Spider-Man No Way Home
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Review: Spider-Man: No Way Home (2021)

Lesezeit circa: 7 Minuten

Da ist er nun – der Film, auf den Marvelfans gewartet haben.

Spider-Man: No Way Home ist gerade im Kino angelaufen. Im Vorfeld gab es Trailer mit Schurken aus anderen Spider-Man-Verfilmungen und eine Postcredit-Scene aus einem anderen Film, die das Fandom schon sehr angeheizt haben.

Warnung vorweg – das wird nicht ohne massive Spoiler gehen. 

Die Fans hatten Recht

Im Vorfeld wurde viel diskutiert, auf Bildern der Trailer wollte man rauseditierte Stellen sehen, Gerüchte hielten sich hartnäckig, dass Charlie Cox als Daredevil bzw. Matt Murdock zu sehen sein würde und das Stuntdouble von Tobey Maguire postete ein Bild vom Set, was viele Fans als Bestätigung sahen. Und sie hatten alle Recht. Nicht nur die Schurken, sondern auch die Helden aus den alten Verfilmungen sind mit dabei und nehmen uns mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt.

Es geht schief, was schief gehen kann

Die Identität von Peter Parker bzw. Spider-Man (Tom Holland) ist bekannt, was enorme Konsequenzen hat. Er und seine Freunde haben kaum eine ruhige Minute und werden sogar beim renommierten MIT abgelehnt. Peter sieht keine andere Möglichkeit, als Doctor Strange um Hilfe zu bitten. Dieser will einen Zauber wirken, damit die Menschen vergessen, dass Peter Parker Spider-Man ist. Doch Peter hat noch ein paar Last-Minute-Änderungen und schon nimmt das Chaos seinen Lauf. Alle, die genau diese Verbindung kennen, werden in dieses Universum gezogen. Doctor Strange ist übrigens nicht mehr Sorcerer Supreme, das ist nun Wong. Dies erklärt auch die Postcredit-Scene in Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings, aber nicht, warum er sich da mit Abomination rumgeprügelt hat.

Die Riege der Schurken

Alle wichtigen Schurken aus den bisherigen Verfilmungen wurden berücksichtigt. Alfred Molina spielt wieder Doctor Octavius, Willem Dafoe ist erneut als Norman Osborn zu sehen. Rhys Ifans als Curt Connors, Jamie Foxx als Max Dillon und Thomas Haden Church als Flint Marko vervollständigen das Quintett. Ausgelassen hat man Harry Osborn (James Franco) und Eddie Brock (Topher Grace), was Sinn macht, denn zum einen hat man einen neuen Venom, der in der Postcredit-Scene seines eigenen Films hergezogen wurde und zum anderen brauchte es Harry nicht, denn wir hatten ja seinen Vater. Gleiches gilt für Dane DeHaan, der in Amazing Spider-Man 2 den Green Goblin spielte, wobei es interessant gewesen wäre, alle drei Green Goblins zu sehen, aber man setzte hier auf bestmögliche Vielfalt bei den Schurken. Deswegen ist das Weglassen von Rhino (Paul Giamatti) auch nicht besonders tragisch. Wäre am Ende wohl auch ein Overkill geworden. Schon mit diesen fünf Gegnern macht es sich der Film nicht leicht und reduziert Sandman und Lizard auf wenig Screentime.

Aber wo war eigentlich der Tom-Hardy-Venom? Das erfahren wir erst in der Midcredit-Scene. Der hat sich in einer Bar voll laufen lassen, während der Barkeeper ihm diese Welt erklärte. Und bevor er irgendwas machen konnte, war der Spuk auch schon wieder vorbei und Eddie daheim. Passt irgendwie wunderbar zu dem Venom, den wir in den beiden Filmen gesehen haben.

Aber wieso wurde er überhaupt ins MCU gezogen? Das wird eigentlich gut erklärt, aber man muss dafür Venom: Let there be Carnage gesehen haben und genau aufpassen. In der Postcreditscene vom zweiten Venom-Film erzählt der Symbiont seinem Wirt davon, dass die Symbionten multidimensional sind und ein geteiltes Bewusstsein haben, Eddies Kopf würde dabei explodieren, wenn er ihm alles zeigen würde. Kurz darauf landet er im MCU und sieht im TV die Demaskierung von Spider-Man. Venom reagiert mit “That Guy” und leckt den Fernseher ab, bevor die Szene zu Ende ist. In No Way Home erfahren wir, dass der Zauber alle ins MCU zieht, die wissen, dass Peter Parker Spider-Man ist – also auch den Symbionten, der die Identität kennt, da ein anderer Symbiont die Identität kennt, nämlich der aus Spider-Man 3, der zuvor ja selbst an Peter Parker klebte. Nicht Eddie wurde ins MCU gezogen, sondern eben der Symbiont.

