Das Generationenschiff stellt die Kulisse dar, vor der der Konflikt zwischen Captain Carol Freeman und ihrer Tochter Mariner offen ausbricht.

Wenn man das Nervige loswerden möchte

Die U.S.S. Ceritos und ihr Schwesterschiff, die Merced, sollen ein uraltes Generationenschiff, das über eine starke Terraformingtechnologie in Form einer besonderen Flüssigkeit verfügt, abschleppen. Doch beim Missionbriefing macht Ensign Mariner klar, wie sehr sie das ganze Prozedere langweilt. Was ihre Vorgesetzte ärgert.

Ihre Mutter Captain Carol Freeman ist mit ihrem Latein am Ende. Es ist klar, dass es so nicht weitergehen kann. Und nach einem Ratschlag von Commander Ransom beschließt sie, ihre Tochter damit zu bestrafen, indem sie ihr die schlimmsten Aufgaben an Bord des Schiffes zuteilt. Mit dem Ziel, sie so wegzuekeln.

Und in der Tat sieht es zu Beginn danach aus, als ob Mariner an den Tätigkeiten verzweifelt. Bis sie bei einer Beschäftigung doch tatsächlich Spaß findet, sehr zum Ärger ihrer Mutter. Die beschließt daraufhin, sie auf eine andere Art zu bestrafen. Sie befördert sie zum Senior Offizier, wodurch sie all die Aktivitäten mitmachen muss, die man als solcher eben machen muss. Für Mariner ist dies die pure Qual, auch wenn sie dadurch zahlreiche Vorteile erhält, wie beispielsweise ein größeres Quartier.

Das Generationenschiff

Wieder da, wo man sich am wohlsten fühlt

Während die beiden Raumschiffe das Generationenschiff mit den Traktorstrahlen abschleppen, ist der tellaritische Captain der Merced der Meinung, dass die aktuelle Position seinen Rang in dieser Operation nicht widerspiegelt. Er lässt sein Schiff näher an das fremde Raumschiff heranbringen, was dazu führt, dass eine Abdeckungsplatte abspringt und die Terraformingflüssigkeit hervorspritzt. Beide Schiffe werden davon getroffen und das Chaos bricht aus.

Überall beginnt die Umgebung sich zu verändern. Felsbrocken und Wasser kommen aus dem Nichts und die Crewmitglieder werden voneinander getrennt. Mariner und ihre Mutter müssen zusammenarbeiten. Und dank einer genialen Idee des ehemaligen Ensigns kann der Terraforming-Vorgang an Bord der Cerritos rückgängig gemacht werden. Für die Merced ist jede Rettung zu spät, doch deren gesamte Mannschaft wird sicher und lebendig auf das Generationenschiff gebeamt.

Später werden Carol Freeman und Mariner für die Rettungsaktion ausgezeichnet. Doch ihre Tochter verhält sich erneut daneben und wird zur Strafe auf den Rang eines Ensigns zurückbefördert. Sie ist wieder da, wo sie sich am wohlsten fühlt, in den Lower Decks.

Eine bekannte Erzählweise

D’Vana Tendi wurde während dieser Ereignisse zu einer Aufstiegszeremonie von einem Offizier O’Connor eingeladen. Doch leider versaut sie den Vorgang durch eine missglückte Aktion. Sie versucht, ihren Fehler die ganze Zeit wiedergutzumachen. Und erst am Ende schafft er den Aufstieg in eine höhere Lebensform, noch ehe er das Geheimnis des Lebens enthüllen kann.

Die Erzählweise von Das Generationenschiff dürfte vor allem Fans von The Next Generation bekannt vorkommen. Da wie dort bildet ein wichtiges externes Geschehen, hier das titelgebende Schiff, den Hintergrund für persönliche Handlungen. Bis dann am Ende diese Kulisse dafür sorgt, dass die intimen Plots eine Krise durchlaufen müssen, ehe sie zu einem zufriedenstellenden Abschluss kommen.

Doch wo das Vorbild 45 Minuten Zeit hatte, um die Handlungen zu entwickeln, hat Lower Decks „nur“ 25 Minuten zur Verfügung. Was das Geschehen mitunter etwas gehetzt wirken lässt, was ja mit einer der Hauptkritikpunkte an der Reihe ist. Normalerweise gelingt es der Serie, dieses vorgebliche Manko durch eine gelungene Mischung aus Humor und exzellenter Charakterarbeit zu kompensieren.

Das Generationenschiff

Es funktioniert nicht

Doch in Das Generationenschiff geht die übliche Vorgehensweise nicht auf. Das Problem ist, dass die erste Hälfte der Episode flach und langweilig wirkt, derweil im Vergleich die zweite in Sachen Action und Spannung überzeugen kann. Es scheint fast so, als ob der Fokus in diesem Fall mehr auf den Humor gelegt wird und weniger auf die gute Charakterarbeit.

Dabei merkt man einmal mehr, dass die Macher von Lower Decks Star Trek-Fans sind. Damit ist jetzt nicht nur der klassisch wirkende Aufbau der Episode gemeint, sondern auch, dass sie Fragen beantworten, die man sich als normaler Zuschauer so nicht gestellt hätte. Nämlich, was mit den verbrauchten Materialien des Holodecks geschieht. Hier wird die Antwort gezeigt, dass diese als toxische Überreste gesammelt und separat entsorgt werden müssen. Eine gelungene Lösung, die entsprechend humoristisch dargestellt wird.

Auch die Ereignisse ab der zweiten Hälfte der Folge, wo die Terraformingflüssigkeit an Bord der Ceritos Amok läuft, ist gut gelungen. Denn es zeigt sich, dass Ensign Mariner hinter all ihrer rebellischen Fassade durchaus ein fähiger Sternenflottenoffizier sein kann. Die sich allerdings, was das Ende von Das Generationenschiff beweist, in den Lower Decks, als normaler Ensign am wohlsten fühlt.

Liebe zum Detail

Übrigens: Achtet mal auf das Haargummi von Mariner. Die Farbe ändert sich, je nachdem, welche Uniform sie anhat. Das nenne ich eine wunderbare Liebe zum Detail.

Und doch hat Das Generationenschiff das Problem, dass der Funke in der ersten Hälfte der Folge nicht überspringen will. So schön es auch ist, dass die Beziehung zwischen Mariner und ihrer Mutter vertieft wird, so aufgesetzt wirkt die Entscheidung des Captains, den Ensign quasi rauszumobben. Dementsprechend kann hier keine Spannung aufkommen.

Und eigentlich müsste man glücklich darüber sein, dass endlich auch D’Vana Tendi eine Handlung kriegt. Man erfährt mehr über sie, unter anderem ihr Bedürfnis, allen zu gefallen. Doch wie schon bei dem Plot um Mariner und ihre Mutter, will der Funke hier nicht überspringen. Er ist nett, aber er kann nicht an den Handlungsbogen von Ensign Rutherford aus Gesandte heranreichen. Was erneut mein Gefühl bestätigt, dass der Fokus in dieser Folge zu sehr auf Humor gelegt wurde und nicht auf gute Charakterdarstellung.

Auf Englisch heißt die Folge Moist Vessel, also feuchtes Gefährt. Das ist vermutlich eine Anspielung auf das Generationenraumschiff, klingt aber hier im Deutschen mehr als grenzwertig. Von daher ist die Übersetzung Das Generationenschiff schon gut.


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