Ein Killerroboter, der auf einmal ein Bewusstsein entwickelt? Ja, sind wir hier bei Terminator?
Es gab schon nichtigere Anlässe, einen Film zu drehen
Um die eingangs gestellte Frage direkt zu beantworten: Nein, Nummer 5 lebt! hat mit James Camerons berühmter Killermaschine nur gemeinsam, dass der Titelheld ebenfalls eine Maschine ist. Und dass der Film in den 1980ern entstanden ist. Das ist auch schon alles.
Der Kinofilm, der übrigens heute seinen 40. Geburtstag feiert, entstand, nachdem die Produzenten ein Lehrvideo über einen Roboter an diverse Colleges verteilten. Daraufhin wurden diverse andere SciFi-Filme und -Serien mit einer prominenten Maschine, wie beispielsweise Star Wars, angeschaut. Und es wurde entschieden, dass eines der Kernelemente des Kinofilms die Reaktion der Menschen auf einen lebendigen Roboter sein soll, wobei niemand anfänglich glauben wollte, dass die Maschine ein Selbstbewusstsein hatte.
Dabei gab es in Sachen Regisseur und Drehbuchautoren keine lange Suche. Der Filmemacher sollte John Badham (Saturday Night Fever, War Games – Kriegsspiele) sein. Um das Skript kümmerten sich S. S. Wilson und sein Partner Brent Maddock (Tremors).
Eine heutzutage problematische Darstellungsweise
Das Design von Nummer 5 hatte zwei verschiedene Väter. Da wäre zum einen Eric Allard, der einen ähnlichen Roboter in dem Kurzfilm Showscan designte, und zum anderen Syd Mead (Blade Runner, Tron). Die Arme des Roboters wurden von einem Puppenspieler via Telemetrie kontrolliert, der ihn dann auch während der Dreharbeiten sprechen sollte, wobei nur einige wenige Zeilen noch mal in der Postproduktion nachträglich eingesprochen werden mussten. Dabei war die Maschine mit Abstand das Element, das am meisten gekostet hatte. Alles andere konnte relativ billig produziert werden, weshalb der Großteil des 15-Millionen-Budgets der Maschine zu Gute kommen konnte.
Der Cast setzte sich aus folgenden Darstellern zusammen: Ally Sheedy (St. Elmo’s Fire) wurde als die resolute und tierliebe Stephanie Speck gecastet. Steve Guttenberg (Police Academy) konnte man als den Erfinder Newton Crosby sehen, der die Roboterreihe, zu der Nummer 5 gehörte, erfand und gestaltete. Fisher Stevens (The Grand Budapest Hotel) erhielt dann die Rolle von Ben Jabituya, dem Assistenten von Newton Crosby.
Wobei es in seinem Fall einige Komplikationen gab. Als er ursprünglich angeheuert wurde, war die Rolle noch kein Inder. Doch dann wurde er gefeuert und durch Bronson Pinchot ersetzt, der die Produktion allerdings verließ, um die Sitcom Perfect Strangers zu drehen. Also wurde Fisher Stevens wieder zurückgeholt. In der Zwischenzeit hatte sich die Rolle jedoch geändert, weshalb er sich die Haare schwarz färben musste, sich einen Bart stehen ließ, seine Haut braun färbte, seine blauen Augen mit Kontaktlinsen braun machte und mit einem ostindischen Akzent sprach. Der Schauspieler selbst gesteht freimütig, dass das heutzutage nicht mehr akzeptabel ist.
Austin Pendleton (Catch-22) durfte dann die Rolle des Firmendirektors Dr. Howard Marner übernehmen, derweil G. W. Bailey als Sicherheitschef Captain Skroeder im Grunde genommen nur seine Rolle aus Police Academy wieder darstellen sollte. Nur der Name und die Kleidung hatten sich geändert, das Verhalten war immer noch dasselbe. Tim Blane (Der Flug des Navigators) war der Puppenspieler von Nummer 5.
Was Blitze alles anrichten können
NOVA Laboratory hat eine Serie von Robotern entwickelt, die vor allem für den militärischen Einsatz vorgesehen sind. Erdacht und programmiert wurden diese von Dr. Newton Crosby und seinem Assistenten Ben Jabituya. Die Maschinen sind vielseitig einsetzbar, wie den anwesenden Militärs gezeigt wird. Doch dann zieht ein Unwetter auf und eine der Maschinen, genauer gesagt die Nummer 5, wird von einem Blitz getroffen und fängt an, sich merkwürdig zu entwickeln.
Nummer 5 kann durch eine Verkettung diverser Umstände entkommen und landet anschließend bei Stephanie Speck. Sie gibt ihm nicht nur die komplette Encyclopedia Britannia zum Lesen, sondern lehrt ihn auch den Wert des Lebens. Was wichtig wird, als das NOVA Laboratory hinter ihm her ist. Sie möchten ihn unbedingt wieder haben.

