Spotlight: Tonke Dragt

Lesezeit circa: 5 Minuten

Tonke Dragt schrieb unter anderem Das Geheimnis des Siebten Weges und Der Brief für den König.

Eine Kindheit in Indonesien

Antonia „Tonke“ Johanna Willemina Dragt wurde am 13. November 1930 in Batavia, Niederländisch-Indonesien (heute: Jakarta, Indonesien) als Älteste von drei Töchtern geboren. Ihr Vater war bei der niederländischen Regierung in Indonesien beschäftigt. So verbrachte sie einen Großteil ihrer Kindheit in Batavia, wo sie auch zur Schule ging.

Ihre Kreativität kam nicht von ungefähr. Auch ihr Vater und ihre Schwestern interessierten sich für Literatur und Schreiben. Die Familie Dragt verfügte daher über eine umfangreiche Bibliothek. Tonke Dragt las viel und einige Romane inspirierten sie für ihre eigenen Frühwerke, darunter Der Brief für den König.

Im Zweiten Weltkrieg gerieten Tonke Dragt, ihre Schwestern und ihre Mutter in japanische Gefangenschaft. Sie wurden in einem Lager interniert. Die Zeit war geprägt von Lebensmittelknappheit, ebenso fehlte es an weiteren essentiellen Dingen. Dragt selbst empfand das Leben im Lager als unsäglich langweilig. Sie vermisste ihre Bücher. So kam es, dass sie gemeinsam mit ihrer Freundin Tineke begann, eigene Geschichten zu schreiben. Aus Mangel an geeignetem Papier beschrieben die beiden Mädchen lose gebrauchte Blätter, teilweise sogar Toilettenpapier. Unter ihrem gemeinsamen Pseudonym “Tito Drasta” veröffentlichten sie schließlich die Geschichte Die Jagd nach den Seilfarbigen, welche von Tonke Dragt illustriert worden war. Der zweite Roman De Florentijnse Ring wurde nie veröffentlicht.

Umzug in die Niederlande

Nach ihrer Befreiung aus dem Lager trafen Mutter und Töchter auf den Vater. Die wiedervereinte Familie zog Mitte/Ende der 1940er Jahre (die Quellen sind hier widersprüchlich, denn eine gibt 1946 an, die andere 1949) in die Niederlande. Dort lebte die Familie in Dordrecht. Tonke Dragt beendete die Schule und besuchte zunächst die Koninklijke Academie van Beeldende Kunsten in Den Haag, wo sie im Hauptfach Zeichnen studierte. Sie wäre gerne Künstlerin geworden. Ihre Eltern jedoch beschworen sie, einen Beruf zu ergreifen, der ihr ein regelmäßiges Einkommen sichern würde. So wurde sie Zeichenlehrerin und unterrichtete zunächst an einer Grundschule, später an einer weiterführenden Schule in Rijswijk. Ihre schriftstellerischen Ziele verlor sie dennoch nie aus den Augen: Sie schrieb nachts und war tagsüber Lehrerin.

Da die Klassen durch den Babyboom dieser Zeit mit 40 bis 50 Kindern in einem Raum regelrecht aus allen Nähten platzten und die Kinder dementsprechend unruhig waren, erzählte sie ihnen Geschichten. Dies inspirierte sie zu ihrer Geschichte Das Geheimnis des Siebten Weges, die damit beginnt, dass ein Lehrer seinen Schülern phantasievolle Geschichten erzählt.

Autorin Dragt

Ende der 1950er Jahre erschienen erste Geschichten im Magazin Kris Kras. 1962 erschien ihr Debut-Roman Der Brief für den König, der ein Jahr später zum besten Kinder- und Jugendbuch der Niederlande gekürt wurde. 1965 veröffentlichte sie Der Wilde Wald, mit dem Der Brief für den König fortgesetzt wurde.

Die 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts waren eine Zeit der Kreativität. Dragt veröffentlichte diverse Geschichten und Bücher, darunter Das Geheimnis des Siebten Weges (1966), Turmhoch und Meilenweit (1969), Die Türme des Februar (1973) und vieles mehr. Für Turmhoch und Meilenweit erhielt sie 1995 den Jugendbuchpreis Buxtehuder Bullen.

Preise und ein Musical

Die 80er und 90er Jahre wurden etwas ruhiger. Aus der Zeit stammen unter anderem Tigeraugen (1982) und Auf der anderen Seite der Tür (1992).

Nach der Jahrtausendwende wurde Dragt wieder aktiver. 2000 erschien Der Roboter vom Flohmarkt. Fünf Jahre später kamen gleich zwei Bücher auf den Markt: Der blaue Mondstein und Das tanzende Licht. Zuletzt hatte sie 2009 etwas veröffentlicht. Das Buch Weit von hier ganz nah bei uns stammt aus ihrer Feder.

2004 erhielt Tonke Dragt den Sonderpreis des Silbernen/Goldenen Griffels für Der Brief für den König. Mit diesem Literaturpreis wird in den Niederlanden das jeweils beste Buch der vergangenen 50 Jahre ausgezeichnet.
2007 wurde eine Musicalfassung von Die Türme des Februar in Magstadt (Landkreis Böblingen, Baden-Würtemberg) uraufgeführt. Die Bearbeitung schrieb der deutsch-britische Komponist Martin Kleppmann.

Dragts Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt und erschienen unter anderem auf Deutsch, Indonesisch, Dänisch, Spanisch und Afrikaans. Erstaunlicherweise wurde erst 2013 erstmals einer ihrer Romane auf Englisch übersetzt.

Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit widmete Dragt sich auch dem Zeichnen. Viele Illustrationen stammen von ihr, wie beispielsweise die Bilder in Elidor von Alan Garner.

Tonke Dragt lebt als freie Schriftstellerin in Den Haag.


Wir brauchen euren Support!

Viele Magazine im Web werden über Werbung finanziert. Wir haben bewusst darauf verzichtet, damit euer Erlebnis auf unserer Seite möglichst ungestört ist. Wir bieten euch News, Reviews, Artikel, Videos und einen Podcast zu mittlerweile fast allen Bereichen der Science-Fiction. Wir haben keinen Clickbait, keine Fakenews und auch keine Paywall.
Die Kosten steigen, die wenigen Einnahmen sinken, auch dank der derzeitigen Situation. Wir wollen uns keine goldene Nase verdienen, aber es wäre schade, wenn wir die Seite irgendwann deswegen einstellen müssten.

Es ist auch ganz einfach. Ihr könnt uns regelmäßig ab 1€ monatlich bei Steady unterstützen, einmalig per PayPal oder ihr werft einfach mal einen Blick in unseren warpShop. (Die Shirts sind erste Sahne, Ehrenwort!).

Wenn ihr euch für eine Tätigkeit bei uns interessiert, dann ist die Seite MITMACHEN genau richtig.
Für den Fall, dass ihr noch mehr Infos haben wollt, findet ihr diese unter SUPPORT US. Dort findet ihr auch unsere Ref-Links.

Wir danken euch!

Kirsten Pevestorf
Letzte Artikel von Kirsten Pevestorf (Alle anzeigen)

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: