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Nach welchem Manifest handelt Cottonmouth?

Gemischte Gefühle

Cornell „Cottonmouth“ Stokes (Mahershala Ali) wird freigesprochen und hält sich damit für unantastbar. Er erpresst Luke Cage (Mike Colter), was dazu führt, dass der Held überlegt, Harlem zu verlassen. Und gleichzeitig erinnert sich der Gangsterboss an seine Vergangenheit, an seinen Werdegang und wie er durch seine Großmutter Mama Mabel geprägt wurde.

Denn diese war das lokale Moboberhaupt von Harlem, die das lokale kriminelle Geschehen mit sanfter Gewalt führte. Sie hält von seinen musikalischen Talenten wenig und möchte lieber, dass er das Handwerk lernt, derweil seine Cousine Mariah Dillard (Alfre Woodard) verhältnismäßig protegiert wird. Bis dann am Ende alles eskaliert.

Manifest ist eine Episode, an deren Ende ich gemischte Gefühle hatte. Hier werden Entscheidungen getroffen, die die Serie maßgeblich beeinflussen werden. Gleichzeitig agieren einige Figuren auch nicht so, wie man es gewohnt ist.

Viele interessante Szenen

Zuallererst fokussiert sich diese Folge auf Cottonmouth. Man erlebt in weiten Teilen der Episode, dass er sich nach seinem Freispruch für unantastbar hält. Er erpresst Luke Cage und meint, dass er jetzt schalten und walten kann, wie er möchte. Und ignoriert dabei die Warnungen von Hernan „Shades“ Alvarez, dass er aufpassen soll, wie er handelt.

Dabei werden in Manifest wiederholt Rückblenden in seine Vergangenheit eingebaut. Man erfährt hierbei einiges über ihn. Dass er seinen Spitznamen „Cottonmouth“ damals nicht mochte. Dass er über viel musikalisches Talent verfügte und von seinem Onkel Pete unterstützt wurde, derweil seine Oma Mama Mabel wenig davon hielt.

Es sind interessante Szenen, die einen Cornell Stokes präsentieren, der vollkommen anders ist als in der Serienjetztzeit. Einen eher scheuen und zurückhaltenden Jungen, der von dem stellenweise brutalen Handwerk seiner Großmutter wenig hält und trotzdem von der beharrlich immer mehr und mehr dazu gebracht wird, immer mehr einzusteigen. Obwohl er eigentlich nicht möchte.

Wenn ein Teil der eigenen Identität wegfällt

Doch auch, wenn in Manifest er im Fokus steht, sieht man parallel dazu ebenfalls eine junge Mariah Dillard. Sie ist überwiegend schweigsam und erst am Ende kommt sie aus sich raus mit einer schockierenden Ankündigung. Einer, die ebenso das Leben ihres Cousins für immer verändern wird.

In der Gegenwart läuft es für sie allerdings nicht alles gut. Sie muss ihren Posten im Rat verteidigen und scheitert dabei. Was sie ziemlich mitnimmt, denn in der bisherigen Staffel hat sie ihre Verbindungen zu den dunklen Machenschaften ihres Cousins immer damit gerechtfertigt, dass sie das Geld für Harlem und ihren Machterhalt braucht. Sie definiert sich förmlich über ihren politischen Posten, er ist Teil ihrer Identität. Und mit dem Wegfall davon stürzt sie in eine erhebliche persönliche Krise, die ziemliche Konsequenzen mit sich zieht.

Interessant ist in Manifest auch, wie die Polizei auf den Freispruch von Cottonmouth reagiert. Anstatt die Ermittlungen zu intensivieren, scheinen sie den Fokus auf Luke Cage zu verlegen. Sie versuchen verstärkt, anscheinend Dreck über ihn herauszufinden. Was sich auch auf Misty Knight auswirkt, die Zweifel an dem Helden entwickelt.

Eine unglaubwürdige Entwicklung

Auch Luke Cage selbst entwickelt zwischendurch Selbstzweifel. So stark, dass er sogar überlegt, Harlem zu verlassen. Und leider funktioniert dieser Plot nicht.

Denn es wirkt unglaubwürdig, dass er in Manifest als allererstes  darüber nachdenkt zu fliehen und erst nach gutem Zureden von Claire Temple bleibt und in die Gegenoffensive geht. Es passt einfach nicht zu der Art und Weise, wie er sich in dieser Season verhalten hat. Und dass er sich dann nach einer, meiner Meinung nach, eher schwachen Rede der ehemaligen Krankenschwester, umentscheidet, sorgt auch nicht für Spannung.

Eine weitere Entscheidung sorgt für Stirnrunzeln. Denn am Ende kommt Cottonmouth ums Leben. Wie und wer ihn umbringt, sei an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel, dass sein Tod problematisch ist. Er war bislang der Oberbösewicht der Serie. Sein Ableben hinterlässt eine Lücke, die erstmal geschlossen werden muss. Und es muss jemand sein, der auch noch entsprechend aufgebaut werden muss.

Immerhin endet Manifest insofern interessant, als dass man das erste Mal sieht, wie Luke Cage von einer Judaskugel verletzt wird. Womit zumindest für die kommende Episode Spannung erzeugt wird. Aber am Ende bleibt es eine lahme Folge.

 

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Götz Piesbergen
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