Nicht sonderlich viel Tiefgang
Nummer 5lebt! ist ein netter Film. Er mag vielleicht wenig Tiefgang haben und hat auch sonst einige Probleme. Aber seine Charaktere haben unbestreitbar Charme und man wird bestens unterhalten.
Was vor allem an Nummer 5 persönlich liegt. Schon ab dem Moment, wo er ein Bewusstsein erlangt, spielt sich die Maschine in das Herz des Zuschauers. Es sorgt für jede Menge lustige Momente, wie etwa, wenn er einen Band der Encyclopedia im Nullkommanix durchliest und nach mehr verlangt. Aber ebenso bricht es einen das Herz, wenn es auch die Schattenseiten des Lebens kennenlernen muss, wie etwa, als er aus Versehen einen Grashüpfer zerdrückt und Stephanie Speck ihm erst beibringen muss, dass sich biologische Wesen nicht wieder reparieren lassen. Was in ihm erstmal eine Panik auslöst.
Stephanie Speck ist dabei die eigentliche Hauptfigur des Films. Sie wird als eine resolute Frau dargestellt, die wie eine Löwin diejenigen beschützt, die ihr am Herzen liegen. Was sie im Laufe der Handlung oft genug machen muss. Sie begegnet Nummer 5 offen und neugierig, scheut sich nicht, seinen Wissenshunger zu stillen, und wenn er mal Mist baut, dann bringt sie ihm behutsam bei, was er falsch gemacht hat. Sie ist eine Spitzenfrau, die weiß, was sie will.
Nicht immer die richtigen Schauspieler getroffen
Im Vergleich zu ihr kann der restliche Maincast nicht ganz überzeugen, obwohl sie sich bemühen. Steve Guttenbergs Newton Crosby kauft man nicht unbedingt ab, dass er mit anderen Menschen eher nichts zu tun haben möchte. Im Gegenteil: Er strahlt einfach immer noch diese Menschenfreude aus, diese Lust, anderen zu begegnen und mit ihnen zu sprechen, zu interagieren – man sieht in ihm einfach immer noch zu sehr Mahoney aus Police Academy. Es ist auch nicht unbedingt hilfreich, dass immer wieder Witze gemacht werden, die darauf anspielen, dass er angeblich seit fünf Jahren nicht mehr draußen war und dementsprechend auch keine Frau gesehen hat. Aber trotz aller Kritik: Er hat unbestreitbar Charme und lässt sich, nach anfänglichem Zögern, überzeugen, mit Nummer 5 zu sprechen, ihn kennenzulernen. Was dann der Anlass für die Änderungen ist, wie er mit seiner Schöpfung umgeht.
Und ihn hat es immer noch besser als Fisher Stevens getroffen. Das Wissen, dass hier im Prinzip Blackfacing betrieben wurde, macht seinen Ben Jabituya nicht unbedingt besser. Im Gegenteil: Da er ihn ein wenig klischeehaft darstellt, lässt dies die Figur sehr schwierig wirken. Dafür kann der Darsteller nichts. Dass man für solche Rollen wirklich Schauspieler castet, die eine ungefähr gleiche Ethnie haben, hat sich ja auch erst in den letzten Jahren in Hollywood entwickelt. Und er macht trotz der bedenklichen Umstände eine gute Arbeit, in dem Steve Guttensbergs Newton Crosby die richtigen Stichworte gibt, damit die Handlung weitergehen kann.
Dr. Howard Marner ist der neurotische Präsident, der unbedingt Schaden von seiner Firma abwenden will und angesichts der Tatsache, dass sich dieDinge nicht so entwickeln, wie gewünscht, immer nervöser wird. Er ist netter Comedy Relief, mehr aber auch nicht. Ähnliches gilt für G. W. Baileys Captain Skroeder. Der große Unterschied ist allerdings, dass Baileys Darstellungsweise denjenigen, die die frühen Police Academy-Filme gesehen haben, bekannt vorkommt. Er gibt den auf die Regeln pochenden Sicherheitschef, dem die Existenz von Nummer 5 ein Dorn im Auge ist. Und der dann am Ende wiederholt von dem Roboter und seinen Helfern ausgetrickst wird.
Der Fokus liegt auf Nummer 5
Man merkt einfach, dass der Fokus des Films auf der Titelfigur liegt. Und das ist kein Manko. Denn sie hat, wie bereits gesagt, Charme. Hinzu kommen dann auch noch die durchaus beachtlichen Special Effects und der überwiegend großartige Humor. Die Sprüche, die Nummer 5 aus dem Fernsehen aufgegabelt hat und immer wieder von sich gibt, sind großartig. Ebenso auch, dass er die anderen Roboter, die ihn jagen, intelligent einfängt und umprogrammiert, so dass ihre Persönlichkeit mehr denen der Three Stooges gleicht.
Letzten Endes ist Nummer 5lebt! ein netter Film.
Info
Regie: John Badham
Drehbuch: S. S. Wilson, Brent Maddock
Produktion: David Foster, Lawrence Turman
Musik: David Shire
Kamera: Nick McLean
Schnitt: Frank Morriss
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