Lesezeit circa: 19 Minuten

Im Original als eBook erschienen, fasst Cross Cult drei Geschichten um die Captains Kirk, Picard und Riker in einem gedruckten Band zusammen.

Star Trek 3 Captains, 3 Geschichten

Miasma

In der ersten Geschichte aus der Tastatur von Greg Cox soll die Enterprise-A eine Delegation aus Diplomaten nach Musgrave IV bringen. Unterwegs fängt Uhura ein Funksignal von Varba II auf. Captain Kirk entschließt sich, einen kurzen Abstecher zu machen, und schickt ein Shuttle mit Spock, McCoy, Chekov und drei Sicherheitsleuten auf den Planeten, noch bevor das fremde Signal entschlüsselt ist. Wie sich herausstellt, handelt es sich um eine Warnung, doch da ist das Shuttle bereits in einer lebensfeindlichen Umgebung abgestürzt.

Der Planet ist in einen leicht entzündlichen Nebel eingehüllt und wird von sechsbeinigen Riesenblutegeln bewohnt, die alsbald Jagd auf die Shuttlecrew machen. Das Shuttle selbst ist in einem Moor versunken und Spock wurde beim Absturz schwer verwundet. Ihn greifen die Kreaturen jedoch nicht an, weil sein kupferhaltiges Blut ihnen nicht schmeckt. Nachdem zwei der Sicherheitsleute dran glauben mussten, avanciert Spocks Blut zur einzigen funktionierenden Waffe, doch der Vorrat ist begrenzt. Es wird ein harter Kampf ums Überleben, bis Kirk und Saavik mit einem zweiten Shuttle zur Rettung eilen.

Soweit die simpel gestrickte Handlung. Schon der Einstieg ist etwas holprig. Diplomatische Missionen, bei denen etwas dazwischen kommt und Kirk die Passagiere hinhalten muss, gibt es bereits zu Hauf. Warum ausgerechnet Botschafter stets so unbeliebt sind, ist nicht zu begreifen. Irgendwie scheinen alle Autoren was gegen Diplomaten zu haben. Dabei ist deren Mission durchaus wichtig, doch deren Erfolg wird nicht nur auf Spiel gesetzt, sondern spielt im weiteren Handlungsverlauf überhaupt keine Rolle mehr. Im Prinzip hätte die Enterprise auch auf einem Patrouillenflug sein können.

Kirks Entscheidung für den Abstecher wäre vielleicht noch nachvollziehbar gewesen, wenn es sich zweifelsfrei um einen Notruf gehandelt hätte, doch er gefährdet seine eigentliche Mission wegen seines Forscherdrangs. Den hätte er auch auf dem Rückflug befriedigen können. Aber damit nicht genug, er gefährdet auch das Leben eines Außenteams, weil er nicht abwarten kann, bis Uhura den Funkspruch übersetzt hat. Dann wäre klar gewesen, dass man besser keinen Fuß auf den Planeten setzen sollte. Ein ähnliches Ergebnis hätte zudem eine Sonde liefern können, doch stattdessen schickt Kirk gleich ein Außenteam runter. Ein derartiges Vorgehen ist komplett unlogisch, weshalb es überrascht, dass ausgerechnet Spock sich darauf einlässt.

Offenkundig macht sich auch niemand die Mühe, die Atmosphäre des Planeten vorab zu scannen, sonst hätte die Shuttlecrew ja wissen müssen, dass sie leicht entzündlich ist. Oder sind die Sensoren der Enterprise dermaßen schlecht? Jedenfalls legt Spock eine Bruchlandung hin, bei der wie durch ein Wunder nur er durch einen Splitter der Frontscheibe verletzt wird. Die Frage, seit wann transparentes Aluminium so zerbrechlich ist, stellt man besser gar nicht erst. Spocks Verletzung ist ohnehin nur der Aufhänger für die Lösung, wie man die Riesenblutegel davon abhält, das gesamte Außenteam zu fressen.

