Der Zorn des Khan
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Review: Star Trek II – Der Zorn des Khan [Zweitrezension]

Lesezeit circa: 9 Minuten

Der beste Film der Classic Crew bringt ein Wiedersehen mit dem beliebtesten Schurken von Star Trek.

Die Handlung

Während einer Routine-Erkundungsmission entdeckt die USS Reliant auf der Oberfläche des Planeten Ceti Alpha V ein abgestürztes Raumschiff. Es stellt sich heraus, dass es sich um die Überreste der Botany Bay handelt, das Schiff von Captains Kirks genetisch verbessertem Erzfeind Khan Noonien Singh und dessen Gefolgsleuten. Dieser überwältigt die Crew der Reliant – zu der auch Lt. Chekov gehört – und stiehlt anschließend das Genesis-Projektil, ein von Föderationswissenschaftlern unter der Leitung von Kirks Ex-Freundin Carol Marcus entwickeltes Gerät, welches tote Materie so verändern kann, dass ein eigentlich unbewohnbarer Planet lebensfreundlich wird. Khan – getrieben von seinen Hass auf Kirk – will Genesis als Waffe einsetzen.

Kirk und seine Crew machen sich mit der Enterprise auf die Jagd nach Khan. Unterstützt werden sie dabei von der jungen, ehrgeizigen Kadettin Saavik von Vulkan. Was jedoch keiner von ihnen ahnt, ist, dass diese Jagd ihnen mehr persönliche Opfer abverlangen wird, als sie sich vorstellen können …

Produktion

Nachdem der erste Ausflug der Enterprise Crew ins Kino zwar finanziell ein Erfolg war, aber inhaltlich weder die Fans noch die Kritiker überzeugen konnte, entschied man sich für die Fortsetzung zu einem radikalen Bruch, und zwar sowohl vor als auch hinter den Kulissen. Dass dieser Film überhaupt realisiert wurde, ist vor allem der Tatsache zu verdanken, dass er, anders als der Vorgänger, nicht durch Paramounts Kinoabteilung, sondern von der Fernsehabteilung produziert wurde. Dies führte zu einer starken Reduzierung der Produktionskosten, Der Zorn des Khan kostete nicht mal ein Drittel von Star Trek – Der Film.

Und während dort der altgediente Hollywood Veteran Robert Wise auf dem Regiestuhl saß, engagierte man für Star Trek II den jungen Nicholas Meyer, der bis dahin noch nicht mit besonders erfolgreichen Produktionen aufgefallen war. Doch Co-Produzent Robert Sallin war von dem Talent des Newcomers überzeugt, da er glaubte, dieser könne frischen Wind in das Franchise bringen, auch indem er wieder die Charaktere in den Fokus des Films stellte, was beim Vorgänger ja überhaupt nicht der Fall gewesen war.

Des weiteren wurde Star Trek-Schöpfer Gene Roddenberry mehr oder weniger von der Entstehung des Streifens ausgeschlossen, da man ihn die Hauptschuld am Debakel des ersten Films gab. Seine Aufgaben als Produzent übernahm Harve Bennett, der diesen Posten fortan für alle weiteren Star Trek-Kinofilme mit der Classic-Crew inne hatte.

Ein gradliniges Abenteuer

Doch auch in Hinblick auf die Handlung ging man komplett neue Wege. Man entfernte sich davon, eine zwar bildgewaltige, aber doch seelenlose Science-Fiction-Geschichte zu erzählen, bei der die Erforschung des Unbekannten im Zentrum des Films stand. Stattdessen präsentierte sich Der Zorn des Khan als ein eher actionbetonter Film um einen Kampf gegen einen mächtigen Feind, welcher unseren Helden von der Enterprise zusetzt.

Dieser war freilich kein Unbekannter, handelte es sich doch um einen der populärsten Antagonisten aus der TV-Serie: Khan Noonien Singh, der – laut offizieller Star Trek-Chronologie – im späten zwanzigsten Jahrhundert auf der Erde an der Spitze eines Terrorregimes stand und nach seinem Sturz in den Weltraum verbannt wurde. Der genetisch optimierte Übermensch erweist sich auch in dieser Filmfortsetzung der TV-Episode Der schlafende Tiger wieder als intelligenter und zu allem entschlossener Gegner für Kirk und Co.

