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Zum ersten Mal in der Star Trek-Geschichte hat das Holodeck eine Fehlfunktion.

Der große Abschied – The Big Goodbye
Staffel 1 – Episode 012

Buch: Tracy Torme
Regie: Joseph Scanlan

Inhalt:

Kurz bevor Captain Picard (Patrick Stewart) sich den ersten Kontakt der Föderation seit zwanzig Jahren mit den Jaradanern herstellt, begibt er sich zusammen mit Dr. Crusher (Gates McFadden), Data (Brent Spiner) und dem Historiker Whelan (David Selburg) auf das Holodeck, um dort ein DixonHill-Abenteuer zu erleben. Doch ein Scan der Jaradaner verursacht eine Fehlfunktion der Sicherheitssysteme, sodass die Kugeln, mit denen Hills Gegner auf ihn schießen, plötzlich sehr real sind …

Rezension:

Der große Abschied stellt in mancherlei Hinsicht eine Premiere in der Geschichte von Star Trek dar. Erstmals haben wir es mit einer Holodeckfehlfunktionsstory zu tun, wie es sie sowohl in TNG als auch in den darauffolgenden Serien Deep Space Nine und Voyager noch zu Hauf geben wird. Außerdem erleben wir Captain Picard hier zum ersten Mal in seiner Rolle als abgebrühter Privatschnüffler Dixon Hill. In jene Rolle wird er ebenfalls noch des Öfteren in mehreren Episoden und auch im Kinofilm Der erste Kontakt schlüpfen.

Die Inszenierung der Folge wirkt auf den heutigen Betrachter bisweilen etwas schleppend, ein Phänomen, welches für die erste Staffel der Serie typisch ist. Aber es ist interessant zu sehen, wie die Möglichkeiten das Holodecks hier erstmals wirklich zur Geltung kommen. Selbst für die Crew der Enterprise ist diese Technik zu diesem Zeitpunkt noch etwas vollkommen Neues, sodass die vier Offiziere das von ihnen kreierte Chicago des zwanzigsten Jahrhunderts mit einer fast schon kindlichen Freude erforschen.

Da das Holodeck aber auch für den Fernsehzuschauer etwas gänzlich Neues war, bedeutete Der große Abschied für den Regisseur eine schwierige Herausforderung, musste er den Zuschauer doch ständig daran erinnern, dass es sich hierbei nicht um eine Zeitreisegeschichte handelte. Im Dialog wird Picard von Dr. Crusher so auch explizit daran erinnert, dass sie sich noch immer im 24. Jahrhundert an Bord der Enterprise befinden. Natürlich lässt sich darüber streiten, ob der Hyperrealismus des Holodecks nicht vielleicht wirklich etwas unglaubwürdig ist. Selbst mit der fortgeschrittenen Technik des 24. Jahrhunderts erscheinen die Möglichkeiten des Holodecks recht weit hergeholt. Aber andererseits bietet es den Autoren zahlreiche Chancen, originelle und spannende Storys wie diese zu erzählen, wie sie in anderen TV-Serien so nicht möglich wären.

Daneben stellt die Episode natürlich eine augenzwinkernde Hommage an die alten Kinothriller der sogenannten Schwarzen Serie dar, wodurch sie eine gewisse Nostalgie ausstrahlt. Dies zeigt sich vor allem in den fast schon überzeichnet dargestellter Figuren der Gangster, die in ihrer Klischeehaftigkeit wirken, als wären sie einem wirklich schlechten Roman entnommen worden.

Wirklich komplett ernst nehmen kann man Der große Abschied, trotz des etwas melancholischen Endes, so auch nicht wirklich, aber das war wohl auch nicht so gedacht. In erster Linie ist es eine ungezwungene Komödie, die gänzlich ohne erhobenen Zeigefinger daherkommt. Ziemlich witzig ist dabei auch die Rede, die Captain Picard am Ende hält, um die Jaradaner für die Föderation zu gewinnen. Ihre Sprache klingt schon höchst eigenartig, und es ist bemerkenswert, mit welcher Glaubwürdigkeit Patrick Stewart diese Szene herüberbringt.

Man merkt den Schauspielern in jeder Minute an, wie viel Spaß sie daran hatten, mal etwas aus ihren gewohnten Rollen auszubrechen. Auch bei den Fans sind jene Folgen, in denen sie in untypische Kostüme schlüpfen, sehr beliebt. Dies gilt auch für Der große Abschied, eine Folge, die sich absolut zu Recht großer Beliebtheit erfreut.

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Sven Wedekin

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