Zwei Sicherheitsleute müssen zuvor dennoch dran glauben, wobei der zweite bei der Beerdigung des Ersten ins Gras beißt. Übrigens tragen in dieser Ära alle rote Uniformen, weshalb potentiell nur die Hauptcharaktere von einem frühzeitigen Tod ausgenommen sind, da sie im sechsten Kinofilm alle noch am Leben sind. Das nimmt der schweren Verwundung von Spock sogleich jede Dramatik, da klar ist, dass er überleben muss. Ganz egal, wie sehr er Dr. McCoy darum anbettelt, ihn wie ein Vampir auszusaugen, um die Blutegel auf Distanz zu halten.

Hier ergeben sich gleich die nächsten himmelschreienden Logiklöcher. Zum einen könnten die vier menschlichen Mitglieder des Außenteams Spocks Blut als eine Art Deo benutzen und sich selbst damit einsprühen, um für die Blutegel unattraktiv zu werden. Stattdessen sprühen sie die wertvolle Ressource direkt in die Mäuler der angreifenden Bestien. Diese wiederum lassen sich nicht abschrecken und greifen immer häufiger an, obwohl sich die Shuttlecrew inzwischen neben einer Lagune befindet, in der eine Herde der heimischen Hauptbeute grast. Es besteht also kein Mangel an wesentlich leichteren Opfern. Das Verhalten der Raubtiere ist nicht nachvollziehbar.

Jedenfalls schafft es das Außenteam nicht zur Quelle des fremden Signals, was die Suche der Rettungsmannschaft erschwert. Die einzige Hoffnung ist Saavik, die eine mentale Verbindung zu Spock hat und das Außenteam damit aufspüren kann. Diese Verbindung hält sie außerdem davon ab, die Schilde des eigenen Shuttles zu aktivieren, was dieses ebenfalls hätte abstürzen lassen. Reibungshitze bei Atmosphäreneintritt scheint selbige hingegen nicht zu entzünden. Seltsam! Ebenso seltsam wie Spocks wundersame Genesung zurück an Bord der Enterprise. Obwohl kein geeigneter Blutspender an Bord ist und McCoy lediglich Spocks eigene Blutbildung anregen kann, sitzt der eben noch Halbtote nach nur wenigen Minuten schon wieder putzmunter an der Bettkante.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Survival-Story vielleicht funktioniert hätte, wenn sie anders aufgezogen worden wäre. Immerhin: Die Fauna des Planeten ist durchaus interessant, auch wenn die Umgebung etwas an die Star Wars-Welt Dagobah erinnert. Es sind jedoch die schlichtweg unglaubwürdigen Rahmenumstände und Kirks haarsträubend unlogische Entscheidungen, welche jegliches Potential der Story ruinieren. Im Ergebnis sterben zwei Sicherheitskräfte einen völlig sinnlosen Tod. Doch weder das noch die Gefährdung der diplomatischen Mission haben irgendwelche Konsequenzen für Kirk, der ja kurz zuvor erst zum Captain degradiert wurde.

Der Stoff, aus dem die Träume sind

Die zweite Geschichte stammt von James Swallow und greift den Nexus erneut auf, dessen Kurs sich durch das Eingreifen von Dr. Soran verändert hat. Aufgrund der neuen Flugbahn wird der Nexus nunmehr in weniger als einem Monat in das Gebiet der Kinshaya eindringen. Diese aggressive Spezies gehört dem feindlichen Typhon-Pakt an und könnte das Energieband missbrauchen, um die Zeitlinie zu manipulieren. Oder schlimmer noch, die religiösen Fundamentalisten der Kinshaya, die ihre Macht eingebüßt haben, könnten die gemäßigte Regierung stürzen und ihre theokratische Diktatur wiederherstellen.

Das Forschungsschiff Newton, welches den Nexus schon eine Weile begleitet, hat den Auftrag, derartige Szenarien um jeden Preis zu verhindern. Die Enterprise soll dabei assistieren. Allerdings ist Captain Picard wenig davon begeistert, dass Captain Bryant den Nexus zerstören will, da die Zeit fehlt, nach Methoden zu suchen, ihn umzulenken oder zu versiegeln. Beim ersten Versuch kommt es zu einem katastrophalen Feedbackeffekt, durch den die U.S.S. Newton schwer beschädigt wird und einige Crewmitglieder, einschließlich Bryant, den Tod finden.