Der Captain wiederum hat zu Beginn mit seinem fortschreitenden Alter zu kämpfen. Er fühlt sich ausgebrannt und langweilt sich in seiner neuen Anstellung als Ausbilder an der Sternenflottenakademie. Es ist bemerkenswert, dass der Film sich traut, das Thema Alter so direkt anzusprechen und sogar zu einem wichtigen Teil des Plots zu machen. In unserer heutigen, von Jugendwahn gekennzeichneten Welt ist dies nicht mehr so selbstverständlich.

Der alte Haudegen Kirk muss sich unter anderen mit der forschen Kadettin Saavik herumschlagen, die sehr großen Wert auf die Einhaltung der Vorschriften legt und mit der hemdsärmeligen Art ihres Captains nur schwer zurechtkommt. Saavik wird hervorragend von Kristie Alley verkörpert, die es schafft, ihre Figur trotz ihrer manchmal etwas penetranten Art zu einem der bei den Fans beliebtesten Charakteren des Films zu machen.

Aber nicht nur deren respektloses Auftreten erinnert Kirk daran, dass er langsam älter wird. Auch seine Begegnung mit seinem Sohn David stellt ihn vor ganz neue Herausforderungen, zumal dieser in seinem Vater nur einen gewissenlosen Befehlsempfänger sieht, der das Genesis-Projekt militärisch nutzbar machen will.

Die Charaktere im Fokus

Natürlich ist offensichtlich, dass man diese Erfindung auch als Waffe einsetzen kann, weswegen ja Khan auch hinter ihr her ist. Doch muss man sich schon fragen, ob dieser McGuffin unbedingt nötig gewesen wäre. Wenn man bedenkt, dass Khan Captain Kirk die Schuld daran gibt, jahrelang auf einen Wüstenplaneten dahinvegetiert zu haben, und damit auch indirekt für den Tod seiner Frau verantwortlich zu sein, hätte dessen Hass doch eigentlich schon als alleinige Motivation ausgereicht, um der tragende Handlungsstrang des Films zu sein, zumal die Fähigkeiten des Genesis-Projektils schon fast ins Magische, und damit potentiell Unglaubwürdige, abgleiten.

Doch dies ist nur ein kleiner Fehler in dem ansonsten temporeich und spannend inszenierten Film. Anders als im Vorgänger haben die Macher hier ihre Hausaufgaben gemacht und erkannt, was Star Trek in seinem eigentlichen Wesenskern ausmacht. Man hat hier wirklich das Gefühl, eine echte Fortführung der Fernsehserie zu sehen, die sich auch wie eine Star Trek-Episode anfühlt, nur natürlich mit weit höheren Budget. Die liebgewonnen Figuren haben sich zwar weiterentwickelt, aber ihre bekannte Dynamik untereinander ist erhalten geblieben. Sie sind eben mehr als einfach nur Kollegen, sondern vielmehr fast so etwas wie eine Familie.

Regisseur Meyer erkannte wie bedeutsam diese enge Bindung zwischen Kirk, Spock, McCoy und Co. für den Erfolg von Star Trek ist, und gibt ihnen entsprechend viel Raum. Auch geizt der Streifen nicht mit Nostalgie, indem er Bezug nimmt auf Ereignisse der Vergangenheit.

Dies gilt auch für Dinge, die den Zuschauer nicht bekannt sind, da sie in der Serie nie angesprochen wurden. Leider muss man den Autoren in dieser Hinsicht wieder einen kleinen Vorwurf machen: Dass man so plötzlich einen Sohn von Captain Kirk aus den Hut zaubert, der bisher mit keiner Silbe erwähnt wurde, wird manchen Zuschauer etwas merkwürdig vorkommen. David wird zwar – von dem leider viel zu früh verstorbenen – Merritt Butrick absolut sympathisch und kompetent dargestellt. Aber sein Auftauchen in Kirks Leben ist für den Fan mindestens ebenso überraschend wie für Kirk selbst, zumal dieser ja bisher immer als sprunghafter Frauenheld, aber nicht als Familienvater dargestellt wurde. Trotzdem ist es interessant zu sehen, wie Kirk und David sich Verlauf des Films langsam einander annähern.