Ein wenig Enttäuschung war schon da, als Eddie erst im Abspann zu sehen war, aber sind wir ehrlich: Es wäre auch irgendwie zu viel geworden und Venom ist in seinem Universum ja eher ein Anti-Held. Der Tom-Hardy-Venom ist somit auch kein Teil des MCU, wie es manche nach der Postcredit-Scene in Venom 2 meinten, aber er hat ja ein Souvenir da gelassen. Wer weiß, vielleicht bekommen wir im nächsten Holland-Spidey den schwarzen Anzug für einen ganzen Film? Wäre zwar schade, denn jetzt hat er einen Anzug, der direkt aus den Comics kommt, aber als bekennender Symbionten-Fan wäre der schwarze Anzug und später ein MCU-Venom natürlich der Mega-Hammer für mich.

Die Heldenschar

Ohne große Verwunderung waren auch Andrew Garfield und Tobey Maguire mit dabei, was im Vorfeld zwar bestritten wurde, aber kaum ein Fan hat nicht damit gerechnet. Die Interaktion der drei Peters war göttlich, sie erzählten über die merkwürdigsten Gegner, die sie hatten und zumindest hier wurden der Topher-Grace-Venom und Rhino thematisiert. Das Auffinden dieser anderen Spider-Men war allerdings leider recht billig gemacht – Ned Leeds (Jacob Batalon) zieht sich einen Ring von Doc Strange an und kann einfach Portale öffnen. Na, da hätte es sicher einen eleganteren Weg gegeben. Aber wer weiß, wo das noch alles endet mit Ned? Immerhin wird schon seit einiger Zeit gerüchtet, dass er auch im MCU zum Hobgoblin wird. Besonders herzzerreißend ist das erste Treffen zwischen den dreien. Peters Tante May (Marisa Tomei) ist gerade gestorben und die anderen beiden erzählen von ihren größten Verlusten.

Immerhin – Amazing Spider-Man darf die MCU-MJ retten, was ihm bei seiner Gwen Stacy (Emma Stone) nicht gelang. Es gibt einige Szenen zwischen den dreien, die humorvoll die Eigenheiten der jeweiligen Verfilmungen aufgreifen. Doctor Strange (Benedict Cumberbatch) allerdings wirkt ein wenig unbeholfen bei der ganzen Zaubersache.

Soft-Reset

In Spider-Man: Homecoming und Spider-Man: Far from Home war die MCU-Version mit allerlei Gadgets ausgestattet. Das alles verliert er hier. Keine Nanotechnologie, kein Kampfanzug, der in einen Töten-Modus gehen kann. Peter muss nun alles selbst machen, er wohnt in einem heruntergekommenen Loch und näht sich seinen Anzug selbst. Genau wie die Ursprünge im Comic, genau wie es auch bei Tobey Maguire aussah. Man drückt hier auf den Reset-Knopf und macht Spider-Man bodenständiger und unabhängiger. Keiner kennt mehr seine Identität, sogar Happy Hogan (Jon Favreau) hat ihn vergessen. Das führt mich aber zu einer Frage: Warum vergessen MJ (Zendaya) und Ned ihren Freund, wenn sie doch mit ihm befreundet waren, bevor er Spider-Man wurde bzw. bevor sie es rausfanden? Müsste der Zauber nicht eigentlich nur die Verknüpfung Peter Parker = Spider-Man aufheben? So zumindest hat Doctor Strange es am Anfang gesagt, MJ würde ihn noch lieben, wenn sie Peter Parker liebt, wenn sie Spider-Man liebt, dann nicht mehr.

Oder musste der zweite Spruch nun radikaler werden? Da wäre ein wenig mehr Exposition gut gewesen, aber derartige Ungenauigkeiten sind normal bei Filmen, die rein auf Unterhaltung ausgelegt sind. Und das ist auch dieser Film natürlich und schafft dieses auch total. Die Postcredit-Scene ist übrigens der erste Trailer zu Doctor Strange in the Multiverse of Madness. 

Fazit

148 Minuten Laufzeit, die im Flug vergingen, auch wenn es hier und da Stellen gab, die zu lang oder zu kurz waren. Unterm Strich bleibt ein toller Film, den ich gerne weiterempfehle. Aber er bekommt auch Abzüge. So grandios die Leistungen von Willem Dafoe und Alfred Molina in ihren Rollen sind, sie entfalten sich erst richtig, wenn man sich gut auskennt. Das ist kein kleines Cameo, das sind Hauptrollen. Wirklich viel Spaß hat man mit dem Film also nur, wenn man vorher 5 Filme und wenigstens eine Postcredit-Scene gesehen hat. Dazu eben die Tatsache, dass wir zwar viele Schurken bekommen, aber nur drei davon einigermaßen prominent sind. Effekttechnisch wird hier wieder großes Kino aufgefahren, das sind wir aber auch so gewöhnt. Wie auch immer: Es bleibt ein Fest für Fans. Auch wenn die Trailer einfach zu viel verraten haben.

Marco Golüke
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