Dieser Film sollte der nächste große Wurf von Kevin Costner werden. Doch am Ende ging er eher als großer Flop in die Kinogeschichte ein.
Inhalt
Hunderte von Jahren in der Zukunft: Sämtliche Landmassen der Welt sind durch das schmelzen der Polkappen in Folge des Klimawandels überflutet. Die Überlebenden fristen ein eher trostloses Dasein auf künstlich angelegten Atollen oder alten Schiffswracks. Bedroht werden sie von den Smokers, einer Piratenbande unter der Führung des finsteren Deacon. Der Mariner, ein mutierter Mensch, der unter Wasser atmen kann, durchstreift diese Welt einsam auf seinem Trimaran und handelt mit den Schrott, welchen er auf seinen Tauchgängen auf dem Grund des erdumspannenden Ozeans findet. Eines Tages stößt er auf einem der Atolle auf die junge Helen und deren Adoptivtochter Enola, die eine geheimnisvolle Karte auf ihren Rücken tätowiert hat. Diese soll den Weg zu dem sagenumwobenen Dryland weisen, den einzigen noch trockenen Flecken Erde auf der Welt. Nachdem Helen ihm das Leben gerettet hat, nimmt der Mariner sie und Enola unter seine Fittiche. Immer auf der Flucht vor den Smokers hoffen sie Dryland noch vor diesen zu finden…
Rezension
Nachdem Kevin Costner 1990 mit Der mit dem Wolf tanzt ein modernes Meisterwerk des eigentlich schon längst tot geglaubten Westerngenres und 1993 mit Robin Hood – König der Diebe eine frische und höchst erfolgreiche Neuinterpretation über das Leben des berühmten englischen Volkshelden in die Kinos brachte, wurde er zu einem der größten Superstars Hollywoods, dem sämtliche Türen offen standen. So machte er sich 1995 daran mit seinem Robin Hood Regisseur Kevin Reynolds ein weiteres Herzensprojekt in Angriff zu nehmen, mit welchem er an seine beiden vorherigen Erfolge anknüpfen wollte. Mit dem Endzeitepos Waterworld wollte das kreative Gespann in ganz neue Dimensionen vorstoßen, denn es sollte die erste Großproduktion werden, die zur Gänze auf dem Meer gedreht wurde. Dies erforderte eine enorme Logistik, die die Kosten des Films, welche ursprünglich auf „nur“ hundert Millionen US-Dollar veranschlagt waren, massiv in die Höhe trieben. Dies war vor allem der Tatsache zu verdanken, dass die Dreharbeiten alles andere als reibungslos verliefen. Das wechselhafte Wetter machte die Arbeit für das Team zu einer echten Herausforderung, ein Set versank sogar im Meer und musste mit großem Aufwand wieder geborgen werden. All dies führte dazu, dass das Budget schließlich auf 175 Millionen Dollar anwuchs. Zu allem Überfluss führten die strapaziösen Dreharbeiten auch zum Zerwürfnis zwischen Kevin Costner und Kevin Reynolds, weswegen der Regisseur aus dem Projekt ausstieg und Costner selbst die Nachproduktion überwachte.
Bei alldem fragt man sich natürlich: War das Endergebnis das alles wert? Die ehrliche Antwort muss wohl Nein lauten. Waterworld ist in erster Linie das Ergebnis eines grandiosen Scheiterns, welches Costners Karriere stark schadete. Das überambitionierte Projekt leidet neben seinen Drehbuchschwächen und seiner eher lahmen Dramaturgie auch an einigen fragwürdigen Entscheidungen. Dies beginnt bei der Besetzung: Costner spielt hier einen wortkargen Einzelgänger, der nur sich selbst der Nächste ist und sich – zumindest Anfangs – nicht im Geringsten für das Wohlergehen seiner Mitmenschen interessiert. Und genau für eine solche Rolle ist der Schauspieler eine ziemliche Fehlbesetzung. Es ist wirklich schwierig den netten Herrn Costner seine Gemeinheit abzunehmen, da ein solcher Charakter so gar nicht zu seinem bisherigen Portofilio passt. Interessant an seiner Figur ist jedoch die Entwicklung, die sie im Lauf des Films durchläuft. Nach und nach bekommt seine raubeinige Schale Risse, vor allem die kleine Enola schafft es in ihm väterliche Gefühle wachzurütteln. Nicht nur hier erinnert Waterworld an klassische Western, wie zum Beispiel den Klassiker Mein großer Freund Shane von George Stevens, in dem der Titelheld eine ganz ähnliche Wandel durchlebt.
