In einem Wachsfigurenkabinett werden Horrorfiguren lebendig.
Wachsfiguren des Grauens
Als Sarah Brightman (Deborah Foreman) und ihre Freundin China Webster (Michelle Johnson) an einem Wachsfigurenkabinett vorbeikommen, erhalten sie von dessen Besitzer David Lincoln (David Warner) eine Einladung zu einer Privatführung. Sie dürfen dazu vier weitere Freunde mitbringen. Mark Loftmore (Zach Galligan), Tony (Dana Ashbrook), Gemma (Clare Carey) und James (Eric Brown) lassen sich darauf ein, doch schnell bekommen sie ein mulmiges Gefühl. James und Gemma verabschieden sich, noch bevor die anderen hineingehen.
Die restlichen vier Jugendlichen werden von einem kleinwüchsigen und einem hochgewachsenen Mitarbeiter hereingebeten. Der Besitzer lässt sich nicht blicken, sodass sie allein auf Entdeckungstour gehen. Tony und China geraten kurz darauf in zwei der Wachsfiguren-Szenarien, die beim Übertreten der Barriere lebendig werden.
Tony bekommt es mit einem Werwolf zu tun und endet schließlich selbst als Figur in dem Szenario. China landet derweil in einem alten Gemäuer, wo ihr rohes Fleisch und Blut serviert werden. Zu spät stellt sie fest, dass es sich um Menschenfleisch handelt und ihre Gastgeber Vampire sind. Sie kann sogar einige von ihnen töten, erliegt jedoch am Ende Graf Dracula (Miles O’Keeffe). Sarah ist unterdessen von der Wachsfigur des Marquis de Sade fasziniert. Doch Mark drängt sie zum Verlassen des Museums.
Vom Verschwinden ihrer Freunde beunruhigt, informieren die beiden Detective Roberts (Charles McCaughan), der jedoch von Lincoln beschwichtigt wird. Chinas Freund Jonathan (Micah Grant) wird zwischenzeitlich bei der Suche nach ihr von Lincoln zum Phantom der Oper gestoßen, wo er stirbt. Der Polizist kehrt später noch einmal ins Kabinett zurück und nimmt Proben von Chinas Gesicht, die zur Wachsfigur erstarrt ist. Dabei wird er vom Besitzer erwischt und ins antike Ägypten versetzt, wo er Opfer einer Mumie wird.
Mark und Sarah entdecken derweil auf dem Dachboden seines Großvaters einen alten Zeitungsausschnitt, in dem Lincoln abgebildet ist. Er scheint seither um keinen Tag gealtert zu sein. Sie suchen daraufhin einen Freund von Marks Großvater auf. Sir Wilfred (Patrick Macnee) erklärt den beiden, dass Lincoln die Wachsfiguren ganz zum Leben erwecken will, sodass diese in die Realität übertreten und die Apokalypse einleiten können. Dafür braucht er insgesamt 18 Menschenopfer, von denen Sarah, Mark und ihre vier Freunde die letzten sechs sein sollten.
Um Lincolns Pläne zu vereiteln, wollen die beiden sein Wachsfigurenkabinett niederbrennen. Dabei werden sie jedoch voneinander getrennt und in zwei unterschiedliche Szenarien geworfen. Während Sarah in den Bann des Marquis de Sade gerät und sich bereitwillig auspeitschen lässt, muss Mark vor einer Horde Zombies flüchten. Es gelingt ihm, sich aus dem Szenario zu befreien, woraufhin er Sarah rettet. Doch zurück im Kabinett werden sie gefangen genommen und andere Opfer entfesseln die Wachsfiguren.
Im letzten Moment trifft die Kavallerie in Form von Wilfred und dessen Mitstreitern ein. Sie führen einen erbitterten Kampf gegen die zum Leben erwachten Monster. Im Verlauf der Schlacht opfert Wilfred sein Leben, damit die zwei Teenager entkommen können, während das Kabinett Feuer fängt und niederbrennt. Die Apokalypse scheint abgewendet, doch hat unbemerkt eine Zombiehand überlebt.
Bilder des Schreckens
Waxwork sollte nicht mit House of Wax (2005) verwechselt werden. Hier werden die Teenager nicht in Wachs getaucht, um Teil der Ausstellung zu werden, sondern werden auf magische Weise Teil der Wachsfiguren-Ausstellung. Es handelt sich also nicht um einen Slasher, sondern um einen Fantasy-Horror. Es gibt zwar einen gewissen humoristischen Unterton, doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Der Film bietet einige drastische Horrorszenen.
