Dies ist der Auftakt zu einer der ungewöhnlichsten MCU-Serien überhaupt.
Aus zwei Ideen mach eine Serie
Der Name Wonder Man dürfte nur wirklich eingefleischten Comicfans etwas sagen. Und das, obwohl die Figur schon seit Jahrzehnten in der Welt der Comics unterwegs ist, wo er eine durchaus abwechslungsreiche Geschichte durchgemacht hat. Er starb bei seinem Erstauftritt, wurde Jahrzehnte wiederbelebt, war mal Pazifist, hatte eine Liaison mit Wanda Maximoff und wurde zwischendurch auch wieder zu einem Schurken.
Ein MCU-Auftritt stand lange im Raum. James Gunn war ein Fan der Figur, weshalb er sogar in einer geschnittenen Szene in Guardians of the Galaxy vol. 2 ein Easteregg einbaute. Man sah da im Hintergrund ein Filmposter, auf dem niemand Geringeres als Nathan Fillion als Simon William präsentiert wurde.
Doch am Ende sollte es anders kommen. Der Ursprung zur endgültigen Serienadaption sollte nach dem Shang-Chi-Film passieren, als Regisseur Destin Daniel Cretton und Produzent Jonathan Schwartz darüber diskutierten, eine Fernsehserie basierend auf Ben Kingsleys Figur Trevor Slattery zu entwickeln. Gleichzeitig steckten jedoch auch die Produzenten Stephen Broussard und Brian Gay in der frühen Entwicklungsphase einer Fernsehserie basierend auf der Figur Simon Williams. Weshalb am Ende der Hauptverantwortliche bei den Marvel Studios für Streaming, Fernsehen und Animation, Brad Winderbaum, sich dazu entschloss, die beiden Ideen miteinander zu verschmelzen.
Ein neuer Ansatz und seine Konsequenzen
Im Dezember 2021 unterschrieb Destin Daniel Cretton einen Vertrag mit Marvel, auf dass er für das Studio mit seiner frisch gegründeten Produktionsfirma mehrere Serien entwickeln sollte. Eine der ersten sollte dabei eine Comedyserie sein, für die im Juni 2022 Andrew Guest als Mitentwickler und Head Writer angeheuert wurde.
Im Oktober 2023 veränderte Marvel seinen Ansatz, was die Serien anging. Man setzte jetzt auf Reihen, die über mehrere Staffeln gehen sollte und einen klassischen Showrunner hatten. Und bei Wonder Man wurde Andrew Guest Letzteres, wobei die Serie immer noch erst mal nur für seine Season konzipiert wurde. Im Oktober 2025 wurde die Reihe schließlich offiziell angekündigt. Ursprünglich für Dezember des Jahres, doch dann wurde sie um einen Monat verschoben, um dem Programm für die Feiertage aus dem Weg zu gehen.
Was das Casting anging, war von vornherein klar, dass Ben Kingsley seine Figur als Trevor Slattery aus Shang-Chi wieder aufnehmen würde. Weshalb die Frage offen war, wer die Titelrolle übernehmen würde. Die Wahl fiel auf Yahya Abdul-Mateen II, einen Schauspieler, der bereits einiges an Erfahrung mit Superheldenadaptionen hatte. Er war in Aquaman (2018) und Aquaman and the Lost Kindgom (2023) der Schurke Black Manta. In der HBO-Miniserie Watchmen spielte er Doctor Manhattan. Ebenso trat er in The Matrix Resurrections (2021) als Morpheus auf und wirkte in The Handmaids Tale und Black Mirror mit. Sein Casting dürfte in einigen Kreisen des Internets vermutlich für Herzrasen gesorgt haben, da die Figur in der Comicvorlage ein Weißer ist. X Mayo wurde zu Simons Agentin Janelle Jackson, derweil Zlatko Burić (Superman (2025)) zu dem exzentrischen Regisseur von Kovak wurde. Arian Moayed (Ms. Marvel) trat wieder als Damage Control-Agent P. Cleary auf und Byron Bowers (The Eric Andre Show) übernahm die Rolle von DeMarr Davis aka Doorman. Joe Pantoliano (The Matrix) und Josh Gad (Frozen) stellten ihre fiktionalen Gegenstücke dar.