Und auch der Antagonist Deacon erinnert von seiner Figurenzeichnung her an den typischen, nur nach materiellen Gewinn strebenden Westernschurken. Allerdings muss man hier wieder kritisieren, dass sowohl Deacon selbst, als auch seine schurkischen Gefolgsleute hemmungslos überzeichnet sind. Zwar wirken sie in ihrer gewissenlosen Brutalität durchaus bedrohlich, aber so richtig Angst bekommt man nicht vor ihnen, denn dafür erscheinen sie die ganze Zeit über einfach zu comichaft.
Das größte Ärgernis von Waterworld ist jedoch zweifellos die Tatsache, dass der Film nicht mal versucht einen ökologischen Subtext zu vermitteln. Es hätte sich angeboten eine ernsthafte Warnung vor den Folgen der globalen Erwärmung und auch vor einer seiner Mitursachen, nämlich den entfesselten Kapitalismus, hier verkörpert durch die Smokers, in die Handlung zu integrieren. Doch dies kann schon angesichts der Tatsache, dass der Plot auf einer völlig unrealistischen Prämisse basiert nicht gelingen, denn das geschmolzene Eis der Polkappen würde niemals auch nur annähernd ausreichen um sämtliche Landmassen der Erde zu überfluten.
So ist Waterworld eben doch nicht viel mehr als ein überteuertes B-Movie mit allzu simpler Moral und ohne wirklich frische Ideen, abgesehen natürlich von dem ungewöhnliche Setting, welches als einziges Stilmittel wirklich in Erinnerung bleibt. Man merkt, dass Kevin Costner eher im Western- als im Science-Fiction Genre zuhause ist, denn im Endeffekt lebt der Streifen von der Ausschlachtung der bereits erwähnten, altbekannten Westernmotive: Der namenlose Fremde, der sich auf die Seite von wehrlosen Opfern einer ruchlosen Verbrecherbande stellt, das unschuldige Kind, welches den zunächst skeptischen Helden auf die Seite des Guten zieht, die Suche nach einem wertvollen Schatz, in diesem Fall die Karte zum gelobten Land.
Und auch wie viele Western spart Waterworld nicht mit religiöser Symbolik, denn diese Themen lassen sich in abgewandelter Form auch in der Bibel finden. Aber leider reichen all diese Zutaten trotzdem bei weitem nicht aus, um daraus einen guten Film zu machen. Wenn man Versatzstücke aus der Film- und Literaturgeschichte zusammenmischt, sollte man zumindest versuchen daraus etwas völlig Neues zu erschaffen. Aber man kommt um das Gefühl nicht herum, dass den Machern des Films ausgerechnet hierfür der nötige Ehrgeiz und auch das Talent fehlte. Dieser Eindruck wird auch noch dadurch verstärkt, dass Waterworld über weite Strecken wie ein Quasi-Remake eines anderen bekannten Endzeitklassikers aussieht: Ganz offensichtlich hat man sich nämlich – vom Produktions- und Kostümdesign bis zu den Figuren an Mad Max orientiert, der ironischerweise jedoch in einer komplett wasserlosen Wüstenwelt spielt.
So ist Waterworld nicht viel mehr als ein Mischmasch von bereits Bekannten, in dem Kevin Costner wirkt wie ein Fisch auf den Trockenen. Man merkt einfach, dass ihm das Science-Fiction Genre fremd ist. Wie auch in seinem späteren Genreausflug „Postman“ versuchte er auch hier bereits erfolglos Westernmotive in ein neues Gewand zu packen und dadurch sein Publikum zu erweitern. Doch dieses Vorhaben war wohl von vornherein zum Scheitern verurteilt, denn manche Genres passen einfach nicht zusammen.
Abgesehen von der wirklich grandiosen Musik von James Newton Howard hat Waterworld nichts zu bieten, was ihn zu einem zeitlosen Teil der Popkultur hätte machen können. Dieser Film ist definitiv nicht für die Ewigkeit gemacht, und wollte das wohl auch von Anfang an gar nicht sein. Wer daher ohne große Ansprüche hat wird an dem Werk durchaus seinen Spaß haben, wer aber intelligente Science-Fiction mit Grips erwartet wird eher enttäuscht werden.
Info
Regie: Kevin Reynolds & Kevin Costner
Drehbuch: Peter Rader & David Towhy
Produktion: Kevin Costner, John Davis, Charles Gordon, Lawrence Gordon
Musik: James Newton Howard
Kamera: Dean Semler
Schnitt: Peter Boyle
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