[Space: 2063 006] Der unsichtbare Feind

Lesezeit circa: 6 Minuten

Die Folge Der unsichtbare Feind  zeigt auf sehr eindringliche Weise, welche psychischen Auswirkungen eine Schlacht auf Soldaten haben kann. Das zentrale Thema der Folge ist Angst. Der Originaltitel der von Marilyn Osborn geschriebenen Folge lautet “The Enemy”, übersetzt “Der Feind”. Dieser Titel lässt sich in dieser Folge sowohl auf die Bedrohung von außen übertragen als auch auf den Feind, der tief im Unterbewusstsein sitzt.

Zur Handlung von Der unsichtbare Feind

Vanessa Damphousse (Lanei Chapman) wird einem Verhör unterzogen, weil sie während des vergangenen Einsatzes Befehle verweigert hat. Die Ereignisse werden in Rückblenden erzählt, wodurch die Episode zwei verschiedene Erzählebenen bekommt.

Die Marines der 58. Staffel haben den Auftrag, Nachschub auf einen heiß umkämpften Planeten zu bringen, der den Namen “Tartaros” bekommen hat. Das ist ein Begriff aus der griechischen Mythologie und steht für einen Teil der Unterwelt, der in der tiefsten Region des Hades liegt. Die Soldaten nennen ihn “Planet jenseits der Hölle”. Die Wild Cards sind kaum gelandet, als sie von scheinbar verrückt gewordenen Marines beschossen werden. Ihr Transporter wird beschädigt und dann reißt die Funkverbindung nach außen ab.

Auch die Wild Cards geraten bald unter den Einfluss einer Psychowaffe, die jeden mit seinen tiefsten Ängsten konfrontiert. Shane Vansen (Kristen Cloke) hat Angst vor Dunkelheit, weil sie das an die Nacht erinnert, in der ihre Eltern getötet wurden. Paul Wang (Joel de la Fuente) fürchtet sich vor Kakerlaken, weil ihn das mit Erlebnissen aus seiner Kindheit in einem Elendsviertel konfrontiert. Cooper Hawkes (Rodney Rowland) bekommt Platzangst, weil er als In-Vitro vor seiner Geburt in einem Brut-Tank herangewachsen ist. Nathan West (Morgan Weisser) glaubt immer wieder, die Schreie seiner Freundin Kylen zu hören – er fürchtet sich davor, sie nie zu finden. Und Vanessa bekommt Angst vor Blut, weil sie gleich zu Beginn des Einsatzes verletzt wurde. Als während einer Schießerei ein Beutel mit Spenderblut zerfetzt wird und sich der Inhalt über den Boden den Transporters ergießt, ist sie völlig paralysiert.

Die wachsenden Ängste führen dazu, dass sich die Marines in Panik gegenseitig immer stärker belauern, sich misstrauen und schließlich sogar bedrohen. Vanessa verbarrikadiert sich im Transporter und weigert sich, das Funkgerät zu reparieren, weil sie – um zum Gerät zu kommen – eine große Pfütze aus Blut durchqueren müsste. Abgesehen von ihren inneren Ängsten haben die Wild Cards damit zu kämpfen, dass die Oberfläche des Schlachtfelds von versteckten Sprengfallen übersät ist.

Schließlich gelingt es ihnen, ihre Ängste unter Kontrolle zu bekommen und einen Notruf mit der Bitte um Evakuierung abzusetzen.

Nachdem alle ihre Aussagen gemacht haben, kehren die Wild Cards in ihr Quartier zurück. Von einer Anklage gegen Vanessa wird abgesehen.

Interessante Details

Eine der Ideen hinter der Folge Der unsichtbare Feind beschrieben die Serien-Erfinder Glen Morgan und James Wong folgendermaßen: „Wir haben in einem Artikel über etwas gelesen, das hinter dem Hirn sein soll und von dem einige Wissenschaftler glauben, es beherberge unsere Furcht. Was wäre, wenn man einem Soldaten ein Mittel injizieren würde, das seine Angst für zwölf Stunden völlig ausschaltet – aber die Schlacht tobt 15 Stunden lang“ (Phantastische Serien, Medien-Publikations- und Werbegesellschaft mbH, Hille 1997). Marilyn Osborn wurde beauftragt, eine Geschichte zu verfassen, die die Furcht voreinander zum Gegenstand hat, „obwohl Morgan & Wong wussten, welches Risiko eine frühzeitige Demontage der Helden haben könnte. ,Die Gefahr einer solch düsteren Episode ist, dass die Charaktere dadurch ruiniert werden, weil sie etwas so Entsetzliches tun, dass sie sich nie mehr ganz davon erholen werden. Wie wird er ihnen jemals wieder in die Augen sehen können, nachdem er sie mit einer Waffe bedroht hat?’“ Etwas Vergleichbares hatten Glen Morgan und James Wong aber bereits in der Akte X-Folge Eis gemacht, die Teil der ersten Staffel von Akte X ist.

Die Schlacht auf Tartaros tobt bereits seit Beginn des Krieges, ohne dass eine Seite bisher an Boden gewonnen hat.

Die Bedingungen auf Tartaros sind extrem unfreundlich. 30 Meter Sicht, die Atmosphäre besteht aus 80 Prozent Schwefeldioxid und die Durchschnittstemperatur bei Nacht beträgt 58,2 Grad Celsius.

Der Soldat, der auf die Wild Cards schießt und dann von einer Mine getötet wird, wird von Nathan mit “Lieutenant” angerufen. In der Verhörszene nennt ihn Commodore Ross (Tucker Smallwood) “Sergeant”, aber wer achtet unter Beschuss schon auf genaue Rangabzeichen?

Paul Wang spricht davon, dass in der linken Hälfte des Gehirns unsere Ängste gespeichert sind. Man sollte sich besser nicht vorstellen, wie die Chigs dies herausgefunden haben, um eine Waffe entwickeln zu können, die die Angst-Zone unseres Gehirns stimuliert.

Interessantes für den Filmfan

Der Planet Tartaros erinnert mit seinem allgegenwärtigen Dunst und dem dunkelblauen Zwielicht an die düstere Welt aus dem Film Alien von 1979, auf dem die Besatzung der Nostromo landet und das titelgebende Ungeheuer findet. Dort heißt es: „Eine Atmosphäre wie in der Urzeit.“ Diese Zeile könnte auch aus Der unsichtbare Feind stammen.

Die Szenen an Bord des Transporters sind zugleich mit rotem und weißblauem Licht ausgeleuchtet, wodurch alles unwirklich und noch bedrückender wirkt.

In der Filmmusik dieser Folge wird das Orchester von einem Synthesizer begleitet, was für Shirley Walkers Space-Soundtrack ungewöhnlich ist. Das elektronische Instrument ertönt zum Beispiel, als sich die Marines nach dem ersten Blitz vorbereiten, den Transporter wieder zu verlassen. Als Shane am Ende kurz zögert, ihr Licht auszuschalten, ist der Synthesizer erneut zu hören. Der Synthesizer-Klang symbolisiert die künstlich verstärkten Ängste.


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Eric Zerm
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