Ungewöhnlich
Simon Williams ist ein Schauspieler, dessen Karriere ins Stocken gekommen ist. Aus seiner neusten Rolle wurde er gefeuert, weil er seine Figur überdacht und deshalb die Produktion verzögert hat. Und als er nach Hause kommt, überrascht er seine Freundin dabei, wie sie gerade aus ihrer gemeinsamen Wohnung auszieht. Kurz: Sein Leben geht aktuell den Bach runter.
Doch dann trifft er auf Trevor Slattery, der ihn darauf aufmerksam macht, dass der Filmemacher von Kovak ein Remake von Wonder Man drehen will. Da Simon ein Fan der Figur von Kindheitsbeinen an ist, versucht er sofort, Teil des Casts zu werden. Doch wieder droht er seine Rolle zu überdenken, bis eine erneute Begegnung mit Slattery ihn dazu bringt, davon abzulassen. Er kriegt die Rolle und bedankt sich bei dem Schauspielkollegen. Dieser arbeitet in Wahrheit allerdings für das Department of Damage Control, die der Auffassung sind, dass Simon Williams Kräfte besitzt und deshalb eine Gefahr für die Öffentlichkeit ist.
Mit Matinee fängt eine der ambitioniertesten MCU-Serien überhaupt an. Wonder Man ist keine klassische Superheldenserie, wie beispielsweise Hawkeye oder Daredevil: Born Again. Es geht hier jetzt nicht darum, dass man die Entstehung eines Heldens oder die neusten Abenteuer eines solchen erlebt. Stattdessen sieht man hier eine sehr feine Comedyreihe, in der der Humor sachte daherkommt, ohne dabei auch nur ein einziges Mal ins Brachiale abzugleiten.
Ein liebenswerter Looser
Im Fokus der Auftaktepisode stehen vor allem die Figuren, also Simon Williams und Trevor Slattery. Zwei vollkommen unterschiedliche, ja gegensätzliche Charaktere, die dann aber über ihre Liebe zur Schauspielerei und ihren Wunsch, ihre Karriere zu retten, zueinander finden.
Simon Williams selbst kann man als einen liebenswerten Looser bezeichnen. Er ist jemand, der sich selbst im Weg steht, dies aber so nicht wahrnimmt. Der auf die Schicksalsschläge wie überwältigt reagiert, nur um dann die Chance wahrzunehmen, die sich ihm bietet. Wobei er diese ohne die Hilfe von Trevor Slattery ebenso versaut hätte. Von Anfang wirkt die Figur sympathisch und gefällt einem.
Wobei natürlich die Frage berechtigt ist, wie es mit den Kräften aussieht. In den Comics ist Simon Williams superstark und sein Körper besteht aus ionischer Energie. Davon ist in der Auftaktfolge noch nichts zu sehen. Es wird nur eine Szene eingebaut, wo angedeutet wird, dass er über außergewöhnliche Kräfte verfügt. Aber ansonsten hält sich die Serie zu Beginn noch sehr zurück.
Die Chemie passt
Über Ben Kingsley muss man eigentlich nicht viel sagen. Er ist ein Schauspielveteran, der jedes Mal überzeugen kann. So auch dieses Mal. Sein Trevor Slattery ist jemand, der weiß, dass er Fehler gemacht hat, aber wegen der ständigen Erwähnung von diesen genervt ist. Dass er ein Schauspielveteran ist, merkt man an dem Tipp, den er Simon gibt, damit dieser die Rolle erhält.
Die Chemie zwischen ihm und Yahya Abdul-Mateen II ist auf jeden Fall schon mal großartig. Man kann richtig sehen, wie die beiden innerhalb der Folge langsam zu Freunden werden. Was sicherlich noch in Zukunft wichtig wird.
Wobei Wonder Man nicht nur von den Schauspielern lebt, sondern auch von dem Blick hinter die Kulissen von Hollywood. Das mag zwar etwas überspitzt dargestellt worden sein und eben im Rahmen des MCUs, aber es ist dennoch interessant, wenn man so sieht, wie eben eine solche Produktion stattfinden kann, wie so ein Vorsprechen für eine Rolle aussehen kann und welche Funktion auch eine Schauspielagentur haben kann.
Es ist ein großartiger Auftakt, bei dem man sich jetzt schon auf die kommenden Episoden freut.
Informationen:
Drehbuch: Andrew Guest
Regie: Destin Daniel Cretton
Showrunner: Andrew Guest
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