Zu Gast in der Kombüse von Star Smutje Tim Beutler

Lesezeit circa: 8 Minuten

Wer schon immer einmal Raktajino trinken wollte, kommt am Kochkanal von Star Smutje Tim Beutler nicht vorbei.

Im wunderschönen Bremen gibt es eine kleine Küche in der exotischere Gerichte als in Asien gekocht werden. Namentlich sind das Plomeek-Suppe, I’danianischer Gewürzpudding und Targ-Filet. Richtig, der Star Smutje kocht in seiner Küche für seinen YouTube-Kanal Gerichte aus Star Trek.

Wir haben uns mal mit ihm unterhalten.

Hallo Tim, danke dass du die Zeit für uns hast. Wie in jedem Interview, ist meine erste Frage: Wie bist du zu Star Trek gekommen?

Das kann ich dir sogar ganz genau sagen. Ich bin durch „Die Enterprise“, also TAS zu Star Trek gekommen. Sie lief damals im Samstagsprogramm, und die Episode hat mich ziemlich gefesselt als ich 7 Jahre alt war. Mein Vater erzählte mir dann von Raumschiff Enterprise, und ich durfte mir ein paar Folgen ansehen. Man muss dazu sagen das ich eh ein totaler Nerd war, und mich Sci Fi-Sachen immer in den Bann gezogen haben. Seither bin ich Fan dieser Serie.

Wie kamst du dazu, Koch zu werden? Das ist ja ein sehr stressiger Job mit ungünstigen Arbeitszeiten.

Meine Familie ist seit eh und je kaufmännisch geprägt. Jedoch wollte ich das nie. Ich habe es geliebt mit meiner Oma zu kochen, und habe viele schöne Erinnerungen daran. Bei einem großen Schulfest backte ich Kekse. Zuerst wollte sie niemand, und ich verteilte Gratisproben und Bumm: Ich war in 30 Minuten ausverkauft.  Mit dem Schulabschluss in der Tasche hatte ich vor, die Ausbildung zu starten, doch wurde mir seitens der Eltern die Unterschrift, die ich als Minderjähriger brauchte, verweigert. „Als Koch wird man nix!“ habe ich zu hören bekommen. Wiederwillig machte ich mein Abitur, ging zur Bundeswehr und bewarb mich dann selbst als Koch. Es war schon ein wenig ironisch, dass ich beim selben Restaurant anfing, das mich damals auch eingestellt hätte. Meine Entscheidung habe ich nie bereut, und inzwischen sind meine Eltern sehr stolz auf mich. Der Stress und die Arbeitszeiten, nun, das steht auf einem anderen Blatt. Ich kann nur müde lächeln, wenn mein Bruder sich darüber beschwert, dass er mal wieder eine Überstunde machen musste. Natürlich ist ein Großteil der Mehrarbeit in Küchen personalbedingt, da viele komplett mit falschen Vorstellungen in den Job kommen. Und häufig habe ich unter der Woche frei, da wo andere Leute arbeiten.

Und wann hast du zum ersten Mal ein Star-Trek-Gericht nach gekocht? Wie kamst du auf die Idee?

Das war irgendwann im Jahre 2002, als ich das Star Trek Cookbook von Ethan Phillips in die Hände bekam. Und als erstes kochte ich die Plomeek-Suppe nach. Mit diesem Rezept schmeckte sie absolut grauenhaft. Also fing ich an, das Rezept abzuändern, und zu vereinfachen. Das Ergebnis gibt es auf meinen Kanal zu sehen. Immer wieder habe ich dann diverse Gerichte nachgekocht oder versucht, sie zu replizieren.

Mein Lieblingsgericht ist aber Hasparat, und das habe ich in vielen Variationen.

Und YouTube? Wie fing das an?

