Review: Perry Rhodan NEO 250 – Zeitenwende

Lesezeit circa: 7 Minuten

Der Beginn einer neuen Epoche – es kommt zur Zeitenwende

Perry Rhodan NEO 250 Zeitenwende
©Pabel Moewig KG

Titel: Zeitenwende
Autor: Rüdiger Schäfer/Rainer Schorm
Titelbild: Dirk Schulz/Horst Gotta
Erschienen: 16. April 2021

Zur Handlung

Am 16. April 2102 überschlagen sich im Solsystem die Ereignisse. Zunächst erscheint eine gemeinsame Flotte der Kolonien unter der Führung des Marsianers Tatcher a Hainu und fliegt im Rahmen des friedlichen Widerstandes Terra an. Ziel ist die Unabhängigkeit der Kolonien. Dabei kommt es zu einem Zwischenfall, der mit der Zerstörung eines schweren Kreuzers endet. Unter anderem deshalb wird der Fall Laurin ausgerufen und die Erde soll mitsamt dem Mond hinter einem antitemporalen Gezeitenfeld verborgen werden – einem Feld, welches den Planeten aus dem Normalraum entrückt und eine Planck-Einheit in die Zukunft versetzt.

Die Versetzung geht jedoch schief und das Planet-Mond-Duo landet, statt in der Zukunft, im 34.000 Lichtjahre entfernten Kugelsternhaufen M3 – genauer gesagt im System der Akonen, deren blauen Schirm die Terraner dabei einreißen. Im Tausch wird auch ein Planet des Systems versetzt, vermutlich an die ursprüngliche Stelle der Erde.

Perry Rhodan kann die Situation im Akonsystem auf diplomatischer Ebene entschärfen und es bahnt sich eine Zusammenarbeit mit den extrem menschenähnlichen Akonen an. Ziel ist die Erforschung des Zentrums von M3, aus dem geheimnisvolle Impulse dringen. Von seiner plötzlich auftauchenden Tochter Nathalie Rhodan da Zoltral erfährt Perry, dass die CREST II für diesen Zweck ungeeignet ist. Nathalie bringt aber gleich die Lösung des Problems mit, eine neues Schiff materialisiert am Systemrand, welches von NATHAN im Geheimen erbaut wurde – die SOL.

Im Solsystem merkt man unterdessen, dass die Versetzung nicht ganz plangemäß funktionierte. Als Reginald Bull, die terranische Regierung und die Wissenschaftler sich daranmachen, die Ursachen zu erforschen, erscheint eine große Flotte der sogenannten Überschweren. Ein Mann namens Leticron meldet sich, stellt sich als Erster Hetran der Milchstraße vor und übernimmt das Kommando im System.

Gedanken zu Zeitenwende

Eine neue Epoche – die fünfte in Perry Rhodan NEO um genau zu sein – startet mit Band 250 Zeitenwende, geschrieben von den beiden Expokraten des NEOversums. Zu diesem Jubiläum zunächst unseren allerherzlichsten Glückwunsch. Auch wenn es hier und da Kritik an der Handlung gab, möchte ich betonen, dass es sich in meinem Fall fast immer um ein “Jammern auf hohem Niveau” handelte. NEO ist für eine seit 500 Wochen zweiwöchentlich erscheinende Romanreihe in meinen Augen qualitativ wirklich großartig. Daher einmal an Rüdiger Schäfer, Rainer Schorm und alle beteiligten Autorinnen und Autoren, die Redaktion, das Lektorat und alle anderen Beteiligten: Ihr macht einen Bombenjob! Auf die nächsten 250 NEOs!

Schauen wir uns den Jubelband 250 genauer an, denn der hat es in sich. Was grob passiert, steht ja schon oben, und das allein haut viele schon vom Hocker. Die Detailfülle dieser 160 Seiten ist jedoch beeindruckend, sodass ich nur die wichtigsten hervorheben möchte.

Fangen wir mal mit dem Fall Laurin an. Der Konflikt mit den Kolonien schwelt ja schon länger. Zwölf Jahre nach dem Ende von Iratio Hondro wird es nun aber akut und die Kolonisten schließen sich im – fast – friedlichen Widerstand zusammen. Der übernervöse Frachterkapitän macht die Sache nur noch glaubwürdiger, als er versehentlich einen Kreuzer beschießt. Der Grund des Konfliktes spiegelt vielleicht auch ein wenig den aktuellen Zeitgeist – von der Politik wird viel geredet und verhandelt, gesteuert wird jedoch oft von Lobbyisten. Das Recht am eigenen Genom in den Händen von Privatfirmen und die Regierung findet in mehr als einem Jahrzehnt keine akzeptable Lösung – die Beweggründe der Kolonisten sind zumindest mal gut nachvollziehbar.

Der Fall Laurin wiederum ist ebenfalls lange vorbereitet. Also war man sich darüber im Klaren, dass es keine Einigung geben wird, und ein anderer Rettungsanker her muss. Das finde ich schon spannend, vor allem weil das Projekt komplett im Geheimen ablief, obwohl absolut jeder Bewohner des Planeten Erde davon betroffen sein würde. Moralisch fragwürdig, wenn auch aus den Vorüberlegungen folgerichtig.

