Holland Taylor

Spotlight: Holland Taylor

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Mit Holland Taylor bekommen Nebenrollen Glanz.

Der Traum von der Bühne

Holland Taylor wurde am 14. Januar 1943 in Philadelphia, Pennsylvania, geboren. Sie hat zwei ältere Halbgeschwister, die ihre Mutter, die Malerin Virginia (Davis), in die Ehe mit dem Anwalt C. Tracy Taylor mitgebracht hatte. Holland Taylor wuchs in Allentown nahe Philadelphia auf, eine stark durch deutsche Einwanderer geprägte Stadt. Wegen ihrer kupferfarbenen Haare erhielt Holland Taylor von ihren Altersgenossen den Spitznamen „Penny Taylor“. Sie besuchte Quäker-Schulen. Schon früh sammelte sie erste Schauspiel-Erfahrungen, so war sie unter anderem 1956 (also als 13-Jährige) in The Edge of Night zu sehen.

Von Anfang an war es ihr Traum, ein großer Broadway-Star zu werden. Deshalb zog sie nach dem Studium der Theaterwissenschaften am Bennington College in Vermont nach New York – da war sie gerade 22 Jahre alt.  Ihren ersten Auftritt am Broadway hatte sie im Jahr 1965 neben Anne Bancroft in The Devils, einem Bühnenstück von John Whiting.

Es dauerte dann allerdings noch 15 Jahre voller Enttäuschungen in New York und Kalifornien, ehe sie ihrem Wunsch, ein Star zu werden, näherkam. Inzwischen spielte sie – unter anderem – 1967 in Love Is a Many Splendored Thing mit, war 1973 in einer Staffel der Drama-Serie Sommerset als Sgt. Ruth Winter dabei, hatte im Polit-Action-Thriller The Next Man von 1976, in dem Sean Connery den Helden spielte, eine Nebenrolle als TV-Interviewerin und war 1977 für eine Nebenrolle in einer Folge von Kojak – Einsatz in Manhatten besetzt.

Erfolge auf Leinwand und Bildschirm

Schließlich wurde sie 1980 als Ruth Dunbar in der Sitcom-Serie Bosom Buddies besetzt, wo sie die Chefin von Kip Wilson (Tom Hanks) und Henry Desmond (Peter Scolari) spielte. Das war offenbar das Startsignal, denn ab jetzt bekam sie immer wieder Rollen in Fernsehserien und Filmen. 1980 in Fame – Der Weg zum Ruhm wurde sie zwar noch nicht im Cast genannt, aber 1982 war ihre Rolle als Dottie Birmington in Die verrückten Abenteuer eines Playboys groß genug dafür.

Ein weiterer Meilenstein war Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten. In diesem Film von 1984 glänzten Größen wie Kathleen Turner als Joan Wilder und Michael Douglas als Jack. T. Colton. Allerdings hatte Holland Taylor die Rolle der Verlegerin von Wilders Büchern gar nicht annehmen wollen – sie hoffte noch immer auf eine große Broadway-Kariere. Ihre Schauspieltrainerin und Mentorin Stella Adler ermutigte sie allerdings, nicht so „bühnenorientiert“ zu sein. Dank dieses Rates konnte man Holland Taylor unter anderem 1985 als Paula Cordon in Perry Mason Returns sehen, wo sie bereits an Stelle 4 der nach Bedeutung sortierten Darsteller-Liste steht. Im selben Jahr war sie wieder die Wilder-Verlegerin im Film Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil. 1988 spielte sie in der Komödie She’s having a Baby als Sarah Briggs die Mutter einer der Hauptfiguren, 1989 konnte man sie in einer Folge von Mord ist ihr Hobby sehen und 1990/91 gehörte sie zum Maincast der Sitcom-Serie Zwischen Couch und Kamera.

