Frank Oz ist der Master of Puppets in Hollywood. Er wurde am 25. Mai 1944 geboren.

„Bist 900 Jahre, wirst ausseh’n du nicht gut!“, verkündet der große Jedi-Meister Yoda einem skeptisch dreinblickenden Luke Skywalker (Mark Hamill) in Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Da sieht es schon ein wenig anders aus, wenn bis zur 900 noch 825 Jahre fehlen und man lediglich sein 75. Wiegenfest feiert wie Frank Oz, der Mann, der Yoda nicht nur verkörpert, sondern ihm auch seine knarzige Stimme mit der unverwechselbaren Sprechweise verliehen hat.

Frank Oz kam unter seinem vollständigen Namen Richard Frank Oznowicz am 25. Mai 1944 im englischen Hereford zur Welt. Durch die Abkürzung seines Namens wurde daraus der Name jenes sagenumwobenen magischen Landes, der seit langer Zeit eine Art Synonym für alles Fantastische ist. Außerdem wurde er nicht nur im gleichen Jahr wie Star-Wars-Schöpfer George Lucas geboren, sondern feiert seinen Geburtstag auch an jenem Datum, an dem anno 1977 der allererste Star-Wars-Film in die amerikanischen Kinos kam.

Eine Familie von Puppenspielern

Mit der Kunst, die später weite Teile seines Lebens bestimmen sollte, kam der kleine Frank bereits in seiner frühesten Kindheit in Berührung, da er in eine Familie von Puppenspielern hineingeboren wurde. Als 12-jähriger trat er erstmals in dieser Weise auf und bot seine Kunst bei Supermarkteröffnungen, Geburtstagsfeiern, kirchlichen Gemeindefesten und anderen Gelegenheiten dar, wo er zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern ein buntes Programm mit verschiedenen Nummern aufführte. Allerdings dachte er zu dieser Zeit nicht im Entferntesten daran, in diesem Bereich Karriere zu machen.

1963 machte er die Bekanntschaft eines jungen Mannes namens Jim Henson (+ 1990), der gerade dabei war, eine neuartige Kinderserie mit dem Titel Sesamstraße für das US-Fernsehen zu konzipieren. Die beiden freundeten sich miteinander an und Frank Oz begann, für Henson und die ab 1969 realisierte Serie zu arbeiten.

Anfangs lehnte Frank Oz es ab, den von ihm gespielten Puppencharakteren auch seine Stimme zu leihen, was dann von Jim Henson selbst übernommen wurde. Erst nach und nach konnte Henson seinen Freund und Mitarbeiter dazu überreden, und er bewies ein überaus ausgeprägtes komisches Talent hierzu. Die bekannteste von Oz gespielte Figur aus der Sesamstraße wurde der nörgelig-vernünftige Bert, der Partner des kindlich-impulsiven Ernie. Als Henson 1976 mit der Muppet Show ein weiteres, diesmal auf ein eher erwachsenes Publikum gerichtetes Format herausbrachte, war erneut Frank Oz mit von der Partie und schlüpfte hier in die Rollen von Fozzie-Bär, Sam dem Adler, Marvin Suggs sowie gelegentlich des berühmt-berüchtigten Animal.

Frank Oz’ größte Muppet-Rolle jedoch wurde die der Miss Piggy, deren nasal-quietschige Stimme aus seiner Kehle stammte und zum Markenzeichen der anthropomorphen Schweinedame wurde. Jim Henson war von der Arbeit von Frank Oz begeistert und bezeichnete ihn häufig als „den größten Puppenspieler aller Zeiten“.

Frank OzMeister Yoda

Ende 1979 schließlich engagierte George Lucas Frank Oz als Darsteller und Synchronsprecher für den schon genannten weisen Jedi-Meister Yoda in Das Imperium schlägt zurück, nachdem er entschieden hatte, dass diese Figur ein Muppet sein sollte (mehr dazu im Buch Es lebe Star Wars von Yours Truly). Der ebenso putzige wie tiefgründige Yoda wurde eine absolute Kultfigur im Star-Wars-Fandom und war ab da in den nächsten vier Star-Wars-Filmen zwischen 1983 und 2005 zu sehen, wobei Yoda ab Angriff der Klonkrieger (und auch in der nachbearbeiteten Version von Star Wars: Episode I) nicht mehr von einer animatronischen Puppe gespielt wurde, sondern per Computeranimation entstand.