Nun reißt es die gute alte Erde also aus dem gewohnten Gefüge und in den Kugelsternhaufen M3. Da wohnen gewisse Akonen, die überraschend viele Gemeinsamkeiten mit den Terranern, aber vor allem mit den Arkoniden haben. Auch wenn sich NEO oft von der Erstauflage emanzipiert hat, an dieser Stelle ist die Parallele kaum zu leugnen. Das ist aber nicht schlimm, in diesem speziellen Fall begrüße ich es sogar, da die Akonen auch im Original ein faszinierendes Volk sind.

Sehr interessant ist dabei aber die Verstrickung in Bezug auf die Atorakte, von denen der Arkonide Sofgart drei mit sich herumschleppt, Sud – die ohne es bisher zu wissen – zwei der Dinger in ihrem Intarsium spazieren trägt, sowie die Akonen, die auf ihrem nun verschollenen Nachbarplaneten ebenfalls drei der Tropfen erforschten. Ob die Artefakte bei der Versetzung Terras eine Rolle spielten? Wir werden es sicherlich noch erfahren, die Vermutung liegt aber nahe.

Es tun sich im Laufe des Romans also zunächst zwei Handlungsorte auf: das Akonsystem beziehungsweise der Kugelsternhaufen M3, in dessen Zentrum eine unbekannte Gefahr – von den Akonen Bacor-Kavi genannt – lauert, und das Solsystem, in welchem ein gewisser Leticron sich zum Ersten Hetran ausruft. Was dieser Titel bedeutet, bleibt in NEO noch diffus, Leser der Erstauflage werden aber Vermutungen haben, was da auf uns zukommt. Wie NEO das löst, bleibt aber spannend, denn hier glaube ich nicht an eine reine Parallele.

Zusätzlich bekommen wir spannende neue – und doch dem einen oder anderen altbekannte – Charaktere vorgestellt. Tatcher a Hainu spielte in der vorangegangenen Staffel schon eine kleine Rolle und bekommt nun einen größeren Auftritt. ES sei Dank ist er nicht so eine Nervensäge wie ehemals in der Erstauflage – dafür ist er Politiker. Was besser ist, müssen andere entscheiden.

Die Einführung der hohen Rätin Auris von Las-Toór ist gleichermaßen explosiv wie beeindruckend. Die Akonin handelt klug und umsichtig, obwohl sie durch die Terraner ihren Bruder verloren hat. Ich bin sicher, dass diese Figur noch sehr wichtig werden wird.

Am Ende bekommen wir auch noch einen schwer adipösen Hyperphysiker namens Arno Kalup vorgesetzt. Hätte es an dieser Stelle noch gefehlt, wäre das mein persönliches Sahnehäubchen gewesen. Ich freue mich jetzt schon auf die Fachgespräche zwischen Kalup und Leyden.

Last but not least: Rüdiger Schäfer erfüllt sich seinen persönlichen NEO-Traum und führt die SOL in das NEOversum ein. Sie ist etwas kleiner als das Original, etwas anders aufgebaut, aber nichtsdestotrotz fliegt nun eine Riesenhantel durch M3. Mich freut das sehr und ich erwarte mir einiges von diesem Schiff.

Fazit

Zeitenwende ist ein absolut würdiger Auftakt in die fünfte NEO-Epoche. Vollgepackt mit Action, mit einer wilden – aber sehr gelungenen – Mischung aus Anspielungen bzw. Themen aus der Erstauflage und epochal in der Eröffnung der Staffel Die Tiefe. In den sozialen Netzwerken gab es durchweg großes Lob für diesen Jubiläumsband und dem schließe ich mich vollumfänglich an. Zeitenwende ist grandiose Unterhaltung auf sehr hohem Niveau. Vielen Dank den beiden Autoren!


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Sven Fesser

Ein Gedanke zu “Review: Perry Rhodan NEO 250 – Zeitenwende

  1. Hallo!

    Die Nr. 250 ist in der Tat sehr spannend und kurzweilig und hat mir im Großen und Ganzen auch ganz gut gefallen. Ich habe aber zwei “Problemchen” mit der Story: Warum muss man gleich die ganze Erde verschwinden lassen, nur weil eine Flotte aus 800 Zivilschiffen im Anmarsch ist? Ich kann da keine ernsthafte Bedrohung erkennen. Die ganze Aktion “Fall Laurin” wirkte auf mich völlig überstürzt. Gut, wir wissen nicht, was in der Zwischenzeit alles passiert ist, ob es bereits viele kleinere und mittlere Auseinandersetzungen (mit Todesopfern) gab usw. Das wird vllt. noch in den nächsten Geschichten erzählt. Dass man dadurch die politische Krise nicht löst, sondern nur verschiebt, wird allerdings thematisiert. Genauso wie die Regierung ohne Zustimmung der Bevölkerung einfach mal Erde und Mond “wegbeamt” wird angesprochen. Das finde ich gut und bietet Potenzial für weitere Geschichten.
    Mein zweiter Kritikpunkt ist das plötzliche Auftauchen der SOL. Nathan hat in weiser Vorraussicht heimlich irgendwo ein riesiges Schiff zusammenschrauben lassen, welches jetzt ganz zufällig benötigt wird. Plotdevice? Da habe ich irgendwie meine Probleme mit. Das muss man mir noch besser erklären.

    Insgesamt ist es aber auch bei mir meckern auf hohen Niveau.

    Vielen Dank für die Rezi.

    VG

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