Für die Kochvideos und die Geburtsstunde des Star Smutje floss einiges Wasser die Weser runter. Im Jahr 2016 hatte ich einen Hörsturz, resultierend aus Stress und einer nicht behandelten Mittelohrentzündung. Mein Gehör wurde immer schlechter, und ich drohte permanent taub zu werden. Es begann eine sehr lange Therapie mit sehr viel Ruhe. Das hatte allerdings zur Folge, dass ich häufig absolut nichts zu tun hatte. Ich ernährte mich ungesund, nahm viel an Gewicht zu und bekam Depressionen, da ich mir absolut nutzlos vorkam. Die Wende kam im Oktober 2017, als mir meine Frau ein Video zeigte. Es war aus der US-Kochshow ‚Masterchef‘ von und mit Gordon Ramsay, einem britischen Celebrity-Koch, und zeigte die Gewinnerin einer Staffel: Christine Ha! Das faszinierende daran war jedoch: Sie war Blind! Ich sah mir die ganze Staffel an, wie sie sich durchsetzte. Meine innere Stimme sagte mir dann „Sie ist Blind und gibt nicht auf! Was ist deine Ausrede?“. Von da an war mir klar: Du musst es ändern, du musst dich selber ändern! Und das tat ich. Es gab allerdings viele Kochshows, und ich wollte nicht Nummer 1701 sein. Es gibt einige gute Geek- und Nerd-Kochkanäle, doch mir fiel auf: Niemand machte etwas von Star Trek! Als wir dann ein privates Trek Dinner hatten, kreierte ich mein Hasparat, was super einschlug. Alle wollten das Rezept. Dann kam die Namensgebung. „Star Chef“ fand ich zu abgehoben, Trek Cook war auch nicht so der Bringer. Dann erinnerte ich mich daran, das die NX 01 ja einen Koch an Bord hatte. In der Seefahrt ist der Schiffskoch auch der Smutje, und so hatte ich meinen Namen.

Was sagt deine Familie dazu, dass du nicht nur Trekkie sondern auch Star Smutje bist?

Meine Mutter ist mein erster Abonnent, und meine Familie sieht meine Videos. Sie finden es gut, dass ich so etwas mache. Und ich habe ihre Unterstützung dabei. Mein Trekkiesein hat meine Familie nie gestört, sie unterstützten mich sogar, kauften mir Modelle und Replicas. Mein Vater begleitete mich sogar, als im Sommer 1995  Star Trek – Treffen der Generationen im Open Air Kino lief, da ich noch keine 18 war und der Film ja erst spät am Abend lief. Bis heute ist er noch verwundert, das Whoopie Goldberg in Star Trek mitspielte. Noch baffer war er, als ich ihm sagte das sie in der Serie häufiger mitspielte. Es ist aber eine wunderschöne Erinnerung gewesen. Sogar meine Verwandschaft aus den USA unterstützt mich.

Jetzt brauchen wir aber was handfestes. Es gibt zu den außerirdischen Gerichten ja keine irdischen Zutaten. Wie entwickelst du so ein Gericht?

Eine sehr gute Frage! Am Anfang steht das Konzept. Wie auch bei neuen Gerichten im Restaurant stell sich zuerst die Frage: Wo will ich damit hin? Am einfachsten ist es natürlich, wenn man weiß, was das Gericht ist, wie es schmeckt und aussieht. Ist sowas beschrieben, schau ich mir die entsprechende Folge an, und mache Notizen. Schwieriger ist es, wenn wir nichts haben, nur einen Namen. Da muss improvisiert werden. Dann ist Know How gefragt. Allgemein empfehle ich euch, die Verkäufer mit Fragen über Herkunft und Qualität zu löchern. So lernt man einiges hinzu und entdeckt vieles neues. Habe ich die Zutaten, geht es an die Zubereitung, die richtigen Verhältnisse und Dauer. Ich bin kein wirklicher Freund von Fertigprodukten. Eine Gemüsebrühe zum Beispiel dauert zwar ihre Zeit um die Aromen voll zu entfalten, aber nach ein paar Stunden einkochen habe ich 3-4 Liter, während das Supermarktpendant dir 2,99 für 400 ml abknöpft. Aber zurück zum Thema: Ich probiere jedes Rezept so ein bis zwei mal, bis ich alles zusammen habe und für mich sage: Ja! Das ist es. Allerdings schließe ich nicht aus, dass sich meine Kreationen nicht irgendwann einmal verändern. Wenn ich dann Zutaten etc. habe, beginne ich mit meinem Mis en Place, das ist ein Begriff aus dem Französischen und bedeutet so viel wie „alles an seinem Platz“, für die Show und lege alles bereit was ich brauche. Dann drehe ich die Takes und danach wird gegessen und aufgeräumt. Ja, ich esse tatsächlich alles, was ich koche.

