Mit diesem Film wollte sich Regisseur Brian dePalma vor einem Kinoklassiker verbeugen.
Inhalt
Die erste bemannte Marsexpedition macht sich im Jahr 2020 unter dem Kommando von Luke Graham auf den Weg zum roten Planeten. Doch einige Monate nach der Landung kommt es zu einer schrecklichen Katastrophe, bei der scheinbar die gesamte Crew ums Leben kommt. Doch Lukes Freund und Kollege Jim McConnell will dies nicht glauben und überredet seine Vorgesetzten von der NASA zu einer Rettungsmission. Zusammen mit seinen Kameraden Woody Blake, dessen Freundin Terri Fisher und dem Ingenieur Phil Ohlmeyer macht McConnell sich auf dem Weg zum Mars. Dort angekommen müssen sie feststellen, dass Luke als einziger von der ursprünglichen Crew überlebt hat. Er hat in der Zwischenzeit eine Entdeckung gemacht, die den Ursprung der Menschheit in einem neuen Licht erscheinen lässt…
Rezension
Wenn es einen Science-Fiction Film gibt, der einen so nachhaltigen Einfluss auf das Genre hatte, dass er eine ganze Generation von Filmemachern inspirierte, dann ist es ganz zweifellos Stanley Kubricks 2001 – Odyssee im Weltraum von 1968. Im Verlauf all der Jahre, die seit seinem Erscheinen vergangen sind haben viele bedeutende Regisseure sich daran versucht ihre ganz eigenen, anspruchsvollen Sci-Fi Epen auf die Leinwand zu bringen, welche in Anlehnung an Kubricks Meisterstück atemberaubende Weltraumbilder mit einer Handlung kombinieren, die sich mit den großen Fragen der Menschheit beschäftigen, man denke nur an Christopher Nolans Interstellar, in dem der Einfluss von 2001 überdeutlich ist. Auch Nolan hatte den Ehrgeiz eine Geschichte zu erzählen, die das Bewusstsein des Zuschauers weitete und mit wissenschaftlich-philosophischen Fragen über das Wesen von Raum und Zeit und der Stellung des Menschen im Universum konfrontierte.
Im Jahr 2000, bereits vierzehn Jahre zuvor, versuchte sich der eigentlich auf realistische Thriller wie Die Unbestechlichen abonnierte Regisseur Brian dePalma an seiner eigenen Verbeugung vor 2001. Aber leider ging er dabei weit weniger subtil vor wie später Nolan.
Doch eins nach dem anderen.
1997 schickte die NASA den unbemannten Rover Pathfinder auf dem Mars und löste damit ein gewaltiges Medienecho aus, welches das Interesse der Öffentlichkeit an unseren Nachbarplaneten neu belebte. Daher dachte sich dePalma wohl es wäre der richtige Zeitpunkt gekommen filmisches Neuland zu betreten, sich an einem für ihn gänzlich neuem Genre zu versuchen und so vom Marshype zu profitieren. Und da 2001 die Messlatte für intelligente Science-Fiction Produktionen extrem hoch setzte, versuchte dePalma gar nicht erst diesen Überklassiker zu toppen und entschied sich stattdessen für den sicheren Weg. Anstatt eine gänzlich neuartige, innovative Geschichte zu erzählen beschränkte er sich darauf eine merkwürdige Mischung aus Ehrerbietung und Quasi-Remake zu inszenieren, welche sowohl inhaltlich als auch visuell zahlreiche Referenzen auf 2001 bot ohne dessen Geschichte freilich allzu direkt zu wiederholen.
dePalma war sich seiner Unerfahrenheit in diesem Genre wohl nur allzu bewusst und wagte wahrscheinlich auch aus diesen Grund keine Experimente, was dem Film aber leider alles andere als gut tat. Der geneigte Zuschauer hat das Gefühl hier dem krampfhaften Versuch zu zusehen es allen Recht machen zu wollen: Man wollte sowohl jenem Teil des Publikums eine Alternative bieten, dem 2001 zu langatmig und verkopft war, als auch die Zuschauer erreichen, die genug hatten von substanzlosen CGI Spektakeln, und denen es nach glaubhafter und intellektuell interessanter Genrekost dürstete.
