In Unwürdig erreicht die Voyager mitsamt der restlichen Full Circle-Flotte den Delta-Quadranten.

Zurück an dem Ort, von wo sie gekommen sind
Eine der Missionen der Flottille ist, herauszufinden, ob die Borg wirklich komplett verschwunden sind oder ob es noch Überreste dieser einst gefürchteten Rasse gibt. Dabei gehen sie Spuren und Hinweisen nach, die frühere Expeditionen in den Delta-Quadranten gefunden haben. Und finden ein ungewöhnliches Volk vor, das wiederum für neuen Ärger sorgt.
Gleichzeitig haben einige Angehörige der Flotte und auch ehemalige Besatzungsmitglieder der Voyager persönliche Probleme. Seven of Nine leidet nach dem Tod ihrer Tante Irene unter Stimmen im Kopf. B’Elanna Torres und ihre Tochter Miral stranden im Delta-Quadranten. Und Captain Afsarah Eden muss sich mit einem ungeheuerlichen Verrat auseinandersetzen.
Mit Unwürdig knüpft die Autorin Kirsten Beyer daran an, wo sie zuletzt mit Projekt Full Circle aufgehört hat. Die gleichnamige Flotte ist im Delta-Quadranten angekommen, darunter auch die Voyager mit einem Großteil der ehemaligen Stammbesatzung des Schiffes. Für diese ist es ein merkwürdiges Gefühl, dass sie freiwillig dorthin zurückkehren, von wo sie einst mühsam entkamen. Immerhin verfügen sie jetzt über die Technologie, um schneller zwischen den verschiedenen Quadranten hin- und herzureisen.
Persönlich gut
Kirsten Beyer schreibt einen Roman, der handlungstechnisch äußerst dicht gepackt ist. Neben der allgemeinen Mission, mit der sich die Flotte beschäftigt, baut sie auch zahlreiche Plots ein, in der ein oder mehrere Figuren mit ihren persönlichen Problemen im Mittelpunkt stehen. Dabei schafft sie es, den Drahtseilakt, allen Handlungen gerecht zu werden, mühelos erscheinen zu lassen.
Exemplarisch sei der Subplot um Seven of Nine und Chakotay zu nennen. Die ehemalige Borg leidet zu Beginn von Unwürdig enorm. Einerseits ist ihre Tante Irene verstorben, was für sie zusätzlich zum Tod von Kathryn Janeway der zweite Verlust einer Mutterfigur ist. Und dann ist da andererseits noch die Stimme im Kopf, die darauf besteht, dass die leidgeprüfte Frau Annika Hansen ist.
Dabei zeigt sich erneut, wie sehr der Zusammenhang zwischen den ehemaligen Besatzungsmitgliedern der Voyager ist. Denn Chakotay kümmert sich um sie, fängt sie auf und sucht für sie nach einer Möglichkeit, sie zu heilen. Es sind gerade diese persönlichen Momente, die Unwürdig zu so einem klasse Roman machen!
Eine andere Form von Kollektiv
Interessant ist übrigens die Darstellung der Spezies, die für die Handlung im Hauptplot sorgen. Wobei, um präziser zu sein, es nicht nur eine ist. Sondern um eine Art Symbiose von sechs unterschiedlichen, die sich gemeinsam die Indign nennen. Es ist ein Kollektiv, nicht unähnlich dem der Borg. Nur, wo eben diese kybernetische Rasse auf gnadenlose Assimilierung immer neuer Spezies setzte, ist die Gemeinschaft bei den Indign freiwillig. Wobei es interessant ist, wie Kirsten Beyer das Verhältnis dieser verschiedenen Kollektivformen zueinander beschreibt.
Die Autorin nutzt Unwürdig, um die Weichen für die Zukunft der Buchreihe zu stellen. Es werden neue Antagonisten eingeführt, genauso wie es auch innerhalb der Flotte zu diversen personellen Veränderungen kommt, von denen die Flottenführung selbst ebenfalls betroffen ist. Und Letzteres lässt gemischte Gefühle zurück.
Einerseits werden vor allem diese Vorgänge in der Führung der Flotte durchaus glaubwürdig erklärt. Aber andererseits hat man zu oft das Gefühl, dass sie übers Knie gebrochen wurden, erzwungen um des Fortschritts willen. So manche Enthüllung, die eben dazu führt, hätte deutlich besser gewirkt, wenn die Autorin sich vielleicht noch ein, zwei Bände Zeit gelassen hätte, um sie behutsam aufzubauen. Was auch dazu geführt hätte, dass die Entwicklung bei einer bestimmten Person am Ende nicht wie ein Widerspruch zu seiner Entscheidung einen Roman vorher wirken würde.
Dennoch, am Ende ist Unwürdig ein guter Roman, der einen umso gespannter auf die nächsten Teile der Reihe warten lässt.
Bewertung 12/15
Info
Autorin: Kirsten Beyer
Originaltitel: Star Trek – Voyager: Unworthy
Übersetzer: René Ulmer
Verlag: Cross Cult
Erschienen: 03/2015
Einband: Taschenbuch
Seiten: 405
ISBN: 978-3-86425-423-9
Sonstige Informationen: Produktseite
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