[Perry Rhodan NEO 238] Die neun Türme

Lesezeit circa: 6 Minuten

Perry Rhodan erreicht den Gadenhimmel und ist dabei der Schlüssel um Die neun Türme zu aktivieren.

Die neun Türme
©Perry Rhodan KG

Titel: Die neun Türme
Autor: Rainer Schorm
Titelbild: Dirk Schulz / Horst Gotta
Erschienen: 30. Oktober 2020

Zur Handlung

Die CREST II erreicht den Gadenhimmel, eine Art riesige Quantentasche hinter dem Ereignishorizont des schwarzen Lochs. Von den Omniten erfährt Perry Rhodan, dass er aufgrund verschiedener Umstände der Schlüssel ist, um die uralte Neunturmanlage der Loower zu aktivieren und damit Tihit weiter schlafen zu lassen.

Rhodan begibt sich allein auf die Steuerwelt der Looweranlage und aktiviert sie. Die Aktivierung verläuft allerdings nicht wie gewünscht. Statt den Jetstrahl so zu justieren, dass Tihit weniger Materie zugespielt bekommt, tritt das Gegenteil ein. Perry Rhodan wurde von ES manipuliert, wie er vom auftauchenden Ernst Ellert erfährt, damit er diese Entscheidung nicht selbst treffen muss. Durch die Manipulation und den damit stattfindenden Kollaps soll Tihit langfristiger neutralisiert werden. Dabei werden zwar Milliarden Wesen sterben, noch viel mehr aber gerettet.

Da Rhodan damit ethisch-moralisch nicht leben kann – er fühlt sich als unwissender Massenmörder ausgenutzt – denkt er über Suizid nach. In diesem Augenblick erscheinen jedoch Merkosh und Rhodans Tochter Nathalie Rhodan da Zoltral. Laut Merkosh weiß Perry längst nicht genug.

Gedanken zu Die neun Türme

Ich weiß dieses Mal kaum, wo ich anfangen soll. Derart viele Informationen auf so wenigen Seiten und doch wirkte Die neun Türme zu keinem Zeitpunkt gequetscht, stark komprimiert oder künstlich in die richtige Richtung gestoßen. Dafür schon hier ein Kompliment.

So viele Themen… fangen wir mal mit dem größten an – dem Langzeitplan von ES. Dass die werte Superintelligenz ihre virtuellen Finger im Spiel hat, konnte man sich schon länger denken und ich habe schon eine Weile darauf gewartet, dass ES sich endlich meldet. Hier ist es nun also so weit. Der Auftritt von Ernst Ellert hatte dabei, bei aller Tragik, etwas von einem Superschurken, der kurz vor dem Ende noch eben seinen Plan verrät. Warum er das tut wird nicht ganz klar, denn eigentlich hätte er unseren Perry auch dumm sterben lassen können. Mit dem Auftauchen von Merkosh und Nathalie hat er ja offenbar nicht gerechnet. Aber natürlich ist das der notwendigen Dramaturgie geschuldet.

Den Plan an sich werde ich hier nicht nochmal komplett ausrollen, dazu ist er zu komplex und sicherlich hat ihn ja jeder selbst gelesen. Nur so viel: ES ist ganz offensichtlich nicht die Schutzherrin über die Menschheit, sondern nutzt von Anfang an die Terraner allgemein und Perry Rhodan im Speziellen für die eigenen Zwecke aus. Laut Ernst Ellert lief wirklich alles darauf hinaus, dass Rhodan mit der manipulierten Aktivierung der Anlage Tihit bändigt – vom Zellaktivator über seine noch immer unklare Funktion als Zeitträger, bis hin zum Biss des Loowerkindes. In solch langfristigen und komplizierten Plänen denken nur Superintelligenzen – oder Expokraten.

