Das bei dieser Geschichte einem gewisse Parallelen zur George Orwells berühmter Fabel aufkommen, ist beabsichtigt.

Ein Meisterwerk, damals wie heute
In einem Schloss in Frankreich, das von den Menschen längst aufgegeben wurde, leben viele Tiere zusammen. Sie werden von dem Stier Silvio angeführt und geben sich nach außen hin wie eine Gemeinschaft der Solidarität und des Gemeinschaftssinns. Doch in Wahrheit wird der Großteil der Bewohner von dem Stier und seiner ihm streng ergebenen Hundemeute unterdrückt.
Auch die Katze Miss Bengalore lebt an diesem Hof. Sie ist die Mutter zweier Kinder, die sich als Bauarbeiterin kaputt schuftet. Doch eines Tages ändert sich alles. Als nämlich die weise Ratte Azelar auftaucht und sie beginnt, den Interessierten beizubringen, wie man durch Witz und Humor Widerstand leistet.
Deutlich inspiriert
Mit Die Farm der Tiere gelang dem englischen Schriftsteller George Orwell 1945 ein Roman, über den noch lange nach seinem Tod diskutiert wurde. Es handelte sich dabei um eine Fabel, in der eine Gesellschaft dargestellt wird, in der eigentlich alle gleichgestellt sind, es jedoch einige gibt, die noch „gleicher“ sind. Und die mit totalitären Mitteln ihre Herrschaft durchsetzen. Es ist noch heute ein Meisterwerk, das auch andere Werke inspiriert hat.
Auch Schloss der Tiere zeigt sich deutlich davon inspiriert. Da wie dort hat gibt es eine Story, in der in einer eigentlich offenen und solidarischen Gemeinschaft es jemanden gibt, der in Wahrheit das Sagen hat. Der die anderen mit Hilfe einiger getreuer Untergebenen, die natürlich über enorme Privilegien verfügen, unterdrückt. Womit allerdings auch die Gemeinsamkeiten aufhören. Denn das Kreativteam der Reihe, Autor Xavier Donson (Der Waffenmeister) und Zeichner Félix Delep, stricken daraus eine ganz eigene Story. Eine, die zwar anders sein mag, aber trotzdem an Wucht und Wirkkraft nicht verloren hat.
Woran man ist, zeigt schon der Beginn der Story, in der ein Huhn öffentlich hingerichtet wird, weil es gewagt hat, ein Ei zurückzuhalten, obwohl es sein eigenes war. Danach erwacht in einigen Teilen der Bevölkerung der Widerstandswille, der am Ende blutig zerschlagen wird.
Beobachtet wird dies von der Katze Miss Bengalore. Sie ist Mutter, die sich für ihre beiden Kinder auf der Baustelle des Schlosses förmlich kaputt arbeitet. Sie schleppt schwere Steine für einen Hungerlohn durch die Gegend. Doch mit der Zeit kriegt man mit, wie in ihr der Widerstandswille erwacht, vor allem, nachdem ein guter Freund, der ihr lange Zeit beigestanden hat, bei dem Aufstand ermordet wird.
Humor als Mittel gegen die Unterdrückung
Der große Gegenspieler ist der Stier Silvio, der feudal lebt und in Champagner badet. Der außerdem auch seine Hundemeute absolut kontrolliert. Man erfährt irgendwann, wieso er die Bevölkerung unterdrückt und ausbeutet: Er arbeitet insgeheim mit Menschen zusammen, die ihm in Austausch für die Waren und toten Tiere, die er ihnen übergibt, ihrerseits lauter Sachen geben, die ihm gefallen. Wie beispielsweise ein Orden.
Und in diese Situation kommt der weise Rattenmann Azelar, der sich zunächst ins Schloss schleicht, um dort eine Art Straßentheater aufzuführen. Später wird er dann von den Hunden verfolgt und von Miss Bengalore gerettet. Er ist es, der schließlich vorstellt, die Herrschaft mit Hilfe von Humor zu bekämpfen. Mit Humor und einem Symbol.
Das Kreativteam weiß seine Charaktere gut einzusetzen. Man sieht, wie Miss Bengalore auf ihren Nachbarn, das Gigolokaninchen Cäsar, zunächst eher ablehnend reagiert, dann aber nach und nach einsieht, dass auch er das Herz am rechten Flecken hat. Und so erlebt man mit, wie aus diesen unscheinbaren Figuren nach und nach Widerstandskämpfer werden. Die einiges riskieren, um das Regime zu bekämpfen.
Ein zartes Pflänzchen
Es ist eine grandiose Neuinterpretation des Klassikers von George Orwell. Ein Comic, der auf Grund der menschlich auftretenden Tieren niedlich wirkt. Und dann doch dem Leser von Anfang an gnadenlos zeigt, wie brutal und grausam die Bewohner des Schlosses unterdrückt werden. Wie sehr der Stier Silvio ihren Alltag bestimmt und sie zu Ritualen, wie dem allmorgendlichen Lobpreisen, zwingt. Geschickt machen sie klar, wie totalitär die Gesellschaft ist. Und wie zart das Pflänzchen Hoffnung ist.
Es ist ein spannender und großartiger Auftakt zu der Reihe.
Info
Autoren: Xavier Dorison
Zeichnungen: Félix Delep
Farben: Félix Delep und Jessica Bodard
Verlag: Splitter
Sonstige Infos: Produktseite
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