Daneben spielt sie auch immer wieder auf der Bühne – unter anderem die Bess in Breakfast with Les and Bess und in A.R. Gurneys The Cocktail Hour. Broadway-Kritiker John Simon schrieb über sie: „Sie ist eine der wenigen vollkommen anmutigen, attraktiven, eleganten und technisch versierten Schauspielerinnen unseres Theaters.“

Anfang der 1990er stellte sie fest, dass die Arbeit vor der Kamera ihr wohl doch mehr lag als die auf der Bühne. Bis dahin pendelte sie noch zwischen Greenwich Village, New York, und einer Mietwohnung in Hollywood hin und her, um an beiden Küsten zu arbeiten. 1992 sagte Holland Taylor, sie komme mit dem Hin- und Herreisen „immer weniger gut zurecht“. In den nächsten Jahren zog sie ganz nach Kalifornien – sie entschied sich also für Film und Fernsehen.

Komisch oder tragisch – aber immer elegant

Ihren Rollen verleiht Holland Taylor immer einen mehr oder weniger deutlichen Hauch von aristokratischer Eleganz und Stolz. Oft ist ein guter Teil Kratzbürstigkeit dabei, fast immer eine scheinbare emotionale Zugeknöpftheit. Dabei beweist sie immer wieder einen ganz speziellen Humor – ob 1993 in der Komödie Ein Cop und ein halber als Captain Rubio, 1994 in der Komödie Hilfe, meine Frau ist verliebt! an der Seite von Bill Pullman und Brad Pitt, als Steuerbeamtin in zwei Folgen von Diagnose Mord oder in ihrer Paraderolle als die exzentrische Mutter in Two and a half Men (2003-2015). Letztlich gehörten die meisten ihrer Rollen ab den 1990er zu dieser Kategorie

Holland Taylor kann aber durchaus Ernstes darstellen. Im Melodram Ärztin unter Verdacht (1991) war sie neben Jaclyn Smith als Dr. Kate Willis als Dr. Greenway eine der Hauptfiguren, 1999 hatte sie einen Gastauftritt in einer Folge von Emergency Room – Die Notaufnahme. Im Filmdrama The Day Reagan Was Shot von 2001 spielte sie die Nancy Reagan, in Die Truman Show (1998) gab sie Trumans Mutter und in der Thrillerserie Mr. Mercedes, die 2017 nach Stephen Kings Roman-Trilogie um den pensionierten Polizisten Bill Hodges gedreht wurde, war sie 29 Folgen lang die Ida Silver.

2017 war Holland Taylor auch Gast bei The Orville. Sie stellte hier in einer Folge die Mutter von Captain Ed Mercer (Seth McFarlan) dar. 2018 spielte sie in Gloria – Das Leben wartet nicht neben Julianne Moore als Gloria Bell deren Mutter Hillary. 2020 stellte sie in der Miniserie Hollywood in den Folgen 2 bis 7 Ellen Kincaid dar und 2021 war sie in den 6 Folgen von Die Professorin als Professorin Joan Hambling eine der weißen Gegenspielerinnen von Dr. Ji-Yoon Kim (gespielt von Sandra Oh), die als erste Frau und erste Nichtweiße zur Leiterin des Instituts für Englische und Amerikanische Literatur an der (fiktiven) Pembroke University ernannt wird.

Holland Taylor spielte zwar meist Nebenrollen – aber nicht nur. So spielte sie die Hauptrolle in ANN: An Affectionate Portrait of Ann Richards am Paramount Theater in Austin. Sie schrieb das Stück übrigens auch. Und sie wurde für ihre Darstellung für den 2013er Tony Award für die beste Hauptdarstellerin nominiert. Gewonnen hat sie den dann leider nicht, aber dafür vielfach den Primetime Emmy Award als Beste Nebendarstellerin: 1999 und 2000 für Practice – Die Anwälte, 2000 für The Lot sowie 2007, 2008 und 2010 für Two and a half Men.

Im November 2015 sagte Taylor in einem Interview, dass sie mit einer deutlich jüngeren Frau liiert sei. Wenig später wurde ihre Beziehung mit der ca. 31 Jahre jüngeren Sarah Paulson bekannt.

Holland Taylor im Web

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