Hast du schon Ideen für deine nächsten Gerichte? Magst du uns vielleicht einen kleinen Einblick geben?

Nun, ich habe auf meinem Kanal eine Gagh Challenge laufen, da ich rausgefunden habe, wie ich die Illusion des Bewegens gut hinbekomme. Dann habe ich in der Fan Gruppe „Star Trek Fans Deutschland“ auf Facebook einige sehr interessante Vorschläge bekommen, denn ich möchte ja als Fan für Fans da sein. Dann werde ich einige Getränkespecials machen. Blutwein, romulanisches Ale, bajoranischer Frühlingswein und saurianischer Brandy sind auf der Karte. Dazu etwas irdisches, da viele Rezepte aus dem Sisko’s gefragt wurden. Also es fehlt nicht an Input für die Show.

Star Smutje
Romulanisches Ale – in der nächsten Episode vom Star Smutje
Wie sieht denn dein persönliches Star Trek Essen aus?

Das kommt ganz auf den Anlass an. Aber aus der Kombüse gäbe es zum Frühstück Eier Benedikt, im übrigen war der Koch der NX 01 dafür bekannt, zum Mittag gäbe es dann Hasparat und Pok Tar für die Vegetarier und vegan lebende Crew, sowie etwas fettranisches Risotto und Gumbo und der Nachtisch wäre ein Poundcake, und ja: Das wird irgendwann alles kommen!

Und zum Schluss, wohin führt die Zukunft des Star Smutje?

Leider habe ich keine T.A.R.D.I.S., also ist die ferne Zukunft in der Sternen. Allerdings werde ich bei der diesjährigen FedCon einen Nerdcooking Workshop anbieten und einige weitere sind geplant. Für einige Gerichte werde ich mir auch die ein oder andere Unterstützung holen. Ob es dann noch weitere Workshops gibt, ist fraglich aber nicht ausgeschlossen. In Planung ist auch, dass ich die Stars nach ihren Lieblingsessen und dem ihres Charakters frage, und diese dann koche.

Ich bedanke mich dann für das Gespräch, Tim.

Nichts zu danken, Marco. Darf ich dir vielleicht auch eine Frage stellen?

Aber gerne.

Magst du vielleicht mal in einem meiner Videos mitmachen? Ich hab gesehen, dass du früher auch bei YouTube gekocht hast.

Oh Gott, wie peinlich. Das hatte ich eigentlich ad acta gelegt und verdrängt. Aber gut, wenn wir da einen Termin finden, bin ich dabei.

Und wer nun besonders angetan ist und auch mal was nachkochen will. Hier ist der Raktajino vom Star Smutje, den es mittlerweile jedes Wochenende bei uns gibt.

 

 

Marco Golüke

Marco ist Jahrgang 78 und mit Star Trek, Star Wars, Galaxy Rangers, Babylon 5 und was es nicht noch alles gibt groß geworden. Er ist der Gründer, Chefredakteur und Herausgeber dieses Magazins und kümmert sich somit auch um alles Organisatorische. Nebenbei schreibt der Familienvater auch noch Kinder- und Kurzgeschichten.
Marco Golüke

Marco Golüke

Marco ist Jahrgang 78 und mit Star Trek, Star Wars, Galaxy Rangers, Babylon 5 und was es nicht noch alles gibt groß geworden. Er ist der Gründer, Chefredakteur und Herausgeber dieses Magazins und kümmert sich somit auch um alles Organisatorische. Nebenbei schreibt der Familienvater auch noch Kinder- und Kurzgeschichten.

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