Mit … aller Zeiten überrascht Andreas Suchanek.

Eine Überraschung, auch für Altleser

Die Crew der HYPERION ist aufgesplittet. Derweil einige von ihnen auf der alten Heimatwelt der Kybernetiker gefangen sind, kämpfen andere auf dem Schiff selbst ums Überleben, denn der von der Stimme übernommene Lukas Akosin hat ihnen mehrere Todesfallen gestellt.

Und so scheint es, als ob die Ash’Gul’Kon ein für alle Mal siegen werden. Doch die leidgeprüfte und erfahrene Mannschaft des Raumschiffes gibt nicht so einfach auf, sondern versucht alles, um das Schlimmste zu verhindern.

Mit … aller Zeiten liegt die Fortsetzung zu Vor dem Ende … vor. Und Andreas Suchanek schafft es, dass man als Leser der ersten Stunde überrascht wird. Denn man hat mit allem gerechnet, nur nicht mit dem, was sich hier ereignet.

Ein ungeahntes Ableben

Wer meine Rezi zum letzten Roman gelesen hat, der weiß sicherlich, dass ich am Ende eine gewisse Vorhersehbarkeit bemängelt habe. Dass die wichtigsten Handlungsträger einen Plotarmor haben, der ihr endgültiges Ableben immer verhindert, weshalb dementsprechend angeblich offensichtlich war, wer in dieser Fortsetzung, also dem Gegenstand dieser Besprechung, sterben würde.

Doch Andreas Suchanek entspricht mit … aller Zeiten nicht den Erwartungen! Ja, ein Großteil der Kernbesatzung der HYPERION überlebt die diversen Bedrohungen, denen sie sich am Ende der vorherigen Ausgabe gegenüber sahen. Allerdings, und das ist ein für die Serie entsprechendes Novum, nicht alle erleben das Ende des Romans! Ein Crewmitglied, dessen Entwicklung man von Beginn von Heliosphere 2265 miterlebt hat, einer, von dem man angenommen hätte, dass er den Plotarmor besitzt, stirbt auf eine Art und Weise, die endgültig ist! Da lässt Andreas Suchanek keine Zweifel aufkommen.

Ohne allzuviel zu spoilern: Anders als bei Jayden Cross, der ja sogar einen Kopfschuss überlebt hat, gibt es hier dieses Mal keinen Ausweg. Es ist ein Abgang, der keine Zweifel offen lässt, dass das betroffene Crewmitglied auch wirklich stirbt. Und vor allem ist es ein Ableben, dass der Autor klasse inszeniert.

Ein Wechselbad der Gefühle

Dabei beschränkt sich der Autor bei der Schilderung der Ereignisse von … aller Zeiten nicht nur auf die Darstellung an Bord des Schiffes. Ebenso wechselt er auf die Oberfläche des Planeten der Kybernetiker, in die Republik, und stellt auch die Gedanken der übernommenen Lukas Akosin sowie des Geistes dar.

Das mag auf den ersten Blick nach vielen unterschiedlichen Protagonisten aussehen. Doch der Autor schafft es, dass alles wunderbar funktioniert. Er dosiert die jeweiligen Abschnitte perfekt, fokussiert sich zwar hauptsächlich auf die HYPERION, weiß allerdings auch, wann er in die anderen Handlungsebenen umblenden muss.

Enden tut … aller Zeiten mit Momenten des Erfolgs, der Trauer und der Andeutung, dass die Gegenseite immer ein Ass mehr im Ärmel hat, als die Protagonisten es ahnen. Ein Wechselbad der Gefühle, dass der Autor aber gekonnt darstellt.

Hier fehlt was!

Ganz kann der Roman unterm Strich trotzdem nicht überzeugen. Denn bei allen Handlungsebenen, die der Autor hier schreibt, fehlt eine essentielle. Bei der Darstellung der Auswirkungen des galaxieweiten Angriffs der Ash’Gul’Kon auf die Infrastruktur erlebt man hier exemplarisch an einem Raumschiff den Versuch, eine Katastrophe für die zivile Bevölkerung abzuwenden. Doch ausgerechnet deren Perspektive fehlt in diesem Buch. Wenn man sich an frühere, vergleichbare Romane erinnert, hat Andreas Suchanek immer noch Zivilisten dargestellt, was der Geschichte gut tat. Ihr Fehlen macht sich hier negativ bemerkbar.

Doch am Ende ist dies immer noch ein fantastischer Heliosphere 2265-Roman.

Heliosphere 2265 – Band 43 aller Zeiten
Cover © Greenlight Press

Autor: Andreas Suchanek
Titel: Heliosphere 2265 43: … aller Zeiten
Teil/Band der Reihe: Heliosphere 2265 43
Verlag: Greenlight Press
Erschienen: 04/2017
Einband: eBook
Seiten: 98
ISBN: 978-3-95834-261-3
Sonstige Informationen:
Produktseite

 

 

 

Warpskala

Warpskala
8 10 0 1
8/10
Total Score

Positiv

  • Andreas Suchanek überrascht den Altleser

Negativ

  • Zivile Perspektive fehlt
Götz Piesbergen

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