Bei der Fehlersuche stoßen Picard und sein Erster Offizier Worf auf Anzeichen von Sabotage, und es beginnt eine Jagd auf den Verantwortlichen. Tatsächlich stoßen die beiden auf einen getarnten orionischen Agenten, der jedoch jede Schuld an dem Vorfall von sich weist. Nach dessen Auffliegen tauchen mehrere Kreuzer der Kinshaya-Fundamentalisten auf, die seine Herausgabe fordern. Und als wäre das noch nicht genug, stiehlt Dr. Kolb ein Runabout aus dem Shuttlehangar der Newton, um sich in den Nexus zu begeben. Picard folgt seinem alten Freund, der als Wissenschaftler auf dem Forschungsschiff der Nebula-Klasse diente, um ihn von seinem Vorhaben abzuhalten. Doch schlussendlich liefert Kolb die nötigen Daten, um den Nexus zu versiegeln und die Situation zu retten.

Soweit die Handlung in groben Zügen. An und für sich ist sie spannend erzählt und stellt die Föderation vor ein interessantes Dilemma. Ist es gerechtfertigt, ein einmaliges Phänomen zu vernichten, damit es nicht den Feinden der Föderation in die Hände fällt? Einen Stern zu opfern, um den Nexus umzulenken, kommt natürlich noch weniger infrage. Und für alle anderen Optionen scheint die Zeit zu knapp.

Was bei diesem Dilemma leider völlig außer acht gelassen wird, ist die Natur des Nexus. Das Energieband scheint lediglich ein Portal in eine andere Dimension zu sein, die große Übereinstimmungen mit den Schilderungen von Nahtoderfahrungen hat. Eine ganze Dimension zu zerstören, die in sich zeitlos und damit ewig ist, erscheint unmöglich. Maximal ließe sich der Zugang zu selbiger versperren.

Weiterhin stellt sich die Frage, inwiefern es überhaupt Sinn macht, den Kinshaya den Zugang zu verwehren. Zwar könnten sie über ihren orionischen Agenten über die Möglichkeiten des Energiebandes informiert worden sein, doch wie Picard einst feststellen musste, würde ihnen dort das materielle Universum unwichtig erscheinen und sie würden in einer Illusion dessen leben, was sie sich erträumt haben. Picard und Kirk haben den Nexus nur aufgrund ihres Pflichtgefühls gegenüber der Rettung von Millionen Lebewesen verlassen. Die Kinshaya scheinen dagegen keinerlei Idealismus zu besitzen und ihre egozentrischen Triebe würde der Nexus in jeder Hinsicht befriedigen.

Nun schafft es Picard aber, den Nexus zu versiegeln, wobei sich die Messdaten, die er von seinem alten Freund Dr. Kolb im Nexus überreicht bekommen hat, als hilfreich erweisen. Warum wollte er den styrisianischen Wissenschaftler überhaupt davon abhalten, in den Nexus zu fliegen? Vor dem Tod hätte er ihn nicht retten müssen und davon, dass Kolb den Nexus mit sinisteren Absichten betreten haben könnte, ist Picard selbst nicht überzeugt. Es ist eher Zufall, dass sich Picards Anwesenheit im Nexus als hilfreich erweist.

Dort trifft der Captain erst einmal auf ein Abbild von Dr. Soran, das sich als weitaus freundlicher erweist, als der verbitterte El Aurianer, der einst Millionen Lebewesen opferte, um selbst in den Nexus zu gelangen. Allerdings müsste es sich um genau diesen Soran handeln und mitnichten um ein Echo wie damals bei Guinan. Im Gegensatz zu Guinan hat Soran den Nexus nämlich nie verlassen, sondern lediglich Picard und Kirk. Die beiden Captains haben damit eine alternative Zeitlinie erschaffen, in der sie das Veridian-System gerettet und Dr. Soran getötet haben. Der Soran im Nexus müsste folgerichtig eine reale Person aus der ursprünglichen Zeitlinie sein.