Im Werwolf-Szenario wird schon mal jemand brutal zerteilt und in der Vampirwelt lebendig seziert und gegessen. China würgt sogar unwissend einen Bissen Menschenfleisch herunter und findet später den gefesselten Spender, von dessen Beinen nur noch Knochen übrig sind. Solche Szenen können einem schon mal den Magen umdrehen. Andererseits sorgt genau dieser ernste Horror für eine morbide Faszination.
Weitaus befremdlicher ist der Geschichtsunterricht an der Schule, in dem gerade der 2. Weltkrieg dran ist. Der Lehrer (Buckley Norris) hat dabei nicht allen Ernstes das Klassenzimmer mit einer Hakenkreuzfahne dekoriert. In Deutschland wäre solches Anschauungsmaterial undenkbar! In der Schule macht Mark Loftmore übrigens keine allzu gute Figur. Als rauchender Draufgänger, der seine Hausarbeiten von anderen schreiben lässt, hat er absolut kein angemessenes Verhalten gegenüber Frauen. Zum Glück reift er durch die Horrorerlebnisse im Wachsfigurenkabinett noch.
Der Plot um die geplante Apokalypse, zu der es genau dreimal 6 Opfer braucht, was natürlich die Zahl des Teufels 666 ergibt, wirkt dabei etwas zu aufgesetzt. Der Film hätte auch ohne finale Schlacht zwischen Gut und Böse funktioniert. Bei der trifft die Kavallerie von Sir Wilfred natürlich genau rechtzeitig ein, um Sarah und Mark im letzten Moment zu retten. Wenn er und seine Freunde sowieso vorhatten, sich am Kampf zu beteiligen, warum hat er die zwei Teenager dann überhaupt erst allein losziehen lassen?
Trotz dieser kleinen Logikschwäche macht der Film dennoch Spaß. Man kann es gar nicht abwarten, welche Kreatur als nächstes zum Leben erwacht. Es sind wirklich alle Filmmonster dabei, vom Werwolf über Vampire bis zur Mumie und Zombies. Der Film lässt nichts aus und geizt nicht mit Seitenhieben auf Klassiker des Genres. Das mag sich nach jeder Menge Klischees anhören, doch werden diese unter dem erfrischenden Aspekt, dass es sich um Wachsfiguren handelt, neu definiert.
Starbesetzung
Mit einem Budget von 3,5 Millionen US-Dollar war Waxwork für die damalige Zeit durchaus gut ausgestattet und für den Cast konnten zwei große Namen gewonnen werden. Der Bösewicht Lincoln wurde von David Warner (1941-2022) gespielt. Dieser war zuvor schon im Horror-Klassiker Das Omen (1976) zu sehen und verkörperte in Time Bandits (1981) das Böse in Person. In Titanic (1997) gab er den ebenfalls wenig sympathischen Charakter Lovejoy, doch seine abscheulichste Rolle dürfte die des Reinhard Heydrich in der Mini-Serie Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss (1978) gewesen sein.
Star Trek-Fans sollte Warner als Föderationsbotschafter St. John Talbot aus Star Trek V: Am Rande des Universums (1989) bekannt sein. Im darauffolgenden Kinofilm Star Trek VI: Das unentdeckte Land (1991) war er als klingonischer Kanzler Gorkon dabei und in der TNG-Episode Geheime Mission auf Celtris Drei (1993) war er ebenfalls unter einer Latexmaske als Gul Madred zu sehen. Weiterhin hatte er Gastauftritte in Serien wie Babylon 5, Outer Limits und Doctor Who.
Fast noch bekannter dürfte Daniel Patrick Macnee (1922-2015) gewesen sein. Immerhin hatte er die Hauptrolle des John Steed in der britischen Kultserie Mit Schirm, Charme und Melone (1961–1969 sowie 1976-1977) und kehrte für den Kinofilm von 1998 zurück, allerdings in der Rolle des Invisible Jones. Einen weiteren britischen Agenten spielte er im James Bond-Film Im Angesicht des Todes (1985) an der Seite des 007-Darstellers Roger Moore (1927-2017). Mit Werwölfen bekam er es bereits in The Howling – Das Tier (1981) zu tun. Sci-Fi-Fans könnten ihn aus der Twilight Zone-Episode Das Geisterschiff (1959) sowie als Fürst Iblis aus Kampfstern Galactica (1978) kennen.