Doch zurück zu Khan. Dieser wird von Ricardo Montalban hier sehr viel emotionaler gespielt als in der klassischen TV-Episode. Da er in den fünfzehn Jahren, die in der Zwischenzeit vergangen sind, viel durchgemacht hat, ist er ja auch um einiges fanatischer geworden. Sein Wunsch nach Rache an Kirk treibt ihn dazu, seiner Besatzung und auch sich selbst alles abzuverlangen. Er ist hier im Wortsinn ein dunkles Spiegelbild von Kirk, denn seine Weltsicht, in der das Recht der Stärkeren gilt, steht im direkten Kontrast zu den zivilisierten Werten der Föderation, die von Kirk in seinem Umgang mit seiner Mannschaft repräsentiert werden. Negativ anzumerken ist hier, dass es zu keinem direkten Duell zwischen den beiden Kontrahenten kommt. Wenn überhaupt so kommunizieren sie nur über die Bildschirme ihrer Schiffe miteinander. Das Gute daran ist jedoch, dass sich Der Zorn des Khan in seinen besten Momenten beinahe wie ein U-Boot-Thriller anfühlt, vor allem gegen Ende hin, wenn sich die Enterprise und die Reliant im Mutara Nebel gegenseitig belauern. In diesen Szenen zeigt sich Khans ganzes Talent als gerissener Anführer, der sich mit Kirks Fähigkeiten absolut messen lassen kann. Sowohl in tricktechnischer als auch in dramatischer Hinsicht stellen diese Szenen den Höhepunkt des Films da.

Ein Ende – und ein neuer Anfang

Wie bereits erwähnt wird die Mannschaft der Enterprise auch mit persönlichen Opfern konfrontiert: Der Tod von Mr. Spock ist zweifellos ein echter Schockmoment, und das nicht nur für die Fans des kultigen Vulkaniers. Die Szene, in der er sein Leben gibt, um die Enterprise vor der sicheren Zerstörung zu retten, gehört zu den emotionalsten und traurigsten Momenten in der gesamten Geschichte des Franchises. Da Spocks Tod mit der Schöpfung des Genesis-Planeten einhergeht, vereinen sich in dieser Szene zudem jene beiden Themen, mit denen der Film sich vor allem auseinandersetzt, nämlich Geburt und Tod.

Zu Beginn fragt sich Kirk, ob sein Beruf seinem Leben noch einen Sinn gibt, und fühlt sich alt, umgeben von all den jungen Kadetten der Akademie, die noch immer so ehrgeizig und neugierig sind, wie er selbst es einst war. Die Begegnung mit seinem Sohn, der zusammen mit seiner Mutter an einem Weg gearbeitet hat, Leben aus der Leblosigkeit zu erschaffen, und das Auftauchen seines alten Feindes reißen ihn aus seiner Lethargie. Doch als sein bester Freund stirbt, fragt er sich, ob der Sieg über Khan dieses Opfer wert war. Der neu entstandene Genesis-Planet gibt die Antwort: Der Tod ist nicht aller Dinge Ende, auch für Kirk hat sein Leben, trotz allem, noch immer einen Wert.

Dass die Schlussszene des Films andeutet, dass Spocks Tod tatsächlich nicht endgültig ist und die Möglichkeit einer Rückkehr in einem möglichen dritten Film besteht, stieß Nicolas Meyer sauer auf. Die Szene wurde gegen seinen Willen von Robert Sallin in den Film eingefügt und war wohl vor allem als Beruhigungspille für alle Fans gedacht, die sich mit dem Ableben ihres Idols nicht abfinden konnten.

Alles in allem gilt Der Zorn des Khan völlig zu recht als der beste Film mit der Classic-Crew, da er die Qualitäten in sich vereint, welche die Fans an der Serie lieben: perfekt harmonierende Figuren und eine spannende Story, die auch eine klare Botschaft bietet. Dank all dieser Zutaten ist der Streifen nicht zuletzt auch für den gewöhnlichen Zuschauer sehenswert, da er ihn einen gelungenen Einstieg in das Star Trek-Universum bietet.

Filmografisches

Star Trek II – The Wrath of Khan
USA 1982
Regie: Nicholas Meyer, Produzent: Harve Bennett
Autor: Jack B. Sowards, Buch: Jack B. Sowards & Harve Bennett
Gaststars: Ricardo Montalban, Bibi Besch, Merritt Butrick, Paul Winfield, Kirstie Alley

Sven Wedekin

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