Bedauerlicherweise hat sich dePalma für dieses ambitionierte Vorhaben drei Drehbuchautoren ins Boot geholt, die im Science-Fiction Genre ebenso neu waren wie er und bis dahin eher durch zwar gute, aber eben doch eher anspruchslose Actionfilme hervorgetreten sind: Die Brüder Jim und John Thomas zeichneten für den beinharten Schwarzenegger Kracher Predator verantwortlich, während Graham Yost das Skript des modernen Klassikers Speed von Jan deBont verfasste.
Das Dreigestirn hatte seine eine ganz eigene Herangehensweise an das Projekt, der man aber eben leider nur zu deutlich anmerkt, dass hier Autoren am Werk waren, die einfach nicht die geringste Erfahrung damit hatten eine Geschichte zu erzählen, die das Publikum nicht nur auf einer emotionalen, sondern eben auch auf einer gedanklichen Ebene erreichte.
Actionfilme leben nicht von ausgefeilten Handlungen, die den Zuschauer zum Nachdenken anregen, es geht in diesem Genre vor allem darum sie mit spektakulären visuellen Attraktionen zu fesseln, ohne in der Regel einen nennenswerten Mehrwert zu liefern. Bei Mission to Mars war man jedoch sichtlich bemüht genau das zu erreichen. Die Macher hatten den Ehrgeiz eine Art 2001 2.0 für die neue Generation von Filmfans zu präsentieren, die ganz andere Sehgewohnheiten haben und für die Kubricks Werk ein unzugängliches Rätsel ist, mit dem sie nicht wirklich etwas anfangen können. Aber mit diesem Versuch sind sie – man muss es leider so hart sagen – grandios gescheitert. Einer der größten Fehler des Streifens liegt daran, dass er, anders als Kubrick oder eben auch Nolan, der Intelligenz seines Publikums zu wenig vertraut. Es fehlt irgendwie das Rätselhafte, das Mysteriöse, welches wirklich große Science-Fiction ausmacht. Vor allem im Finale wird alles zu Tode erklärt, so das kein Mysterium mehr offen und dem Zuschauer kein Raum mehr für die eigene Imagination bleibt.
In diesen Zusammenhang ist auch anzumerken, dass dePalma weniger Wert auf wissenschaftliche Genauigkeit legte, denn die Auflösung ist streng genommen eigentlich ziemlicher Blödsinn.
Wenigstens in audiovisueller Hinsicht kann der Streifen überzeugen. Die zahlreichen visuellen Effekte sind, dem Budget und der Entstehungszeit des Film angemessen, extrem realistisch und eindrucksvoll. Und auch der Soundtrack von Altmeister Ennio Morricone gehört zu den positiven Aspekten des Films. Der berühmte Komponist versorge auch Mission to Mars mit markanten Klängen, welche die Opulenz der Bilder perfekt unterstreichen und einen echten „Sense of Wonder“ weckt.
Aber was nützt das alles, wenn das Drehbuch nichts spektakulär Neues zu erzählen hat und die Charaktere hochgradig schablonenhaft sind? Mit Routinier Gary Sinise, den Edelmimen Tim Robbins – der hier ebenfalls sein Science-Fiction Debüt gibt, – und der, leider nur in einem Kurzauftritt zu sehenden deutschen Schauspiellegende Armin Müller-Stahl, hat dePalma wahre Größen ihres Fachs vor der Kamera versammelt. Und sie alle gaben sich sichtlich Mühe aus ihren Material das Beste zu machen. Aber da ihre Dialog nicht mehr Tiefe besitzen als in einem typischen Neunziger Jahre Unterhaltungsfilm reicht auch dies nicht um den Film über das Mittelmaß zu heben.
Als Fazit bleibt festzuhalten, dass der Streifen sich an seinen eigenen Ambitionen verhebt. Der Versuch wirklich anspruchsvolle Science-Fiction zu produzieren scheiterte an der Visionslosigkeit der verantwortlichen Kreativen. Daher ist Mission to Mars zwar ein durchaus unterhaltsames, aber inhaltlich plattes Werk mit einer vorhersehbaren Handlung und einem Mangel an wirklich großen Ideen. Wer jedoch einfach nur einen netten Genrefilm, ohne großen Mehrwert sehen will, der wird an dePalmas Weltraumausflug sicher gefallen finden. Aber das ist bei weitem nicht genug für einen Film, der sich vorgenommen hat mit 2001 gleichzuziehen.
Info
Regie: Brian dePalma
Drehbuch: Jim & John Thomas und Graham Yost
Produktion: Tom Jacobson
Musik: Ennio Morricone
Kamera: Stephen H. Burum
Schnitt: Paul Hirsch
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