Star Trek Picard
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Review: Star Trek Picard 017 – Monster

Lesezeit circa: 5 Minuten

Picard muss sich einem Monster aus seiner Vergangenheit stellen.

Traumabewältigung

Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) liegt im Koma und die einzige Möglichkeit, ihn da wieder rauszukriegen, ist eine Art Gedankenverschmelzung zwischen der Wächterin Tallinn (Orla Brady) und ihm. Er selbst erlebt eine Illusion, wo er mit einem Psychiater der Sternenflotte redet, und dann eine, wo er als kleiner Junge (Dylan Von Halle) gemeinsam mit seiner Mutter (Madeline Wise) in einer Märchenwelt vor einem Monster flieht. In eben diese Gedankenwelt stößt Tallinn und versucht herauszufinden, was damals geschehen ist.

Gleichzeitig machen sich Seven of Nine (Jeri Ryan) und Rafi Musiker (Michelle Hurd) auf die Suche nach ihrer verloren gegangenen Kollegin Jurati (Alison Pill). Dabei stellen sie fest, dass diese von der Borgkönigin übernommen wurde. Ihnen läuft die Zeit davon, um eine Katastrophe zu verhindern.

Monster ist eine Folge, in der die ersten Weichen fürs Finale gestellt werden. Es werden wichtige Erkenntnisse gewonnen, wobei gleichzeitig natürlich weitere irre Wendungen eingebaut werden. Denn selbstverständlich soll der Weg zum Höhepunkt der aktuellen Staffel nicht allzu glatt werden.

Monster

Erinnerungen können täuschen

Es ist eine Episode, die ohne Q, ohne Adam Soong und dessen Tochter Kore auskommen „muss“. Was allerdings nicht so verkehrt ist, da dadurch sich auch mehr auf die anderen Figuren fokussiert werden kann. Wie beispielsweise auf Cristóbal Rios (Santiago Cabrera) und seinen Umgang mit der Ärztin Teresa Ramirez, die ihn damals versorgt hat.

Doch im Mittelpunkt des Geschehens steht natürlich Jean-Luc Picard. Und in Monster erhält man endlich einen wichtigen Kontext zu den ganzen Erinnerungsflashes, die er in den vorherigen Episoden hatte. Stark symbolisiert erlebt man die Beziehung zwischen dem jungen Jean-Luc und seiner Mutter mit, und was für eine Rolle sein Vater damals hatte. Es sind großartige Szenen, in denen man viel erfährt. Wobei gleichzeitig Zweifel gesät werden, ob das alles zu jener Zeit auch wirklich so stattfand, wie es der einstige „Enterprise“-Captain in Erinnerung hat.

Ein bekannter Gast

Dabei werden diese Erinnerungen, diese Rückblenden in gleich zwei Perspektiven eingebettet. Die eine ist die von Jean-Luc Picard selbst, der sichtbar gegen seinen Willen einem Psychiater Rede und Antwort steht. Man merkt hier deutlich, dass der alte Mann sich nur widerwillig der Untersuchung unterzieht und von dem Psychiater erst mühsam dazu gebracht werden muss, mitzuarbeiten.

Die andere Perspektive ist die von Tallinn, die durch ihr technisches Gerät mit dem Verstand Jean-Lucs verschmolzen ist. Sie erlebt zunächst etwas anderes als Picard selbst. Erst später verschmelzen ihre beiden Ansichten in Monster. Doch ist ihr Blickwinkel mindestens ebenso interessant wie der des Zeitreisenden.

Am Ende wird dieser Plot auf eine überraschende Art und Weise aufgelöst, die vieles auf den Kopf stellt. Doch ebenso wird angeteasert, dass damals wohl noch mehr geschehen ist, etwas, das Picard persönlich anscheinend lange verdrängt hat. Vermutlich wird in einer der noch kommenden Folgen nochmal darauf eingegangen.

Der Hauptplot von Monster kann problemlos überzeugen. Die jeweiligen Perspektiven, die Überraschungen, sowie die schauspielerische Arbeit sind sehr gut. Übrigens wird der Psychiater von niemand geringerem als James Callis dargestellt, der vor allem als Gaius Baltar aus dem 2004er Battlestar Galactica-Reboot bekannt sein dürfte.

Monster

Auf einmal relevant

Doch im Vergleich dazu fallen die Nebenplots qualitativ deutlich ab. Jeder hat seine Schwächen.

Das Problem des Jurati-Subplots ist, dass hier vor allem die Tatsache nachträglich stört, dass ihr spontanes Verschwinden in der letzten Folge in einem einzigen Satz abgehandelt worden ist. Das trübt die Suche nach ihr, da man das Gefühl hat, dass ihr Schicksal den anderen unwichtig war und ist, und sie sich jetzt erst an die Arbeit machen, weil es ihnen quasi eingefallen ist und sie aktuell Zeit haben.

Die Erkenntnis der anderen, dass sie von der Borgkönigin übernommen wurde und nur wenig Zeit bleibt, bis sie komplett assimiliert sein wird, tröstet dann wieder etwas. Wobei da natürlich die Frage aufkommt, wieso dieser Vorgang so lange dauert. Dies fragen sich auch die Kollegen der Wissenschaftlerin und kommen zu keinem Ergebnis. Eine mögliche Erklärung, die man sich als Zuschauer zusammenreimen kann, ist, dass die Königin selbst stark geschwächt ist und deshalb nicht so frei agieren kann, wie man es sonst erwarten würde. Jedoch hätte man sich hier eine Grundnennung innerhalb von Monster gewünscht. Vielleicht geschieht dies allerdings in einer der noch kommenden Folgen.

Zeitprobleme

Der zweite Subplot handelt von Cristobal Rios und dem Umgang mit der Ärztin Teresa Ramirez und ihrem Sohn Ricardo. Und entweder geschieht hier gerade ein massiver Verstoß gegen alle Zeitreiseregeln, oder wir haben es mit einem Zeitparadoxon ala Star Trek IV zu tun. In jedem Fall irritiert die Sorglosigkeit des Captains der La Sirena. Denn das kann und wird garantiert nicht gut enden.

Monster endet mit vielen interessanten Infos. Es wird einmal mehr klargemacht, dass etwas geschehen sein muss, dass gewisse Sachen nicht so funktionieren, wie sie es eigentlich sollten. Und es unterstreicht die Erkenntnis, dass die Zeitreisenden manchmal ziemlich naive Trottel sind. Trotzdem wird man sich auf die kommende Episode freuen.

Warpskala

Warpskala
6 10 0 1
6/10
Total Score

Positiv

  • Picards Erinnerungen
  • James Callis

Negativ

  • Subplot um Jurati
  • Potentielles Zeitparadoxon bei Cristobal Rios
Götz Piesbergen
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