Review: Star Trek – Die Eugenischen Kriege: Der Aufstieg und Fall des Khan Noonien Singh II

Lesezeit circa: 6 Minuten

Die Eugenischen Kriege brechen in Der Aufstieg und Fall des Khan Noonien Singh II aus.

Mehrfrontenkriege

Khan steht kurz davor, die Herrschaft über die Erde an sich zu reißen. Doch seine Geschwister wollen ihm nicht folgen, sondern jeder von diesen kocht sein eigenes Süppchen. Weshalb folgerichtig die eugenischen Kriege ausbrechen, um herauszufinden, wer von ihnen am Ende die Kontrolle haben wird.

Für Khan entwickeln sich diese Konflikte zu einem Mehrfrontenkrieg. Nicht nur muss er seine Geschwister mit „sanfter“ Gewalt davon überzeugen, dass es für sie besser wäre, ihm zu folgen. Ebenso versucht er, seine Vision einer besseren Welt in seinem eigenen Herrschaftsbereich durchzusetzen. Und da sind auch noch Gary Seven und Roberta Lincoln, die alles versuchen, um ihm Steine in den Weg zu legen.

Und da sind sie endlich, die legendären Eugenische Kriege, die auf der Erde im Star Trek-Universum dazu führten, dass unter anderem genetische Augmentationen verboten wurden. Und als Trekkie weiß man natürlich, dass dieser Konflikt damit enden wird, dass Khan Noonien Singh mit einigen Gefolgsleuten in Stasis an Bord S. S. Botany Bay das Sonnensystem verlassen wird. Nur wie es dazu kam, das wurde bislang in der Star Trek-Geschichte allerhöchstens angedeutet.

Eine Lücke wird geschlossen

Mit Der Aufstieg und Fall des Khan Noonien Singh II füllt Autor Greg Cox jetzt diese Wissenslücke. Wobei seine Interpretation der Ereignisse sich vielleicht nicht vollständig mit den Erwartungen des Lesers deckt. Aber dazu später mehr.

Einmal mehr ist der Band ein wahrer Pageturner geworden. Wobei sich der Autor dieses Mal nicht nur überwiegend auf Gary Seven und Roberta Lincoln fokussiert, sondern auch der Titelcharakter mehr in den Mittelpunkt des Geschehens rückt.

Sein Khan Noonien Singh ist eine selbstbewusste, charismatische und arrogante Figur. Einer, der über ein starkes Sendungsbewusstsein verfügt und der Meinung ist, dass nur er, und er alleine, das Wissen und die Macht besitzt, die Welt zu retten. Er sieht auf andere herab und erwartet quasi den Gehorsam und die Unterwerfung von anderen. Wobei er allerdings ebenfalls in Maßen kritikfähig ist und sich auch von Plänen abbringen lässt. Kurzum, er wird von Greg Cox als eine facettenreiche Persönlichkeit dargestellt, die zwar eindeutig antagonistisch ist, aber ebenso positive Aspekte besitzt.

Heimliche Helden

Und so ist es auch interessant, wie dieser Charakter in Der Aufstieg und Fall des Khan Noonien Singh II auf seine anderen Geschwister trifft und versucht, sie von seinen Plänen zu überzeugen. Das funktioniert allerdings nicht so, wie er es sich erhofft hatte. Greg Cox schreibt eine wunderbare Szene, die einen zum Schmunzeln einlädt. Denn hier sieht man, wie all diese Wunderkinder zusammenkommen und kein einziges von ihnen aufgrund seines jeweiligen Überlegenheitskomplexes in der Lage ist, mit den anderen zusammenzuarbeiten. Zu lesen, wie dadurch das große Ego des Khan einen erheblichen Kratzer erhält, ist schon fast ein Hochgenuss.

Doch die eigentlichen Helden sind Gary Seven und Roberta Lincoln. Vor allem Letztere rückt in diesem Band noch mehr in den Vordergrund des Geschehens. Es ist bewundernswert, wie sie, trotz vieler Rückschläge, weiterhin versuchen, die Menschheit zu beschützen. Und das entgegen einer deutlich wahrnehmbaren Unterlegenheit. Wobei man hier eine Art Zeitenwende miterlebt, weil nämlich Gary Seven sich immer mehr zurückzieht und das Geschehen Roberta Lincoln überlässt.

Der Aufstieg und Fall des Khan Noonien Singh II ist, wie bereits erwähnt, spannend geschrieben. Gleichzeitig kann der Roman auch mit jeder Menge Plottwists aufwarten, die man so nicht hat kommen sehen. Einer davon nimmt dann am Ende eine tragische Wendung, die dem Leser wirklich zu Herzen geht.

Es beißt sich

Und dennoch ist Der Aufstieg und Fall des Khan Noonien Singh II nicht ganz so gut wie der erste Teil. Mit ein Grund ist dabei erneut die Storyebene von James T. Kirk. Der liest in der Zukunft über die damaligen Geschehnisse. Und muss sich gleichzeitig mit den Klingonen herumschlagen, ebenso wie er eine Kolonie von genetisch verbesserten Menschen beschützen muss und sich ihm die Frage stellt, ob es vertretbar ist, dass diese der Föderation beitreten oder nicht. Das Problem ist, dass diese Storyebene ein Störfaktor ist, weil sie von den Ereignissen ablenkt, um die es eigentlich in diesem Roman geht. Sie passt einfach nicht.

Gleichzeitig enttäuscht auch die Darstellung der Eugenischen Kriege. Es ist natürlich nachvollziehbar, dass Greg Cox aufgrund der Einbeziehung historischer Ereignisse davon absieht, ihn wirklich als richtigen Krieg darzustellen. Schließlich würde sich das mit der realen Historie der Erde beißen. Doch es widerspricht ebenso den Erwartungen der Leser, die aufgrund der Informationen aus Der schlafende Tiger etwas Dramatischeres, Epischeres erwartet hätten. Etwas, wo man nachvollziehen kann, wieso es die Entwicklung der Erdgeschichte in Star Trek so nachhaltig beeinflusste.

Doch davon mal abgesehen, ist Der Aufstieg und Fall des Khan Noonien Singh II eine gelungene Geschichte.

Star Trek - Die Eugenischen Kriege Der Aufstieg und Fall des Khan Noonien Singh II
Cover © Cross Cult

Bewertung 11/15

Autor: Greg Cox
Titel: Star Trek – Die Eugenischen Kriege: Der Aufstieg und Fall des Khan Noonien Singh II
Originaltitel: Star Trek – The Eugenic Wars – The Rise and Fall of Khan Noonien Singh – Volume Two
Übersetzer: Sandra Kentopf, Susanne Picard
Verlag: Cross Cult
Erschienen: 08/2015
Einband: Taschenbuch
Seiten: 504
ISBN: 978-3-86425-440-6
Sonstige Informationen:
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Götz Piesbergen
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