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Review: Ms. Marvel 01 – Avengercon

Lesezeit circa: 5 Minuten

Die Avengercon ist das große Ziel von Kamala Khan.

Ein starker Wunsch

Kamala Khan (Iman Vellani) ist eine 16-jährige Pakistani-Amerikanerin, die ein großer Fan der Avengers, vor allem von Captain Marvel ist. Sie verfügt über eine blühende Fantasie, die sie allerdings ein ums andere Mal in Schwierigkeiten bringt. So scheitert sie beispielsweise spektakulär bei der Führerscheinprüfung.

Ihr sehnlichster Wunsch ist es, zur AvengerCon zu gehen. Allerdings haben ihre strengen und doch liebevollen Eltern etwas dagegen, was das junge Mädchen jedoch nicht davon abhält, gemeinsam mit ihrem besten Freund Bruno Carrelli (Matt Lintz) einen Plan zu schmieden, wie sie dennoch zu der Veranstaltung gehen kann.

Avengercon ist der Auftakt zur Ms. Marvel-Serie. Und genau wie bei Hawkeye steht im Mittelpunkt des Geschehens eine junge Heldin, die noch nie zuvor in einem früheren MCU-Kinofilm oder einer Serie aufgetreten ist. Doch anders als bei der eben genannten Streamingreihe ist dieses Mal kein erfahrener Heroe an ihrer Seite, sondern sie steht für sich alleine.

Avengercon

Viele Gemeinsamkeiten, ein wichtiger Unterschied

Dabei sticht die Titelheldin nicht nur durch die Tatsache hervor, dass sie jung und weiblich ist. Ebenso ist sie eine Pakistanisch-Amerikanerin und muslimischen Glaubens. Beides Elemente, die mit dazu beitrugen, dass sie bei ihrem Comicdebüt 2013 wie eine Bombe einschlug und seitdem eine der herausragendsten und beliebtesten Heroen des Marvel-Comic-Verlags ist. Dabei ist sie, was auch mit in die Fernsehreihe übertragen wurde, eine Figur, die noch nicht durchs Heldengeschäft abgehärtet ist, sondern immer mit Optimismus agiert.

Die Streamingserie hält sich dabei sehr eng an die Comicvorlage. Nur in einem Aspekt unterscheidet sie sich radikal: Anders als in der Welt der bunten Bilder ist sie, wie man in Avengercon sieht, kein Polymorph, also keine Gestaltwandlerin, die ihre Arme und Beine verlängert. Stattdessen erhält sie hier von ihrer Großmutter einen besonderen Armreif, mit dem sie Energiekonstrukte erzeugen kann, nicht unähnlich einer Green Lantern oder des kosmischen Superhelden Quasar.

Auf dem ersten Blick mag dies eine kontroverse Entscheidung sein, doch wenn man bedenkt, unter welchen Umständen Kamala in den Comics ihre Kräfte erhalten hat, war es am Ende ein kluger Entschluss. Denn ansonsten hätte ein Großteil der ersten Folge dafür verwendetet werden müssen, die Hintergründe hinter ihrer Kraftentstehung zu erklären, was schade gewesen wäre.

Die liebe Familie

Avengercon lebt von Kamala Khan, von der Darstellung ihres Lebens und ihrer Familie. Und es war definitiv die richtige Entscheidung, die noch junge Iman Vellani in die Rolle zu casten. Denn genau wie ihre Figur ist die Darstellerin auch ein großer Fan der Avengers und ihre Familie ebenfalls pakistanischer Herkunft.

Die Episode lebt davon, dass man sieht, wie die Hauptfigur mit enormer Begeisterung für die Avengers und Captain Marvel durchs Leben geht. Im Prinzip dreht sich die Handlung der ersten Folge vor allem um ihr normales Leben, ihren Wunsch, auf die titelgebende Avengercon zu gehen, ihren Schulalltag, ihre Freundschaften sowie ihr Familienleben. Und in jedem dieser Aspekte weiß die Episode zu begeistern.

Schon allein die Darstellung ihrer Familie ist ein kleines Highlight für sich. Einerseits wirkt es lustig, wenn man sieht, wie ihre Eltern nach dem Scheitern der Führerscheinprüfung zunächst den Fahrlehrer beschuldigen, und wie dann auf der Heimfahrt die Mutter sich bitter über ihr Scheitern beklagt. Allgemein merkt man, dass sie diejenige ist, die das Sagen hat. Und so werden Kamala einerseits große Freiheiten eingeräumt, andererseits aber muss sie bestimmte Erwartungen erfüllen. Ein schwieriger Spagat, der schon allein daran scheitert, dass Kamala ein sehr fantasievolles Mädchen ist.

Avengercon

Fehlt hier noch was?

Auch dies wird in Avengercon grandios dargestellt. Wenn man sieht, wie Zeichnungen oder Wandmalereien lebendig werden. Wie sie sich vorstellt, dass Dinge ablaufen sollen, nur um dann im Kontrast zu erleben, wie sie schieflaufen. All das trägt mit dazu bei, dass man sich als Zuschauer gut vorstellen kann, wie dieses Mädchen die Realität wahrnimmt und dabei regelmäßig an eben jener scheitert. Sie ist kein Überflieger, scheint aber in der Schulhackordnung auch nicht am Ende der Nahrungskette zu stehen, anders als zum Beispiel ein Peter Parker.

Doch auch ihre Freundschaft mit Bruno Carrelli zeichnet die Folge aus. Man sieht, dass der Junge ein kleines Genie ist, der Dinge bastelt, wie beispielsweise Handschuhe, mit der sich beim Captain-Marvel-Cosplay von Kamala die Kräfte der Superheldin darstellen lassen. Er und die Titelfigur sind ein gutes Team, das sich perfekt ergänzt, was man vor allem am Ende bei der Reise zur Avengercon sieht.

Was Avengercon natürlich fehlt, ist der Big Bad, der Schurke, das Böse, gegen die Ms. Marvel antreten muss, um zur Heldin zu werden. Jetzt kann man selbstverständlich vermuten, dass die Charaktere aus der Postcreditszene dies sein könnten. Doch da es sich um Figuren handelt, die man bereits aus Spider-Man: No Way Home kennt und die ebenso in den Comics keine Antagonisten waren, werden diese allem Anschein nach eher unterstützende Funktionen einnehmen, die vielleicht auch die Herkunft des Armreifs klären, der Ms. Marvel die Fähigkeiten gibt.

Es ist mal wieder ein Auftakt nach Maß. Und es macht auf die kommenden Folgen neugierig. Wie es bei Marvel-Serien halt mittlerweile auch Standard ist!

Warpskala

Warpskala
10 10 0 1
10/10
Total Score

Positiv

  • Charmante Darstellerin
  • Hält sich nahe an der Comicvorlage, aber nicht zu nahe
  • Grandiose Effekte
Götz Piesbergen
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