Für den nächsten Logikfehler sorgt Dr. Kolb, der zu allem Überfluss ein fader Abklatsch von Dr. Soran ist. Wie Picard nämlich erfährt, ist Kolbs Familie ebenfalls bei einem Borgangriff ums Leben gekommen, weshalb er alles daran gesetzt hat, in die Nähe des Nexus zu gelangen, in der Hoffnung, seine Lieben dort wiederzusehen. Auf seinem Weg hat er die Newton sabotiert und dadurch Unschuldige getötet. Im Gegensatz zu Soran zwar unabsichtlich, dennoch werden hier dieselben Muster abgearbeitet. Warum Kolb nicht eher ein Runabout geklaut hat, um sich in den Nexus abzusetzen, bleibt schleierhaft. Und nur so nebenbei hätte auch Soran seinerzeit einfach mit einem Shuttle in das Energieband fliegen können, statt ein ganzes Sternensystem zu zerstören. Ist doch egal, wenn das Schiff dabei zerstört wird, man stirbt ja nicht, sondern wird in den Nexus transzendiert. So war es bei den El Aurianern und ebenso bei Kirk.

Von einem der größten Logikfehler aus Treffen der Generationen zurück zu den größten Logikfehlern von Der Stoff, aus dem die Träume sind. Zum einen wäre das Kolbs Entscheidung, sich vom Nexus zu seiner Familie schicken zu lassen. Allerdings nicht einen Tag vor dem Borgangriff, um sie zu retten, sondern lediglich eine Minute vor dem fatalen Ereignis, um gemeinsam mit seinen Lieben zu sterben. Okay, vielleicht wollte er eine Veränderung der Zeitlinie verhindern, was noch irgendwie nachvollziehbar gewesen wäre. Wenn da nicht der zweite große Logikfehler wäre!

Eigentlich hätte Dr. Kolbs Opfer eine sich selbst erfüllende Prophezeiung sein sollen. Sprich, es war schon immer vorherbestimmt, dass er in der Zeit zurück reist und mit seiner Familie stirbt. Da die Borg keine Leichen hinterlassen haben, könnte die Zeitlinie also durchaus intakt bleiben. Stattdessen hat sich Kolb komplett aus der Zeitlinie gelöscht und einzig Picard kann sich bei seiner Rückkehr aus dem Nexus noch erinnern, dass der Styrisianer Teil der Newton-Crew war. Und da Kolb nie da war, gab es auch keine Sabotage und Captain Bryant lebt noch.

Das ergibt alles überhaupt keinen Sinn! Es war doch nicht der Dr. Kolb aus der Vergangenheit, der vom Nexus zu seiner Familie geschickt wurde, um mit selbiger zu sterben. Es war der Kolb aus der Gegenwart! Wie kann der jetzt schon seit Jahren tot sein? Statt einem geschlossenen Kreis gibt es ein Paradoxon, das absolut unlogisch ist. Es gab doch während des Borgangriffs zwei Versionen von Dr. Kolb. Die eine aus der damaligen Gegenwart, die seine Familie nicht begleitet hat, und das zukünftige Ich, das durch den Nexus in der Zeit zurückgereist ist.

Offenkundig hat der Autor hier gepennt oder er hat keine Ahnung von Zeitreisen. Dieser Denkfehler zerlegt die Geschichte komplett! Dabei hat James Swallow an anderen Stellen durchaus darauf geachtet, sich in keine inhaltlichen Widersprüche zu verstricken. Unter anderem hätte Captain Bryants Nummer 1 Commander Rhonu als Betazoidin den orionischen Spion eigentlich enttarnen müssen, was dadurch erklärt wird, dass dieser ihre Gegenwart stets gemieden hat. Es geht doch also mit der Logik!

Was bleibt am Ende, außer einiger verpasster Chancen und einer haarsträubenden Auflösung? Immerhin ein paar Einblicke in die Kultur der Kinshaya, die wirklich ätzend daher kommen. Es gibt im gesamten Star Trek-Universum keine herablassendere Spezies, welche die Versklavung anderer Völker mit religiösem Fundamentalismus rechtfertigt. Obwohl die Fundamentalisten aktuell gar nicht an der Macht sind und sich die Enterprise sowie die Newton in unbeanspruchtem Weltraum befinden, erklärt die Bischöfin der Fundamentalistenflotte das Gebiet kurzerhand für Kinshaya-Raum und den Nexus folgerichtig zu einem heiligen Objekt ihres Schöpfergottes.

