Spotlight: Andreas Brandhorst

Lesezeit circa: 7 Minuten

Andreas Brandhorst ist ein deutscher Schriftsteller und Übersetzer.

Bücherliebe

Die Liebe zum Lesen begann für Brandhorst, der am 26. Mai 1956 in Sielhorst, Rahden, geboren wurde, schon früh. Kaum war er als Grundschüler des Lesens mächtig, verschwand er in den Welten, welche die Literatur damals zu bieten hatte. Und mehr noch: Die Faszination war so groß, dass Brandhorst im zarten Alter von etwa acht Jahren selbst zum Stift griff und zu schreiben begann. Bücher lesen und Geschichten schreiben war ein essentieller Bestandteil seiner Kindheit.

Zur Science-Fiction brachte ihn niemand anderes als die Besatzung der berühmten Orion. Die Serie um McLane und seine Mannschaft zogen ihn in den Bann und haben ihn „regelrecht umgehauen“, wie Brandhorst in einem Interview mit phantastisch-lesen sagte. Als Zwölfjähriger brachte er seine ersten eigenen SF-Stories zu Papier, welche nach eigener Aussage jedoch „nichts taugten“ und in die Schublade verbannt wurden.

Nichtsdestotrotz: Durch das beharrliche Schreiben blieb der erste Erfolg nicht aus. Mit 19 konnte Andreas Brandhorst 1978 seinen ersten Roman veröffentlichen. Es handelte sich um Die Unterirdischen, ein Heftroman für eine Serie aus dem Zauberkreisverlag, welcher längst nicht mehr existiert.

Der Fuß in der Tür

Nach diesem ersten Erfolg ging es weiter. Andreas Brandhorst schaffte den Sprung zum Profi über die Heftreihe Die Terranauten, welche 1979 ihren Anfang nahm. Allerdings schrieb er unter dem Pseudonym Andreas Weiler. Sein erster Beitrag zu dieser Serie war Heft Nr. 37 – Sternenlegende (erschienen 1980). Insgesamt verfasste er über die Terranauten 24 Romane in Heftform und 10 Taschenbücher. Gleichzeitig wurde die Schriftstellerei damit zu seinem hauptsächlichen Brotjob.

1984 zog es ihn der Liebe wegen nach Italien. Da sein Beruf als Autor nicht genügend abwarf, um eine Familie zu ernähren, wandte sich Andreas Brandhorst zeitgleich der Tätigkeit des Übersetzers zu. Er übersetzte Romane aus dem Englischen und Italienischen ins Deutsche. Das Übersetzen war für ihn nicht nur reine Arbeit, sondern auch die Chance, die Stile der unterschiedlichen Schriftsteller:innen kennenzulernen. Er bezeichnete diesen willkommenen Nebeneffekt als „Reifeprozess“, der ihn in seinem eigenen Autorenleben weitergebracht hatte. Dennoch schrieb er weiter und veröffentlichte mehrere Romane, darunter In den Städten, in den Tempeln (1984, in Zusammenarbeit mit Horst Pullakus), Das eherne Schwert (1985), ein Roman aus der Fantasywelt Das Schwarze Auge, Planet der wandernden Berge (1985) und Die Macht der Träume (1991).

In den 1980er-Jahren erschienen zwei Trilogien. Die Akasha-Trilogie entstand in Zusammenarbeit mit Horst Pullakus, der unter anderem unter den Pseudonymen Henry Roland und Henry Robert für Die Terranauten geschrieben hatte. Aber auch für Beiträge zu Commander Scott, einer deutschen Heftromanserie, die es Mitte der 1970er auf 42 Ausgaben gebracht hatte, sowie diverse Kurzgeschichten und Romane. Andreas Brandhorsts zweite Trilogie erschien 1988 und trug den umfangreichen Namen Im-Zeichen-der-Feuerstraße-Trilogie.

Dennoch sicherte die Übersetzer-Tätigkeit für viele Jahre sein Einkommen.

Andreas Brandhorst
©Lutz Weil

Die Rückkehr des Autors

Erst nach der Jahrtausendwende konnte Brandhorst als Autor wieder richtig Fuß fassen. Die sechsbändige Kantaki-Saga, bestehend aus zwei Trilogien (Diamant und Graken) brachte ihm ab 2004 genügend Erfolg ein, um die Tätigkeit als Übersetzer in den Hintergrund treten zu lassen.

Ebenfalls 2004 kam mit Exodus der Generationen sein erster Beitrag für Perry Rhodan heraus, zwei Jahre später folgte der PR-Roman Die Trümmersphäre. Danach wurde es für ihn im Rhodan-Universum erst einmal wieder still. Sein nächster Beitrag erschien erst 2019. Das Heft Nr. 3005 – Wiege der Menschheit – stammt aus Brandhorsts Feder.

Im Bereich der Einzelromane war Andreas Brandhorst ab 2009 wieder deutlich aktiver, wobei Äon hier den Beginn markierte.

2016 kam Omni auf den Markt, ein Roman aus dem zugehörigen Omniversum, in dem eine Gemeinschaft von sogenannten Superzivilisationen besteht. Die Omniversum-Romane eint zwar der Hintergrund, sie sind jedoch in sich geschlossene Romane, die nicht aufeinander aufbauen. Wer übrigens mehr über das Kantaki-Universum und das Omniversum wissen möchte, dem sei ein Besuch auf Brandhorsts Homepage ans Herz gelegt, wo die Universen etwas näher beschrieben werden.

Zuletzt erschien Mars Discovery (2021), ein Roman über eine junge Frau, die die Geheimmission ihrer früh verstorbenen Eltern weiterführen will und auf dem Mars Unvorstellbares entdeckt. Ebenfalls 2021 erschien die Ebook-Serie Sleepless, die insgesamt 7 Folgen umfasst und auch als Hörbuchausgabe erhältlich ist. Zur Hörbuchserie soll im August dieses Jahres der gleichnamige Roman erscheinen.

Auszeichnungen

Andreas Brandhorst wurde für seine Kurzgeschichte Die Planktonfischer (1983) und die Romane Das Schiff (2016) und Omni (2016) mit dem Kurd-Laßwitz-Preis ausgezeichnet. Für Das Artefakt (2013) und Das Schiff erhielt er den Deutschen Science Fiction Preis. Dabei sieht Brandhorst seine Preise und Auszeichnungen als Anerkennung und Bestätigung dessen an, was er tut. Nur eins sind sie nicht: ein Ansporn. Denn schreiben wollte er so oder so, ob mit oder ohne Preise und auch ohne sich mit anderen Autor:innen zu vergleichen. Vergleiche hält er nicht für sinnvoll, da schlichtweg zu viele Unterschiede darin bestehen, wer welchen Weg wie geht.

Vielmehr will er in seinem Schaffen das Bestmögliche geben, um seine Geschichten und Figuren bunt und lebendig zu beschreiben, zum Greifen nah eben. Dazu passt besonders seine Meinung über die Faszination von Geschichten. Er beschreibt, warum Menschen lesen. Es ist das Eintauchen in andere Welten und das Sich-Hineinversetzen in die jeweiligen Charaktere. „Ein Buch bietet die Möglichkeit, der erzählten Geschichte eigene Farben und eigene Details hinzuzufügen – es ist wie eine Regieanleitung für den besten aller Regisseure, den im eigenen Kopf. Wer sich Zeit für ein Buch nimmt, öffnet damit die Tür zu einem neuen, anderen Leben“, sagt Brandhorst in seinem Text über die Faszination von Geschichten. Ich persönlich möchte ihm da zustimmen. Ich lese, um meine Realität kurz zu verlassen und mich von einer Geschichte mitreißen zu lassen. Es ist tatsächlich wie ein eigenes Kino, das man immer bei sich führt. Und: „Bücher können noch mehr. Je mehr man liest, desto größer wird der Wortschatz, desto besser lassen sich die eigenen Gedanken in Worte fassen. Man kann nicht nur an anderen Leben teilhaben, man lernt auch das eigene besser kennen“, heißt es in einem weiteren Text über den Zauber des Lesens. Diese und weitere persönliche Ansichten findet ihr ebenfalls auf seiner Homepage.

Gedankenwelten

Andreas Brandhorst nimmt seine persönlichen Faszinationen und Gedanken zu verschiedenen Themen gerne als Grundgerüst für seine Romane. Seine Faszination für Unsterblichkeit und Langlebigkeit und wie die Menschen damit umgehen könnten, spiegelt sich beispielsweise in Das Schiff und Kinder der Ewigkeit wider. Dieses Unsterblichkeits-Motiv taucht immer wieder in seinen Romanen auf. Auch die Thematiken „Künstliche Intelligenz“ und „Genetik“ beschäftigen Brandhorst immer wieder, was sich in seinen Geschichten bemerkbar macht.

Nach Sleepless ist übrigens noch lange nicht Schluss. Der Schriftsteller hat noch große Pläne. Was genau, verrät er natürlich nicht. Sicher ist aber, dass die Leserschaft sich auf weitere Romane freuen darf.


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Kirsten P.
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