zu einer glaubwürdigen Figur wird, wie beispielsweise, dass sie manchmal etwas zu mutig ist.

Ihr Vater Taizo Tachibana kann ebenso begeistern. Man lernt einen liebevollen Vater kennen, der sich um seine Tochter kümmert und der ihr keine Steine in den Weg legt, sondern sich immer für sie einsetzt. Am Ende gibt es sogar eine wahrhaft heroische Szene für ihn. Ryudo Uzaki spielt diesen Charakter angenehm zurückhaltend. Er ist kein Überheld, sondern jemand, der sich Sorgen macht. Um seine Tochter und um sein Heimatland.

Was für ein Soundtrack!

Das erstaunliche an Giant Monsters All-Out Attack ist, dass das Militär zwar in einem überwiegend positiven Licht dargestellt wird, aber vor allem im Vergleich zu US-Filmen hat man hier nicht den Eindruck von Hyperpatriotismus. Stattdessen sind hier normale Menschen am Werk, die sich freuen und die um Tote trauern. Dass sie wiederholt versuchen, Godzilla und Co anzugreifen, und damit scheitern, trägt mit dazu bei, dass sie nicht wie Überhelden wirken. Und als dann am Ende ein bestimmter Mensch die Titelkreatur besiegt, ist das ein Sieg, den er selber hart erarbeitet hat.

Nicht unerwähnt bleiben darf auch der Soundtrack von Giant Monsters All-Out Attack. Der einen von den Socken bläst, weil er so absolut gelungen ist. Er erweitert das Filmgeschehen enorm und ist genial. Wenn man die Chance hat, unbedingt reinhören.

Exzellente Charakterentwicklungen, eine gruselige Atmosphäre und viele altbekannte Kaijus, die auf eine völlig andere Art und Weise dargestellt werden: Dieser Film macht Spaß und ist definitiv eines der Film-Highlights in der gesamten bisherigen Godzilla-Geschichte.

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Warpskala

Warpskala
10 10 0 1
10/10
Total Score

Positiv

  • Ein ungewöhnlicher Godzilla-Film
  • Gruselige Atmosphäre
  • Grandioser Soundtrack
Götz Piesbergen

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