Picard hat sichtlich Schwierigkeiten, mit seiner ruhigen Diplomatie gegen die Arroganz der Kinshaya anzukommen. Schon bei der ersten Begegnung wird er als „wertlose Kreatur“ und Schlimmeres beschimpft, wobei ihm gleich noch jede Existenzberechtigung abgesprochen wird. Seine völlig neutrale Bitte an die Kinshaya, sich zu identifizieren, zieht weitere Herabwürdigungen nach sich, denn sein Gegenüber hält ihn für unwürdig, ihren Namen zu erfahren, geschweige denn ihn auszusprechen. Als Picard die Anführerin bei einem späteren Kontakt respektvoll mit ihrem Titel anspricht, echauffiert sie sich sogleich darüber, dass er diesen ohne ihre Erlaubnis ausspricht, und droht damit, ihn auszuweiden und seine Überreste an ihre Nestlinge zu verfüttern.

Der Autor scheint hier sichtlich Vergnügen daran zu finden, mal so richtig vom Leder zu ziehen. Allerdings scheinen die Kinshaya absolute Maulhelden zu sein. Den Drohungen folgen, abgesehen von ein paar Warnschüssen, keine Taten. Im Gegenteil drängt die Kommandantin immer wieder darauf, dass sich die Sternenflottenschiffe in den Föderationsraum zurückziehen. Das ist ziemlich inkonsequent und vermittelt den Eindruck, die Kinshaya hätten lediglich ein perverses Vergnügen daran, Vertreter anderer Völker zu beleidigen. So sind bereits die Tellariten drauf, nur sind die nicht ganz so fies. Alles in allem wird hier das Potential für eine glaubwürdige Bedrohung verspielt.

Abwesende Feinde

Den Abschluss des Bandes bildet eine Kurzgeschichte von John Jackson Miller um die U.S.S. Titan, die allerdings nicht länger von Riker kommandiert wird. Der ist inzwischen zum Admiral befördert worden und auf dem Stuhl des Captains hat seine einstige Nummer 1 Christine Vale Platz genommen. Die spielt hier nur eine Nebenrolle, was dem Titel des Sammelbandes nicht ganz gerecht wird. Im Zentrum stehen nämlich der Admiral und der neue Erste Offizier Tuvok.

Diese beiden gehören, neben Deanna Troi und der Kryptolinguistin Ensign Modan, zum Außenteam, welches auf die unwirtliche Welt Garadius IV herunter beamt. Riker hat diese Welt bereits 17 Jahre zuvor gemeinsam mit Captain Picard und Lt. LaForge besucht, um einerseits die Atmosphärenumwandler sowie weitere lebenswichtige Infrastruktur zu warten und andererseits zwischen den verfeindeten Spezies der Ekorr und Baladonier zu vermitteln, die beide Anspruch auf die einzig bewohnbare Insel des sonst lebensfeindlichen Planeten erheben. Dieser wurde über ein Jahrhundert zuvor schon von den Vulkaniern kolonisiert, jedoch schnell wieder aufgegeben.

Die Ekorr wollen Garadius IV nicht aufgeben, da ihre Heimatwelt zerstört wurde und sie die neue Welt inzwischen als heilig betrachten. Ein vulkanisches Gebäude haben sie gar in einen Tempel umgewandelt, in dem sie einen gewaltigen Amboss anbeten. Die Baladonier sind ihrerseits Ausgestoßene und hätten die Welt gerne für sich allein. Bei ihnen handelt es sich um einen Nebenzweig der Lurianer, der Spezies, der auch Morn angehört. Picard meint beiläufig, dass dieser ihm einst ein paar interessante Geschichten erzählt habe, womit hier der Running Gag um den schweigsamen Morn bedient wird, der angeblich äußerst geschwätzig sein soll.

