Frank Castles Rückkehr in eine eigenes Show löst leider nicht Begeisterungsstürme hervor.
Ein verspäteter Start
Daredevil: Born Again bot über zwei Seasons die Rückkehr vieler bekannter Figuren, vor allem aus den ehemaligen Netflix-Serien. Dazu gehörte auch Jon Bernthal, der in der ersten Staffel wieder seine Rolle als Frank Castle, der Punisher, aufnahm. Wobei es dazu beinahe nicht kam.
Denn als die Serie konzipiert wurde, war der Schauspieler mit der Darstellung seiner Figur nicht einverstanden und verließ die Produktion. Erst, als die Streamingserie von Grund auf neu konzipiert und der Produzent und Drehbuchautor der Punisher-Serien Dario Scardapane eingestellt wurde, wollte der Darsteller zurückkehren. Denn dieses Mal hatte er Einfluss darauf, wie seine Figur dargestellt werden sollte.
Während der Dreharbeiten zur ersten Staffel entwarf Jon Bernthal die Idee eines Specials, basierend auf seiner Figur. Marvel Studios sah sich danach einige seiner früheren Drehbücher an und wiesen ihn schließlich an, die Idee vorzuschlagen, was er dann auch machte. Für ihn war das eine große Herausforderung, weil er meinte, dass man ihn für jeden Schritt der Produktion verantwortlich machte und er sich dies verdienen wollte. Reinaldo Marcus Green, der bereits mit dem Schauspieler in We Own the City zusammengearbeitet hatte, wurde zum Regisseur und Co-Drehbuchautor. Im März 2026 wurde schließlich angekündigt, dass das Projekt als The Punisher: One Last Kill unter dem Banner Marvel’s Special Presentations auf Disney+ herauskommen würde.
Bekannte Namen
Der Cast blieb überschaubar. Jon Bernthal, Deborah Ann Woll und Jason R. Moore sollten ihre Rollen als Frank Castle, Karen Page und Curtis Hoyle wieder aufnehmen. Neues Mitglied des Maincasts sollte Judith Light (Wer ist hier der Boss?) werden, die „Ma“ Gnucci darstellen sollte. Sie ist das letzte noch lebende Mitglied der Gnucci Verbrechensfamilie, deren Mann und Söhne alle von Frank Castle getötet wurden.
Frank Castle lebt zurückgezogen in einem Appartmentgebäude. Er leidet unter Halluzinationen ehemaliger Freunde und seiner toten Familie und überlegt sogar, Selbstmord zu begehen. Denn er hat kein Ziel mehr, er hat all diejenigen umgebracht, die für den Tod seiner Familie verantwortlich waren.
Derweil bricht um ihn herum das Chaos heraus. Da er kurz zuvor die Mitglieder der Gnucci-Familie umgebracht hat, setzt deren Matriarchin „Ma“ Gnucci ein Kopfgeld auf ihn aus. Zunächst kümmert dies Frank nicht. Bis die Leute das Gebäude angreifen, wo er wohnt. Und damit auch Unschuldige gefährden.
Sich selbst ein Bein gestellt
Ich hatte vieles von dem Special erwartet. Aber nicht das, was ich am Ende bekommen hatte. Es ist zwar schön, dass Marvel Studios dieses Format wiederbelebt. Doch hat man das Gefühl, dass man damit der Rückkehr des Punishers ein Bein gestellt hat.
Genauer gesagt entsteht im Laufe des Specials immer mehr der Eindruck, dass hier Drehbücher einer potenziellen dritten The Punisher-Staffel genommen wurden. Und dann halbwegs passend zu einem neuen Skript zusammengestellt wurde. Wobei man trotzdem immer wieder merkt, dass es hier Elemente und Plots gibt, die wie abgebrochen wirken, ohne sich wirklich bis zum Ende entwickeln zu können.
Das merkt man vor allem an „Ma“ Gnucci. Die einfach so auftaucht, eine große Rede hält, ihren Plan verkündet und anschließend wieder mit ihrem Gehilfen verschwindet. Die ganze Rede, die sie dabei hält, wirkt überlang und hätte gut und gerne gekürzt werden können. Vermutlich hätte sie außerdem besser gewirkt, wenn hier nicht versucht wurde, mit dem Holzhammer ihre Motivation Frank Castle zu jagen, klar zu machen. Oder man sich allgemein mehr Mühe mit der Figur, abseits von zwei großen Auftritten gemacht hätte. Noch dazu, dass ihr Schicksal am Ende offen bleibt.
Eine schwierige Darstellung
Das Gleiche gilt auch für den Auftritt von Curtis Hoyle. Der einfach so als Halluzination Franks erscheint und dann wieder verschwindet. Angesichts der Bedeutung, die er in den Serien zuvor hatte, wäre es besser gewesen, wenn er mehr Auftritte, mehr Szenen gekriegt hätte. Oder man hätte ihn gleich weggelassen.
Besser ist da der Auftritt von Karen Page geworden. Sie gibt die Stimme der Vernunft, die Frank klar macht, dass so, wie er sich zuletzt aufgeführt hat, es nicht weitergeht. Und dass es immer noch Leute gibt, die auf ihn angewiesen sind. Am Ende kommt es sogar fast zu einem Kuss, ehe sie wieder verschwindet. Weil auch sie nur eine Halluzination gewesen ist.
Die Darstellung von Frank Castle selbst ist schwierig. Man ist es ja gewohnt, dass er emotional angeschlagen ist. Dass er im Prinzip nur dann lebendig wird, wenn er das Verbrechen bekämpfen oder Unschuldige beschützen kann. Aber dass sein Kopf zu Beginn des Specials so tief in seinem eigenen Arsch steckt, dass er sich so stark in Selbstmitleid suhlt, dass es ihm egal ist, was um ihn herum passiert, das ist schon sein starkes Stück. Und es passt auch einfach nicht zu der Figur.
Wenn die Action anfängt…
Immerhin berappelt sich das Special, ab dem Moment, wo Frank seine Halluzination von Karen Page hat. Ab dem Moment dreht es richtig auf. Weil dann auch die eigentliche Action los geht.
Die, wie es sich für The Punisher gehört, ziemlich blutig und brutal ausfällt. Man sieht hier über mehrere Minuten, wie Frank auf die eine oder andere Art die diversen Gangster und Mörder ausschaltet, sich deren Waffen bedient und dabei auch ordentlich einsteckt. Ehe er am Ende eine, ziemlich aufgesetzt wirkende Entscheidung treffen muss.
Leider gibt es hier eine sehr schlechte CGI-Sequenz zu „bewundern“. Wo man sieht, wie ein deutlich am Computer erstellter Frank von einem hohen Dach fällt. Eigentlich dachte ich, dass Marvel diese katastrophalen Computereffekte im Griff gekriegt hat. Aber das scheint nicht der Fall zu sein.
Am Ende ist dieses Special jetzt keine Riesenenttäuschung, wie es beispielsweise Quantumania oder Secret Invasion war. Aber es schafft auch nicht an Daredevil: Born Again oder Agatha All Along anzuknöpfen. Es ist unterm Strich mittelmäßige Unterhaltung.
Info
Regie: Reinaldo Marcus Green
Drehbuch: Jon Bernthal, Dario Scardapane
Produktion: David Chambers
Musik: Kris Bowers
Kamera: Robert Elswit
Schnitt: Melissa Lawson Cheung
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