Weiter bekommen wir eine zeitliche Einordnung der Loower, der ominösen Vorläufer und auch der Omniten. Die Loower scheinen dabei die Gefahr durch Tihit zuerst erkannt zu haben und haben mit dem Bau der Neunturmanlage eine zunächst effektive Gegenmaßnahme geschaffen. Die Vorgänger existierten noch weit tiefer in der Vergangenheit, während die Omniten lediglich die Anlagen der Loower übernommen und reaktiviert haben.

Gefühlte unendliche Nebenbaustellen wurden ebenfalls angeschnitten. Dazu zählen Jessica Tekener, bei der vermutlich kein Leser wirklich geglaubt hat, dass sie tot ist, und deren Rückkehr hier nun schon getriggert wurde. Ähnliches gilt für Iratio Hondro, der zwar nicht tot, aber länger aus dem Geschehen verschwunden war.

Callibso ist dagegen tatsächlich bereits von uns gegangen, wird aber hier erneut thematisiert. Sein Wirken in der Vergangenheit ist also noch immer etwas diffus. Dann wäre da noch Merkosh, der sich seit seiner Verwandlung in einen Omniten deutlich anders verhält, offensichtlich viel mehr Wissen erworben hat und sogar unter den Omniten eine Sonderrolle einzunehmen scheint. Dazu erscheint er im letzten Moment des Romans und kündigt Enthüllungen an. Nicht umsonst wird der Staffelabschluss MERKOSH heißen.

Weiteres Thema: Das Mentamalgam Sud, in dessen Kopf sich ja ohnehin schon drei Bewusstseinsinhalte tummelten, bekommt mit dem Stab von Quiniu Soptor, der sich als Netz über das Intarsium legt, einen weiteren Gast. Was mit diesem Charakter passiert ist hochspannend und geht offenbar noch viel weiter, ist sie doch jetzt sogar – wenn auch unkontrolliert – zwischen den sogenannten Chronophasen unterwegs.

Zu guter Letzt noch ein paar Worte zur Kampfszene zwischen Omar Hawk, Watson, dem Shafakk-Aahn und – nicht ganz unwichtig –  der Paternalen Koggs. Die Kampfkraft von Hawk und Watson – aber auch des Shafakk – hat Rainer Schorm beeindruckend geschildert. Hier wird zum ersten Mal so richtig klar, wie leistungsfähig der Oxtorner ist und welche Kampfmaschine sein Schoßfrosch darstellt. Großes Actionkino! Koggs ist dabei die tragische Figur, welche sich opfert um ihre Bezugsperson zu schützen. Insgesamt etwas überzeichnet und mit viel Pathos vielleicht, aber ich fand es trotzdem sehr schön.

Fazit

Neben einem (zum Großteil) enthüllten Langzeitplan, einer richtig knackigen Actionszene und einer großen Prise des berühmten Sense of Wonder, bietet uns Rainer Schorm vor allem einen weiteren Schwerpunkt: Perry Rhodan mit all seiner Emotionalität und seinen ethisch-moralischen Grundsätzen. Gerade das gibt dem Roman am Ende noch ein zusätzliches Sahnehäubchen. Dazu folgendes Zitat, als Antwort an Ellert, nachdem dieser Perry den Plan von ES eröffnet hat:

»Du glaubst, man könne Lebewesen auf Statistik reduzieren? […] Mir wird speiübel bei dem Gedanken, dass du dich auf diesem Niveau bewegst. Jedes einzelne Lebewesen ist so viel mehr als eine bloße Zahl. Es besteht aus Fähigkeiten, Möglichkeiten, aus Träumen, Hoffnungen und unsagbar vielen Gedanken. Wie viele davon sind wohl neu, revolutionär oder bahnbrechend? Wir werden das nie erfahren. Die Zukunft ist heute ärmer geworden.«

Aus meiner Sicht zeigt diese Passage sehr deutlich, was die Figur des Perry Rhodan ausmacht: er ist ein unbedingter und unabänderlicher Humanist und von solchen Menschen könnte die Welt durchaus ein paar mehr vertragen. Daher vielen Dank an Rainer Schorm für diesen Abschnitt des Romans, der mich tatsächlich bewegt hat.


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Sven Fesser
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