Jedenfalls bekämpfen sich die beiden Spezies bis aufs Blut, wobei die Ekorr für die Baladoniern lediglich Luft sind. Die Baladonier leugnen gar die Existenz ihrer Feinde, obwohl sie gegen sie Krieg führen. Als Riker 17 Jahre später zurückkehrt, da die Ekorr erneut um Hilfe bei der Wartung sämtlicher lebenserhaltener Anlagen bitten, haben sich selbige bei seiner Ankunft tatsächlich in Luft aufgelöst. Zunächst vermutet er einen Genozid durch die Baladonier, deren Anführer Jekoh inzwischen mit den Breen paktiert und das Außenteam in eine Zelle sperren lässt.

Im Kerker findet das Team ein Armband der Ekorr, durch welches Tuvok in der Phase verschoben wird. Auf diesem Weg findet der Erste Offizier heraus, dass die Ekorr gar nicht tot, sondern komplett phasenverschoben sind. So können sie mit den Baladoniern koexistieren, ohne ihnen ins Gehege zu kommen. Doch mit diesem Wissen wollen sie den Vulkanier nicht davonkommen lassen. Nur mit knapper Not kann er entkommen, wobei er eine Verfolgerin überrumpeln und sich mit ihrem Anyonen-Armband in die normale Realitätsebene zurückversetzen kann.

Während die Baladonier Zeuge werden, dass die Breen ihr Problem mit den Ekorr gar nicht dauerhaft gelöst haben, sondern sich ihre Todfeinde unbemerkt unter ihnen bewegen, bekommt es die Titan mit einer Breen-Flotte zu tun. Captain Vale gelingt es, zwei von drei Landungsschiffen abzuschießen. Der große Kreuzer zerschellt derweil an der äußeren Atmosphäre, was ein wenig zu einfach ist. Die Breen müssen schon absolut unfähige Piloten haben, dass sie sich derart ausmanövrieren lassen.

Zum Glück ist dies der einzige Schwachpunkt in der Geschichte. Die Auflösung ist dann wieder rundum gelungen. Denn weder die Ekorr noch die Baladonier haben ihren Hass aufeinander je überwunden. Die Lösung, die ihnen die Breen angeboten haben, war nur eine Illusion und kein Ersatz für Diplomatie. Der inzwischen erblindete Jakoh muss das spätestens erkennen, als er davon erfährt, dass die Ekorr die Wasservorräte der Baladonier mit tödlichen Bakterien verseucht haben. Die Baladonier haben ihrerseits eine verheerende Bombe scharf gemacht, die sie phasenverschoben gegen die Ekorr einsetzen wollen.

Riker kann die verfeindeten Parteien von ihrem Vorhaben der gegenseitigen Auslöschung abhalten, indem er einerseits Jakoh darauf hinweist, dass die Ekorr seinen Plan mit der Bombe längst registriert haben und selbige mit einem Anyonenimpuls sofort zurückversetzen könnten, womit sich die Baladonier letztendlich selbst auslöschen würden. Deren Kontrahent Zorrayn droht Riker hingegen, sein Volk mit einem Anyonenimpuls von der Titan wieder sichtbar zu machen und natürlich hat er deren biologische Waffe längst neutralisieren lassen. Außerdem macht er den Ekorr weis, dass phasenverschobene Materie explodieren könne, wenn ihre Masse zu groß werde. Dieser Bluff richtet sich aber insgeheim gegen die Breen, damit diese von ihrer Phasenverschiebungstechnologie ablassen.

Am Ende erkennen die Ekorr und Baladonier, dass die Breen sie gegeneinander ausgespielt haben und den Planeten nach ihrer gegenseitigen Auslöschung für sich beanspruchen wollten. Der gemeinsame Feind verbindet sie zumindest so weit, dass sie ihre Energie künftig in den Wiederaufbau statt in den Krieg stecken. Dem Breen Thot Roje bleibt indes nur noch die Flucht.