Dennoch lieh Frank Oz Yoda weiterhin seine Stimme in den Kinofilmen (in der Animationsserie Star War: The Clone Wars übernahm dies in Anlehnung an Frank Oz der Sprecher Tom Kane, während Oz Yoda bei seinen wenigen Gastauftritten in Star Wars Rebels selbst sprach). Übrigens stammt die Idee, Yoda in der bekannten altertümlich-verdrehten Sprechweise kommunizieren zu lassen, von Frank Oz selbst. Ferner ist die stimmliche Ähnlichkeit zwischen Yoda und Miss Piggy sehr deutlich herauszuhören, wenn man die Originalversionen anschaut. 2017 hatte Yoda, nun wieder als animatronischer Muppet, einen letzten Auftritt in Star Wars: Die letzten Jedi – natürlich gespielt und gesprochen von Frank Oz.

Ein zweites Standbein

1981 startete Frank Oz eine zweite Karriere, und zwar als Filmregisseur. Unter der Produktion von Jim Henson inszenierte er den Film Die große Muppet-Sause (für die Heimkino-Veröffentlichung in Der große Muppet-Krimi umbetitelt).

Zusammen mit seinem Chef und Freund Henson übernahm er ein Jahr später dann die Regie beim epochalen Fantasy-Puppentrickfilm Der dunkle Kristall, der zwar kein großer kommerzieller Erfolg wurde, dafür aber recht bald einen bis heute anhaltenden Kultstatus errang (…und demnächst in Form einer von Netflix produzierten Fernsehserie fortgesetzt wird). Entgegen hartnäckiger Gerüchte fungierte Frank Oz hier nicht als Sprecher, und die monströs-gutmütige Zauberin Aughra wurde nicht von ihm, sondern von der britischen Schauspielerin Billie Whitelaw synchronisiert (…deren Stimme allerdings der von Oz ähnelt, was vermutlich die besagten Gerüchte aufgebracht hat).

1984 folgte mit Die Muppets erobern Manhattan ein letzter Puppentrickfilm unter Frank Oz’ Regie, der sich von da an auf Realfilme verlegte: 1986 entstand die kultige Musical-Verfilmung Der kleine Horrorladen mit Rick Moranis und Ellen Greene in den Hauptrollen, 1988 die Komödie Zwei hinreißend verdorbene Schurken mit Steve Martin und (Sir) Michael Caine, 1991 Was ist mit Bob? mit Bill Murray, 1992 Housesitter – Lügen haben schöne Beine mit Goldie Hawn und erneut Steve Martin, 1995 der auf ein junges Publikum zugeschnittene Fantasy-Film Der Indianer im Küchenschrank, 1997 In & Out mit Kevin Kline und Magnum Tom Selleck, 1999 Bowfingers große Nummer mit nochmals Steve Martin und Eddie Murphy, 2001 der düstere Thriller The Score mit Robert De Niro und Marlon Brando (dessen letzter Film dies wurde), 2004 der Sciene Fiction-Psychothriller Die Frauen von Stepford mit Nicole Kidman, Bette Midler und Glenn Close und zuletzt 2007 Sterben für Anfänger mit Matthew Mcfadyen und Alan Tudyk. Ferner lieh er immer wieder einmal zumeist animierten Filmcharakteren in unter anderem Die Monster AG (2001) und Alles steht Kopf (2015) seine Stimme.

Frank Oz ist in zweiter Ehe seit 2011 mit Victoria Labalme verheiratet, mit ihr und seiner ersten Frau Robin Garsen hat er insgesamt vier Söhne. Seit 2012 lebt er in Manhattan und befindet sich – von gelegentlichen Ausnahmen abgesehen – offiziell im Ruhestand.

Frank Oz im Web

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Thorsten Walch

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