Während Macnee bei Im Angesicht des Todes dabei war, spielte John Rhys Davies im nächsten James Bond-Abenteuer Der Hauch des Todes (1987) als General Pushkin mit.
Der Werwolf aus Waxwork ist ebenfalls kein Unbekannter. Er hatte eine wiederkehrende Rolle in den Indiana Jones-Filmen Jäger des verlorenen Schatzes (1981), Der letzte Kreuzzug (1989) und Das Rad des Schicksals (2023). Am bekanntesten dürfte er jedoch für seine Rolle des Gimli aus den Der Herr der Ringe-Filmen (2001-2003) sowie seine Hauptrolle in der Serie Sliders (1995-2000) sein. Trekkies sollte er als Holodeckversion von Leonardo daVinci aus einigen Voyager-Episoden (1997) im Gedächtnis geblieben sein.
Unter den jungen Darstellern war Zach Galligan damals ebenfalls kein Unbekannter, spielte er zuvor doch die Rolle des Billy Peltzer im Kinohit Gremlins (1984), in die er für Gremlins 2 (1990) noch einmal zurückkehrte. In der Serie Gremlins – Secrets of the Mogwai (2023) war er immerhin noch in einer Nebenrolle zu sehen. In Waxwork II: Lost in Time (1992) war er ebenso wieder mit dabei. Das Horror-Genre hat es ihm wohl angetan, denn weiterhin hatte er noch einen Cameo-Auftritt in Hellraiser III (1992) und in Warlock – Satans Sohn kehrt zurück (1993). In Star Trek – Voyager hatte er in der Episode In Fleisch und Blut (1998) einen Gastauftritt als Ensign Gentry.
Marks Freundin Sarah wurde von Deborah Foreman verkörpert, deren Karriere dagegen direkt bescheiden ausfällt, absolvierte sie doch hauptsächlich Gastauftritte in Serien. Ähnlich sieht es bei China-Darstellerin Michelle Johnson aus, die u. a. in der Outer Limits-Folge Der Geruch des Todes (1996) zu sehen war.
Ebenfalls in Outer Limits dabei war Dana Ashbrook, dessen Nebenrolle Tony durchaus im Gedächtnis bleibt. Im selben Jahr wie Waxwork spielte er noch in Return of the Living Dead Part II (1988) mit. Später wurde er durch die Serie Twin Peaks bekannt und war auch im Kinofilm von 1992 dabei.
Trotz dieser beachtlichen Starbesetzung und der teuren Make-up- sowie Spezialeffekte scheiterte Waxwork an den Kinokassen, wo er nur knapp über 800.000 Dollar einspielte. Erst später avancierte er zum Kultfilm unter Horror-Fans. Regisseur Anthony Hickox (1959-2023) durfte vier Jahre später dennoch eine Fortsetzung drehen. Zeitgleich realisierte er Hellraiser III und drehte ein Jahr später Warlock – Satans Sohn kehrt zurück, bei denen er erneut mit Zach Galligan zusammenarbeitete.
Fazit zu Waxwork: Ein Horror-Klassiker
Waxwork ist einer von den Filmen, die man irgendwann einmal im Spätprogramm der 1990er gesehen hat und die einem seither im Gedächtnis geblieben sind. Heute laufen solche Klassiker kaum noch im TV. Umso erfreulicher ist es, dass es inzwischen eine Blu-Ray-Veröffentlichung gibt. Glücklicherweise unter dem Originaltitel und nicht dem irreführenden deutschen Titel Reise durch die Zeit. Was hat man sich in den 1980ern nur bei solchen Übersetzungen gedacht? Haben die Verantwortlichen den Film, in dem es absolut nicht um Zeitreisen geht, überhaupt gesehen? Zum Glück denkt man da heute anders und hat Waxwork gleich noch ein schickes Mediabook gegönnt. Es gibt sogar ein Double-Feature mit der Fortsetzung.
Info
Originaltitel: Waxwork
Drehbuch & Regie: Anthony Hickox
Musik: Roger Bellon
Kamera: Gerry Lively
Schnitt: Christopher Cibelli
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