Die Geschichte verbindet hier zwei Erzählungen. Da wäre einerseits die diplomatische Mission, die nach über 90 Jahren Krieg endlich mit einem relativen Frieden endet. Das erinnert an einen gewissen irdischen Konflikt, bei dem die beiden verfeindeten Parteien sich gegenseitig auszulöschen drohen. Vielleicht sollten die auch mal darüber nachdenken, ob es nicht einen lachenden Dritten gibt und sei es die Rüstungsindustrie. In Abwesende Feinde geht jedenfalls am Ende alles gut aus.

Die zweite Erzählung dreht sich um die Technologie der Phasenverschiebung, welche für Riker ein unangenehmes Kapitel darstellt. Immerhin war er unter seinem einstigen Captain Pressman an einem illegalen Experiment mit dieser Tarntechnologie beteiligt, welche der restlichen Crew der U.S.S. Pegasus das Leben kostete. Später wurden Geordi LaForge und Ro Laren in der Phase verschoben, als die Enterprise-D einem romulanischen Forschungsschiff zu Hilfe eilte, welches eine ähnliche Technologie testete.

Der Autor geht hier recht selbstironisch an die Sache heran, indem er die Logiklücken der TNG-Episode So nah und doch so fern aufarbeitet. Unter anderem wird die Frage aufgeworfen, warum LaForge und Ro zwar durch Wände gehen konnten, aber nicht durch den Boden gefallen sind. Außerdem hätten sie durch die Bewegung des Schiffes ins All befördert werden müssen, da nicht nur sie durch die Wände gehen, sondern ebenso die Enterprise durch sie hindurch gleiten müsste. Der Erklärungsversuch dafür geht in Richtung Gravitation, die auch phasenverschobene Materie bindet. Das erklärt allerdings immer noch nicht, welche Luft LaForge und Ro geatmet haben, denn die wurde schließlich nicht mit phasenverschoben.

Die Selbstironie wird aber noch besser. So wird das Armband der Ekorr mit dem Ring aus Der Herr der Ringe verglichen, der seinen Träger ebenfalls unsichtbar macht. Um an den Gegenstand zu kommen, muss ein Zylinder geöffnet werden und dazu muss Ensign Modan Schriftzeichen deuten, welche sie ebenfalls an Der Herr der Ringe erinnern. Die irdische Literatur wurde ihr einst von ihrem Lehrer empfohlen, um sich in der Kunstsprache Elbisch zu üben. Darauf folgt der Satz: „Er war der Ansicht, wenn man eine Kunstsprache lernen kann, ist Klingonisch plötzlich einfach.“

Neben der spannenden Handlung ist es vor allem diese Art von Humor, wegen der die Geschichte richtig Spaß macht. Diese funktioniert zwar in sich ganz gut, wobei etwas Vorwissen aus den Titan-Romanen und der Typhon Pakt-Reihe allerdings nicht schaden kann. Immerhin bekommt man es hier mit einer völlig neuen Crew sowie neuen politischen Gegebenheiten zu tun.

Fazit: Von 3 Captains gewinnt der Admiral

Von den drei Geschichten kann leider nur eine überzeugen und die dreht sich nicht mal um einen Captain. Miasma hat außer einer bizarren Planetenfauna so gut wie nichts zu bieten. Kirk schickt sein Außenteam völlig sinnlos in den Tod und schneidet damit als Captain am schlechtesten ab. Der Stoff, aus dem die Träume sind hat zwar durchaus Potential, verliert sich jedoch in einem schwarzen Logikloch, das alles verschlingt. Picard hätte Besseres verdient. Erst Abwesende Feinde macht den Kauf dann doch lohnenswert und kaschiert die Logiklöcher der TNG-Episode, auf der die Geschichte aufbaut, mit einer guten Portion Selbstironie. Riker hat hier die beste Mission erhalten, auch wenn sie ihm sichtlich keinen Spaß macht.

Hier findet ihr die Rezension von Götz.

Info

Autoren: Greg Cox, James Swallow & John Jackson Miller
Titel: 3 Captains, 3 Geschichten
Verlag: Cross Cult
Erschienen: 22. 10. 2019
Einband: Taschenbuch
Seiten: 384
ISBN: 9783959813846
Sonstige Informationen: Produktseite

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